Haushaltsdebatte im Bundestag: Man kann gar nicht so viel fressen, wie man …

Wie traurig es um unser Land bestellt ist, zeigte die vollkommen verrückte Diskussion in der Haushaltsdebatte des Bundestages.

Der Unionsfraktionschef Thorsten Frei begründete die Kriegspolitik der Bundesregierung laut „Die Zeit“ so: „Wir schützen unser Land, bei Ihnen ist es in Gefahr.“ Die Bundesregierung gebe den Geheimdiensten „echte Befugnisse, damit sie in der Lage sind, uns zu schützen“. Er fügte hinzu: „Nicht weil ich den Krieg will, sondern den Frieden.“ Damit behauptete er die bekannte frei erfundene Mär von der Bedrohung durch Russland. Diese dient dazu, den Rüstungsetat zu Gunsten  von Millionären und Rüstungsaktionären ins Absurde aufzublähen und das Geld durch Kürzungen bei Rente, Krankenkassen und allen Sozialgesetzen, die für die Arbeiterklasse in unserem Land von Bedeutung sind, zu holen.

Diesen Zusammenhang stellte die AFD nicht her. Sie betrachtet die schon so drastisch gekürzten Sozialausgaben als immer noch zu hoch. Und bei den Rüstungsausgaben kritisiert sie, dass damit die Kriegsindustrie subventioniert werde. Als ob das nicht immer so wäre; denn der Staat ist nun mal der einzige Kunde der Rüstungsindustrie und der lässt sich mit den Politikern, die wir nun mal haben, willig melken.

Sören Pellmann von den Linken kritisiert zwar, dass die Politik dem Leitsatz „Kanonen statt Butter“ folge, aber beim Sozialstaat nach wie vor den „Rotstift“ ansetze. „Wer beim Sozialstaat kürzt, kürzt auch bei der Kaufkraft“, sagt Pellmann und stellte damit die Verbindung zum wirtschaftlichen Niedergang her. Aber die Kriegspolitik, die den Krieg Russlands gegen die Ukraine langsam zu einem Krieg Deutschlands gegen Russland macht, kritisierte er nicht.

Das wiederum tat Alice Weidel, die AFD-Chefin, als sie der Bundesregierung vorwarf: „Während die USA einen weiteren Versuch unternehmen, den mörderischen Ukraine-Krieg zu beenden, verschärfen Sie die Kriegspropaganda, die Konfrontation mit Russland und brechen auch noch die letzten Brücken ab…. Setzen Sie sich endlich für Friedensverhandlungen ein, wie es die USA tun!“ Das provozierte laut Junge Welt den Linke-Kofraktionsvorsitzenden Sören Pellmann zu dem Zwischenruf: „Da ist Trump das schlechteste Beispiel!“, womit er sich ein Armutszeugnis ausstellte.

Hier sei an die Aussage von Corinna Bittner in ihrer Rede zum Antikriegstag auf dem Begräbnisplatz Esterwegen erinnert, als sie äußerte, wir müssten Frieden und Gewaltlosigkeit nicht in ihrer Absolutheit einfordern, wenn wir unseren Humanismus vertreten wollten und uns eine friedlichere Welt wünschen. „Wir brauchen jeden Pazifismus, jede Kritik am Krieg und jedes noch so vorsichtige Hinterfragen.“

Die SPD plädierte in der Debatte für ein Weiter-so mit allen Kürzungen und Kriegsspielen, die Grünen gefielen sich darin, einige Kleinigkeiten herauszupicken und diese als große Kritik vorzutragen.

Die Debatte zeigte also deutlich, warum das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt so ist, wie es ist: SPD/CDU/Grüne wollen den Sozialabbau, das „gesparte“ Geld in die Rüstung stecken und den Krieg in der Ukraine nicht beenden, sondern so eskalieren, dass Deutschland in den Krieg hineingezogen wird. Die Linke sieht den Zusammenhang zwischen Rüstung und Sozialabbau, sieht, welche Verheerungen dadurch angerichtet werden, aber traut sich nicht zu kritisieren, dass der Grund für die Rüstung – die angebliche Gefahr durch Russland – ein reines Phantom ist, das die Aufrüster und amerikanische Think-Tanks über Jahre entwickelt haben.

Die AFD nimmt sich heraus, all diese Bausteine zu kritisieren, aber in sich vollkommen widersprüchlich, mit irgendwelchen reaktionären Begründungen und ohne sinnvolle Zusammenhänge herzustellen. Sie bedient damit aber das diffuse oder auch ohnmächtige Unbehagen an den Ergüssen der Regierungspolitiker und stellt so die Zustimmung zur AFD her.

Es sieht tatsächlich so aus, als ob derzeit allein das BSW in der Lage ist, diese Zusammenhänge tatsächlich zu benennen. Aber dieser Partei wird ja durch die Verweigerung einer Neuauszählung der Stimmen zur letzten Bundestagswahl die Möglichkeit genommen, dies im Bundestag zu tun. [jdm]

Finanzamt droht der VVN-BdA mit der Aberkennung der Gemeinnützigkeit

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist*innen (VVN-BdA) steht in der Tradition der Widerstandskämpferinnen und Verfolgten des Nationalsozialismus, die die Vereinigung 1947 gegründet haben. Ihr Vermächtnis „Nie wieder!“ ist Auftrag und Verpflichtung. Deshalb setzt sich die VVN-BdA unermüdlich gegen Rassismus, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Faschismus ein. Das war den Regierenden schon immer ein Dorn im Auge.

Das Finanzamt Berlin entzog im November 2019 dem Bundesverband der VVN-BdA die Gemeinnützigkeit, was aber nach heftiger Kritik und einem erfolgreichen Widerspruch im Jahr 2021 wieder zurückgezogen wurde.

Das Berliner Finanzamt für Körperschaften I fordert jetzt von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist*innen (VVN-BdA) eine vorzeitige Abgabe der Steuererklärung für die Jahre 2024 und 2025 und droht damit, ihr die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Begründet wird dieser Schritt damit, „dass auch die aktuelle Kampagne zum AfD-Verbot sowie die damit im Zusammenhang stehenden Aktivitäten der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) e.V. deren Gemeinnützigkeit gefährden kann.“

„Das ist ein Angriff auf die demokratische Zivilgesellschaft. Für uns ist klar: Engagement gegen die im Kern faschistische AfD ist mit gemeinnützigen Zwecken vollkommen vereinbar – mehr noch: ein AfD-Verbot ist notwendig, um Demokratie und die Achtung der Menschenrechte zu bewahren.“ Florian Gutsche (Bundesvorsitzender der VVN-BdA)

Dieser Angriff kommt, nachdem der rechtskonservative Jura-Professor Boehme-Neßler (SPD-Mitglied und AfD-Apologet) „die Berliner Finanzverwaltung“ bereits im Juni aufgefordert hatte, die Prüfung der Gemeinnützigkeit zu veranlassen und anschließend verschiedene extrem rechte Medien von Apollo News über die Junge Freiheit bis Nius und zuletzt die Tageszeitung DIE WELT dies aufgegriffen hatten. [jdm]

Anti-AFD-Rhetorik ist nicht automatisch links oder demokratisch

Da hat es der Mann zu seiner Lebensaufgabe gemacht, den Krieg in der Ukraine so lange wie möglich am Laufen zu halten. Da ist er stolz darauf, das Deutschland durch Umwandlung ziviler wertschöpfender Industrie in unproduktive Rüstungsindustrie deindustrialisiert wird. Da möchte der Mann hunderttausende junge Menschen in einen Zwangsdienst pressen und darauf trainieren, ihr Leben in einer Sprengstoffexplosion zu verlieren oder durch Verstümmelung zu zerstören. Da redet der Mann kein Wort darüber, dass sein Militär mit den Fahrzeugen, Fluggeräten, Raketen und Umweltzerstörungen zu den größten Klimakillern gehört. Und die deutsche Presse feiert ihn ständig als Hoffnungsträger der regierenden politischen Klasse, er wird hofiert und hochgeschrieben.

Vor 15 Jahren noch hätte alles, was dieser Mann heute macht, als hochgefährliche Rechtspolitik gegolten.

Vor 15 Jahren galt der Kampf gegen Krieg als links. Die Umwandlung von Rüstungsindustrie und –objekten in zivile Produktionsanlagen (z. B. ehemalige Kaserne in Sögel) galt als zukunftsorientiert. Den Staat dazu zu bringen, das Leben der Bürger besser zu machen, die jungen Menschen gebildeter zu machen und das Klima zu schützen, galt als links.

Und jetzt stellt sich dieser Mann hin und gebärdet sich als Kämpfer gegen Rechts. Pistorius hat sich einen gleich gesinnten Renegaten der Grünen, Cem Özdemir, geholt, um zusammen mit ihm den Vorschlag zum Verbot des völkischen Flügels der AFD bzw. der „eindeutig völkischen Landesverbände“ der AfD in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg zu veröffentlichen.

Dieser Vorschlag ist vollkommen unredlich:

  1. Beide müssten sich selbst mitverbieten
  2. Ein AFD-Verbot ist vollkommen unrealistisch, weil man damit bis zu 40% der Bevölkerung ihre politische Vertretung entziehen würde, weil ein Verbotsverfahren die AFD und ihre Anhänger in eine Opferrolle drängen würde, weil es politisch dafür keinen Konsens gibt und rein rechtlich ein Verbot keineswegs abgesichert ist.
  3. Pistorius und Özdemir wissen das und tun so, als ob sie mit der Fokussierung auf die völkischen Landesverbände eine tolle Idee hätten. Die Argumente von 2. gelten hier aber genauso.
  4. Pistorius und Özdemir wollen nur davon ablenken, dass ihre eigene Politik ursächlich für den Aufstieg der AFD ist. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland lehnt die Unterstützung des Krieges, die Aufrüstung, die Wehrpflicht und die Finanzierung der Kriegswaffen durch den Sozialabbau ab. Ein Teil der Menschen glaubt nicht mehr, dass die Parteien des bürgerlichen Lagers und der Sozialdemokratie und ihrer Ableger (Linke, Grüne) noch in der Lage sind, vom Kriegskurs und vom Sozialabbau abzuweichen. Sie wählen stattdessen die AFD und glauben ihren Versprechen. Deren Wahlprogramme – so weit vorhanden – werden eher nicht studiert.

Viele Menschen konnten bisher mit dieser Strategie durch die Regierenden in eine Zwangsgemeinschaft gezwungen werden. Sie wollen einen Aufstieg der AFD bzw. der extremen Rechten verhindern. Und die Umarmungstaktik der Typen à la Pistorius und Özdemir macht sie unversehens zum Verteidiger der sozialfeindlichen und Kriegspolitik der CDU/SPD/Grünen. Die Linken, die zwar die Sozialpolitik der Regierenden kritisieren, fallen ständig auf diese Vereinnahmungspolitik herein.

Das BSW (ehemals Bündnis Sahra Wagenknecht) wird erfolgreich bekämpft. Sie kämpfen innerparteilich darum, wie man diese Falle umgehen kann. Die Presse macht daraus eine AFD-Nähe, die zwar vollkommen absurd ist, aber welcher Zeitungsleser macht sich schon die Mühe, seine von der Zeitung unterstützten Vorurteile zu überprüfen. Und linke Kreise gefallen sich darin, das BSW wegen seiner Positionen zur Migration (die deutlich weniger repressiv als die von CDU/SPD/Grüne ausfallen), als rechts zu diffamieren. [jdm}

MdB Maik Brückner: Der völkische Flügel hat innerhalb der AFD zugelegt

Maik Brückner, MdB (Die Linke)
Maik Brückner, MdB (Die Linke)

Über „Die extreme Rechte als Bedrohung für queeres Leben“ referierte der Linken-Bundestagsabgeordnete Maik Brückner am Montag im Bürgerzentrum Obenende in Papenburg. Queerfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und rechte Hetze seien eine immer stärker werdende Gefahr. Die extreme Rechte brauche Minderheiten, die sie für Missstände in der Gesellschaft verantwortlich machen könne. Das rechte Weltbild sei nicht wirklich konsistent, sondern in sich widersprüchlich. Das gelte auch für diejenigen, die den Rechtsruck, der in immer weitere Teile der Mitte vordringe, mitmachten.

Er habe beobachtet, dass sich die rechtsextremen Gruppen, die sich zum Teil aus Jugendlichen im Teenageralter zusammensetzten, als neue Feindbilder auf queere Lebensentwürfe konzentrierten. Hier werde vordergründig nicht in erster Linie gegen Migranten oder gar antisemitisch argumentiert, sondern queere und Transgender-Personen spielten in der Agitation die Hauptrolle. Und das funktioniere so gut, weil kaum jemand über diese Lebensentwürfe Bescheid wisse, so dass man alles Mögliche behaupten könne. Gegen schwule und lesbische Menschen zu hetzen funktioniere dagegen nicht mehr, weil sich die Gesellschaft hier schon sehr in Richtung Emanzipation und Akzeptanz entwickelt habe. Jeder Mensch kenne mittlerweile homosexuelle Personen, so dass die absurden Behauptungen nicht mehr verfangen könnten.

Die AFD stelle diese Hetze in letzter Zeit auch immer mehr in den Mittelpunkt ihrer Anträge auf allen Parlamentsebenen. Und gleichzeitig gebe es auch homosexuelle Funktionsträger. Ihre Aufgabe sähen sie häufig darin, ein reaktionäres Weltbild aus Männlichkeitswahn und untergeordneter Rolle der Frauen zu propagieren.

Die Hetze der AFD und anderer rechtsextremer Gruppen und Personen verfange natürlich so gut, weil viele Menschen durch die Politik des Sozialabbaus verunsichert und konkret in ihrem Leben beeinträchtigt seien. Von den Regierenden würden keine Lösungen angeboten  und so könnten die ADF und die gesamte Rechte relativ widerspruchslos ihre Sündenböcke präsentieren.

In der Diskussion wurde kritisiert, dass die Linke in ihrem Kampf gegen das Erstarken der AFD den Schulterschluss mit den Regierungsparteien SPD und CDU suche. Diese Parteien praktizierten doch eine neoliberale Politik gegen die Arbeiterklasse und unterschieden sich von der ebenfalls neoliberalen Programmatik der AFD nur noch graduell. Indem vom gemeinsamen Kampf gegen Faschismus gesprochen werde, werde die arbeiterfeindliche Politik der CDU verharmlost. Dabei werde das Bild vieler AFD-Wähler verfestigt, dass nur die AFD Opposition gegen die Regierungspolitik betreibe.

Brückner war mit diesem Einwand nicht einverstanden. „Ich hätte das vor einem Jahr noch unterstützt.“ Aber in der AFD habe sich seit einem Jahr der völkische Höcke-Flügel bei allen Personalentscheidungen durchgesetzt. Damit habe sich auch die Gefährlichkeit der AFD für die Demokratie erhöht. Das zeige sich auch in der Beurteilung der AFD durch Rechtsparteien in anderen Ländern Europas. Der italienischen und französischen Rechten sei die AFD einfach zu krass. [jdm]

AfD in Dörpen: Anhänger wollen sich nicht öffentlich zeigen

In den vergangenen Wochen wurde in Dörpen viel darüber spekuliert, ob die AfD eigene Kandidaten für die Gemeinde- und Samtgemeinderatswahl aufstellen würde. Auch in der Verwaltung in Dörpen häuften sich zum Ende der Einreichungsfrist am 20.07.2026 entsprechende Anfragen, berichtete Wahlleiter Heinz-Hermann Lager einleitend am 22.07.2026 bei der öffentlichen Sitzung des Wahlausschusses zur Zulassung von Wahlvorschlägen für die Kommunalwahl am 13.09.2026. Die Alternative für Deutschland (AfD) werde aber bei der Kommunalwahl in der Gemeinde und der Samtgemeinde Dörpen nicht antreten, war seinen Worten zu entnehmen.

Doch was sind die Gründe dafür, dass die Partei keine Kandidaten für die Kommunalwahl in der Samtgemeinde aufstellen konnte? Namen kursierten in der Gemeinde, aber der Schritt in die Öffentlichkeit mit einer eigenen Kandidatur schien für die möglichen Kandidaten zu groß. Diese Annahme wurde am vergangenen Freitag am AfD-Wahlstand auf dem Papenburger Wochenmarkt bestätigt: „Die wollen ihr Gesicht nicht zeigen“, lautete die Erklärung.

Den konservativen Parteien – allen voran der CDU – dürfte die Zurückhaltung der AfD-Anhänger in Dörpen gefallen, denn sie hätten wohl reichlich Stimmen an die Rechtsaußen-Konkurrenz verloren. In welchem Umfang die verhinderte Abwanderung der Wähler nach rechts hätte ausfallen können, lassen die Ergebnisse der AfD in der Samtgemeinde Dörpen bei den letzten Wahlen erahnen: Bei der Wahl zum Europaparlament im Juni 2024 erreichte die AfD hier etwa 14 %, bei der Bundestagswahl im Februar 2025 waren es sogar 19 %. Bei der Kommunalwahl ist allerdings die persönliche Bekanntheit von Kandidaten bei den Wählern mitentscheidend – es müssten bekannte Gesichter sein. Ob die AfD in der Samtgemeinde Dörpen Kandidaten mit einem ähnlich hohen Bekanntheitsgrad wie die nun zur Wahl antretenden Kandidaten anderer Parteien oder Einzelbewerber hätte finden können, ist zu bezweifeln. Und ob die Personen zu den Gesichtern dann wirklich bei der Wahl „gezogen“ hätten, scheint ebenfalls fraglich.

Rückschlüsse wird man am 13.09.2026 abends mit den Ergebnissen der AfD-Kandidaten für den Kreistag ziehen können. Ob die AfD mit den verhinderten Kandidaten in Dörpen den gleichen Stimmenanteil bei der Gemeinde- bzw. Samtgemeinderatswahl erzielt hätte, bleibt dann aber immer noch Spekulation. Ebenso ist es müßig, darüber zu spekulieren, ob die wieder zu erwartende CDU-Mehrheit auf Gemeinde und Samtgemeindeebene durch die AfD gefährdet worden wäre. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Beschäftigungswachstum wird von ausländischen Arbeitnehmern getragen

In einer Pressemitteilung stellt die Arbeitsagentur fest, dass der demografische Wandel den deutschen Arbeitsmarkt grundlegend verändert. Die Zuwanderung von Arbeits- und Fachkräften trägt maßgeblich dazu bei, die Folgen dieser Entwicklung abzufedern. Das Beschäftigungswachstum wird seit 2024 ausschließlich von ausländischen Beschäftigten getragen, während sich die Beschäftigungsentwicklung deutscher Staatsangehöriger infolge der demografischen Alterung zunehmend abschwächt.

Es wäre zu hoffen, dass diese Pressemitteilung auch den CDU- und SPD-Ministern der Bundesregierung vor die Augen kommt, bevor sie ihre nächste migrantenfeindliche Gesetzgebung und ihre nächsten Abschiebelager in Afrika planen. Auch die AFD-Mitglieder bzw. -Wähler könnten mal darüber nachdenken, wer eigentlich ihre Angehörigen pflegen soll oder im Restaurant kochen soll, wenn ihre Pläne realisiert werden.

Immer mehr Menschen scheiden altersbedingt aus dem Erwerbsleben aus, während deutlich weniger junge Menschen nachrücken. Dadurch gewinnt die Zuwanderung von Arbeits- und Fachkräften für die Beschäftigungsentwicklung und die Fachkräftesicherung weiter an Bedeutung.

Zwischen 2014 und 2024 ist die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter mit deutscher Staatsangehörigkeit um rund 3,9 Millionen zurückgegangen. Gleichzeitig nahm die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter mit ausländischer Staatsangehörigkeit um rund 3,4 Millionen zu. Ohne Zuwanderung wäre das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland also bereits deutlich geschrumpft.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Beschäftigung wider. Zwischen Juni 2014 und Juni 2025 wurde der Beschäftigungsaufbau überwiegend von ausländischen Beschäftigten getragen. 43 Prozent des Beschäftigungswachstums entfielen auf Staatsangehörige aus Drittstaaten – rund ein Drittel davon kommen aus den acht Asylherkunftsländern, weitere 26 Prozent auf Beschäftigte aus den Mitgliedstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums sowie der Schweiz. Rund ein Drittel des Beschäftigungszuwachses wurde von deutschen Beschäftigten getragen.

Neben der Zuwanderung hat auch die steigende Erwerbsbeteiligung zur positiven Beschäftigungsentwicklung beigetragen. Sowohl bei deutschen als auch bei ausländischen Staatsangehörigen ist die Beschäftigungsquote in den vergangenen Jahren gestiegen. Gleichzeitig konzentrieren sich Beschäftigungszuwächse deutscher Staatsangehöriger aufgrund der Alterung der Bevölkerung zunehmend auf ältere Altersgruppen. Jüngere Beschäftigtenjahrgänge werden dagegen immer stärker durch Zuwanderung geprägt.

Zuwanderung trägt zudem dazu bei, den Arbeitskräftebedarf in vielen Berufen zu decken. Während deutsche Beschäftigte insbesondere in hochqualifizierten Tätigkeiten Zuwächse verzeichnen, gleichen ausländische Beschäftigte Rückgänge bei Helfer- und Fachkrafttätigkeiten zumindest teilweise aus. Ihr Anteil an den Beschäftigten in Engpassberufen hat sich seit 2014 von sieben auf rund 14 Prozent verdoppelt. [jdm]

CDU/CSU stimmen im EU-Parlament mit den Faschisten

Die Fraktion von CDU und CSU im Europaparlament hat mit Unterstützung rechter und faschistischer Parteien ein Gesetzesprojekt zur Verschärfung der EU-Asylpolitik vorangetrieben. Mit der Abstimmung soll unter anderem die Abschiebung von Asylsuchenden in sogenannte Return Hubs in Staaten außerhalb der EU ermöglicht werden. Auf der Grundlage dieses Beschlusses sollen die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten Gesetzestexte erarbeiten, wie man unbeteiligte Staaten außerhalb der EU dazu überreden, dafür bezahlen oder erpressen kann, Flüchtlinge aus der EU in Lagern aufzubewahren. Nach der Abstimmung jubelte die rechte Hälfte des EU-Parlaments: wegen des Inhalts und wegen der Zusammenarbeit von bürgerlichen Rechten mit den Faschisten.

Abgelehnte Asylbewerber könnten so nicht nur in ihre Heimatstaaten, sondern auch in Länder abgeschoben werden, zu denen sie keine Verbindung haben, beschreibt ZDFheute.de die Konsequenzen.

Pro Asyl beschreibt den Beschluss so: „Mit den sogenannten Return Hubs plant die Bundesregierung nichts anderes als Abschiebelager außerhalb von rechtsstaatlichen Bedingungen: Pauschale Inhaftierungen, fehlender Zugang zu Rechtsschutz, Intransparenz sowie das Ausbleiben demokratischer Kontrolle führen zur systematischen Entrechtung der Betroffenen. Es darf keine solchen ‚rechtsfreien Zonen‘ außerhalb der EU geben.“

Das gemeinsame Vorgehen der CDU, die sich vor zwei Jahren bei den großen Demonstrationen gegen die AFD noch gegen eine Zusammenarbeit verwahrte, mit den Faschisten wird vom Chef der christdemokratischen EVP-Fraktion Manfred Weber damit begründet, das Gesetz sei nicht verändert worden in einer Zusammenarbeit mit der AfD, sondern es seien Positionen der „EVP pur“.

Und genau das macht diesen unmenschlichen Beschluss keine Spur besser. [jdm]

Regierungsparteien und AFD stimmten gegen Mietwuchergesetzentwurf der Linken

Regierung und AfD Seite an Seite stimmten am 6. November im Bundestag gegen einen Gesetzentwurf der Linken zur Ahndung illegal hoher Mieten. Unterstützung erhielt der Gesetzentwurf von den Grünen. In namentlicher Abstimmung votierten 131Abgeordnete für den Entwurf, 440 Abgeordnete stimmten dagegen.

Die Fraktion Die Linke verlangte, Paragraf 5 des Wirtschaftsstrafgesetzes zu verschärfen. Auf das Erfordernis der Ausnutzung eines geringen Angebots an vergleichbaren Räumen solle verzichtet und stattdessen bei der Frage der Unangemessenheit auf ein objektives Kriterium, nämlich das Vorliegen eines geringen Angebots, abgestellt werden. Hierdurch würden die bestehenden Beweisprobleme erheblich entschärft. Darüber hinaus verlangt die Fraktion eine Erhöhung des Bußgeldrahmens auf 100.000 Euro.

Das als Ordnungswidrigkeitstatbestand ausgestaltete Verbot der Mietpreisüberhöhung im Paragrafen 5 des Wirtschaftsstrafgesetzes sei bisher in der Praxis weitgehend wirkungslos geworden. Hauptgrund dafür sei die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, der sehr hohe Anforderungen an das Tatbestandsmerkmal der Ausnutzung eines geringen Angebots an vergleichbaren Räumen durch Vermietende stelle.

Die Linke kündigte als Konsequenz aus der Untätigkeit der Regierung große Mietenkampagne als Kampfansage an Immobilienkonzerne und dreiste Vermieter an. [jdm]

„Entscheidet Euch!“: Flugschrift gegen Rechtsextremismus – Journalist Hermann Vinke stellt neue Publikation in Gedenkstätte Esterwegen vor

Hermann Vinke, Cover
Hermann Vinke

Unter dem Titel „Entscheidet Euch!“ erscheint am Sonntag, 9. November, im Metropol Verlag Berlin eine Flugschrift, die sich im Vorfeld der fünf Landtagswahlen im nächsten Jahr an Wählerinnen und Wähler in Ost- und Westdeutschland richtet. Nach Ansicht ihres Verfassers Hermann Vinke kann sich bereits 2026 entscheiden, ob Freiheit und Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland noch Bestand haben oder sich das Land in Richtung eines autoritären Staates entwickelt.

Der aus dem emsländischen Rhede stammende Hermann Vinke stellt am Dienstag, 18. November, um 18.30 Uhr seine Publikation mit anschließender Diskussion in der Gedenkstätte Esterwegen vor. Vinke, Journalist und Autor zahlreicher Bücher zum Widerstand im Dritten Reich und zur DDR-Geschichte, macht in der Schrift eine Reihe von Vorschlägen, wie der Vormarsch von Rechtsextremisten und Neonazis gestoppt werden kann. Jungwählerinnen und Jungwähler dürften nicht länger im Netz demokratiefeindlichen Einflüssen ausgesetzt werden, betont der ehemalige ARD-Auslandskorrespondent und frühere Programmdirektor bei Radio Bremen. In ländlichen Regionen müssten „Anker-Personen“ gewonnen werden, um gegen die Unterwanderung ganzer Ortschaften durch Neonazis vorzugehen.

Für die sogenannte „Stille Mitte“ - gemeint sind Wählerschichten, die aus unterschiedlichen Motiven AfD wählen, aber noch nicht zum harten Kern der Partei zählen - nennt die Flugschrift eine Reihe von Überlegungen, wie diese Menschen, die keineswegs allesamt Nazis seien, durch neue Wege der Kommunikation für demokratische Parteien zurückzugewinnen sind.

Vinke vertritt die Auffassung, dass die parlamentarische Demokratie vor ihrer größten Herausforderung seit Kriegsende steht, dass ferner Freiheit und Rechtsstaatlichkeit in ganz Europa in Gefahr geraten, wenn Deutschland sich zu einem autoritären Staat entwickelt. Seine Flugschrift „Entscheidet Euch!“ sieht er in der Tradition von Stéphane Hessel, dem Widerstandskämpfer der Résistance und großen französischen Diplomaten. Hessel brachte 2010 die Streitschrift „Empört Euch!“ und 2011 „Engagiert Euch!“ heraus - Aufrufe, die damals vor allem bei jungen Menschen in Frankreich und Deutschland auf großen Widerhall stießen.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. [PM]

Verfassungsschutzamt statt Antifaschismus?

Die AFD wurde vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Die arbeiterfeindliche, neoliberale Politik der AFD, die sich um Arme und andere Opfer des kapitalistischen Systems nicht schert, ist aber nicht der Grund für das Verdikt. Dieses Politikverständnis teilt die Partei ja auch mit der CDU und mittlerweile der SPD.

Grund ist ausschließlich deren völkisches Weltbild und Politikverständnis. Und festgestellt hat dies eine Behörde, die sich - gegründet von Alt-Nazis - in der Vergangenheit und auch heute noch hauptsächlich damit beschäftigt, Linke, Sozialisten und Kommunisten zu bespitzeln.

Bei der NSU-Affäre wurde offensichtlich, dass sie Neo-Nazis durch ein Spitzelsystem eher unterstützt als etwas aufzudecken. Zumindest war das Verfassungsgericht beim NPD- Verbotsverfahren der Ansicht, dass sich da personell einiges überschnitten hatte.

Wenn linke und liberale Kreise jetzt wegen der Einstufung der AFD als rechtsextremistisch jubeln und daraus die Verbotsforderung für die AFD ableiten, vergessen sie, dass staatliche Repressionen, egal wie sie begründet werden, letztlich gegen die Linke eingesetzt werden. Kritiker der Kriegspolitik der Nato oder der Palästinapolitik oder Klimaschützer werden jetzt schon mit Berufsverboten und Auftrittsverboten verfolgt.

Wer einer Behörde wie dem Verfassungsschutz die Kompetenz zubilligt, zu entscheiden, wer der Verfassung feindlich gesinnt ist und ihr auch erlaubt, mit geheimdienstlichen Mitteln eine Partei zu bekämpfen, hat kein Argument mehr, wenn dieser Dienst sich gegen demokratische linke Organisationen wendet.

Die AFD muss politisch bekämpft werden. Nicht nur ihrem völkischen Gebaren muss politischer Widerstand entgegen gesetzt werden, sondern auch ihrer arbeiterfeindlichen, frauenfeindlichen, militaristischen (trotz Ablehnung der Kriegseskalation in der Ukraine) und antidemokratischen Politik, die sie ja zum nicht geringen Teil mit den beiden zukünftigen Regierungsparteien teilt. Wenn man sich bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus auf den Obrigkeitsstaat verlässt, stützt man genau das, was man eigentlich verhindern möchte. [jdm]

AFD -Vorstellungen von Tarifverhandlungen: Kollektives Betteln statt Streikrecht

 Die AFD und das kollektive Arbeitsrecht

Im Sozialbereich ist mit den veröffentlichten Konzepten klar, dass die AFD nicht die Arbeiter und Wenigverdiener im Blick hat, sondern die Reichen reicher machen möchte: die Rente soll durch die Aktienrente geschwächt werden, alle sollen länger bis zur Rente arbeiten, sie ist gegen eine Mietpreisbremse, gegen Strom- und Gaspreisbremsen, gegen die Erhöhung des Mindestlohns und fordert die Auflösung der Arbeitsagentur und verschärfte Sanktionen gegen Arbeitslose. Das DIW stellte 2023 fest, dass die Hauptleidtragenden der AFD-Politik ihre eigenen Wähler seien.

Was sagt die AFD aber zum Arbeitsrecht, also dazu, welche Rechte Arbeitnehmer haben sollen?

Dazu hat die AFD bisher keine Programme verabschiedet, so dass man sich bei der Beurteilung dieser Frage nur auf ihre Veröffentlichungen aller Art verlassen kann. Das Hugo-Sinzheimer-Institut für Arbeits- und Sozialrecht hat in einer Studie Bundestagsreden, Anträge und Gutachterauslassungen im Bundestag, aber auch Programmentwürfe, Reden und Pressemitteilungen von AFD-Politikern ausgewertet.

Sie kommt dabei zu dem Schluss, dass die AFD sich formal positiv zur Mitbestimmung und zur Tarifautonomie äußert und so das Bild der „Partei für die Arbeiter“ kultiviert. Aber immer wenn dieses Bekenntnis konkret wird, handelt sie gegen diese Rechte. So benutzte sie im Bundestag ihr Bekenntnis zur Tarifautonomie vor allem dazu, um sich gegen Mindestlohnerhöhungen und Allgemeinverbindlichkeitserklärungen von Tarifverträgen auszusprechen. Sie begründete dies dann damit, dies verstoße gegen die Tarifautonomie, die man den Tarifpartnern allein überlassen müsse. Obwohl sie sich mit markigen Worten für eine Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge in der Pflege aussprach, lehnte sie im Bundestag einen Gesetzentwurf für bessere Löhne in der Pflege ab.

Die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer im Betrieb sieht die AFD ausschließlich bei den Betriebsräten angesiedelt. Diese müssten im Konsens mit den Arbeitgebern im Interesse des Betriebes tätig werden. Dass Arbeitnehmer auch ganz andere Interessen haben können als die Arbeitgeber, wird von der AFD geleugnet. Wenn Betriebsräte gegen den Arbeitgeber aktiv werden, liegt das nach Ansicht der AFD nur an den Gewerkschaften, die den Klassenkampf schüren würden.

Die AFD möchte den Einfluss der Gewerkschaften in den Betrieben zurückdrängen. Als Hauptmittel hat sie dazu die Tarifverträge ausgesucht. Im derzeitigen Tarifrecht sind es die Gewerkschaften, die mit den Arbeitgebern Tarifverträge aushandeln. Diesen Tarifvorbehalt gibt es aus gutem Grund: Ohne die Kampfkraft der Gewerkschaften „verlören die Arbeitnehmer an kollektiver Verhandlungsmacht, sobald sie sich nicht mehr mit Arbeitnehmer*innen anderer Betriebe zusammenschließen, um zu versuchen, den strukturellen Nachteil gegenüber der Arbeitgeberseite auszugleichen.“

Die AFD möchte die Tariffähigkeit der Betriebräte erreichen. Was sich mit dem unbedarften Blick als eine Art basisdemokratische Idee verstehen ließe, ist in Wahrheit die tarifpolitische Entwaffnung der Arbeitnehmer. Dies würde die Konkurrenz zwischen Belegschaften verschiedener Betriebe verschärfen. Statt Streit um höhere Löhne, käme es zu einem Unterbietungswettbewerb. Erschwerend kommt hinzu, dass laut dem Betriebsverfassungsgesetz Betriebsräten die Organisierung von Streiks verboten ist. Das dürfen nur Gewerkschaften. Betriebsräte hätten aber auch überhaupt keine Ressourcen, um einen Streik durchführen zu können.

Das Ergebnis wäre, dass es keine Flächentarifverträge mehr geben würde und das Streikrecht faktisch nicht mehr vorhanden wäre. Das Bundesarbeitsgericht stellte aber schon 1980 in einem Grundsatzurteil fest, dass Tarifverhandlungen ohne Recht auf Streik nicht mehr seien als „kollektives Betteln“.

Die Studie stellt zusammenfassend fest, die Analyse der konkreten Positionen der AFD zum kollektiven Arbeitsrecht zeige, dass es sich bei der AFD mitnichten um eine Arbeiterpartei handele. [jdm]

Wie FDP-Chef Lindner seine Partei zur kleinen Schwester der AFD macht

FDP-Chef Christian Lindner mag gesellschaftspolitisch noch etwas mit der liberalen Tradition seiner Partei zu tun haben. Wirtschafts- und finanzpolitisch stellt er seine Partei als kleine Schwester der AFD auf. Wie diese versucht er den Ideen des Vordenkers des Neoliberalismus’ Friedrich-August von Hayek zur herrschenden Politik zu verhelfen. Das jedenfalls ist Lindners Gastbeitrag beim Handelsblatt zu entnehmen.

Praktische Vertreter von Hayeks Politik sind und waren: Chiles Diktator Augusto Pinochet, Großbritanniens Zerstörerin des Sozialstaates Margret Thatcher, Brasiliens ehemaliger Präsident Jair Bolsonaro, der wegen seiner Putschgelüste derzeit Probleme mit der Justiz hat und Argentiniens derzeitiger Präsident Javier Milei, der zurzeit den argentinischen Staat zerstört, die gesamte Infrastruktur privatisiert und den Rest einschließlich der eigenen Währung von US-Konzernen übernehmen lassen will. Natürlich ist auch die Politik der EU ein einziges neoliberales Projekt, aber die oben Genannten sind die radikalsten Vertreter dieser Theorie.

Hayek pochte darauf, dass jeder Einzelne selbst für sein Schicksal verantwortlich sei – unabhängig von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und auch in Zeiten sozialer und wirtschaftlicher Krisen. Sozialdemokratisch und christlich-sozial geführte Wohlfahrtsstaaten waren ihm zuwider. Dagegen bewunderte er autoritäre Staaten wie Chile unter dem Diktator Pinochet, der die Wirtschaftsfreiheit schützte und Widerstand gegen Ausbeutung und Unterdrückung brutal im Keim erstickte. In neofaschistischen Kreisen gilt Hayek als Brücke zum liberalen Lager, wie sich hier mit Lindners Aussagen ja auch zeigt. Alice Weidel, die Vorsitzende der AFD war lange Mitglied der rechten Denkfabrik Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft. {Quelle)

Lindner drückt seine Bewunderung für den „Anarchokapitalisten“ Milei so aus: „Die drängendsten Probleme Deutschlands sind das lähmende Regulierungsdickicht, die überbordende Bürokratie und der zu groß gewordene Staat. Javier Milei und Elon Musk bieten zwei internationale Beispiele, wie diese Probleme angegangen werden. ... Wir können und wir sollen nicht alles übernehmen. Davon lernen sollten wir schon. Javier Milei ist seit Dezember 2023 Präsident Argentiniens. Nach Jahrzehnten des Missmanagements reformiert er Volkswirtschaft und Staat. Er verkleinert den dysfunktionalen Staat und setzt auf Freiheit. Die Anzahl der Ministerien wurde halbiert. Öffentliche Ausgaben werden konsequent gekürzt. Staatliche Unternehmensbeteiligungen sollen umfassend zurückgefahren werden. Die Zahl der Behörden und Beamten soll signifikant gesenkt werden. Für viele Teile der Wirtschaft werden Regulierungen radikal abgebaut und der Wettbewerb gestärkt.“

Lindner bringt damit sein eigenes Programm auf eine einfache Formel: Alles privatisieren! Keine Regeln für die Wirtschaft! Keine Sozialpolitik!

Milei ist gelinde gesagt ein Zerstörer seines Landes. Weil das nicht überall gut ankommt, versucht Lindner sich deshalb von ihm zu distanzieren. Aber auch diese Distanzierung kommt als Lobrede auf Milei (und Elon Musk) daher: „Es stimmt: Sowohl Milei als auch Musk vertreten teilweise extreme, abwegige und bisweilen sogar bestürzende Ansichten und tragen diese mit provokanten Aktionen in die Öffentlichkeit. Dennoch wage ich zu sagen: Hinter den Provokationen von Milei und Musk steckt dennoch eine disruptive Energie, die Deutschland fehlt.“

Auf einer KfW-Seite wird „disruptiv“ so erklärt: „Das Wort Disruption kommt aus dem Englischen. „To disrupt“ bedeutet unterbrechen“ oder „zerstören“. Disruptive Innovationen werden häufig als „zerstörerisch“ beschrieben, weil sie alte Geschäftsmodelle oder Technologien ersetzen.“

Lindner möchte den deutschen Sozialstaat – und soweit es um Arbeits- und Umweltschutzrecht geht auch den Rechtsstaat - zerstören. [jdm]

Warum die AFD keine Friedenspartei ist

IMI-Studie 2024/02 "Warum die AFD keine Friedenspartei ist"

Die Informationsstelle Militarisierung e. V. hat in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung eine Studie „Warum die AfD keine Friedenspartei ist“ erstellt.

Die extrem rechte Alternative für Deutschland (AfD) inszeniert sich seit Beginn des Ukrainekriegs immer vehementer als Friedenspartei – ja zum Teil sogar als die vermeintlich einzige Friedenspartei. Auf den Social-Media-Kanälen der AfD-Abgeordneten finden sich immer häufiger Friedenstauben. Die AfD bemüht sich um Friedensbewegte als potenzielle Wähler*innen und versucht, in der Friedensbewegung Fuß zu fassen. Für ihre Selbstinszenierung als Friedenspartei bezieht sich die AfD vor allem auf den Krieg in der Ukraine. Die AfD setzt sich für Verhandlungen mit Russland und gegen Waffenlieferungen und Sanktionen gegen die russische Wirtschaft ein.

Diese Positionierung allein macht die AfD jedoch noch nicht zu einer Friedenspartei. Eine echte Friedenspartei müsste sich konsequent und generell gegen militärische Problemlösungen, Aufrüstung, Rüstungsexporte, die Wehrpflicht und das Militär positionieren.

Tatsache ist aber, dass sich die AFD schon in ihrem Grundsatzprogramm von 2016 für eine Aufrüstung der Bundeswehr ausspricht, weil diese "über nahezu drei Dekaden hinweg vernachlässigt" worden sei. Die AFD stimmte im Bundestag den meisten Aufrüstungsprojekten zu. Bei der Zustimmung zum 100-Mrd.-Sondervermögen stimmten 33 AFD-Abgeordnete mit Ja. 35 stimmten mit nein, aber vor allem, weil es ihnen zu wenig war und wegen der Art der Finanzierung über Schulden. Die AFD sieht in der Stärkung des Militärs eine Chance, sich von den USA unabhängig zu machen und eine eigene Großmachtpolitik zu betreiben. Sie spricht sich für die Stärkung der deutschen Rüstungsindustrie aus. Sie ist klar für die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Bei Auslandseinsätzen hat sie dann zugestimmt, wenn sie glaubte, damit deutsche Interessen zu sichern, z. B. bei der Operation Aspides, weil der Einsatz dem Schutz des Warenverkehrs und der Handelsrouten über das Rote Meer diene. Die Partei stellte sich selbst als Soldatenpartei dar, was sie erst seit dem Beginn des Ukrainekriegs durch die Selbstdarstellung als"Friedenspartei" veränderte.

Wäre es der AfD ernst mit dem Frieden, dann würde sie die kriegsvorbereitenden Aufrüstungsmaßnahmen der Regierung nicht mittragen, wie sie es seit Jahren tut. Bei der AfD träumt man nicht vom Frieden. Die AfD steht für ein militärisch eigenständiges, aus der Abhängigkeit von der einstigen Siegermacht USA befreites Deutschland. Wer mit der AfD demonstriert, marschiert für ein rassistisches Deutschland, das sich endlich wieder die militärische Stärke zurückerobert, die seinen Überlegenheitsfantasien und seinem Größenwahn gerecht wird. Damit die „bedeutende“ deutsche „Nation“ als Träger der „europäischen Zivilisation“ endlich wieder eine Armee hat, die sie von der Weltmacht Deutschland träumen lässt. Die AfD betreibt keine Friedenspolitik, sondern nationalistische Machtpolitik.

Hinter der vermeintlich widersprüchlichen Politik der AfD von Friedensdemo bis Aufrüstung kommt eine machtpolitische Gesamtstrategie zum Vorschein: mit den russischen Ressourcen und neuer militärischer Stärke raus aus der Abhängigkeit von den USA. Die Behauptung der AfD, Friedenspartei zu sein, entpuppt sich als haltlos. Hinter der oberflächlichen Friedenspolitik der AfD stehen Rassismus und antiamerikanische Bündnispolitik. Eine Friedenspartei braucht weder eine starke Armee, noch eine nationale Rüstungsindustrie – beides zentrale Forderungen der AfD. [jdm/IMI]

Update vom 17.05.2024: Mit dem Abstimmungsverhalten der AfD im Zusammenhang mit dem 100-Mrd.-„Sondervermögen“ hat Bernhard Pfitzner sich in einem Papier beschäftigt. Insbesondere werden hier die Bundestagsreden und Begründungen der AFD für ihr Abstimmungsverhalten dokumentiert, die allesamt den Wunsch der AFD nach mehr Rüstung deutlich machen.

Die Bezahlkarte: das Bettelzeichen des Mittelalters jetzt in digital

Noch im Oktober 2023 sah man im Bundeskanzleramt keinen Grund für die Einführung der Bezahlkarte für Asylbewerber per Bundesgesetz. Kanzler, Vizekanzler und Finanzminister seien sich einig, "dass dafür keine gesetzliche Änderung notwendig ist", hieß es in einem Schreiben von Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt, berichtete die Süddeutsche Zeitung.

Jetzt droht die FDP für ein solches Bundesgesetz zur Einführung des digitalen Bettelzeichens mit dem Platzen der Ampel-Koalition. FDP-Fraktionsvize Wolfgang Kubicki sagte laut NOZ: „Sollten die Grünen diesen minimalinvasiven Eingriff in das Asylbewerberleistungsgesetz tatsächlich torpedieren, stellt das die Fortsetzung der Koalition infrage.“

Unterstützung bekommt die FDP dabei von der SPD und der CDU. Dieselben Politiker, die sich auf den Demonstrationen gegen Rechts auf die Podien stellten und die migrantenfeindliche Politik der AFD geißelten, sind sich einig, wenn es darum geht, genau diesen Migranten das Leben schwer zu machen.

In einem Interview mit der NOZ wendet sich der hiesige Grünen-MdB Julian Pahlke (Leer) gegen die Asylrechtsverschärfungen der Ampel-Regierung. Er hat auch im Bundestag dagegen gestimmt. Es sei ein Irrglaube, sagt er, dass sich Fluchtbewegungen aus Deutschland heraus irgendwie steuern ließen. So eine Karte habe keinen Einfluss darauf, ob ein Mensch fliehe oder nicht. Sie habe aber sehr wohl einen Einfluss darauf, wie Menschen hier in Deutschland lebten, wie gut sie in der Gesellschaft ankommen könnten.

Die Bezahlkarte soll den hier Schutz Suchenden das Leben schwer machen. Dahinter steckt die fixe Idee, dass sich die Menschen, die sich in Westafrika auf den Weg nach Europa machen, dies nur tun, weil sie hier Asylbewerberleistungen abgreifen wollen. Wer mit Asylsuchenden zu tun hat, kennt aber ganz andere Motive. Neben der politischen oder religiösen Verfolgung oder der Flucht vor Krieg bei einem Teil der Asylbewerber geht es vor allem darum, dass Einzelnen von ihrer Familie die Flucht nach Europa finanziert wird, um dort zu arbeiten und dann die Daheimgebliebenen finanziell zu unterstützen. Kein Asylbewerber wünscht sich Unterstützungsleistungen; fast alle wünschen sich Arbeit. Mit der Bezahlkarte und den weiteren Maßnahmen zur Verhinderung der Integration wird ihnen genau dies unmöglich gemacht.

Die FDP hat sich wegen der Rolle der Liberalen beim Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus vor 200 Jahren immer als Bürgerrechtspartei präsentiert. Heute ist davon nur noch die Rechtspartei übrig geblieben. Der wirtschaftliche Liberalismus ist zum Neoliberalismus geworden. Und jetzt ist die Partei auf dem Weg zu einer libertären Rechts-Partei, wie wir sie mit der FPÖ in Österreich schon haben. Das ist auch keine neue Rolle für die „Liberalen“. Die FDP war nach dem zweiten Weltkrieg, bis die britischen Besatzungsbehörden dem ein vorläufiges Ende machten, ein Sammelbecken für Altnazis. Das galt auch für die CDU, aber die FDP-Nazis planten sogar einen Putsch.

Die vielen Menschen, die sich auf den Demonstrationen gegen die Phantasien der AFD zur massenweisen Ausweisung von Ausländern aus Deutschland gewandt haben, sollten sich nicht für genau eine solche Politik der FDP/CDU/CSU/SPD vereinnahmen lassen. Dass die Grünen sich einem Bundesgesetz zur Einführung der Bezahlkarte widersetzen ist zwar – angesichts der vorherigen Zustimmung zu den Verschärfungen – wenig, aber angesichts des Einstimmens der FDP/CDU/CSU/SPD in den ausländerfeindlichen Gesang der AFD doch sehr ehrenwert.

Die Linke spricht sich ebenfalls gegen die Bezahlkarte aus, weil sie viel Spielraum für Schikane lasse. Gegen eine diskriminierungsfreie Karte, die nur der Verwaltungsvereinfachung dient und wie eine normale EC-Karte funktioniert, hat sie keine Einwände. Auf eine solche Karte, wie sie in der Stadt Hannover besteht, verweist Pahlke auch im NOZ-Interview. [jdm]

Am Samstag Kundgebung in Sögel

Flyer Demo Sögel

Am Samstag, dem 3. Februar 2024, findet um 15 Uhr eine Kundgebung „Aufstehen gegen Rechts!“ vor dem Rathaus in Sögel statt. [jdm]

3000 Menschen bei Demo gegen rechts

Demonstration gegen Rechts 27.01.2024

Die Veranstalter schätzten die Zahl der Teilnehmer an der heutigen Kundgebung „Gemeinsam stark gegen den Faschismus“ in Papenburg auf etwa 3000 Menschen. Bei strahlendem Sonnenschein hörten sich die Demonstranten zehn RednerInnen an, die jeweils ihre Warnung vor dem weiteren Aufstieg der Rechten und speziell der AFD mit spezifischen Argumenten untermalten. Dadurch, dass viele Bezug nahmen auf den 27. Januar als Tag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee, wurde die Kundgebung auch zu einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des deutschen Faschismus.

Versammlungsleiter Ralf Uchtmann kündigte als erste Rednerin die Papenburger Bürgermeisterin Vanessa Gattung an. „Hass ist keine Meinung,“ erteilte sie der AFD eine Absage. Wir müssten aus der Vergangenheit lernen. Am Auschwitzgedenktag gedenke man der Toten, um die Lebenden zu schützen.

Papenburgs Ratsvorsitzender Heiner Plock nahm Bezug auf das letzte AFD-Wahlprogramm, in dem es heiße, „Das Volk ist der Souverän“. Das höre sich demokratisch an, aber hier gehe es um eine völkische Auslegung eines demokratisch gemeinten Grundsatzes. Nicht die einzelnen Menschen seien gemeint, sondern aus diesem Volk würden von der AFD beliebige Menschen ausgegrenzt, denen die Rechte entzogen werden sollten. Wohin das führe, hätten die NSU-Morde, die Morde von Hanau und der Mord am Regierungspräsidenten Walter Lübcke gezeigt. Plock: „In Deutschland sollte niemand mehr Angst um sein Leben haben müssen.“

Habbo Knoch

Prof. Habbo Knoch, Vorsitzender des DIZ Emslandlager e.V., erinnerte an 1969, als sich eine Bewegung gegen das Erstarken der damaligen NPD entwickelt habe. Die NPD habe marginalisiert werden können, aber der Neonazismus habe nicht aufgehört zu existieren. Die AFD sei nicht vom Himmel gefallen. Jeder Mensch sei durch Entrechtung und Vertreibung verletzlich. Wir müssten uns und unsere Mitbürger weiter vor Faschismus schützen.

Die Amnesty-Vertreterin Ulrike Zielfeldt wandte sich gegen jede Diskriminierung von Menschen aufgrund ethnischer Zugehörigkeit oder sonstiger Eigenschaften, gegen Hass, Hetze und Rassismus.

Tjark Tennie vom Queer Netzwerk Emsland begrüßte das Publikum mit einer Sammlung von abwertenden Begriffen, die in AFD-Reden und Publikationen für Andersdenkende gebraucht wurden, wodurch sich jeder persönlich von der AFD missachtet fühlen konnte. Die Presse solle aufhören, Ausdrücke der AFD zu benutzen und hoffähig zu machen. Es heiße nicht Remigration, sondern Deportation. Auch er wandte sich gegen jede Form der Diskriminierung.

Ottmar Ilchmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, bezeichnete sich als Vertreter einer Organisation von Kleinbauern. Bei den bisherigen Protestaktionen der Bauern habe sich die Protestbewegung bis auf kleine Ausnahmen deutlich von der AFD distanziert. Diese versuche überall sich anzubiedern. Dabei sei ihre neoliberale Progammatik eindeutig gegen die Interessen der Bauern ausgerichtet. Im Bundestag habe sie sich vor nicht langer Zeit gegen die Subventionen für Agrardiesel ausgesprochen.

Stefan Eikens

Stefan Eikens, der Vorsitzende des DGB Kreisverbands Nördliches Emsland, bezeichnete das Programm der AFD als arbeitnehmerfeindlich. Zuletzt habe sie sogar gefordert Milliarden der Rentenversicherung, in die die Arbeitnehmer einzahlten, für ihr völkisches Projekt einer Gebärprämie für deutsche Frauen zweckzuentfremden.

Dechant Franz-Bernhard Lanvermeyer, Emsland-Nord, auch Pfarrer in der Kirche, vor der die Kundgebung stattfand, fragte, wie die AFD sich eigentlich das Leben vorstelle, wenn tatsächlich alle Migranten nicht mehr da seien. Angefangen von seinem Friseur, über das Personal in den Krankenhäusern und Heimen bis zu den rumänischen Arbeitern auf der Meyer-Werft: sie würden alle gebraucht und alle würden unser Leben mitgestalten. Er forderte, jeder solle sein Blickfeld erweitern und erkennen, was die Menschheit in ihre Vielfältigkeit zu bieten habe. Der Drohung der AFD, denn die Aussagen zur Remigration seien eine Drohung, müsse man Menschlichkeit entgegen stellen.

Serhat Özdemir von der Türkisch-Deutschen Freundschaftsgesellschaft in Leer sagte, er sei seit 40 Jahren in Leer, seine Kinder seien in Leer geboren und er gehöre zu Leer. „Wir sind Leeraner.“ Leer, Ostfriesland und Deutschland seien seine Heimat und aus dieser lasse er sich nicht vertreiben.

Amy Satzke als jugendliche Sprecherin aus Papenburg erinnerte an einen Ausspruch ihres Geschichtslehrers „Aus der Geschichte lernen! Zukunft gestalten!“ Genau darum gehe es, wenn man aus der deutschen Geschichte lerne und die AFD ablehne. [jdm]

Demo gegen rechts in Papenburg

Flyer Demo gegen rechts Papenburg

Zur Demonstration am Samstag, den 27.01.2024, in Papenburg gegen rechts ruft auch das St. Lukas Heim auf. Die Kundgebung findet ab 14 Uhr auf dem Vorplatz der Antoniuskirche statt.

Im Aufruf des St. Lukas Heims heißt es: "Gemeinsam stark gegen Faschismus - was in den letzten Tagen in ganz Deutschland schon zu Protesten mit beeindruckender Reichweite geführt hat, findet am Samstag, den 27.01.24 ab 14 Uhr auch in Papenburg statt.

Flyer Lukas Heim Demo gegen rechts Papenburg

Auch wir möchten aktiv Teil der Bewegung sein und deutlich zeigen #wirsindmehr. Ausgrenzung, Ablehnung und Demokratiefeindlichkeit hat bei uns keinen Platz. Wir stehen ein für Vielfalt, respektvolles Miteinander und für eine bunte Gesellschaft, in der jeder von uns ein gleichberechtigter Teil ist. Lasst uns gemeinsam ein starkes Zeichen setzen und laut werden, besonders auch für all diejenigen, für die der Protest auf der Straße nicht zugänglich ist." [jdm]

Gegen die Rechten und auch keine Politik wie von den Rechten

Normalerweise richten sich Demonstrationen an diejenigen, die die Macht haben, um sie zu einer Änderung der Politik zu bewegen. Die großen Demonstrationen gegen Rechts wandten sich gegen diejenigen, die die Macht erringen wollen. Das war gut so. Denn vor 91 Jahren konnten Nazis in Deutschland über Wahlen die Regierung übernehmen. In der Zeit davor gab es viele Konservative, Deutschnationale, Rechtsliberale und die Vertreter der großen Industrie, die das Erstarken der NSDAP nicht nur mit Sympathie betrachteten, sondern auch nach Kräften förderten.

Das scheint jetzt anders zu sein. Anlass war die Konferenz der AFD mit anderen Neonazis in einer Berliner Villa, wo über die „Remigration von Ausländern“ gesprochen wurde. Von der CDU über die Parteien der Bundesregierung, die beiden Parteien der Linken, Die Linke und BSW, bis zur Antifa-Szene warnen alle vor dem Aufstieg der AFD. Und die vielen Menschen zeigen, dass sie keine Nazis an der Macht wollen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte er in einer am Sonntag veröffentlichten Videobotschaft. „Sie verteidigen unsere Republik und unser Grundgesetz gegen seine Feinde. Sie verteidigen unsere Menschlichkeit.“ Und da wird es würdig, die Frage aufzuwerfen, was es bedeutet, wenn ein Bundespräsident, der Hartz IV mitzuverantworten hat, der Murat Kurnaz als Verantwortlicher im Bundeskanzleramt seinerzeit in Guantanamo verrotten ließ und der den Streubombeneinsatz befürwortet, von Menschlichkeit spricht.

Oder was bedeutet es, wenn die Bundesregierung am Tag vor den großen Demonstrationen ein Gesetzespaket eingebracht hat, dass das „Abschieben im großen Stil“ (Bundeskanzler Scholz) erleichtert? Oder was bedeutet es, wenn der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz zwar nicht von Remigration spricht, sondern von 26 Vorschlägen zur Begrenzung der Migration in Deutschland? Gleichzeitig wird von CDU bis zu den Grünen die militärische Eskalationspolitik in allen Teilen der Welt (Ukraine, Gaza, Jemen, Iran, Saudi-Arabien, Ägypten, Sahelzone, China) unterstützt, die wiederum zu neuen Fluchtbewegungen führt.

Ziel der Nazipolitik war damals die Führung eine Krieges, um die Vorherrschaft Deutschlands zu erreichen. Was bedeutet es, wenn die bürgerliche Regierung den Militärausgaben den Vorrang vor den Ausgaben für Soziales, Infrastruktur und Klimaschutz gibt? Was bedeutet es, wenn beim diesjährigen Nato-Manöver Steadfast Defender vier Monate ein möglicher Krieg mit Russland geprobt werden soll, wie zu Zeiten des Kalten Krieges, wenn alle Ressourcen in die Aufrüstung und die Vorbereitung auf einen möglichen Krieg mit Russland gesteckt werden, während kaum Anstrengungen unternommen werden, aus der jetzigen Eskalationsspirale wieder herauszukommen? Und dabei so getan wird, als ob ein Krieg tatsächlich führbar wäre (Stichwort Kriegstüchtigkeit) ohne die beteiligten Länder vollkommen zu zerstören.

Die massenhafte Ablehnung der AFD und ihres faschistischen Flügels reicht nicht; es muss auch eine Politik erfolgen, die sich nicht deren Forderungen in vielen Einzelschritten zu eigen macht. [jdm]

Bauernprotest ist nicht zu übersehen

Die Bauernproteste sind möglicherweise der Beginn von Protesten aus vielen Bereichen des Landes. Denn immerhin plant die Bundesregierung zugunsten von Krieg und Aufrüstung alle Versprechen nach sozialer Sicherheit und Schutz des Klimas zu vergessen. Für die Bauern, die sich schon seit längerem in verschiedenen Bereichen drangsaliert sahen, war das Ende der Subventionierung des Agrardiesels das alle einigende Band, um gemeinsam zu protestieren.

Und weil Bauern sich selbst als "Unternehmer" sehen, kooperieren sie mit anderen kleinbürgerlichen Bereichen der Logistik und Gastronomie. Mit ihren Treckern und Trucks ist es auch leicht, öffentliche Aufmerksamkeit zu produzieren. Ähnliches haben zuvor Klimaaktivisten für ihr Thema versucht. Gemeinsam sehen sich diese Bereiche als Opfer der Regierungspolitik der vergangenen Jahre, die durch die Corona-Maßnahmen und Energiepreisexplosion als Folge der Rüstungs- und Kriegspolitik gekennzeichnet waren.

Die Bundesregierung und die sie tragenden Parteien versuchten zunächst auch diese Protestbewegung - wie bei den Friedensdemonstrationen - als rechte Veranstaltungen zu diffamieren. Dabei haben sich die Bauernverbände - wie die Friedensbewegung - vorab deutlich von rechten Inhalten distanziert.

Die Bauernbewegung hat aber ein anderes Problem: Sie spricht von der Landwirtschaft so, als ob die Bauern mit vielen Hektaren, die durch die EU-Flächen-Subventionierung im Konkurrenzkampf mit anderen Bauern immer gewinnen, im selben Boot, wie die kleinen Bauern sitzen würden. Sie tut so, als ob Tönnies und Co. ihre Verbündeten wären. Und sie malt die Grünen als ihre großen Widersacher an die Wand. Dabei hat Landwirtschaftsminister Cem Özdemir recht, wenn er die Kritik von CDU und CSU an den Kürzungsplänen zurück weist. Die hätten in 31 von 40 Jahren den Landwirtschaftsminister gestellt. Die Förderung des Strukturwandels in der Landwirtschaft, also die gezielte Vergrößerung der landwirtschaftlichen Betriebe durch die Förderung der Betriebsaufgabe bei den kleinen Betrieben ist seit den 1960er Jahren offizielle Politik der EU und aller Bundesregierungen. Die Fokussierung der Grünen auf Tierwohl und Ökologie stellt tatsächlich erstmals diese Politik der Vergrößerung der Betriebe in Frage, aber bietet keine Wege an, wie die Sicherung der Betriebe gelingen kann. Und vor allem erscheinen die Einzelmaßnahmen als Flickenteppich, der vor allem Planungsunsicherheit erzeugt.

AFD Nee
Screenshot AFD Nee

Dass die AFD - ähnlich wie die CDU/CSU - jetzt von den Bauernprotesten profitieren will, ist logisch, obwohl ihre politischen Forderungen geradezu im Widerspruch zu den Forderungen der Bauern stehen. Die AFD knüpft an die völkische Landvolkbewegung der 20er Jahre mit ihrer Bauernstandsideologie und deren Symbolik an. Dabei spricht sich die AFD in ihren Grundsatzpapieren gegen Subventionen für die Landwirtschaft aus und fordert, für die Landwirtschaft „marktwirtschaftliche Prinzipien wieder in den Vordergrund zu rücken“. Das ist das, was zumindest die kleineren Betriebe überhaupt nicht brauchen können (siehe auch Faktencheck bei AFD Nee) [jdm]

AfD-Programm: Freiheit für Konzerne, keine Sozialpolitik, keine Frauenrechte

„Deutschland. Aber normal“, ist der Titel des AfD-Wahlprogramms für die Bundestagswahl. Helmut Kellershohn vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung hat dieses Programm unter dem Titel „Standortnationalismus – Völkischer Nationalismus – Autoritärer Staat“, erschienen im aktuellen Diss-Journal, analysiert.

„Das Ideal des Staates, das der AfD vorschwebt, ist der autoritär geführte nationale Wettbewerbsstaat auf völkischer Basis in einem ‚Europa der Nationen’. Es ist das Programm eines völkischen Neoliberalismus“, so Kellershohn. (mehr …)

Die Anbiederung der Schüler-Union bei der AFD

Deutschlandflagge, die Europaflagge und die Flagge von Baden-Württemberg

Die Schüler-Union (SU) – eine Jugendorganisation der CDU – hat auf dem CDU-Parteitag einen Antrag eingebracht, dass vor den Schulen in Deutschland dauerhaft drei Fahnen wehen sollen: die Deutschlandflagge, die Flagge des jeweiligen Bundeslandes und die Europaflagge.

Man kann das für Realsatire halten, wie z.B. der Philologenverband, kann aber nicht wirklich lachen. Denn dieser Antrag zeigt, dass die Jungen in der CDU nicht schnell genug auf die Nazis von der AFD zugehen können. (mehr …)