„Kanonen statt Butter – Rüstung und Sozialabbau“

IMI Factsheet Kanonen statt Butter

Spätestens seit dem völlig undemokratisch durchgepeitschten Beschluss im Frühjahr 2025, Militärausgaben weitgehend von der sogenannten Schuldenbremse auszunehmen, kennen die Rüstungsbudgets keine Grenzen mehr. Parallel dazu werden die Forderungen, die Sozialausgaben zur Gegenfinanzierung noch weiter zusammenzustreichen, immer unverfrorener.

Die Dimensionen der aktuellen Entwicklungen scheinen bei vielen Menschen noch nicht richtig angekommen zu sein, weshalb das neue IMI-Factsheet „Kanonen statt Butter – Rüstung und Sozialabbau“ versucht, wichtige Zahlen und Fakten rund um das Thema zusammenzutragen. [Informationsstelle Militarisierung e. V. (IMI)]

Fakten zur Ungleichheit (3)

In den letzten 30 Jahren (seit 1991) konnten die oberen 10 Prozent ihr Einkommen um 40 Prozent steigern. Die Einkommen für die unteren 10 Prozent sanken leicht um 0,4 Prozent. Die Einkommen sind umso mehr gewachsen, je einkommensstärker die Haushalte sind. Das Einkommenswachstum der oberen 10 Prozent ist höher ausgefallen als das der darunterliegendsen 10 Prozent usw. Das ging bis 2015 so. Nach 2015 stiegen alle Einkommensgruppen leicht. Nur das Einkommen der reichsten 10 Prozent stieg enorm.

Das (Jahres-)Durchschnittsgehalt betrug in Deutschland 2019 45.560 Euro, 2024 waren es 50.000 €. 2019 verdiente ein Vollzeitbeschäftigter mit einem Mindestlohn von 9,50 Euro im Jahr 19.968 Euro, 2024 waren es bei einem Mindestlohn von 12,41 Euro rund 26.600 Euro.

Im Jahr 2019 stand der Vorstandsvorsitzende von VW, Herbert Diess, mit 9,9 Millionen Euro an der Spitze der Top-Verdiener. Das war 20-mal so viel wie die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im Jahr 2019 auf 473.040 Euro kam. Der heutige VW-Chef Oliver Blume erhielt 10,3 Millionen Euro (in 2023).

Die Armutsquote von Erwerbstätigen liegt seit zehn Jahren zwischen 6,6 und 9,9 Prozent. Die meisten Erwerbsarmen arbeiten im Niedriglohnsektor bei einem Stundenlohn von weniger als 13,79 Euro. Dank der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns ist die Zahl zurückgegangen. Doch noch immer arbeiten hierzulande 16%, also etwa jede:r sechste Beschäftigte, im Niedriglohnsektor. In absoluten Zahlen ausgedrückt: 6,3 Millionen Menschen. In Deutschland wächst der Anteil der armen Bevölkerungsgruppe, auf der anderen Seite ist der Anteil der Besserverdienenden gewachsen. (Quelle Ungleichheit.de) [jdm]

Tag der Archive

Am 7. März 2026 findet der 13. Tag der Archive statt, zu dem auch die Gedenkstätte Esterwegen einlädt. Das diesjährige Motto lautet „Alte Heimat – neue Heimat“. Archive bergen unzählige Geschichten über Migration, Flucht, Ankommen, Verwurzelung und den Wandel von Gemeinschaften, über das Bewahren alter Traditionen in der Fremde und das Entstehen neuer Identitäten und Kulturen. Das diesjährige Motto erlaubt uns, die Prozesse von Wandel, Identität und Integration in unserer Gesellschaft sichtbar zu machen.

Im Zuge des Zweiten Weltkrieges sind millionenfach Menschen deportiert und verschleppt worden, haben sich Grenzen verschoben und standen Menschen vor einem Neuanfang in der Fremde. Bei zwei Führungen durch das Archiv der Gedenkstätte werden wir auf die Nachnutzung der Emslandlager als Camps für diese sogenannten Displaced Persons eingehen. Wir werden das Schicksal von Überlebenden der nationalsozialistischen Lager, der Zwangsarbeit und des Krieges kennen lernen, die den Weg der Emigration wählten, ebenso wie Menschen, die blieben.

Neue Heimat Emsland? – Führung durch das Archiv der Gedenkstätte Esterwegen am Samstag, 7. März 2026, um 11 Uhr und 14 Uhr. Anmeldungen per E-Mail (info@gedenkstaette-esterwegen.de) oder telefonisch (05955-988950).
Eintritt frei. [PM]

Knüppelfreitag

Friesische Flagge

Der Internationale Tag der Muttersprache ist ein von der UNESCO ausgerufener Gedenktag zur Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit. Er wird seit dem Jahr 2000 jährlich am 21. Februar begangen. Zu diesem Gedenktag erscheint es angebracht, sich mit Sprachgemeinschaften zu beschäftigen, die das Recht, ihre eigene Muttersprache zu sprechen, für sich erkämpfen mussten. So zum Beispiel die Bevölkerung der niederländischen Provinz Fryslân, damals noch Friesland.

Am 16. November 1951 erschienen der Chefredakteur des Heerenveense Koerier, Fedde Schurer und der Abgeordnete des Provinzparlaments der niederländischen Provinz Friesland, Tjsebbe de Jong, der auch Kolumnist des Bolswarder Nieuwsblad war, vor Gericht. Sie mussten sich verantworten, weil sie angeblich in beleidigender Weise über einen Richter des Amtsgerichts Heerenveen geschrieben hatten.

Der Richter namens Wolthers hatte am 17. Oktober 1951 dem Tierarzt Van der Burg während eines Gerichtsverfahrens verboten, sich zu seiner Anklage wegen eines Verkehrsdelikts in friesischer Sprache zu äußern. Nachdem Van der Burg stundenlang vergeblich auf einen Dolmetscher gewartet hatte, durfte er das Gerichtsgebäude verlassen. Er suchte unverzüglich die Redaktion des Heerenveense Koerier auf und berichtete von seinem Erlebnis im Gerichtssaal. Die beiden Journalisten schrieben daraufhin einen Artikel, in dem das Verhalten des Richters scharf und zynisch kritisiert wurde.

Richter Wolthers hatte bereits zuvor, 1948, den Gebrauch der friesischen Sprache im Gerichtssaal verboten. Das Vergehen, das dort behandelt wurde, war von zwei Landwirten begangen worden: sie hatten verbotenerweise „Molke“ und „Sûpe“ auf ihre Milchkannen geschrieben, die friesischen Wörter für „Milch“ und „Buttermilch“.

Am Freitag, dem 16. November 1951 mussten Schurer und de Jong sich also in der Provinzhauptstadt Leeuwarden vor Gericht verantworten wegen ihres Artikels, in dem es unter anderem hieß:

Die Beantwortung der Frage, warum Herr Wolthers beim Hören der Sprache des Volkes, über welches er nun schon jahrelang Recht gesprochen hat, so ungeheuer ärgert, eignet sich besser für einen Psychiater als für uns. Aber die Tatsache, dass er diese Reizbarkeit in seiner Rolle als Beamter so schlecht verbergen kann, betrifft uns alle. Morgen könnten auch wir vor Gericht stehen. Dieses kindische, beleidigende und schikanierende Auftreten gegenüber einem Prominenten wie Herrn Van der Burg ist eine offene Provokation des friesischen Volkes im Allgemeinen und seiner studierenden Jugend im Besonderen. Herr Wolthers, der offiziell kein Kind mehr ist, sollte sich dessen bewusst sein…“

Während der Verhandlung versammelten sich vor dem Gerichtsgebäude in Leeuwarden zahlreiche Sympathisanten Schurers und der friesischen Sache. Obwohl der Staatsanwalt „nur“ eine Strafe von 150 Gulden forderte, wurde Schurer zu 14 Tagen Haft verurteilt wegen Beleidigung und übler Nachrede. Die Strafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil wurde von den Anhängern Schurers mit Protesten beantwortet. Als die Menschenmenge sich am Abend noch immer nicht zerstreut hatte, wurden die Demonstranten von der Polizei mit Gummiknüppeln und improvisierten Wasserwerfern (Löschspritzen der Feuerwehr) verjagt. An diesen Tag erinnern sich die Menschen in Fryslân als den Kneppelfreed zu Deutsch „Knüppelfreitag“.

In den Wochen nach dem Knüppelfreitag musste die Fryske Beweging weiterhin diskriminierende Maßnahmen erdulden. So wurden durch den Binnenlandse Veiligheidsdienst (Sicherheitsdienst des Innern) unter der Regie des Staatsanwalts Hollander willkürlich ausgewählte Mitglieder der Organisation der Sprecher des Friesischen nachts aus dem Bett geholt, darunter auch minderjährige Schüler und der friesische Dichter und Autor des friesischen Wörterbuchs, Marten Sikkema.

Um die Situation in Friesland zu beruhigen, beschloss die Regierung in Den Haag, der Fryske Beweging mit einigen Maßnahmen entgegenzukommen. Zunächst wurde der Staatsanwalt Hollander nach Utrecht versetzt. 1955 wurde der Gebrauch des Friesischen in den Grundschulen zugelassen. Das Recht, im Gerichtssaal Friesisch zu sprechen wurde 1956 offiziell bestätigt.

Heutiger Status

Seit den fünfziger Jahren hat sich für das Friesische und die Friesen in der Provinz Fryslân einiges zum Guten gewendet. Das Gesetz vom 2. Oktober 2013 über den Gebrauch der friesischen Sprache in der öffentlichen Verwaltung und im Rechtswesen bestimmt, dass als offizielle Sprachen in der Provinz Fryslân das Niederländische und das Friesische gelten.

Schüler können mittlerweile ihre Abiturprüfung in friesischer Sprache ablegen. An der Universität in Groningen (das nicht zur benachbarten Provinz Fryslân gehört) kann man Friesisch als Hauptfach studieren. Ebenso existiert ein Lehramtsstudiengang Friesisch an der Fachhochschule in der Provinzhauptstadt Ljouwert (Leeuwarden). Der Fernsehsender Omrop Fryslân für die Provinz Fryslân sendet überwiegend in friesischer Sprache, ebenso das Radioprogramm von Omrop Fryslân. Der offizielle Name der Provinz ist mittlerweile der friesische Name Fryslân und nicht das niederländische Friesland.

Als autochthone Minderheitensprache steht das Friesische, gesprochen von ca. 440.000 Menschen, unter dem Schutz der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitssprachen. [Hyazinth Sievering]

Weitere Länder üben Solidarität mit Kuba – Deutschland noch nicht dabei

Kuba wird weiterhin von den US-Blockadeaktionen in seiner Existenz bedroht. Die US-Regierung verkündet zwar, sie verhandele mit Kuba. Aber letztlich ist unklar, worüber eigentlich verhandelt werden soll. US-Außenminister Rubio forderte Havanna auf, sich »unbedingt« auf ein Abkommen mit Washington einzulassen. Ziel der USA ist es, die kubanische Verfassung und die kubanische Regierung zu stürzen, indem sie das Land aushungern.

Mexikos Präsidentin Sheinbaum hat Hilfslieferungen nach Kuba schicken lassen. Sie hat angeboten, dass Flugzeuge nach und von Kuba in Mexiko tanken können. Spanien hat als erstes europäisches Land humanitäre Unterstützung zugesagt. Spaniens Außenminister José Manuel Albares sagte im Gespräch mit dem kubanischen Außenminister Bruno Rodríguez Lieferungen von Lebensmitteln und medizinischen Grundversorgungsgütern zu. Aber Öl, das Kuba am dringendsten braucht, ist aus Angst vor US-Vergeltungszöllen nicht dabei.

Russische Politiker haben dagegen neue Öllieferungen angekündigt.  Hier stellt sich die Frage,  wie die Transporte gegen mögliche US-Angriffe abgesichert werden können. Russische Experten überlegen, die Öltanker auf dem Weg nach Kuba durch Kriegsschiffe begleiten zu lassen. Da die USA in der Karibik offene Piraterie gegen Öltanker, die ihnen nicht genehm sind, betreiben, scheint so etwas notwendig zu sein.

Chinas Außenministeriumssprecher Guo Jiakun erklärte auf einer Pressekonferenz: „China ist zutiefst besorgt und verurteilt das Vorgehen der Vereinigten Staaten aufs Schärfste.“ Er forderte die sofortige Aufhebung der Blockade und der Sanktionen gegen die Insel. Der Sprecher appellierte an die USA, dem kubanischen Volk sein Recht auf Entwicklung nicht länger vorzuenthalten und die Störungen von Frieden und Stabilität in Lateinamerika einzustellen. [jdm]

Mikrozensus 2026

Im Jahr 2026 wird der Mikrozensus durch das Landesamt für Statistik Niedersachsen durchgeführt. Dabei werden auch in der Samtgemeinde Dörpen nach einem Zufallsprinzip einzelne Haushalte ausgewählt und zur Teilnahme an der Befragung aufgefordert. Die Mitwirkung ist gesetzlich geregelt.

Die Erhebung liefert umfassende Erkenntnisse über die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Bevölkerung. Diese Informationen dienen Politik, Verwaltung und Wissenschaft als wichtige Entscheidungsgrundlage.

Die ausgewählten Haushalte werden frühzeitig schriftlich informiert und erhalten alle notwendigen Hinweise zum Ablauf. Die Samtgemeinde Dörpen ruft dazu auf, die Durchführung der Befragung aktiv zu unterstützen.

Weiterführende Informationen stehen auf der Homepage des Statistischen Bundesamtes bereit. [Samtgemeinde Dörpen]

Wie Merz und Reiche Betriebswirtschaft statt Volkswirtschaft betreiben

Neoliberale und konservative  Politiker verfügen deshalb über keine Wirtschaftskompetenz, weil sie nicht in der Lage sind, volkswirtschaftlich zu denken. Für sie ist die ganze Welt ein Betrieb. Sie können auch den Staat nur betriebswirtschaftlich begreifen.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, der Millionär Friedrich Merz, Maskenhändler Jens Spahn oder Carsten „Ich hab schon mal ein Jahr gearbeitet“ Linnemann kennen deshalb keine Mittel, wie man die Wirtschaft eines Landes voranbringen kann. Ihre einzigen immer wiederkehrenden Mittel sind 1. die Senkung der Lohnkosten durch Reallohnsenkung und Sozialabbau, 2. die Senkung der Betriebskosten durch staatliche Subventionen an die Konzerne und 3. die Senkung der Konzernsteuern. Damit ist ihre Phantasie erschöpft. Diese drei Dinge ergeben betriebswirtschaftlich auch Sinn.

Wer aber einen Blick über den Firmenzaun wirft, stellt fest, dass es da draußen noch eine andere Welt gibt. Da gibt es z. B. die potentiellen Kunden, die auch in der Lage sein müssen, die Produkte der Konzerne kaufen zu können. Da gibt es eine Infrastruktur, die die Firmen zur Produktion brauchen. Da gibt es ein Bildungssystem, auf das die Firmen angewiesen sind. Da gibt es ein Rechtssystem.

Die Wirtschaft eines Staates mit betriebswirtschaftlichen Augen und Begriffen erfassen zu wollen, ist etwas vollkommen Sinnloses. Neoliberale und Konservative reden zwar gern vom Markt, aber sind nicht in der Lage zu erkennen, dass Tauschverhältnisse sich für beide Geschäftspartner lohnen müssen, wenn sie auf Dauer praktiziert werden sollen. Merz und Co. wollen deshalb die Welt mit wirtschaftlicher und militärischer Brachialgewalt dominieren, statt in dauerhafte gegenseitig vorteilhafte Beziehungen zu investieren.

Merzens Weigerung eines höheren Spitzensteuersatzes und die Verweigerung von Vermögens- und Erbschaftssteuern verbunden mit Einkommenssenkungen für die Masse hilft, die deutsche Wirtschaft direkt in den Abgrund zu führen. Alleinige Nutznießer ihrer Politik sind die international ausgerichteten Konzerne. Deren Börsenwerte steigen, was Merz als Ergebnis  guter Politik betrachtet. Nur kann es den deutschen Bürgern vollkommen egal sein, wie deren Börsenwerte stehen. Das ist nur der Maßstab für das Vermögen der Oligarchen.

Das Masseneinkommen sinkt und damit die allgemeine Nachfrage. Die Folge ist der Abbau von Arbeitsplätzen. Das ist seit den Erkenntnissen von John Maynard Keynes eigentlich Allgemeinwissen, aber bei den Konservativen bis heute nicht angekommen. Reiche und Merz können die Welt nur mit den Augen des Konzernchefs betrachten, der jede Ausgabe, die nicht unmittelbar seinem Profit dient, ablehnt.

"Die Zitrone ist ziemlich ausgequetscht", sagte Merz im Politikpodcast "Machtwechsel". Mit Reichensteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag liege die Gesamtbelastung für hohe Einkommen bereits bei fast 50 Prozent. Trotzdem haben in Deutschland die Oligarchen ihr Vermögen 2025 um 30% erhöhen können. Das ist ziemlich viel für ausgequetschte Zitronen. Diese ausgequetschten Zitronen sitzen auf so viel Geld, dass sie nicht wissen, wohin damit. In Produktionsanlagen können sie nicht investieren, weil die Menschen immer weniger kaufen können. Sie benutzen das Geld also dazu, um Aktien zurückzukaufen. Wenn ein neuer Trend auftaucht, z. B. KI, investieren sie besinnungslos. Die Firma Tesla ist deshalb aktuell mehr wert als alle anderen Autokonzerne zusammen. Das ist vollkommen realitätsfern und reine Spekulation. Aber die ausgequetschten Zitronen kaufen Tesla-Aktien gerade weil sie so teuer sind und sie so ihr Geld los werden.

Der Kriegskurs der europäischen Staaten und allen voran Deutschlands kommt den ausgequetschten Zitronen auch sehr gelegen. Sie stellen ihr überschüssiges Geld dem Staat in Form von Staatsanleihen zur Verfügung. Der Kredithunger, der durch „Sondervermögen“ für Rüstung ausgelöst wird, gibt den Oligarchen wieder satte Gewinne, die sie wieder anlegen müssen. Aber von all dem hat ein Arbeiter oder Angestellter in Deutschland nichts. Im Gegenteil: das Bild der ausgequetschten Zitrone trifft auf abhängig Beschäftigte durchaus zu. Mieten, Energiekosten und Lebenshaltungskosten können oft nur noch mit Abstrichen finanziert werden.

Der Blogger Jörg Lipinski weist in einem Beitrag über die erste echte Krise der Weltwirtschaft von 1857 darauf hin, dass diese sozusagen aus Versehen durch keynsianische Politik überwunden wurde. In dieser Wirtschaftskrise kam es nicht zu einer Inflation, sondern zu einem Preisverfall, der wertmäßig die folgende Lohnsenkung erheblich übertroffen hat.

Der Historiker Hans Rosenberg beschrieb, dass trotz aller Versuche, die Löhne zu drücken und dem niedrigen Preisstande anzupassen, das Lohnniveau eine bemerkenswerte Stabilität behauptete und in den kapitalistischen Ländern die Nominallohnsenkung durchschnittlich kaum mehr als 10 % betragen habe. In nicht wenigen Branchenzweigen und Wirtschaftsbezirken sei es zudem überhaupt nicht zu einer Lohnsenkung, sondern lediglich zu einer Abschwächung der aufsteigenden Lohnbewegung gekommen.

Rosenbergs Fazit zu 1857: „Und da letzten Endes der „Konsum der Konsumenten“ den Produktionsumfang bestimmt, so haben schließlich nach dem Aufschwung der auf den wirtschaftlichen Gesamtorganismus zurückwirkenden Verbrauchsgüterindustrien auch die kapitalproduzierenden Industrien sich wieder zu erholen vermocht. Mit dem Steigen der Nachfrage nach erzeugten Fertiggütern und dem Wiederanziehen der Preise ist der Boden für die Wendung von der Schrumpfungs- und Stagnierungs- zur Anstiegstendenz bereitet worden.“ [jdm]

Was bedeutet Kriegstüchtigkeit für mich? – Informationen zum neuen Wehrdienst

Yannick Kiesel

Der DGB- Kreisverband Aurich lädt am 25. Februar 2026 um 18:00 Uhr, zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Yannick Kiesel zu dem Thema „Was bedeutet Kriegstüchtigkeit für mich? – Informationen zum neuen Wehrdienst“, ins Europahaus Aurich ein.

Zur Person: Yannick Kiesel ist Humangeograf (M.Sc.) und wohnhaft in Berlin. Als Referent bei der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG-VK) und stellvertretender Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands engagiert er sich für Frieden, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit.

Kiesel sagt. „Eine Wiedereinsetzung der Wehrpflicht ist alles andere als einfach und günstig. Es wäre mit enormen Kosten verbunden, die weit über die bloße Finanzierung des Soldes hinausgehen. Die Infrastruktur der Bundeswehr müsste erheblich ausgebaut werden: Ausbildungsstätten, Unterkünfte und Materiallager sind in ihrem jetzigen Zustand keinesfalls auf eine groß angelegte Mobilisierung vorbereitet. Allein die Modernisierung und der Ausbau der Infrastruktur würden Milliarden verschlingen“.

„Eine verpflichtende Dienstzeit, sei es in der Bundeswehr oder in anderen Bereichen, steht im Konflikt mit den Grundprinzipien einer freien Gesellschaft. Junge Menschen sollten das Recht haben, selbst über ihren Lebensweg zu entscheiden, anstatt durch den Staat zu einem Dienst gezwungen zu werden. Es ist nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern auch der Werte, die unsere Gesellschaft vertreten will“, so Kiesel weiter.

Die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, mit Yannick Kiesel, beginnt um 18:00 Uhr, im Europahaus Aurich, Europahaus, Von-Jhering-Straße 33, 26603 Aurich. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Auricher Forum Frieden & Demokratie, statt. Der Eintritt ist frei. [PM DGB]

Merz wirbt für Rüstung und die deutsche Atombombe

Wie es Kanadas Premierminister Mark Carney in Davos vormachte, übte sich Friedrich Merz auf der Münchener "Sicherheitskonferenz" darin, Deutschland und die anderen Vasallenstaaten der USA innerhalb der Nato als von den USA Hintergangene und Verlassene darzustellen. Dabei war immer klar, dass es der Nato darum ging, die Vormachtstellung des politischen Westens und die Interessen der heimischen Oligarchie auch militärisch abzusichern. Dafür unterstützten Deutschland und die europäischen Staaten jeden Krieg der USA in Asien, Südamerika und Afrika, jede Sanktion gegen einen unbotmäßigen Staat und jeden Versuch eines Regime-Changes. Wir kennen alle noch das schriftliche Gestammel von Merz über die „Komplexität“ bei der Entführung des venezolanischen Staatschefs und seiner Frau.

Was Merz in seiner Grundsatzrede auf dem Militaristentreffen verlauten ließ ist nur das Erstaunen des Komplizen, wenn der Boss seine Untergebenen auch übers Ohr haut. Seine Kritik an Trumps „MAGA“ ist keineswegs ein „den Schalter im Kopf umstellen“, von dem er sprach, sondern nur das Benennen dessen, was ganz offensichtlich ist: Die USA verfolgen nur die Interessen der einheimischen Oligarchie – und das nicht erst seit Trump, sondern schon seit Clinton. Trump ist nur so skrupellos, diese Interessen offen zu nennen, während Obama, Biden und Konsorten alles mit Sprüchen von „Freedom and Democracy“ verhüllten.

Merz möchte die bisherige Politik weiter betreiben, nur ohne die USA. Er glaubt, mit den Sprüchen von „Freiheit und Demokratie“ jetzt die Vormachtinteressen der westeuropäischen Staaten verdecken zu können. Dazu braucht es einen europäischen Militärstaat. Er bot an, dass Deutschland die europäische Führungsrolle in dieser neuen Weltordnung übernehmen könne. Ob das wirklich bei den anderen Europäern gut ankommt, wird sich noch herausstellen. Denn was deutsche militärische Führung schon zweimal in Europa anrichtete, ist nicht überall vergessen.

Die Verteidigung des europäischen Kontinentes könne aufgrund seiner Geschichte jedoch nicht von der Bundesrepublik alleine ausgehen, sondern könne nur europäisch gedacht werden und gelingen. Schon Hitler sprach davon, dass Deutschland allein die Welt nicht im Griff behalten könne – schon er träumte von einer europäischen Großmacht unter deutscher Führung.

Merz erklärte, er habe mit Frankreich Beratungen über eine gemeinsame nukleare Abschreckung aufgenommen. Der Traum von der deutschen Atombombe lässt sich aus den reaktionären Köpfen Deutschlands nicht eliminieren. Deutschlands Verpflichtung aus dem Atomwaffensperrvertrag (NVV) ist für Merz offensichtlich nichts wert.

Das Schlimme ist, dass der Vorsitzende der anderen deutschen Regierungspartei, Lars Klingbeil von der SPD, bei seiner „Grundsatzrede“ zum geplanten SPD-Grundsatzprogramm praktisch dasselbe forderte: „Ich will, dass Europa so stark ist, dass wir uns vor niemandem klein machen müssen“, was bedeute, wirtschaftlich und militärisch noch enger zusammenzuarbeiten.

Dass es Merz nicht um Sicherheit geht ist offensichtlich; dazu passt auch, dass er weiterhin Gespräche mit Russland ablehnt. Der Krieg in der Ukraine soll mit allen Mitteln am Laufen gehalten werden. Sicherheit ist für Merz nur ein Codewort für militärische Übermacht –wenn nicht mit den USA, dann eben in Konkurrenz zu ihnen. Seine Aussage, er wolle die USA erinnern, dass die transatlantische Zusammenarbeit auch zu ihrem Vorteil sei, bedeutet lediglich, dass sich die Komplizen gerne einigen können und wie in kolonialen Zeiten Interessensphären abstecken können. Und wenn  Trump bei der nächsten Wahl durch eine Neuauflage vom Typ Biden oder Obama ersetzt wird, kann man ja auch wieder gemeinsam auf Raubzug gehen. [jdm]

Fakten zur Ungleichheit (2)

45 Großerben erhielten 2024 zusammen Unternehmensvermögen von fast 12 Milliarden Euro. Darauf setzten die Finanzämter zunächst rund 3,5 Milliarden Euro Steuer fest – entsprechend einem regulären Steuersatz auf Großvermögen von etwa 30 Prozent. Anschließend erließen sie jedoch 95 Prozent der Steuerforderung. Der Staat verzichtete zu Gunsten dieser Großerben auf Einnahmen von 3,4 Milliarden Euro und letztlich lag ihr Steuersatz bei rund 1,5 Prozent. Damit werden milliardenschwere Unternehmensübertragungen weit geringer besteuert als deutlich kleinere Erbschaften, die oberhalb der persönlichen Freibeträge liegen.

Hauptursache ist die 2016 eingeführte “Verschonungsbedarfsprüfung”: Großerben können beantragen, dass ihnen die Steuer erlassen wird, wenn sie nachweisen, dass sie nicht über ausreichend Privatvermögen verfügen, um die Steuer zu bezahlen. Dabei wird allerdings nur die Hälfte des vorhandenen Privatvermögens zum Stichtag der Übertragung berücksichtigt. Zukünftige Gewinne oder Dividendenerträge aus dem geerbten Unternehmen bleiben außen vor – sie müssen also nicht zur Steuerzahlung eingesetzt werden. (Quelle: DGB) [jdm]

SPD-Grundsatzprogramm? Ach, hat die SPD Grundsätze? Hat die SPD irgendein Programm?

Wenn sie nicht gerade auf dem Parteipodium steht um über ihre Vorstellungen für das neue Grundsatzprogramm der SPD zu sprechen, redet die Ko-Parteivorsitzende der SPD, Bärbel Bas, von Sozialhilfebetrug und von den Bürgergeldempfängern, die den Sozialstaat bedrohen und spielt damit der CDU und den Konzernen, die den Sozialstaat real mit ihren Forderungen bedrohen, in die Hände.

Lars Klingbeil, der zweite Vorsitzende, redet beim „Zukunftsauftakt“ im Atrium des Willy-Brandt-Hauses plötzlich über Sozialstaat, billige Energie, Gemeinwohl und öffentliche Güter, Demokratie und Bildung – Themen, die der SPD in der letzten Zeit eigentlich am Arsch vorbei gingen. Jetzt glaubt Klingbeil wegen der ungeschickten Orgie an Vorschlägen der CDU für den Kahlschlag an Sozialleistungen, eine nette Rede könnte den Glauben an die SPD als soziale Partei der Arbeiterklasse zurückbringen.

Dass es ihm damit nicht Ernst ist, ist an seiner Verteidigung der forcierten Aufrüstung zu sehen. Den Trump’schen Zumutungen will er durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Staaten entgegen treten. Aber wie glaubwürdig ist das denn, wenn er jetzt Europa zu einer militärischen Supermacht aufbauen will und im Inneren zu einem Militärstaat machen möchte. „Ich will, dass Europa so stark ist, dass wir uns vor niemandem klein machen müssen“, forderte Klingbeil. Im Inneren bedeute das, wirtschaftlich und militärisch noch enger zusammenzuarbeiten, im Äußeren, Stärke durch ein breites Netz an Partnerschaften und Allianzen aufzubauen.

Europa ist weltweit bekannt als die wirtschaftliche Macht, die den USA immer zu Diensten war. Warum sollte der Ausbau militärischer Macht Europas Fähigkeit zur Zusammenarbeit verbessern? Und wie soll der Sozialstaat gerettet werden, wenn Deutschland weiter die wahnsinnige Aufrüstung betreibt?

Wirtschaftlich bleibt Klingbeil in seiner Rede auch vollkommen diffus. „Wir haben zu oft das Gemeinwohl aus dem Blick verloren“, kritisierte der SPD-Vorsitzende. „Deshalb sollte unser neues Wirtschaftsmodell öffentliche Güter verstärkt in den Blick nehmen.“ Was heißt das? In der Vergangenheit hieß dies, dass die SPD die öffentlichen Güter durch Privatisierungen an die Konzerne verschenkte. Wäre es nicht vielmehr an der Zeit, die privaten Oligarchenvermögen verstärkt in den Blick zu nehmen? Wäre es nicht an der Zeit, die Immobilienkonzerne zu verstaatlichen? Wäre es nicht an der Zeit, Raubtierfonds den Kauf von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern zu verbieten?

Als vor über 140 Jahren Bismarck die Krankenversicherung einführte, tat er dies, um zu verhindern, dass die Sozialdemokratie die Macht erreichen könnte. Heute gibt es nichts, was irgendein Kapitalist, Konzern, Rüstungsproduzent oder Oligarch von der SPD befürchten müsste. Und es gibt nichts, was ein Arbeiter von der SPD erwarten kann – außer schöne Reden. [jdm]

Gerechtigkeit statt Spaltung – Gemeinsame Erklärung der Gewerkschaften zur Debatte um Wirtschaft und Sozialstaat

In einer gemeinsamen Erklärung stellen die DGB-Gewerkschaften fest, dass die Angriffe der Union und der Arbeitgeber auf den Sozialstaat und die Beschäftigten immer unverschämter würden. Sie fordern einen Stopp dieser Kahlschlag-Debatten. Sie verunsicherten die Menschen, würgten den schwachen wirtschaftlichen Aufschwung ab und brächten kein Wachstum. Wörtlich heißt es in der Erklärung:

Was derzeit als „Reformdebatte“ daherkommt, ist ein Armutszeugnis für die Union und viele Wirtschaftsverbände. Sie wollen mit dieser Kampagne von den vielen strategischen Fehlentscheidungen in den Chefetagen und den großen Herausforderungen ablenken: fehlende Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Transformation, mangelnde Tarifbindung, ungerechte Steuerpolitik und eine verfehlte Wirtschaftspolitik. Statt diese Baustellen anzugehen, wird ein radikaler sozialer Kahlschlag gefordert – mit immer abenteuerlicheren Vorschlägen auf Kosten der Menschen im Land, die angeblich zu faul, zu krank, zu oft in Teilzeit seien. Diese Debatten spalten unsere Gesellschaft, gefährden die Demokratie und lösen keine Probleme.

Wir Gewerkschaften sagen klar: Wir dulden keine weiteren Angriffe auf die Beschäftigten und den Sozialstaat. Wer die Beschäftigten an seiner Seite wissen und die Demokratie stärken will, muss gute Löhne und Arbeitsbedingungen sowie die soziale Absicherung stärken, statt die Menschen gegeneinander auszuspielen.

Wir fordern ein Ende der Debatten, die nur verunsichern und die Gesellschaft spalten. Statt Abrisspläne für Arbeitsrechte und Sozialstaat braucht es mehr Steuergerechtigkeit für hohe Einkommen und Vermögen. Statt Beschäftigten ihre hart erkämpften Rechte abzusprechen, braucht es entschlossene Reformen, die Deutschland voranbringen.

Reformen sind nicht dann gut, wenn sie den Menschen besonders wehtun. Gute Reformen schaffen Wachstum, stärken den sozialen Zusammenhalt, geben Perspektiven und bringen Deutschland voran.

Wir Gewerkschaften fordern einen Kurswechsel: weg von Scheindebatten, hin zu echten Reformen – zu denen die Reichen und Überreichen endlich beitragen müssen.

Wir Gewerkschaften stehen bereit für einen konstruktiven Dialog über die Zukunft unseres Landes. Wir wollen gemeinsam eine solidarische, demokratische und gerechte Gesellschaft gestalten – eine Gesellschaft, in der gute Arbeit, faire Löhne und soziale Sicherheit für alle selbstverständlich sind. Gemeinsam für einen starken Sozialstaat. Gemeinsam für gute Arbeit. Gemeinsam für eine gerechte Zukunft.

Die Stellungnahme wird noch ergänzt durch einzelne Stellungnahmen der Gewerkschaftsvorsitzenden. [PM]

Fakten zur Ungleichheit (1)

Die Vermögen deutscher Milliardäre sind 2025 inflationsbereinigt um 30 % gestiegen, fast doppelt so stark wie im globalen Durchschnitt. Weltweit legten Milliardärsvermögen um 2,5 Billionen Dollar zu.

Wenn der Vermögensanstieg von 2025 sich wiederholen sollte, bedeutet das, dass sich das Vermögen der deutschen Milliardäre alle drei Jahre verdoppelt.

Weltweit stiegen die Milliardenvermögen um 16 %. Das bedeutet eine Verdoppelung der Milliardenvermögen alle sechs Jahre.

In Deutschland besitzt die reichere Hälfte 99,5 Prozent des Gesamtvermögens, die ärmere Hälfte besitzt 0,5 Prozent. Dieter Schwarz (Lidl/Kaufland) und die Familie Boehringer und von Baumbach besitzen mit mindestens 95 Milliarden Euro mehr als die ärmere Hälfte der deutschen Bevölkerung. [jdm]

Radikale und extreme Rechte in der Bundesrepublik – Seminar im HÖB Papenburg

Vom 20.-22. Februar 2026 findet in der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte Papenburg ein Seminar der Interessengemeinschaft niedersächsischer Gedenkstätten und Initiativen zur Erinnerung an die NS-Verbrechen statt.

Das Grundgesetz der Bundesrepublik verlangt als erste und oberste Gesetze die Würde, Gleichheit und Freiheit der Menschen als grundsätzliche Übereinkunft der Gesellschaft. Den Hintergrund bildete zum einen der Eindruck des gerade durch die Alliierten besiegten nationalsozialistischen Regimes und die Frage, welche rechtlichen Bedingungen der Weimarer Verfassung zu diesem geführt hatten.

Heute erleben wir in der Bundesrepublik – sowie innerhalb und außerhalb Europas – eine Virulenz des Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus, die im Widerspruch zur Erinnerungspolitik steht. Der Rechtsextremismus richtet sich explizit gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung und ignoriert die im Grundgesetz verbürgten Rechte aller Menschen.

Wie können wir diese Entwicklungen sprachlich und praktisch begreifen? Was bedeutet Rechtsextremismus heute? Wer sind die Akteure? Welche Strategien verfolgen rechtsextreme Netzwerke und Parteien? Was können wir der Erosion der im Grundgesetz und der Erklärung der Menschenrechte verbürgten Grundlagen unserer (globalen) Gesellschaft entgegensetzen? Wie können wir uns und andere schützen?

In unserem diesjährigen Seminar möchten wir uns spezifisch mit dem Rechtsextremismus in der Gegenwart befassen. Neben informativen Beiträgen tragen Workshops dazu bei, Handlungsstrategien und Interventionsmöglichkeiten kennenzulernen und zu diskutieren. Für das Programm konnten wir Andrea Röpke gewinnen, die einen einführenden Vortrag mit Bezug auf Niedersachsen halten wird. Am Samstag wird Berit Kö über Geschichtsbilder und Mythen in der extremen Rechten sprechen. Danach diskutieren wir mit Dr. Nils Schumacher Strategien der Handlungsfähigkeit gegen Rechts. In einem Workshop widmen wir uns Handlungsstrategien und Schutzstrukturen auch in Gedenkstätten und Initiativen (Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus). Im zweiten, parallel laufenden Workshop lernen wir mehr darüber, wie sich Menschen radikalisieren – und was sie davor schützen kann (Landes-Demokratiezentrum Niedersachsen). Schließlich können wir mit Dr. Alexander Hensel am Sonntag einen Blick auf Strategien und Strukturen rechtspopulistischer Parteien werfen.

Anmeldung unter: https://www.hoeb.de/seminar/radikale-und-extreme-rechte-in-der-bundesrepublik/. Mehr Infos im Flyer. [PM]

Gleichmacherei im Namen der Gleichberechtigung – Wie die Frauen-Union Schutzrechte relativiert

Die Frauen-Union der CDU hat vorgeschlagen, Frauen künftig in die Erfassung, Musterung und perspektivisch auch in eine Wehr- oder Zivildienstpflicht einzubeziehen. Damit folgt sie derselben Logik, die bereits die aktuelle Debatte prägt: Junge Menschen, kaum dem Kindes- und Jugendalter entwachsen, erscheinen vor allem als verfügbare Größen, als statistische Einheiten im Dienst militärischer Bedarfsplanung. Nun werden insbesondere Frauen als „ungenutztes Potenzial“, als „Personalreserve“ und als demografischer Faktor in den Blick genommen.

Diese Perspektive ist nicht neu. Bereits Teile von Bündnis 90/Die Grünen haben mit Konzepten eines militärischen Zwangsdienstes und anderer sogenannter „Freiheitsdienste“ ähnliche Denkfiguren etabliert. Gemeinsam ist ihnen der blinde Fleck für die gesellschaftliche Realität junger Menschen – hier insbesondere von Frauen. Denn Frauen tragen weiterhin den Großteil unbezahlter Arbeit, sind überdurchschnittlich von sozialen Einschnitten betroffen und haben in Krisenzeiten einen erhöhten Schutzbedarf.

Warum also ist es der Frauen-Union ein Anliegen, ausgerechnet Frauen, die aufgrund von Doppelbelastung und Care-Arbeit seit Jahren Entlastung einfordern, zusätzliche Verpflichtungen aufzuerlegen? Warum wird Gleichstellung hier nicht als Abbau bestehender Ungleichheiten verstanden, sondern als Ausweitung staatlicher Pflichten?
Hinzu kommt eine rechtliche Dimension: Eine verpflichtende Musterung oder Wehrpflicht für Frauen widerspricht Artikel 12a des Grundgesetzes. Die Frauen-Union spricht von Gleichberechtigung, wenn Schutzrechte für Frauen aufgehoben werden sollen.

Dieses Gesetz ist kein Anachronismus, sondern das Ergebnis langer demokratischer Auseinandersetzungen und Ausdruck verfassungsrechtlichen Schutzes. Dass die Frauen-Union dieses erkämpfte Recht abschaffen will, wirft ein bezeichnendes Licht auf ihr Verhältnis zu Grundrechten. [Joop Deters]

Sozialstaatsreform: Sprachregelung für den Abbau des Sozialstaats veröffentlicht

„Wir setzen eine Kommission zur Sozialstaatsreform gemeinsam mit Ländern und Kommunen mit dem Auftrag zur Modernisierung und Entbürokratisierung im Sinne der Bürgerinnen und Bürger und der Verwaltungen ein [...].“ Das stand im Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Wir erinnern uns: Die Koalitionäre wollten zu Beginn ihrer Arbeit keine politischen Aussagen machen, außer dass Schulden für die horrende Aufrüstung gemacht werden sollten.

Für alles andere beschloss der Koalitionsvertrag die Einsetzung von Kommissionen – so auch für die Entwicklung des Sozialstaats. Denn „die Komplexität von Zuständigkeiten und Schnittstellen in unserem Sozialstaat erfordert jedoch eine grundsätzliche Betrachtung und Reform.“ Die so genannte Sozialstaatsreform sollte nicht zu weniger Ansprüchen führen, sondern das Verwaltungshandeln so vereinfachen, dass weniger Kosten entstehen. Die Kommission hat jetzt ihren Bericht vorgelegt und schreibt in ihrem Vorwort, „Empfehlungen zu Leistungskürzungen oder- ausweitungen gehörten nicht zum Auftrag der Kommission. Ein Ziel der Kommission ist, durch einen effizienteren Leistungsvollzug Kosteneinsparungen zu erreichen.“

Diesem Anspruch werden die Empfehlungen aber nicht gerecht. Ihnen ist deutlich anzumerken, dass die Kommission immer im Blick hatte, wo Sozialleistungen gekürzt werden können, um die Hochrüstung bezahlen zu können. Es heißt dazu: „Die Empfehlungen der Kommission sollen zudem positive Arbeitsmarkt- und Fiskaleffekte bewirken.“

Von Vereinfachung, Transparenz und Modernisierung der Verwaltung ist immer wieder die Rede. Das ist die Sprachregelung, mit der in den nächsten Jahren der Abbau des Sozialstaates verschleiert werden soll.

In der Kommission zur Sozialstaatsreform saßen 18 Menschen, die alle ein Jahresgehalt von mindestens 100.000 bis 160.000 €/Jahr verdienen. Mit dem Ergebnis zufrieden äußerte sich die Bundes“sozial“ministerin Bärbel Bas, die monatlich über 22.000 € vom Staat bekommt. Und diese Damen und Herren machten sich Gedanken darüber, dass vom Arbeitseinkommen von Bürgergeldempfängern nicht mehr – wie bisher – 100 €, sondern nur noch 50 €/Monat anrechnungsfrei bleiben soll (Empfehlung Nr. 4). Das wird dann – wie in den unseligen Wortmeldungen des Millionärs Friedrich Merz zum Bürgergeld als „Erwerbsanreiz“ verkauft.

Geringverdienern soll mehr vom Bürgergeld abgezogen werden, als Bürgergeldempfängern, die mehr verdienen. Das entspricht dann der Forderung von Merz, die Teilzeitarbeit zurückzufahren. Obwohl die SPD sich offiziell gegen die Teilzeitdebatte von Merz ausspricht, lassen ihre Sozialministerin Bas und die sozialdemokratisch regierten Länder in den Empfehlungen der Kommission das Gegenteil vom Stapel.

In Empfehlung 10 kann sich die Kommission nicht einmal dazu durchringen, die Leistungen für Bildung und Teilhabe beim Bürgergeld in Höhe von 15 € pro Monat einfach dem Regelsatz zuzuschlagen, was eine eindeutige Vereinfachung wäre. Nein, hier wird empfohlen, die Belege für die Aufwendungen (z. B. Schulausflug) nur noch stichprobenartig anzufordern oder – Gipfel der Bürokratie! – dafür eine eigene App einzuführen. Und das obwohl die Empfehlungen 18 bis 26 sich nur mit Verwaltungsvereinfachung durch Digitalisierung beschäftigen. Das macht deutlich: Digitalisierung soll zwar Verwaltungshandeln vereinfachen, aber auf keinen Fall die Leistungsbezieher einfacher an die Hilfen kommen lassen.

Die Neusystematisierung von Sozialleistungen soll durch eine Zusammenführung von Bürgergeld, Wohngeld und Kindergeld erreicht werden. Bisher ist es so, dass Bürgergeldempfänger kein Wohngeld bekommen und dass der Kindergeldanspruch voll verrechnet wird. Menschen mit einem geringen Einkommen können mit Wohngeld und Kindergeld ein Einkommen erzielen, das deutlich über dem Bürgergeld angesiedelt ist. Die Zusammenführung dieser Leistungen lässt doch den Verdacht aufkommen, dass statt der verschiedenen Leistungen die neue Grundsicherung für alle kommen soll. Das Ziel scheint Armut für alle zu sein.

Wer beim Wohngeld (und auch beim Bürgergeld) tatsächlich sparen will, müsste ein öffentliches Wohnungsbauprogramm auflegen, um die Mietenexplosion zu stoppen. Aber solche Sozialstaatsreformen kommen den Kommissionsmitgliedern nicht in den Sinn.

Stellungnahme Fachverbände

Auch die höheren Mittel für Eingliederungshilfe werden von der Kommission beklagt. Das sind die Hilfen für behinderte Menschen. Hier traut sich die Kommission aber tatsächlich nicht, zu Leistungskürzungen aufzurufen. Sie empfiehlt hier (Empfehlung 17) den laufenden Dialogprozess des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales mit den Ländern und Kommunen zur Eingliederungshilfe schnell abzuschließen. Hier befürchten die Behindertenverbände allerdings schon das Schlimmste und erinnern daran, dass das Teilhabegesetz ein Ausfluss der UN-Behindertenrechtskonvention ist. Die Verbände pochen auf die durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) eingeführte personenzentrierte Ausrichtung der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung.

Die Kommission empfiehlt beim Sozialrecht Rechtsvereinfachung und spricht dabei davon, dass einheitliche Begriffe verwendet werden sollen, um eine Vergleichbarkeit der Leistungen herzustellen. Natürlich spricht erst einmal nichts dagegen. Auch dass ein Ansprechpartner für alle Leistungsarten geschaffen werden soll, hört sich gut an. Aber die Erfahrungen in der Eingliederungshilfe lassen erkennen, dass das fromme Worte bleiben werden. Denn dort gilt bereits, dass die zuerst angesprochene Behörde den Antrag durch den Zuständigkeitsdschungel führen soll. In der Praxis ist es beim einfachen Abwimmeln geblieben.

Die Kommission glaubt selbst nicht daran, dass das Leistungsrecht vereinfacht werden kann und spricht deshalb davon, dass die Verwaltung in „Back-Office-Strukturen“ gebündelt werden solle. Das bedeutet, es bleibt bei dem Hin- und Herschieben von Leistungen und Erstattungen zwischen den Behörden, aber der Leistungsempfänger soll das nicht mitkriegen, was ihn somit nicht belasten würde. Der Antragsteller hätte es im Planspiel der Kommission mit einer Dienststelle zu tun, die den Antrag entgegen nehmen und beraten würde, und die „Back-Office-Strukturen“ würden den Fall dann bearbeiten. Erfahrungen mit Jobcentern oder den zentralen Anlaufstellen in den Großstädten Berlin und Hamburg lassen ahnen, in welchem Nirvana man landen kann, wenn der Antrag noch Ergänzungen braucht oder gar in der Verwaltungsmühle untergegangen ist. Ein Ansprechpartner ist nicht mehr vorhanden. Die Anlaufstelle ist nur für die Antragsannahme zuständig.

Im Hintergrund sollen die Behörden auch alle Daten des Hilfeempfängers untereinander austauschen können, bzw. diese Daten sollen zentral für alle jederzeit abrufbar lagern. Das nennt sich, „den Sozialdatenschutz vereinfachen“ (Empfehlung 22).

Alles soll digital verfügbar sein und auch digital erledigt werden können. Wer schon mal mit der Ausweis-App gearbeitet hat, erlebt immer wieder, dass die App den Ausweis nicht erkennt oder dass bei der Übergabe der Identifizierung durch die Ausweis-App an die eigentliche Verwaltungsbehörde das Formular wegen der schlechten Verbindung nicht mehr gültig ist. Gerade bei Sozialleistungsempfängern mit häufig schlechter Internetausstattung würde sich dieses Problem ständig zeigen.

Auch die Idee, Anträge durch KI-Unterstützung und ohne das Vier-Augen-Prinzip zu bearbeiten, wird dazu führen, dass Antragssteller sich in fatalen Schleifen verfangen werden, in denen die Hilfe verweigert wird, aber kein Korrektiv zur Verfügung steht, um diese Situation zu beenden. [jdm]

Die große Verdummung

Da draußen tobt ein Krieg, alter Freund! Ein Weltkrieg! Und es geht nicht darum, wer die meiste Munition hat… Es geht darum: Wer kontrolliert die Informationen? *

Eisbär als Superman

* Zitat aus dem US-Spielfim Sneakers - Die Lautlosen von 1992

  • Axiome der Verdummung

Die große Verdummung, die am Beispiel des Konflikts um Grönland deutlich gemacht werden soll, ist keine Wertung über die Intelligenz von Menschen und auch keine Unterstellung von bösen Absichten. Vielmehr geht es darum aufzuzeigen, dass allen Konflikten, die in irgendeiner Weise in Aggressionen ausarten, Verdummungen vorausgehen. Dass sie bis heute wiederholt werden, steht für die große Verdummung. Man erkennt sie an drei Axiomen, die in der Welt der Moderne gelten.

Es gibt gute und böse Interessen
Fakten haben etwas mit Objektivität zu tun
Informationen dienen der Wahrheitsfindung

Die drei Axiome kommen in zwei Sphären zur Wirkung, einer bewussten und einer unbewussten. In allen dreien geht es um Informationen. In der bewussten werden sie gezielt ausgesucht (manchmal sogar erfunden) und benutzt, um eigene Interessen als “gut” darzustellen und die der Konfliktgegner als “böse”. In der unbewussten werden diese Informationen übernommen und geglaubt. Polarisierung ist die Folge, an dessen Ende immer wieder Krieg steht. Der amerikanische Vietnamkrieg ist ein Klassiker dieser Verdummung.

  • Vietnam – vom Vernichtungskrieg zum Golfspielen

Als Folge der Kolonialzeit und des 2. Weltkrieges hatte sich in Nordvietnam eine kommunistische Gesellschaft herausgebildet. Südvietnam war, zumindest offiziell, eine Demokratie nach westlichem Vorbild. Um das Land zu vereinen, unterstützte der Norden die kommunistische Befreuungsorganisation im Süden, den Vietkong, im Kampf gegen die Regierungstruppen des Südens. Erfolge des Nordens veranlassten die USA 1965 mit eigenen Truppen in den Krieg einzugreifen. Die militärische Unterstützung des Nordens durch die kommunistischen “Riesen” Sowjetunion und China konnte für die USA nur eines bedeuten. Es ging in diesem Konflikt um die globale Verbreitung des Kommunismus, eine existenzielle Bedrohung der USA und des freien Westens. Dass es auch eine ganz andere Erklärung für den Konflikt gab, wollten/konnten die Amerikaner nicht denken. Der kommunistische Verhandlungsführer Le Duc Tho hatte schon während der Friedensgespräche in Paris 1973 seinem amerikanischen Gesprächspartner Henry Kissinger erklärt, dass es in Vietnam nicht um die Weltherrschaft des Kommunismus gehe, sondern ein Bürgerkrieg sei. Jahre später haben prominente Amerikaner aus Politik und dem Militär, die während des Vietnamkrieges Führungsverantwortung hatten, diesen Umstand eingesehen und das militärische Eingreifen der USA, das 4 Millionen Menschen darunter 58 000 Amerikanern das Leben gekostet hat, nachträglich für falsch erklärt. Zwanzig Jahre nach dem Sieg der Kommunisten wurden unter US-Präsident Clinton die Beziehungen zwischen den USA und dem einst verhassten Feind normalisiert. Heute fliegen US-Amerikaner nach Vietnam, um in einer der malerischen Hotelanlagen Golf zu spielen. – Eigentlich hätte man aus dieser Geschichte lernen müssen. Dem war nicht so. Die große Verdummung ging weiter, wie die Kriege auf dem Balkan, in Asien und Afrika belegen. In allen hat das Denken in den genannten Axiomen irgendwann zum Krieg geführt. Vom Frieden keine Spur, und der nächste Konflikt klopft schon wieder an die Tür. Es geht um den Anspruch des US-Präsidenten Donald Trump auf Grönland.

  • Grönland – Europa zwischen Bündnistreue und Rechtschaffenheit

Trumps aggressives Betreiben, Grönland zu besitzen und der dänische/grönländische Anspruch, vereint und unabhängig zu bleiben, hatte die Europäer in einen Interessenkonflikt gestürzt. Wie sollte man die Fahne der Rechtschaffenheit in der europäischen Wertegemeinschaft hochhalten, ohne gleichzeitig die Führungsmacht in der atlantischen Gemeinschaft zu verprellen. Man bediente sich der bekannten Verdummungsaxiome und beschwörte Bedrohungs-Narrative der Vergangenheit, die von der Trump-Administration zu gern geechot wurden. Die Eingliederung Grönlands in die USA diene dem Schutz der Bodenschätze Grönlands und denen unter dem Meeresgrund der Arktis vor einer russischen/chinesischen Ausbeutung. Außerdem gehe es darum, die polaren Handelswege einer russischen/chinesischen Einflussnahme zu entziehen. Sogar das klassische und waffentechnisch überholte Argument der Verteidigung der USA und Kanadas gegen einen russischen Atomangriff über den Nordpol wurde wieder hervorgeholt. Trotz aller Anbiederung der Europäer, auf diese Argumente einzugehen, konnten sie den US-Präsidenten nicht davon abbringen, Grönland in Besitz nehmen zu wollen. Dabei hätten sie jetzt die historische Chance, mit der altbekannten Verdummung zu brechen. Sie lässt nämlich nur entweder/oder Lösungen zu, an dessen Ende fast immer ein Krieg wartet.

Es gibt andere Fakten und Informationen, die nicht in die Konfrontation führen. Ihr Axiom ist: Weg vom Kontrolldenken hin zur Kooperation. In 1996 haben die Arktisstaaten das umgesetzt, indem sie den Arktischen Rat gegründet haben. Ständige Mitglieder sind die Polanreinerstaaten Norwegen, Finnland, Schweden, Island, Russland, Kanada und die USA. Hinzu kommen Beobachterstaaten, zu denen u.a. Deutschland, die Schweiz, Indien, Japan, Singapur und China gehören. Sie alle haben sich zur Aufgabe gemacht, Voraussetzung für einen sichere und umweltfreundliche Schiffahrt über die Polrouten zu schaffen. Dazu gehören allgemein anerkannte Regeln, die von allen Nutzern anerkannt und eingehalten werden (Eistauglichkeit der Schiffe, Navigationsvorgaben) und eine genaue Kenntnis über die Umwelt (Klima, Wetter, Seeströmungen, Eisbewegungen). Vieles wurde schon umgesetzt, auch die Schaffung von Infrastruktur an den unwirtlichen Küsten entlang der Routen (Häfen, Flugplätze und Rettungseinrichtungen).

  • Russland und China – arktische Partner

Wegen des Routenverlaufs der am meisten befahrenen Nordost-Route, die entlang der russischen Küste führt, sind die Russen am weitesten bei der Schaffung dieser Voraussetzungen. Es wurden entlang der Route Häfen und Flugplätze gebaut. Acht atomgetriebene Eisbrecher stehen bereit, um in Notsituationen ins Eis zu fahren und zu helfen. Andere Länder wie China, die vom Seehandel über die Polroute profitieren, schicken regelmäßig Forschungsschiffe in die Arktis, um wissenschaftliche Daten zu sammeln. Alle diese Aktivitäten können Sie bei Wikipedia nachlesen. Sie werden in der Argumentation der NATO-Staaten gemäß der Verdummungsaxiome als verkappte militärische Maßnahmen hingestellt. Dabei ist unbestritten, dass Russland wie China den Seehandel über die Polroute brauchen. Die Russen, um überhaupt am globalen Seehandel zu partizipieren und die Chinesen, um zu den südlichen Seewegen nach Europa über den Suezkanal eine Alternative zu haben, sollte der durch Krieg und Unruhen entlang der Routen unterbrochen werden. Vielleicht liegt hier das wahre Interesse von Herrn Trump an Grönland. Er will Kontrolle über den Arktis-Seehandel. Grönland ist dabei wesentlich praktischer und billiger als eine Flugzeugträger-Gruppe. Er ist halt Geschäftsmann.

  • Europas Interesse und Zukunft

Das für Europa vielleicht wichtigste Interesse sollte sein, mit einer Stimme zu sprechen. Man ist für Grönland und Dänemark gegen das Interesse der NATO-Führungsmacht eingetreten. Wenn das nachhaltig sein soll, dann wäre jetzt wichtig, die Verdummungsaxiome fallen zu lassen und den Kontrollwahn aufzugeben. Der Weg zu friedlichen Konfliktlösungen, in der Arktis und anderswo, stünde weit offen. [Ulrich Scholz, erstveröffentlicht auf Ulrichs Newsletter]

Das EU-Mercosur-Abkommen wird Umweltkrisen verschärfen – Gut wenn es nicht kommt

Die Inkraftsetzung des Mercosur-Abkommen, eines Freihandelsabkommens, das von der EU-Kommission vollkommen undemokratisch an den nationalen Parlamenten vorbei mit südamerikanischen Staaten abgeschlossen werden sollte, wurde vom Europaparlament verhindert. Gut so.

Denn immerhin haben sich die Bauern in Europa, auch der deutsche Bauernverband, dagegen ausgesprochen. Die Umweltschützer, wie z. B. der BUND haben sich dagegen ausgesprochen. Die Klimaschützer, wie z. B. Greenpeace, haben sich dagegen ausgesprochen. Und diejenigen, die den Rechtsstaat nicht an Sondergerichte ausliefern wollen, haben sich auch dagegen ausgesprochen. Und in Frankreich haben sich praktisch alle dagegen ausgesprochen.

Der Vertrag fördert umwelt- und klimaschädliche Produktions- und Exportmodelle, treibt die Abholzung des Regenwaldes voran und bedroht die Artenvielfalt sowie indigene Gemeinschaften. Das Abkommen öffnet neue Märkte für Produkte mit hohen Umwelt- und Klimalasten wie Verbrennerfahrzeuge und Pestizide. Verbindliche Regeln für Klima- und Umweltschutz fehlen.

Der Freihandelsvertrag würde zum Import von deutlich mehr preisgünstigen landwirtschaftlichen Produkten aus Südamerika nach Westeuropa führen, was die Krise der Landwirtschaft in Frankreich, Irland, Italien und in Deutschland verschärfen würde. Die deutsche Auto- und Maschinenbauindustrie und andere Konzerne aus anderen Branchen hoffen auf einen neuen Absatzmarkt in den vier Mercosur-Staaten  Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay.

Es gibt für die Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks Gründe genug, gegen das Mercosur-Abkommen zu sein. Es dient fast ausschließlich den Konzernen, die sich durch keine nationalen Gesetze einschränken lassen wollen. Zwar enthält das Mercosur-Abkommen im Gegensatz zu Abkommen wie CETA (mit Kanada) kein Kapitel zum Investitionsschutz und somit auch nicht die dort vereinbarten privaten Schiedsgerichte. Aber bei Handelsstreitigkeiten zwischen den Staaten werden temporäre Schiedspanel aus unabhängigen Experten gebildet, die eine bindende Entscheidung treffen. Dass diese unabhängigen Experten dann sicher nicht von den Gewerkschaften oder von Bauernvereinigungen gestellt werden, dürfte in einem Oligarchenstaat wie Deutschland oder Argentinien ziemlich sicher sein. Über diesen Umweg würden letztlich doch wieder private Gerichte der Konzerne Recht sprechen.

Die öffentliche Diskussion nach der Entscheidung des Europaparlaments ist eher als peinlich dümmlich zu bewerten. Niemand spricht darüber, was das Abkommen bedeuten würde, niemand spricht darüber, wie die EU-Kommission die Parlamente ausgetrickst hat. Es wird nur darüber lamentiert, dass es im EU-Parlament eine „Zusammenarbeit“ mit den Rechten gegeben habe.

Der Grünen-Vorsitzende Banaszak bedauert, dass es zur gemeinsamen Abstimmung mit der AFD im EU-Parlament gekommen sei. Dass die Grünen eine Zeit lang, Freihandelsabkommen abgelehnt haben, hat er vergessen. Denn Inhalte spielen bei den Grünen mehrheitlich keine Rolle mehr.

SPD und CDU interessiert sowieso nur, was die Konzerne wollen. Und sie hoffen wider jede Vernunft, dass sie mit diesem Abkommen den Verlust der wirtschaftlichen Bedeutung Deutschlands durch die konfrontative Politik gegen China und Russland ausgleichen könnten. Deshalb wird das Mercosur-Abkommen gegen jede Realität auch als „größte Freihandelszone der Welt“ mit 700 Millionen Menschen gepriesen. Dabei sind China und Indien mit jeweils 1,45 Mrd Menschen allein schon größere Freihandelszonen. Und deshalb spielen sie weiter die Diffamierungskarte. Denn das vernebelt die Erkenntnis, dass das Mercosur-Abkommen nicht den Menschen und der Natur, sondern nur den Konzernen hilft. [jdm]

Gemeindezentrum Neudörpen: Darum wird Erweiterung des vorhandenen Gebäudes nicht für sinnvoll gehalten

Im Artikel auf der Dörpen-App über das neue Gemeindezentrum in Neudörpen war über das jetzige Gemeindezentrum zu lesen, das "Gebäude ... ist inzwischen abgängig und muss deshalb abgerissen werden".

Wir haben bei der Gemeinde nachgefragt, wie sich die Abgängigkeit denn darstelle, ob der Baukörper untersucht wurde und welche baulichen Probleme festgestellt wurden. Bei der Fuchshofschule in Schorndorf mit ihren fünf Variel-Pavillons wurden diese vor der Sanierung, bzw. dem Umbau untersucht und es konnte keine Beeinträchtigung der Festigkeit festgestellt werden.

Wie uns Pressesprecher Daniel Mäß von der Samtgemeinde Dörpen jetzt mitteilte, habe der Architekt eingeschätzt, dass das Bestandsgebäude seinerzeit aus einer Stahlkonstruktion in Modulbauweise errichtet, mehrfach umgenutzt, teilweise um- und angebaut und saniert wurde. Dazu wurden bereits Stützen entfernt und mittels Stahlträger überspannt. Eine erneute Erweiterung würde das Tragwerk weiterhin strapazieren und die Sinnhaftigkeit infrage stellen.

Ebenfalls entspreche die Gebäudehülle nicht den heutigen energetischen Anforderungen. Es sei zu erwarten, dass auch die Leitungsführung der Haustechnik unterhalb des Gebäudes abgängig sei. [jdm].

Als JüdInnen markiert und verfolgt – Jüdische Identitäten und NS-Tatorte in Sachsen-Anhalt

Einladung Jüdiscvhe Identitäten - Ausstellung Gedenkstätte Esterwegen

Zwölf unterschiedliche Persönlichkeiten, zwölf individuelle Perspektiven auf die eigene jüdische Identität, zwölf vom Nationalsozialismus gezeichnete Lebenswege, die mit sechs NS-Tatorten im heutigen Sachsen-Anhalt verbunden sind. Die Wanderausstellung der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt porträtiert Menschen, die – unabhängig ihrer eigenen Wahrnehmung – von den Nationalsozialist:innen als jüdisch markiert und als Konsequenz daraus gewaltsam aus der sogenannten Volksgemeinschaft ausgeschlossen wurden.

Finden Sie selbst heraus, wie vielfältig jüdisches Leben sein kann und lassen Sie uns gemeinsam vorgefasste Bilder, Vorurteile und Zuschreibungen kritisch hinterfragen. Die Ausstellung stellt zugleich die sechs Tatorte und heutigen Gedenkstätten Lichtenburg, Bernburg, Langenstein, Gardelegen, ROTER OCHSE Halle und Moritzplatz Magdeburg vor und macht damit deutlich, dass die nationalsozialistischen Verbrechen nicht nur fern im Osten stattfanden, sondern direkt vor der Haustür, in der eigenen Nachbarschaft.

Melanie Engler, die Leiterin der Gedenkstätte Lichtenburg, wird am Sonntag, 25. Januar 2026, um 15 Uhr mit einem Impulsvortrag die Sonderausstellung in der Gedenkstätte Esterwegen eröffnen. Die Veranstaltung findet statt zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar. Der Eintritt ist frei. [PM Gedenkstätte]

Die NOZ weint mit, wenn deutsche Oligarchen Steuern zahlen sollen

Fragt man die KI, was die Familie Quandt (Susanne Klatten und Stefan Quandt) durch ihre BMW-Anteile täglich "verdient", erhält man zur Antwort, es handele sich aktuell wohl um 11 Millionen € am Tag, was dann wohl über 4 Mrd. € im Jahr wären. Man kann dann wohl davon ausgehen, dass es sich bei dieser Familie um eine extrem fleißige Familie handeln muss. Ich glaube, dass ich auch recht fleißig bin, aber leider lässt sich mein Tages-Einkommen nicht in Millionen € darstellen, nicht einmal in Tausenden.

Im Herbstgutachten hatten die so genannten Wirtschaftsweisen vorgeschlagen, Änderungen bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer vorzunehmen. Diese sollte durch eine Reduktion der Begünstigungen für Betriebsvermögen konsequenter als bisher am Gleichheitsgrundsatz über alle Vermögensarten hinweg ausgerichtet werden. Denn den Wirtschaftsforschungsinstituten war aufgefallen, dass die großen Vermögen immer größer werden und die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird. Das war zwar da schon kein Geheimnis mehr, aber "Weise" brauchen manchmal etwas länger.

Deshalb traut sich die SPD auch, mal einen Vorschlag dafür zu machen. Die SPD möchte einen Lebensfreibetrag von rund einer Million Euro pro Person. Dieser setzt sich aus 900.000 Euro für Erbschaften aus der Familie und 100.000 Euro von nicht oder entfernt verwandten Personen zusammen. Selbst genutzte Eigenheime sollen steuerfrei bleiben, wenn die Erben dort weiterhin wohnen. Das würde Milliardäre schon hart treffen. Denn bisher zahlen sie praktisch keine Erbschaftssteuer, weil ihr Betriebsvermögen geschützt ist.

Das Argument für diese Steuerbefreiung lautet, man dürfe den Unternehmen das Geld nicht entziehen, weil sie es für Investitionen brauchen. Das benutzt dann auch der Kommentator der NOZ, der diese Position der Oligarchen eins zu eins nachbetet. Das Argument ergibt aber tatsächlich keinen Sinn. Denn ein Oligarch, der ein paar Milliarden € Steuern zahlen müsste, würde dafür seine riesigen Firmenbeteiligungen zum Teil verkaufen müssen. Aber die Firmen würden ja weiter existieren - nur mit anderen Besitzern. Den Milliardären blieben ihre anderen Milliarden zum guten Leben, und der Staat hätte etwas, mit dem er das Leben der vielen Menschen sichern könnte - er muss ja nicht immer Waffen kaufen.

Der NOZ-Kommentar benutzt sogar mit der Überschrift in der Druckausgabe "Eine Gefahr für Familienunternehmer" die Propaganda der hiesigen Oligarchen. Quandt und Co. haben sich bis 2007 "Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer" genannt, bis sie auf den genialen Gedanken kamen, sich Familienunternehmer zu nennen. Jetzt fühlt jeder gleich mit, wenn die Milliardäre klagen. Diesen Propagandatrick sollte man auch mal Zuckerberg und Musk stecken - ach nein, die kommen auch so zurecht. [jdm]

Großbritannien zahlt „erhebliche Summe“ an gefolterten Guantánamo-Häftling

Der Guardian berichtet, dass Großbritannien außergerichtlich eine erhebliche Summe an den Guantánamo-Häftling Abu Zubaydah gezahlt hat. Zubaydah wurde im Jahr 2002 festgenommen, zunächst fälschlich als führendes Mitglied von al-Qaida beschuldigt und später selbst von den USA nicht mehr dieser Organisation zugerechnet. Dennoch sitzt er seit über 23 Jahren ohne Anklage in US-Haft in Guantánamo Bay.

Zwischen 2002 und 2006 wurde Abu Zubaydah in geheimen CIA-„Black Sites“ schwer gefoltert, unter anderem durch Waterboarding (mindestens 83-mal), wochenlangen Schlafentzug, Einsperren in sarggroße Kisten, Aufhängen in Stresspositionen, Schläge sowie Demütigungen. Britische Geheimdienste sollen die CIA bei Verhören unterstützt haben, obwohl ihnen die Folter bekannt gewesen sei. Die Zahlung erfolgte ohne Schuldeingeständnis; Abu Zubaydah ist bis heute inhaftiert.

Seine Anwältin Helen Duffy sagte dazu im Guardian:

„Dieser Fall ist heute von höchster Aktualität, da Staaten das internationale Recht mit Füßen treten und die Welt auf andere Staaten blickt, um zu reagieren. Es gibt entscheidende Lehren über die Kosten einer Zusammenarbeit mit den USA oder anderen Verbündeten, die internationale Normen missachten.“ [Joop Deters]

DGB-Neujahrsempfang abgesagt

Aufgrund des Wetters hat der DGB den traditionellen Neujahrsempfang im Heimathaus Aschendorf am 11.01.2026 um 11 :00 Uhr abgesagt. [jdm].

DIZ: Lesungen am 20.01. und 19.03.2026

In knapp zwei Wochen, am 20. Januar um 19 Uhr, lädt das Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager (DIZ) ersten Veranstaltung im Jahr 2026 in das Arkadenhaus in Papenburg ein.  Nachdem für die Lesung von Susanne Siegert aus ihrem Buch "Gedenken neu denken" inzwischen 103 Eintrittskarten verkauft wurden, können nach einer Erhöhung des Platzkontingents durch das Arkadenhaus erfreulicherweise weitere Karten angeboten werden, die per Mail an mail@diz-emslandlager.de bestellt werden können.

Am 19. März lädt das DIZ aus Anlass des 90. Jahrestages der Erstveröffentlichung des Buches Die Moorsoldaten von Wolfgang Langhoff im Jahr 1935 zu einer Lesung der Journalistin und Autorin Esther Slevogt (Berlin) ein. Ihre Vorstellung der Biographie Langhoffs wird ergänzt durch die Lesung  eines Kapitels aus Die Moorsoldaten vom Schauspieler Thomas Lichtenstein (Oldenburg). Auch für diese Veranstaltung können Karten per Mail an mail@diz-emslandlager.de bestellt werden.

Europäische Identität und die Bergpredigt

Kette

Die atlantische Wertegemeinschaft, Trump hat sie umgebracht. Gottseidank.

Ulrich Scholz
  • Interkulturelle Kompetenz ist ohne eine eigene verinnerlichte Kultur nicht möglich

Als Michael Gorbatschow 1991 den Warschauer Pakt auflöste, hing die NATO mit ihrem Feindbild in der Luft und damit auch der Verfassungsauftrag der Bundeswehr, Landesverteidigung. Es gab keinen Feind mehr. Neue Aufgaben ließen nicht lange auf sich warten. Nachdem das Bundesverfassungsgericht 1994 Out of Area Einsätze der Bundeswehr gebilligt hatte, beteiligten sich (und beteiligen sich noch heute) deutsche Soldaten bei sogenannten Peace Support Operations an Brennpunkten in Afrika und Asien. Neben den Besonderheiten der asymmetrischen Kriegführung - der Gegner waren nicht mehr Armeen, sondern unkonventionell kämpfende Rebellengruppen – war eines der wichigsten Ausbildungsthemen für unsere Soldaten interkulturelle Kompetenz. Nicht mehr einen Krieg gewinnen war Auftrag, sondern “the winning of hearts and minds” der einheimischen Bevölkerung. Dazu war es wichtig, deren Kultur zu kennen und zu verstehen. Der damit verbundene Paradigmenwechsel im Selbstverständnis eines Militärs fand natürlich auch in der Führungsausbildung der Bundeswehr Eingang. Das neue Unterrichtsthema an der Führungsakadmie der Bundeswehr lautete Interkulturelle Kompetenz.

  • Christentum als das Wesen von europäischer Identität

Bei einem dieser Unterrichte bemerkte ein Hauptmann und Kompaniechef des Heeres (Afghanistan-Veteran), dass eine solche Kompetenz doch nur dann zu erlangen sei, wenn man selbst eine Identität in der eigenen Kultur besitzt. Er war der Ansicht, dass diese bei den meisten Soldaten nur oberflächlich ausgeprägt ist. Im Hörsaal wurde trefflich diskutiert. Man war sich einig, dass Symbole, Bekenntnisse und Rituale nicht ausreichten. Die Landesfarben zur Schau tragen, Demokratie beschwören, das Absingen der 3. Strophe der Nationalhymne und an Heiligabend in die Kirche zum Krippenspiel gehen, machen noch keine Identität. Es sind die Antworten auf existenzielle Fragen, die sie erkennen lassen, wie wie zum Beispiel: An was glaubst Du (Religion)? – Woher kommst Du (Geschichte)? – Wie stehst Du zu Deinen Mitmenschen (Männer, Frauen, Kinder, Alte, Fremde, Andersdenkende)? – Identität wird nicht so sehr an den Antworten auf diese Fragen erkennbar, sondern vor allem an der Haltung, wie jemand ist. Adjektive geben darüber Aufschluss. Wenn Menschen bedingungslos liebevoll und freundlich und darüber hinaus tolerant und selbstkritisch sind, lässt sich auf eine gemeinsame Identität schließen, die es erst möglich macht, Menschen anderer Kulturkreise zu verstehen und auf sie zuzugehen. Meine Erfahrungen als Deutscher und Europäer machen mich sicher, dass wir in diesem Sinne als Volk und europäische Völkergemeinschaft eine gemeinsame Identität besitzen. Die gleichen Haltungen kennzeichnen auch Menschen anderer Länder, wie in den USA. Kanada und Australien. Ursache ist die gemeinsame historische Herkunft, die vom Christentum geprägt wurde. Auch Menschen anderer Kulturen, die von ihren Religionen, wie dem Islam oder dem Buddhismus geprägt wurden, kennen und wertschätzen diese christlichen Attribute. Sie scheinen universell zu sein.

  • Der Verrat an einer europäischen Identität

Wie die Kriege und Konflikte der Neuzeit zeigen, treten sie zurück, wenn Gruppen-Interessen, die meistens wirtschaftlicher Natur sind, nur noch das Trennende zum Thema machen. Von Scharfmachern mit Methode betrieben, schaaren sich Menschen um die Fahne der eigenen Gruppe und sehen in der anderen nur noch den Feind. Die Gewalt, die damit einhergeht, bestätigt das eigene Rechthaben und bringt sogar Demokratien dazu, Kriege zu führen, zu rechtfertigen und zu rüsten, um sich auf neue Kriege vorzubereiten. Aktuelle Beispiele dieses Musters sind die Kriege in der Ukraine und in West-Asien. Ob man damit mehr Sicherheit vor Agressionen bekommt sei dahingestellt. Nachhaltigen Frieden, der ohne Versöhnung nicht möglich ist, erreicht man auf diese Weise nicht. Europas Geschichte nach zweien Weltkriegen sprechen für sich. Sie scheinen vegessen. Heute lassen sich sogar demokratische Gesellschaften, die ihren Ursprung im Christentum haben, wieder von Scharfmachern spalten.

  • Kulturelle Identität, made in USA

Das herausstechende Beispiel ist die Innenpolitik des momentanen US-Präsidenten Donald Trump. Der hat sich vorgenommen, wieder eine “reine” US-Gesellschaft zu schaffen. Neu-gegründete Polizei-Einheiten wurden aufgestellt, die Jagd auf Menschen machen, die nicht in das Bild eines “gereinigten” Amerikas passen. Prominente US-Bürger, die sich gegen eine solche Politik wehren, werden diffamiert. Man schickt sogar Militär in die Städte, um Proteste aus der Bevölkerung mit Gewalt zu unterdrücken. Hatte man schon vorher im politischen Europa Schmerzen mit der Außen- und Wirtschaftspolitik dieses Präsidenten gehabt, werden jetzt gewichtige Stimmen laut, die die atlantische Wertegemeinschaft überhaupt in Frage stellen. Man hätte sie schon vorher in Frage stellen müssen, wenn man sich einer europäischen Identität bewusst gewesen wäre.

In den USA werden Straftäter von einfachen Bürgern in einem Geschworenengericht zum Tode zu verurteilt, um sie dann jahrelang wegzusperren, bis sie irgendwann hingerichtet werden. Ein solches System lässt sich nicht mehr mit “Anderes Rechtsverständnis einer Demokratie” rechtfertigen. In Europa wurde im Eingungsprozess die Todesstrafe verboten. Sie verstösst eklatant gegen europäische Werte. Das Gleiche gilt für Drohnenexekutionen durch das US-Militär in Asien und Afrika unter In Kaufnahme von Tausenden unschuldiger Opfer (“Kollateralschäden”) sowie für das Foltern von muslimischen Gefangenen im Militärgefängnis von Guantanamo Bay. Wir müssten eigentlich Herrn Trump dankbar sein, wenn seine Politik zu einem Bruch in der atlantischen Wertegemeinschaft geführt hat. Er zwingt nämlich die Europäer dazu, sich ihrer eigenen Identität bewusst zu werden und endlich zu einer eigenständigen wahrlich christlichen Politik zu finden. Eine solche Politik wird sicherlich nicht zu einem Zulauf bei den christlichen Kirchen in Europa führen und ist auch nicht ihre Aufgabe. Die Trennung von Staat und Religion ist ein wesentliches Merkmal unserer Demokratie. Die Überzeugungskraft einer solchen Politik liegt eben nicht nur im Glauben der Menschen, sondern kann über die Wissenschaften argumentiert werden.

  • Die Wissenschaft, Sekundant einer christlichen Identität

Aus der Hirnforschung wissen wir, dass alle Wahnehmungen nur subjektiv sein können. Aus ihnen Wahrheiten abzuleiten, ist schlicht unwissenschaftlich. Diese Erkenntnis hat bei uns schon längst Eingang gefunden. In der Scheidungsrechtssprechung hat man das Schuldprinzip abgeschafft. In der Psychotherapie werden zwischenmenschliche Konflikte nicht mehr dadurch gelöst, dass man nach Schuldigen sucht (der andere Ehepartner, unangenehme Chefs und Mitarbeiter oder störende Kinder), sondern man konzentriert sich auf “kranke” Beziehungen. Die sind deswegen krank, weil es an christlichen Haltungen gefehlt hat. Bedingungslos liebevoll und freundlich, tolerant und selbstkritisch. Diese Geisteshaltung finden wir in der Bergpredigt von Jesus Christus wieder. Sie wendet sich u.a. gegen Zorn, Beleidigung und Töten, gegen das ultimative “Ja oder Nein”, gegen Vergeltung und fordert sogar Feindesliebe. Sie sehen, dass Wissenschaft und Christentum kein Widerspruch sein müssen,sondern sich sogar gegenseitig bestätigen. Bleibt die Frage, wie man eine Identität, die auf solchen Erkenntnissen beruht, zum Leben erweckt.

  • Ein Weg zu einer neuen europäischen Identität

Bildung, das Wissen und das Verstehen um die eigene Kultur, gehören sicherlich dazu. Die wichtigste Veränderung auf diesem Weg liegt jedoch beim einzelnen. Sie äußert sich im Anspruch an sich selbst, Ich sage nicht mehr “Man müsste”, sondern stattdessen “Ich soll”. Wer von dieser Haltung immer schon beseelt war, der weiß um die Wirkung auf seine Mitmenschen. Wenn politische Verantwortliche in Europa sie übernehmen würden, stünde die Tür zu einer wahrlich europäischen Gesellschaft weit offen. Der Einfluss auf die Welt bestünde nicht nur aus Wirtschaftskraft und militärischer Stärke, sondern auf gelebten Werten, denen sich auch andere Kulturen nicht entziehen könnten. Im Angesicht von Not und Leiden in der Welt wäre die skizzierte europäische Identität JETZT so wichtig. [Ulrich Scholz, erstveröffentlicht auf Ulrichs Newsletter]

VVN-BdA verurteilt völkerrechtswidrigen US-Angriff auf Venezuela

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) reagierte heute mit folgender Erklärung auf den völkerrechtswidrigen Angriff der USA auf Venezuela:

Mit Entsetzen nimmt die VVN-BdA zur Kenntnis, dass auf die völkerrechtswidrigen US-Militäreinsätze gegen venezolanische Schiffe und Boote nun ein großangelegter Militäreinsatz im Landesinnern gefolgt ist. Strategie und Taktik der USA orientieren sich dabei ganz offensichtlich an der US-Politik der 70er und 80er Jahre in Lateinamerika. Handlungsleitend ist dabei weiterhin die sogenannte Monroe-Doktrin nach der die USA die unabänderliche Vormachtstellung in Mittel- und Südamerika haben sollten. Die Botschaft an die anderen lateinamerikanischen Staaten ist klar: die USA nehmen ihren „Hinterhof“ wieder in Besitz und wer sich den US-amerikanischen Interessen nicht beugt, muss mit härtesten Konsequenzen rechnen.

Unabhängig davon, wie die Regierung Maduro politisch einzuschätzen ist, führt das Vorgehen der Trump-Administration zu einer weiteren Implosion regelbasierten Vorgehens in der Weltpolitik. Mit Donald Trump und seiner Administration sind eine regelbasierte Ordnung und Rechtsstaatlichkeit nicht möglich und Frieden unerreichbar.

Wir fordern die Bundesregierung auf, diesen Angriff zu verurteilen und der Erosion des Völkerrechts mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegenzutreten. USA raus aus Venezuela – Lateinamerika ist kein „Hinterhof“! [PM]

Morgen kommen die Sternsinger

Flyer Sternsinger 2026

Morgen, am 4. Januar, sind die Sternsinger ab 10 Uhr unterwegs. Sie bringen den Segen in die Häuser und sammeln Spenden für Kinder in Not. Die diesjährige Aktion heißt "Sternsinger gegen Kinderarbeit - Schule Statt Fabrik". Sie unterstützt Kinder in Bangladesch, damit sie zur Schule gehen können und geschützt aufwachsen. [Kirchengemeinde]

Einladung zum DGB-Neujahrsempfang: Gute Arbeit, starke Wirtschaft, soziale Sicherheit

Stefan Körzell, Bundesvorstand DGB
Stefan Körzell

Am Sonntag den, 11.01.2026, ab 11:00 Uhr, findet im Heimathaus in Aschendorf wieder der traditionelle Neujahrsempfang des DGB Kreisverbandes Nördliches Emsland und Leer statt. Dieses Jahr hält Stefan Körzell, Mitglied DGB Bundesvorstand, die Neujahrsrede.

Zur Person: Stefan Körzell Stefan ist Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstands des DGB. Er ist hauptverantwortlich für die Gewerkschaften in der Mindestlohnkommission und kämpft dort für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland. Die wachsende Ungleichheit im Land sieht er als große Gefahr für die Demokratie.

Klar ist: Vermögen müssen gerechter verteilt werden. Laut Jahresgutachten (2025) des Sachverständigenrates (SVR) haben die reichsten 10% der Bevölkerung mittlerweile knapp 60 Prozent des Gesamtvermögens. Die unteren 50% dagegen nur noch knapp 2 Prozent. Rund die Hälfte der Immobilienvermögen und über 85 Prozent der Betriebsvermögen entfallen auf das reichste Zehntel. Deshalb fordert der DGB eine Reform der Erbschaft-, und eine Wiedereinführung der Vermögensteuer.

Den traditionellen Neujahrsempfang des DGB KV Nördl. Emsland und Leer besuchen jedes Jahr viele Kolleginnen und Kollegen, Betriebs- und Personalräten sowie Vertreterinnen und Vertretern der Einzelgewerkschaften aus der Region. Auch die Politik ist prominent vertreten. Musikalisch wird die Veranstaltung von Manfred Noack begleitet. [PM DGB]

Deutsche Banken: Willige Helfer gegen die Meinungsfreiheit

Kurz hintereinander haben die GLS Bank und die Sparkasse am Sitz der Solidaritätsvereinigung Rote Hilfe e.V. in Göttingen alle Konten des strömungsübergreifenden linken Zusammenschlusses gegen staatliche Repression gekündigt.

Die Rote Hilfe geht davon aus, dass die Listung der sogenannten »Antifa Ost« als ausländische Terrororganisation durch die US-Regierung unter Präsident Donald Trump der Grund der plötzlichen Kontokündigungen ist. Eine Gruppe namens »Antifa Ost« gibt es zwar nicht, aber einige der Antifa zugerechnete Menschen, die Gewalttaten gegen Neonazis begangen haben sollen, erhalten von der Roten Hilfe Rechtshilfe. Für die USA Grund genug, alles in einen Topf zu werfen.

Die GLS-Bank, eine Genossenschaftsbank, die aus der anthroposophischen Bewegung zur Finanzierung von Waldorfschulen entstanden ist, und die sich zugute hält, nach sozialökologischen Grundsätzen zu arbeiten, hatte zuvor schon der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) die Konten gekündigt.

Bedenklich ist, wie hier den Sanktionen der USA von deutschen Institutionen einfach gefolgt wird und die USA somit exterritorial Recht setzen können.

Aber auch die EU arbeitet mit Sanktionen gegen einzelne Bürger und Organisationen. Ursprünglich gedacht, um mit Sanktionen Handlungen anderer Staaten gegen europäische Interessen abzuwehren, werden jetzt auch Sanktionen gegen eigene Bürger verhängt. Diese Sanktionen werden von der EU-Verwaltung verhängt und haben keine Rechtfertigung in irgendeinem Gesetz der EU-Mitgliedstaaten. Entsprechend unmöglich ist es den Betroffenen, sich gegen die Sanktionen zu wehren. Ihnen werden einfach alle Möglichkeiten, sich wirtschaftlich zu betätigen genommen. Sie haben keine Konten mehr, keine Renten und sonstigen Einnahmen mehr und jeder, der ihnen hilft, wird selbst mit Sanktionen bedroht. Hallo-Wippingen berichtete bereits über den deutschen Journalisten Hüseyin Doğru, der von der EU sanktioniert wird.

Ebenso erging es dem Schweizer Ex-Militär und Buchautor Jacques Baud. Der EU-Rat für Auswärtige Angelegenheiten hatte Baud mit seinem Beschluss vom 15. Dezember mit Sanktionen belegt, die unter anderem seine Konten sperrten und seine Reisefreiheit beendeten. Die NachDenkSeiten berichteten wiederholt über diesen Fall und über ähnliche Vorgänge. [jdm/HM]