Am 19. März 2026 wurde die Absicht eines Zusammenschlusses von UPM-Kymmene Corporation („UPM“) und Sappi Limited („Sappi“) bei der EU-Kommission zur Genehmigung angemeldet. Die Kommission hat am 28. April 2026 eine eingehende Prüfung eingeleitet. Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten oder in einem wesentlichen Teil des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) im Vereinigten Königreich und in der Schweiz erheblich behindern würden.
Heute hat die Europäische Kommission UPM und Sappi von ihrer vorläufigen Auffassung in Kenntnis gesetzt, dass das geplante Gemeinschaftsunternehmen den Wettbewerb auf den Märkten für verschiedene Grafikpapiersorten, die für verschiedene Druckwerke wie Zeitschriften oder Bücher verwendet werden, beschränken könnte.
UPM und Sappi sind die beiden größten Hersteller von grafischem Papier im Europäischen Wirtschaftsraum („EWR“). Mit dem Gemeinschaftsunternehmen könnte ein EWR-Marktführer geschaffen werden, da die Grafikpapier-Sparte von UPM in Europa und den USA mit der Grafikpapier-Sparte von Sappi in Europa und einem Teil des Spezialpapiergeschäfts von Sappi sowie Nebentätigkeiten zusammengelegt würde.
Die Kommission hat insbesondere Bedenken, dass dies dazu führen würde, dass das Gemeinschaftsunternehmen Preise erhöhen könnte und Kunden eine geringere Auswahl hätten.
Der Wettbewerb könnte auf den Märkten insbesondere auf den Märkten für Zeitschriftenpapier und holzfreiem gestrichenen Papier verringert werden. Diese beiden Papiersorten werden für Zeitschriften, Bücher und Werbematerial verwendet.
Die Kommission hat angesichts der gewonnenen Erkenntnisse Bedenken, das Gemeinschaftsunternehmen von UPM und Sappi könnte so große Marktmacht erlangen, dass seine Abnehmer von gestrichenem holzhaltigen Papier (Zeitschriftenpapier) und gestrichenem holzfreiem Papier höhere Preise und geringere Qualität hinnehmen müssten. Sie ist derzeit nicht davon überzeugt, dass die Integration der betreffenden Geschäftstätigkeiten in das Gemeinschaftsunternehmen genügend Vorteile (durch Kosteneinsparungen, mehr Umweltschutz oder größere Widerstandsfähigkeit) böte, um den möglichen Schaden aufzuwiegen.
UPM und Sappi haben den Empfang der Mitteilung der Beschwerdepunkte der EU-Kommission bestätigt. Die Verabschiedung einer Mitteilung der Beschwerdepunkte (SO) sei ein üblicher Schritt im Rahmen einer eingehenden Fusionsprüfung durch die Europäische Kommission. In der Mitteilung der Beschwerdepunkte hat die Kommission weitere Einzelheiten zu ihren vorläufigen Bedenken dargelegt. Gemeinsam mit Sappi prüfe UPM die Mitteilung der Beschwerdepunkte sorgfältig und werde zu gegebener Zeit darauf antworten.
UPM sei zuversichtlich, dass es in der Lage sein werde, umfassend auf die vorläufigen Bedenken der Kommission einzugehen, und bleibe davon überzeugt, dass das geplante Joint Venture ein notwendiger Schritt sei, um eine zuverlässige Versorgungskontinuität für Grafikpapierkunden in Europa zu gewährleisten und die Widerstandsfähigkeit der gesamten europäischen Grafikpapierindustrie im Interesse der Kunden zu stärken.
UPM und Sappi können nun der Kommission eine Erwiderung auf diese Mitteilung senden, die Kommissionsakte einsehen und eine mündliche Anhörung beantragen.
UPM betreibt die Papierfabrik Nordland in Dörpen; Sappi ist ein weltweit tätiger südafrikanischer Hersteller von Materialien des täglichen Bedarfs aus erneuerbaren Ressourcen aus Holzfaser. Das Unternehmen liefert Rohstoffe wie Zellstoff und Biomaterialien sowie Endprodukte wie grafische Papiere sowie Spezial- und Verpackungspapiere.
UPM treibt parallel zur Abspaltung der Grafikpapiersparte die Abspaltung des Sperrholzgeschäfts in die eigenständige WISA Group Plc. voran. Die Aktienkurse von UPM und Sappi zeigten kaum Reaktionen auf diesen Brüsseler Beschluss.
Derweil zeigt sich, dass die Zellstoffindustrie weltweit unter Druck ist. Das holzverarbeitende US-Unternehmen Domtar Corporation aus Fort Mill in South Carolina kündigte am 20. August an, den Betrieb seiner Zellstofffabrik Howe Sound sowie der Holzhackschnitzelanlage Bayview Fibre in Port Mellon in British Columbia (Kanada) auf unbestimmte Zeit stillzulegen. Als Gründe nennt das Unternehmen laut Holzzentralblatt die gesunkene Nachfrage in Asien, die schwachen globalen Zellstoffpreise und die abnehmende Verfügbarkeit von erschwinglichen heimischen Holzfasern. [jdm]
