Anti-SLAPP-Gesetz sichert in der jetzigen Fassung nicht die Meinungsfreiheit

In ihrer Bundestagsrede am 26. Februar 2026 erinnerte die Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig (SPD) daran, was Daphne Caruana Galizia, eine maltesische Journalistin und Bloggerin, vor ihrer Ermordung erleben musste.

Galizia war sehr aktiv bei der Auswertung der Panama Papers. Sie deckte die Verwicklung von mehreren maltesischen Unternehmern und Politikern bei dem riesigen Steuerbetrug auf. Dafür wurde sie schließlich mit einer Autobombe ermordet. Bei ihrer Ermordung waren 48 Verfahren gegen sie anhängig. Mit haltlosen Anzeigen und zivilrechtlichen Verfahren sollte Galizia eingeschüchtert werden, damit sie ihre Recherchen und öffentlichen Wortmeldungen beenden sollte.

Diese Methode, mit haltlosen juristischen Mittel und Schadenersatzforderungen die freie Meinungsäußerung zu unterdrücken und die Macht der Menschen einzuschränken, bezeichnet man  als SLAPP (Strategic Lawsuits Against Public Participation, auf Deutsch: Strategische Klagen gegen öffentliche Beteiligung).

Das Schicksal von Galizia war die Initialzündung für eine europäische Anti-SLAPP-Richtlinie, die das EU-Parlament letztes Jahr verabschiedete. Im Februar wurde der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur europäischen Anti-SLAPP-Richtlinie in 1. Lesung im Bundestag beraten und am 16. März in einer öffentlichen Anhörung des Rechtsausschusses behandelt.

SLAPP gibt es nicht nur in Malta, sondern diese Methode, Kritiker mundtot zu machen, greift weltweit, auch in Deutschland, immer mehr um sich. Journalisten, Umweltverbände oder auch lokale Kritiker von Industrievorhaben werden von großen Wirtschaftsanwaltskanzleien aufgefordert, irgendwelche Aussagen zu unterlassen. Widrigenfalls habe man millionenschwere Schadenersatzklagen zu erwarten. Diesen Briefen liegt dann auch gleich wie bei den typischen Abmahnkanzleien eine Rechnung für die anwaltliche Tätigkeit bei.

Da Journalisten, Buchautoren oder Umweltschützer nicht über die großen Millionenkonten verfügen, können sie sich finanziell nicht auf dieses Spiel einlassen. Beauftragen sie einen Rechtsanwalt, müssen sie die Kosten tragen, auch wenn die SLAPP-Anwaltskanzlei ihre Forderung fallen lassen sollte. Nur in den seltenen Fällen, wo es zum Prozess kommt und der tatsächlich gewonnen wird, gibt es das Geld zurück. Aber meist erst nach Jahren der Unsicherheit.

Deshalb war die Freude über die SLAPP-Richtlinie bei allen Autoren und Bürgerbewegungen groß. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung gibt allerdings keinen Grund zur Freude. Trotz der engagierten Rede von Justizministerin Hubig wird ihr Gesetzentwurf keine Wirkung entfalten.

Er krankt an mehreren Dingen: Das Gesetz wird nur angewandt, wenn es einen grenzüberschreitendem Bezug gibt, also der SLAPP-Kläger aus einem anderen Land kommt. Kommen beide aus Deutschland, hat das Gesetz keine Bedeutung. Hier wurde vollkommen sinnfrei die Regelung der EU, die nur Richtlinien machen darf, wenn mehrere Länder betroffen sind, auf den Gesetzesentwurf für Deutschland übertragen.

Zweitens enthält das Gesetz nur Hilfen für Betroffene, wenn der Fall vor Gericht landet. Die Linke forderte deshalb in einem Entschließungsantrag eine umfassende Regelung für außergerichtliche Einschüchterungsversuche in den Entwurf zu integrieren.

Im Gesetzesentwurf ist nur von „offensichtlich unbegründeten“ Klagen die Rede. Der Missbrauch des rechts für  die Einschüchterung funktioniert hauptsächlich über die unglaublich hohen Streitwerte, die die Anwalts- und Gerichtskosten so teuer machen.

Das Gesetz müsste hier eingreifen und den Betroffenen Prozesskostenhilfe geben.

Im Bundestag und im Rechtsausschuss gab es relativ klare Positionen: Die CDU und die AFD sprachen sich im Prinzip gegen die Hilfe für Betroffene aus; die CDU unterstützte die zahnlose Gesetzesfassung, denn an der formalen Umsetzung der EU-Richtlinie kommt Deutschland nicht vorbei. In ihren Wortbeiträgen machten sich die beiden Parteien Sorgen, dass die Konzerne in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt werden könnten, nicht darüber, dass durch den Missbrauch des Rechts die Meinungsfreiheit ausgehebelt wird.

Die SPD möchte zwar mehr, aber verteidigt den unbrauchbaren Gesetzesentwurf. Nur Linke und Grüne wollen den Schutz der Meinungsfreiheit hier stärken.

Einen aktuellen Fall von SLAPP-Klagen gibt es aktuell gegen den Verein für Natur und Landschaft in Brandenburg e.V. Dieser hat die Frechheit besessen, zu bezweifeln, dass ein Vertrag zwischen dem Wasserverband Strausberg-Erkner und Tesla zur Versorgung mit Trinkwasser und Entsorgung von Schmutzwasser rechtmäßig zustande gekommen ist. Die Klage geht hier allerdings vom Wasserverband aus und nicht von Tesla. [jdm]

Maikundgebung: Alle gegen Sozialabbau – Rüstungsausgaben bleiben tabu

Gruppenfoto statt Demo
Gruppenfoto statt Demo

Weil um zehn Uhr noch zu wenig Menschen anwesend waren, verzichteten die Organisatoren der Maikundgebung des DGB auf die Demonstration am Hauptkanal. Um 11 Uhr zum Beginn der Kundgebung hatten sich aber ca. 250 Menschen auf dem Mühlenplatz in Papenburg eingefunden.

Vanessa Gattung

In ihrem Grußwort sprach sich Papenburgs Bürgermeisterin Vanessa Gattung gegen den geplanten Sozialabbau auf verschiedenen Feldern und gegen den Angriff auf den 8-Stunden-Tag aus.

Der Hauptredner des Tages, Dominique Lembke von der IG Metall Bezirk Küste, stellte fest, dass sich die Industrie in einem Umbruch befinde. Von der Industrie gingen kaum Innovationen aus und von der Politik gebe es keine aktive Industriepolitik. In der Industrie gebe es vor allem kurzfristiges Renditedenken. Arbeitgeber müssten endlich Verantwortung übernehmen: In die Zukunft investieren, Arbeitsplätze sichern und sich zum Standort bekennen. Die Arbeit schaffe den Wohlstand – „also müssen unsere Jobs an erster Stelle stehen.“

Um dem derzeitigen Angriff auf den Sozialstaat etwas entgegen zu setzen, brauche es vor allem aktive Gewerkschafter. Der 8-Stunden-Tag, die Regelungen bei Krankheit oder die Urlaubsregelungen seien alle hart erkämpft. „Wenn das Arbeitszeitgesetz fällt, bestimmt der Chef über unsere Zeit. Das lassen wir nicht zu.“ Die Arbeiter hätten das Recht auf Teilhabe an dem Erwirtschafteten. Er forderte, bei öffentlichen Aufträgen müsse gelten „erst Tarifbindung, dann Staatsknete!“

CDU und AFD seien immer dabei, zu spalten und einzelne Gruppen herauszupicken, aber wenn es um die Rente gehe, höre man nur Schweigen. Die großen Rüstungsausgaben sprach Lembke zwar an, aber nicht um diese zu krtitisieren, sondern um sie als eine unveränderliche Rahmenbedingung zu nennen.

Andreas Kuper

DGB-Kreisverbandsvorsitzender Andreas Kuper lud in einem weiteren Programmpunkt Lena Gumnior, Bundestagsabgeordnete der Grünen, Thomas Gelder, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Leer-Papenburg, Jan Deters, Die Linke, und  Anja Troff-Schaffarzyk, SPD-Bundestagsabgeordnete für den hiesigen Wahlkreis, zu einer Talkrunde auf der Bühne ein, um vier Fragen zu beantworten.

v.l.: Lena Gumnior, Jan Deters, Thomas Gelder, Anja Troff-Schaffarzyk, Andreas Kuper

Die Aussage von Merz, die Arbeitskräfte in Deutschland seien zu teuer und ineffizient, wurde von allen auf der Bühne als falsch abgelehnt. Während Troff-Schaffarzyk und Gumnior Innovationen von der Industrie forderten und die Arbeitgeber in der Pflicht sahen, wiesen Gelder und Deters vor allem daraufhin, dass es angesichts der schwachen Exportwirtschaft darauf ankomme, die Binnenkonjunktur durch höhere Löhne zu stärken. Deters kritisierte zudem die Sanktionspolitik Deutschlands und der EU, die zum Ende des Exports beigetragen hätten. Es bräuchte eine Umlenkung der für Rüstung ausgegebenen Gelder in Bildung und Infrastruktur. Geld für Waffen und Militär generiere keine weitere Wertschöpfung.

Kuper stellte in seiner zweiten Frage das Motto des Tages „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ zur Diskussion. Troff-Schaffarzyk wünschte sich eine Abschöpfung der Extraprofite durch eine Übergewinnsteuer. Gelder und Deters forderten angesichts der riesigen Zahlungen der Konzerne für Managergehälter und Dividenden die Wiederinkraftsetzung der Vermögenssteuer und eine Erbschaftssteuer auf Millionenvermögen. Deters wies auf den hohen Investionsbedarf  der Gesellschaft für z. B. Investitionen in die Bahn und den öffentlichen Wohnungsbau hin. Dort sei das Geld besser angelegt, als auf den Konten der Aktionäre.

Zum Thema 8-Stunden-Tag sagte Troff-Schaffarzyk, dass die SPD mit der Flexibilisierung der Arbeitszeitregelung in den Koalitionsverhandlungen leider eine Kröte hätte schlucken müssen. Gelder forderte, dass es keine Aufweichung der 8-Stunden-Regelung geben dürfe. Das Arbeitszeitgesetz enthalte jetzt schon jede Menge Flexibilität. Gumnior vermisste Gitta Connemann auf der Maikundgebung, damit diese sich zu ihrer Lifestyle-Aussage hätte erklären können. Deters forderte angesichts der zunehmenden Arbeitslosigkeit die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich wieder auf die Tagesordnung zu nehmen.

Zuhörer 1. mai 2026

Die zahlreichen Angriffe auf den Sozialstaat wurden von Gelder zurückgewiesen. Der Sozialstaat beruhe auf den vielen Kämpfen der Gewerkschaften. Deters kritisierte, dass weder der Maiaufruf des DGB noch das gemeinsame Papier der Sozialverbände im Sozialstaatsbündnis ein Wort darüber verloren hätten, wofür das Geld, das im Sozialbereich eingespart werde, ausgegeben werde. Mit dem jetzigen Bundeshaushalt gebe man schon ein Fünftel für Waffen und Rüstung aus. Das 5%-Ziel der Nato bedeute, dass mittelfristig die Hälfte des Bundeshaushaltes für todbringende Waffen ausgegeben werde. Solange sich die Arbeiterbewegung nicht gegen diese Rüstung und diesen Kriegskurs wende, werde sie den Sozialkürzungen wehrlos gegenüber stehen. Es brauche jetzt beim Ukrainekrieg Diplomatie und Verhandlungen. [jdm/Foto (1) HM]

Transparenzhinweis: Der im Artikel genannte Jan Deters ist der Autor des obigen Artikels

Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und Erwerbslosigkeit

Die Arbeitsagentur meldet, dass die Arbeitslosigkeit im April 2026 um 13.000 auf 3.008.000 gesunken sei. Saisonbereinigt sei sie gegenüber dem Vormonat jedoch um 20.000 gestiegen. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 6,4 Prozent. Verglichen mit dem April des letzten Jahres liegt die Arbeitslosenzahl um 77.000 höher; die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte.

Die Unterbeschäftigung umfasst neben der Arbeitslosigkeit auch die Arbeitsmarktpolitik und die kurzfristige Arbeitsunfähigkeit und zeichnet daher ein umfassenderes Bild. Sie ist saisonbereinigt im April gegenüber dem Vormonat um 12.000 gestiegen. Mit 3.665.000 war sie um 18.000 höher als vor einem Jahr.

im April wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten für 156.000 Beschäftigte konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Das waren 11.000 mehr als im Vormonat, aber 114.000 weniger als vor einem Jahr.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Erwerbstätigen (nach dem Inlandskonzept) im März 2026 saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 25.000 gesunken. Mit 45,66 Millionen Personen ist sie im Vergleich zum Vorjahr um 182.000 geringer. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist von Januar auf Februar 2026 nach Hochrechnungen der BA saisonbereinigt um 16.000 gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr lag sie mit 34,75 Millionen Beschäftigten um 96.000 niedriger. 7,47 Millionen Personen hatten im Februar 2026 eine geringfügig entlohnte Beschäftigung, 51.000 weniger als im Vorjahresmonat. Davon waren 4,01 Millionen ausschließlich und 3,45 Millionen im Nebenjob geringfügig entlohnt beschäftigt.

Im April waren 641.000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 5.000 weniger als vor einem Jahr. 1.070.000 Personen erhielten nach Hochrechnung der BA im April 2026 Arbeitslosengeld, 93.000 mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Bürgergeldberechtigten belief sich hochgerechnet im April auf 3.826.000. Gegenüber April 2025 war dies ein Rückgang um 125.000 Personen. 7,0 Prozent der in Deutschland lebenden Personen im erwerbsfähigen Alter waren damit hilfebedürftig.

Seit Oktober 2025 haben sich bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 357.000 Bewerberinnen und Bewerber für eine Berufsausbildungsstelle gemeldet, 1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. 211.000 hatten bis zum April 2026 weder eine Ausbildungsstelle noch eine Alternative gefunden. Die Statistik weist gleichzeitig 380.000 gemeldete Ausbildungsstellen aus. Aufgrund von prozessualen Umstellungen wird die Zahl der Ausbildungsstellen in der Statistik derzeit unvollständig abgebildet. Sie liegt nach Schätzungen für den März 2026 mit -7 Prozent jedoch immer noch deutlich unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. [jdm/PM]

DGB Kreisverband Nördliches Emsland, Verbände und Initiativen aus Papenburg laden zum Tag der Arbeit auf den Hauptkanal ein

Plakat Maikundgebung Papenburg 2026

Unter dem Motto Erst unsere Jobs, dann eure Profite.“ wollen die Gewerkschaften in diesem Jahr ein klares Zeichen für sichere Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven für Beschäftigte setzen.

Dazu sagt Andreas Kuper als DGB-Kreisverbandsvorsitzender: „Die gegenwärtige Krise darf nicht dazu genutzt werden, Arbeitsplätze abzubauen oder ins Ausland zu verlagern.“ Neben dem Kampf um gute Arbeitsplätze steht auch der Erhalt der sozialen Sicherung von Arbeitnehmer*innen im gewerkschaftlichen Fokus. „Einer Ausweitung der täglichen Höchstarbeitszeit, Verschlechterung bei der Rente oder im Gesundheitssystem sagen wir als Gewerkschaftsbewegung ganz klar den Kampf an“, führt er weiter aus. „Darum freuen wir uns, dass auch in diesem Jahr wieder viele unterschiedliche Gruppen, Verbände und Parteien mit Eigeninitiative an der Maifeier teilnehmen“, so der DGB-Kreisverbandsvorsitzende.

Sonic & Smoke
Sonic & Smoke

Die Maifeier des DGB findet von 11 bis 14 Uhr auf dem Hauptkanal rechts statt. Ab 10 Uhr rufen der DGB und viele Verbände zur Demo auf. Als Hauptredner spricht Dominique Lembke von der IG Metall Bezirk Küste. Zudem wird die Veranstaltung musikalisch begleitet von Sonic & Smoke.

Weiterhin erwarten die Besucher vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten für Groß und Klein, sowie diverse kulinarische Leckereien an den unterschiedlichen Ständen. [PM]

Merz verkündet vor den Bankern die Zerstörung der gesetzlichen Rente

Blackrock investiert Gelder von Versicherungen, Pensionsfonds, Staatsfonds und Privatanlegern. Ein Hauptpfeiler ist das Investieren über ETFs. ETFs sind Anlagefonds, die durch das Nachbilden des Marktes versuchen, das Anlagerisiko zu minimieren und sind damit sehr gut geeignet für Pensionsfonds. Sie sind dennoch nicht risikolos. Und sie haben Blackrock mit über 11 bis 14 Billionen US-Dollar verwaltetem Vermögen zum weltweit größten Vermögensverwalter gemacht,

Friedrich Merz war lange Deutschlandchef von Blackrock und er fühlt sich offenbar noch heute eher den Finanzinvestoren verbunden, als den deutschen Rentnern. Bei einem Jahresempfang des Bundesverbands deutscher Banken in Berlin äußerte er seine Absicht, die gesetzliche Rentenversicherung zu einer reinen Basisabsicherung für das Alter, die nicht mehr den Lebensstandard sichert, zu degradieren. Es müssten durch Zwang kapitalgedeckte Elemente einer betrieblichen und privaten Altersversorgung hinzutreten, sprich die Aktienrente als Riester 2.0. Merz wörtlich: „Und zwar in weit größerem Umfang, als wir sie gegenwärtig weitgehend auf der Basis von Freiwilligkeit haben.“

Die schwarz-rote Koalition müsse und werde den Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge stoppen. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Arbeitgeber von den Sozialversicherungsbeiträgen entlastet werden sollen und die Arbeiter allein in eine Rentenversicherung einzahlen sollen, die zudem noch in erster Linie ein Geschäftsmodell von Merz' ehemaligem Arbeitgeber darstellt.

Allein für diesen Coup hat es sich schon für Blackrock gelohnt, Merz zum Bundeskanzler aufgebaut zu haben. Dass Klingbeils SPD dabei mitmacht, wird sich bei der nächsten Bundestagswahl wohl in ihrer Marginalisierung niederschlagen. [jdm]

POL-EL: Gewerbekontrolle deckt zahlreiche Verstöße auf

Am Freitag, den 17.04.2026, führten Einsatzkräfte der Polizei gemeinsam mit dem Hauptzollamt Emden, dem Finanzamt Papenburg, dem Landkreis Emsland sowie örtlichen Kommunen umfangreiche Kontrollen im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats Papenburg durch. Die Maßnahmen erstreckten sich nach Angaben der Polizeiinspektion Emsland insbesondere auf die Bereiche Papenburg, Dörpen und Werlte.

Im Fokus der Kontrollen standen mögliche Verstöße im Steuer-, Bau- und Arbeitsrecht sowie strafrechtliche Delikte im Zusammenhang mit illegalem Glücksspiel. Darüber hinaus wurden mehrere bereits bestehende Durchsuchungsbeschlüsse umgesetzt.

Im Verlauf des Einsatzes wurden insgesamt 47 gewerbliche Objekte - darunter Gastronomiebetriebe, Dienstleister und kleinere Versorgungsbetriebe - überprüft. Dabei konnten zahlreiche Verstöße festgestellt werden: Unter anderem stellten die Einsatzkräfte in Papenburg illegale Pyrotechnik in einem Lebensmittelhandel sicher. In einem Imbissbetrieb in Dörpen wurden mehrere Verdachtsfälle der Schwarzarbeit sowie ein gefälschtes Ausweisdokument festgestellt. Zudem wurde Bargeld in fünfstelliger Höhe sichergestellt, dessen Herkunft derzeit geprüft wird.

In einem Friseursalon in Werlte wurden Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz sowie weitere gefälschte Ausweisdokumente festgestellt. In weiteren Objekten, überwiegend im Bereich Papenburg, ahndeten die Einsatzkräfte unter anderem Verstöße gegen das Pflichtversicherungsgesetz sowie das Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz. Darüber hinaus konnten eine verbotene Waffe (Elektroimpulsgerät) sowie weitere Beweismittel sichergestellt werden. In einem Fall wurden Personen in einem bereits behördlich gesperrten Objekt in Papenburg angetroffen und des Geländes verwiesen.

Insgesamt wurden zahlreiche Identitätsfeststellungen durchgeführt sowie mehrere Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Die Polizei bewertet die Kontrolle als wichtigen Beitrag zur Bekämpfung illegaler Strukturen und zur Stärkung der Sicherheit im gewerblichen Bereich. [PM PI Emsland]

Zoll: Groß angelegte Durchsuchungsaktion in der Geflügelhaltung in den Landkreisen Emsland, Rotenburg/Wümme und Cloppenburg

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Osnabrück durchsuchten 80 Einsatzkräfte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Osnabrück am 26. März 2026 mehrere Wohnungen und Firmen in den Landkreisen Emsland, Rotenburg/Wümme sowie Cloppenburg.

Eine bulgarische Firma steht im Verdacht, seit Sommer 2023 georgische Staatsbürger im Rahmen eines fiktiven Werkvertrages für Firmen im Raum Emsland und Cloppenburg in der Geflügelausstallung eingesetzt zu haben, ohne dass diese im Besitz einer Arbeitserlaubnis für Deutschland gewesen sind.

In den Arbeitnehmerunterkünften wurden 24 georgische Staatsbürger angetroffen, für die bereits nachgewiesen werden konnte, dass sie in Deutschland ohne Arbeitsgenehmigung gearbeitet haben. Zeitgleich wurden auf einem Bauernhof neun georgische Staatsbürger bei Hähnchenfangarbeiten angetroffen, die ebenfalls nicht im Besitz der erforderlichen Aufenthaltstitel waren.

Aus den bereits vorangegangen Ermittlungen konnten zuvor weitere 40 georgische Staatsbürger ohne Arbeitsgenehmigung festgestellt werden, die ebenfalls derselben bulgarischen Firma zuzuordnen waren. Die Ermittlungen werden unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Osnabrück von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Osnabrück weitergeführt. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Menschen halbkrank schreiben? Eine miese Idee!

Ganz begeistert äußert sich der NOZ-Kommentator Lucas Wiegelmann über den Vorschlag der Finanzkommission Gesundheit für eine Einführung eines Teilkrankengeldes („Menschen halbkrank schreiben? Gute Idee!“). In der NOZ-Online-Ausgabe ist es sogar eine „Super“ Idee. Und dann kommt eine Begründung, bei der man merkt, Wiegelmann weiß leider nicht, worüber er redet.

Der Vorschlag der Finanzkommission ist keine „Gute Idee“, sondern der Vorschlag für die Abschaffung eines Rechtes: Wer krank ist, soll nicht mehr unbedingt Zuhause bleiben können. Wieviel Geld der/die Kranke während des krankheitsbedingten Arbeitsausfalls bekommt, soll der Arzt mit der Krankschreibung ad hoc entscheiden.

Die stufenweise Wiedereingliederung nach längerer Krankheit, über die Wiegelmann dann schreibt, gibt es schon lange. Sie ermöglicht es, nach längerer Krankheit schrittweise zur vollen Arbeitsbelastung zurückzukehren. Der behandelnde Arzt erstellt einen individuellen Stufenplan, dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer zustimmen müssen. Während dieser Zeit gelten Beschäftigte als arbeitsunfähig und erhalten Krankengeld, keine Gehaltszahlung vom Arbeitgeber. 

Dass Wiegelmann hier eine „gute Idee“ entdeckt, liegt nur daran, dass er nicht Bescheid weiß, aber der Abschaffung von Arbeitnehmerrechten vollkommen unkritisch gegenüber steht. [jdm]

Zukünftig ein Altkleidercontainer pro 1.000 Einwohner?

Im vergangenen Jahr wurden die Altkleidercontainer auch in der Samtgemeinde Dörpen nicht regelmäßig entleert. Über Wochen wurden neben den bis an den Rand gefüllten Containern weitere Säcke mit Altkleidern abgelegt. Die Branche hatte offenbar Absatzprobleme und wohl auch Personalmangel. Ein weiterer Grund ist aber auch der überbordende Anfall an Altkleidern, denn der Trend zu „Fast Fashion“ und „Ultra-Fast-Fashion“, also zur schnellen Mode, bringt eine kaum überschaubare Menge an nur wenige Male getragene Kleider mit sich.

Dieser verantwortungslose Trend zur Billigmode ist keineswegs nur bei Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten zu verorten. Beispielsweise beschafften sich die wohl eher der gesellschaftlichen Mittelschicht zuzuordnenden Mitglieder des Rates der Gemeinde Dörpen für die Teilnahme an einer Jubiläumsveranstaltung zu „50 Jahre Samtgemeinde Dörpen“ im September 2023 ein Poloshirt mit dem Aufdruck „Gemeinderat Dörpen“ – man darf wohl davon ausgehen, dass das Kleidungsstück nach einer einmaligen Nutzung entsorgt wurde.

Die minderwertige Kleidung sei einfach nur noch eine Kostenbelastung, hört man aus der Entsorgungsbranche. Denn die aufwendige Sortierung per Hand ergibt offenbar nur wenig verwertbare Kleidung, und den Rest müssen die Firmen kostenpflichtig entsorgen. Bundesumweltminister Schneider will mit einem neuen Gesetz gegen das Problem der massenhaften Wegwerf-Klamotten vorgehen und den Handel an der Entsorgung beteiligen. Unter die neuen Regelungen sollen Bekleidung, Bekleidungszubehör, Heimtextilien und Schuhe fallen.

Wer Kleidung auf den EU-Markt bringe, solle auch für flächendeckende Sammlung und Verwertung bezahlen, gibt Schneider vor. Je mehr Textilien die Hersteller auf den Markt bringen und je minderwertiger die Ware ist, desto mehr müssen sie beitragen, so der Plan. Das solle auch für Billigimporte aus China gelten, die vornehmlich der „Ultra-Fast-Fashion“ zugerechnet werden.
Damit will der Umweltminister die Sammlung und Entsorgung von Altkleidern auch finanziell wieder für die Entsorgungsbranche auskömmlich gestalten.

Geplant ist, dass in Zukunft ein Kleidercontainer pro 1.000 Einwohner verfügbar ist, hat die ARD-Tagesschau noch in Erfahrung gebracht. Gemeinnützige Sammler sind privilegiert, und Second-Hand-Läden oder Kleiderkammern sollen von den Neuerungen zunächst nicht betroffen sein.

Die Eckpunkte für die Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung bei Textilien hat das Umweltministerium in einer Pressemitteilung vom 27.03.2026 beschrieben. Das Gesetz muss bis zum 17. Juni 2027 in Kraft treten, da dann eine EU-rechtlich vorgegebene Umsetzungsfrist abläuft. Bis zum 24. April 2026 nimmt das Ministerium noch Stellungnahmen zum Eckpunktepapier entgegen.

Und die werden wohl kommen. Der Gesamtverband der Textil- und Modeindustrie bezeichnet die Pläne bereits in einer Pressemitteilung – ebenfalls vom 27.03.2026 – als Ablasshandel und „geschäftsschädigend in einer Wirtschaftskrise“. Und natürlich darf dabei auch der Kampfbegriff „Bürokratie“ nicht fehlen. Der würden neue Schleusen geöffnet, ohne die Kreislaufwirtschaft voranzubringen – alles also nur ein großer Bluff. Damit dürfte dann auch die politische Lobbyarbeit anlaufen. Und ob der Schneider, bzw. das tapfere Schneiderlein von der SPD mit seinem Vorhaben eine Trendumkehr zur dauerhaft tragbaren Qualitätskleidung einleiten kann, bleibt abzuwarten.

Greenpeace informiert übrigens im Internetbeitrag Fast Fashion versus grüne Mode: Fragen und Antworten über Zusammenhänge und Hintergründe der Altkleiderproblematik. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Landestierschutzverband reicht Klage gegen den Einsatz der CO₂-Betäubung von Schweinen ein

Der Landestierschutzverband Niedersachsen reicht Verbandsklage gegen das Veterinäramt Vechta ein. Ziel ist ein europaweites Verbot der umstrittenen Betäubung von Schweinen mit CO2, bevor sie geschlachtet werden. Dies berichtet der NDR. Im April 2024 waren Aktivisten der Tierrechtsorganisation „Animal Rights Watch“ in einen Schweine-Schlachthof in Lohne eingestiegen und hatten Kameras installiert, die verstörende Aufnahmen machten.

Die CO₂-Betäubung von Schweinen steht seit vielen Jahren in der Kritik, weil sie bei den Tieren Panik, Atemnot und starke Stressreaktionen auslösen kann. Wenn solche Praktiken dokumentiert werden, wie im betroffenen Schlachthof erfolgt, müssen Behörden prüfen, ob ein Einschreiten erforderlich ist, schreibt der Landestierschutzverband Niedersachsen e. V. auf seiner Homepage.

Veterinärämter spielen dabei eine zentrale Rolle, erläutert der Verband weiter. Auf Grundlage der Vorschriften des Tierschutzgesetzes seien diese Behörden dafür verantwortlich, tierhaltende Betriebe, aber auch die Schlachthöfe zu kontrollieren, damit die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Der Landestierschutzverband hat sich nun zu einer Klage entschieden, weil aus Sicht des Verbandes eine grundsätzliche Entscheidung zur Art und Weise einer Betäubung erforderlich erscheint und der Landkreis auf Aufforderung eine Anordnung im Rahmen § 16a zum Unterbinden der CO₂-Betäubung zu erlassen nicht reagiert hat.

Der Verband ist der Auffassung, dass diese Praxis gegen das Tierschutzgesetz sowie gegen europäische Vorgaben zum Schutz von Tieren bei der Tötung verstößt. Man wirft dem zuständigen Veterinäramt vor, trotz der bekannten Probleme und einer fachlichen Aufforderung nicht eingegriffen zu haben. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Dorfladen Renkenberge stellt sich mit Imagefilm vor

Screenshot Imagefilm Dorfladen Renkenberge

Der Dorfladen Renkenberge wird als Smart-Store ohne jederzeit anwesendes Verkaufspersonal betrieben. Es ist ein Laden mit einer sehr breiten Produktpalette für den Alltag.

In einem Imagefilm stellt sich der Dorfladen jetzt vor. Dabei begleiten wir zwei Frauen beim Einkauf und lernen nicht nur die Produkte kennen, sondern vor allem auch, wie einfach es ist, mit dem digitalen Bezahlsystem klar zu kommen. Was man braucht, ist eine Kontokarte oder die entsprechende Bezahl-App auf dem Handy. Damit unterscheidet sich der Laden nicht von Selbstbedienungskassen in Supermärkten.

Schauen Sie rein und erleben Sie den Dorfladen Renkenberge. [jdm]

Steht den Milchbauern das Wasser bis zum Hals?

Milcherzeuger seien das Rückgrat der Landwirtschaft, insbesondere in den Grünland-Regionen. Die Weidetierhaltung spiele eine zentrale Rolle für den Erhalt unserer Kulturlandschaft, ließ die niedersächsische Landwirtschaftsministerin in einer Pressemitteilung vom 20.03.2026 mitteilen. Doch während den Milchbäuerinnen und- bauern aufgrund der desaströsen Preissituation seit Monaten das Wasser bis zum Hals stehe, bagatellisierten ausgerechnet ihre (Minister-) Kolleginnen und Kollegen von CDU und CSU die Situation und sprächen lediglich von einer Herausforderung.

So versucht Miram Staudte einmal mehr, sich bei den konventionellen Landwirten beliebt zu machen und darzustellen, dass nicht CDU oder CSU die Interessen der Branche vertreten, sondern die Grünen. Dass diese Strategie politisch nicht aufgehen kann, hört man sogar auch aus Grünen-Kreisen immer wieder. Die konventionellen Landwirte werden in der Mehrzahl nicht zum Grünen-Wähler werden.

Und fraglich ist auch, ob die Einschätzung der C-Parteien zur Lage auf dem Milchmarkt wirklich so falsch ist, wie Staudte es darstellen möchte, und wenn doch, ist daran vor allem die Überproduktion als Ursache anzusehen. Die hohe Milchmenge ist ein Problem des konventionellen Milchmarktes. Das Milchgeschäft geht so lange gut, wie ein hoher Exportanteil gehalten werden kann, falls nicht, geht der Preis runter.

Die konventionellen Betriebe haben in den letzten zwei Jahren sehr gut verdient. Viele Unternehmer haben zurzeit eher ein Steuerproblem. Nach einigen Monaten niedrigerer Milchpreise jetzt den Staat zu rufen, erscheint unverhältnismäßig, zumal die konventionellen Notierungen wieder steigen.

Der Biomarkt ist national, Biomilch eher knapp verfügbar und der Milchpreis stabil bei ca. 65 Cent. Die niedersächsische Regierung wäre also besser beraten, wenn sie den Umstieg von der konventionellen Produktion auf die Biomilchwirtschaft stärker fördern würde, zum Beispiel, indem sie die Weideprämie auch auf das Jungvieh ausweiten würde. Das wäre ein Anreiz für eine artgerechtere Jungviehaufzucht. Die Unterstützung der Überproduktion ist dagegen keine Lösung und auch keine Grüne Politik, die sich bis an die Wahlurne auswirkt. Die niedersächsischen Grünen werden mit ihrer Landwirtschaftspolitik wohl kaum ihre Stammwähler erreichen, und die Grünen-Wahlkämpfer werden mit ziemlich leeren Händen dastehen, wenn sie am Infostand auf die Leistungen der Grünen Landwirtschaftspolitik in Niedersachsen angesprochen werden. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Fakten zur Ungleichheit (4)

Die Abgeltungssteuer, auch Kapitalertragsteuer genannt, ist eine pauschale Steuer auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne beim Verkauf von Aktien oder Fondsanteilen. Sie wurde 2009 in Deutschland eingeführt, um die Besteuerung von Kapitaleinkünften zu vereinfachen. Der Steuersatz beträgt 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Steuer wird direkt von der Bank einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

Für Kleinsparer taucht dieses Thema nur auf, wenn die Bank darum bittet, den Freistellungsauftrag auszufüllen. Dieser so genannte Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 Euro pro Jahr für Alleinstehende und 2.000 Euro für Ehepaare. Innerhalb dieses Betrags bleiben Kapitalerträge steuerfrei.

Während für Arbeitnehmereinkommen die normale Steuerprogression gilt, gilt dies für Kapitaleinkünfte nicht. Für ein Arbeitsjahreseinkommen von 80.000 € gilt eine durchschnittliche Steuerbelastung von 28 % (Spitzensteuersatz von 42% für alles über 69.879 € (2026) für Ledige).

Wer hingegen sein Einkommen aus Dividenden und Kursgewinnen beim Aktienhandel verdient, muss nie mehr als 25 % Steuern zahlen. Verluste aus Kapitalanlagen können mit Gewinnen verrechnet werden, um die Steuerlast noch zu drücken. Eine Verrechnung von Verlusten aus Kapitalanlagen mit Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit (Gehalt) ist dagegen ausgeschlossen. [jdm]

Etwa 120 Verfahren zu Stallneubauten oder Erweiterungen beim Landkreis anhängig

Auf der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Natur des Landkreises Emsland am 9. März wurde von einem Ausschussmitglied nach dem Stand bei den beantragten Hühnerställen gefragt. Die Antwort von Kreisbaurat Dr. Michael Kiehl war im hinteren Bereich des Sitzungsraumes nur teilweise zu verstehen, weswegen wir den Landkreis hierzu noch einmal um genauere Auskunft und um Erläuterung des in den Antwort erwähnten Begriffs „Satellitenstall“ gebeten haben.

Folgende Information haben wir erhalten:
Der Begriff „Satellitenstall“ ist nicht definiert. Umgangssprachlich wird der Begriff häufig verwendet, wenn von einer vorhandenen Hofstelle abgesetzte Stallgebäude im Außenbereich geplant werden. Diese werden in der Regel knapp unterhalb der Schwellenwerte des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) beantragt, weshalb die Prüfung entfällt. Allerdings ist für „Satellitenställe“ eine Baugenehmigung erforderlich – genehmigungsfrei können sie also nicht errichtet werden.

Eine Privilegierung als landwirtschaftliches Vorhaben nach dem Baugesetzbuch (BauGB – § 35 Abs. 1 Nr. 1) scheidet für diese Anlagen häufig aus, da dem Betrieb die gemäß § 201 BauGB erforderliche Futtergrundlage fehlt. Um dennoch als sog. gewerbliche Anlage nach dem Baugesetzbuch zulässig sein zu können, werden die Stallgebäude meist in einer solchen Entfernung zu bereits vorhandenen Tierhaltungsanlagen des Betriebes geplant, dass es zu keiner Überschneidung der Einwirkungsbereiche der Anlagen und damit zu keiner Kumulation der Anlagen im Sinne des Gesetztes über die Umweltverträglichkeitsprüfung kommt.

Derzeit gibt es beim Landkreis Emsland insgesamt 60 offene Verfahren zum Neubau abgesetzter Geflügelställe im Außenbereich. Hierbei handelt es sich überwiegend um Masthähnchenställe sowie um Legehennenställe.

Im Einzelnen liegen folgende Anträge vor:
15 offene Verfahren Neubau Legehennenstall < 15.000 Plätze
43 offene Verfahren Neubau Masthähnchenstall < 30.000 Plätze
1 offenes Verfahren Neubau Junghennenaufzuchtstall < 30.000 Plätze
1 offenes Verfahren Neubau Putenmaststall < 15.000 Plätze

Neben diesen Verfahren laufen derzeit beim Landkreis Emsland 60 weitere Verfahren, welche mit einer Erhöhung von Tierplätzen verbunden sind. Hiervon sind 11 Verfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) zu beurteilen, die übrigen Verfahren werden nach Baurecht beurteilt. Hierbei handelt es sich teilweise auch um Änderungen an bestehenden Tierhaltungsanlagen.

Wildwuchs bei Tierställen?“ titelte die Emszeitung in ihrer Printausgabe vom 7. März 2026 (NOZ vom 05.03.2026). In Meppen sollten plötzlich immer mehr neue Tierställe gebaut werden. Die Stadt wolle mit einem Bebauungsplan gegensteuern. Das Emsland sei weiterhin eine Schwerpunktregion für die Tierhaltung, wurde festgestellt. Nach Zahlen des Landkreises Emsland aus dem Sommer 2025 waren etwa 37,61 Millionen Geflügelplätze, rund 1,76 Millionen Schweineplätze und circa 250.000 Rinderplätze genehmigt. Mit den aktuellen Planungen der Tierhalter dürften sich die Geflügelplätze noch um einige Millionen erhöhen. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Sondervermögen zweckentfremdet?

Vor einem Jahr wurde das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) verabschiedet: Nun ziehen zwei Institute eine äußerst negative Bilanz: Nach Auswertungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr 86 Prozent der Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) zweckentfremdet. Die tatsächlichen Investitionsausgaben des Bundes einschließlich des SVIK nach Bereinigung um finanzielle Transaktionen beliefen sich auf rund 71 Milliarden Euro. Das entspricht einem nominalen Anstieg von nur zwei Milliarden Euro gegenüber 2024 – gerade genug, um die Inflation auszugleichen.

Auch im Kernhaushalt verfehlte die Bundesregierung ihre eigenen Vorgaben. Um auf das SVIK zugreifen zu dürfen, muss der Bund mindestens zehn Prozent seiner regulären Ausgaben in Investitionen stecken. In der Planung erreichte er diese Schwelle gerade so – tatsächlich lag die Quote nur bei 8,7 Prozent. Konsequenzen hat das nicht: Die Vorgabe bezieht sich nur auf die geplanten, nicht auf die tatsächlichen Ausgaben. Damit fehlt ein wirksamer Kontrollmechanismus – ein struktureller Geburtsfehler, schreibt das IW in einer Pressemitteilung.

Die Bundesregierung hat auch nach Berechnung des Münchener Ifo-Instituts ihre eigentlich für Investitionen vorgesehenen neuen Milliardenschulden bislang hauptsächlich für Haushaltslöcher ausgegeben. Von den 2025 im Rahmen des „Sondervermögens für Klimaneutralität und Infrastruktur“ aufgenommenen Kredite in Höhe von 24,3 Milliarden Euro seien sogar 95 Prozent nicht für Investitionen genutzt worden, errechneten die Ökonomen. Die zusätzlichen Neuinvestitionen des Bundes seien nur um 1,3 Milliarden Euro höher gewesen als im Vorjahr. (Quelle: ZDF-Videotext 17.03.2026, 14:22:56 Uhr) [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Bündnis für gerechten Sozialstaat mit angezogener Handbremse

14 zivilgesellschaftliche Organisationen mit gemeinsam über 20 Millionen Mitgliedern haben ein Bündnis für einen starken und zukunftssicheren Sozialstaat gegründet. Das Sozialstaatsbündnis kritisiert in einem gemeinsamen Papier die zunehmende Schieflage in der politischen Debatte, in der der Sozialstaat wiederholt als unfinanzierbar oder als reiner Kostenfaktor dargestellt wird.

In einem Interview in der NOZ am Freitag, den 13.03.2026 mit dem DGB-Vorstand Stefan Körzell vertritt auch er all diese Forderungen. Was auffällt ist, dass weder die Sozialverbände noch Körzell ein Wort darüber verlieren, dass der deutsche Staat derzeit horrende Summen in die Aufrüstung steckt und damit die Frage schon halb beantwortet ist, warum der deutsche Sozialstaat derzeit den Angriffen durch die Politiker der Regierung und die Arbeitgeberlobby ausgesetzt ist. Je stärker der Kriegsstaat, desto schwächer ist der Sozialstaat. Diese großartige und überfällige Initiative der Sozialverbände leidet darunter, dass von Anfang an mit angezogener Handbremse losgefahren wird. Entsprechend geringschätzig wurde das Bündnis von der deutschen Presse behandelt und kaum erwähnt.

Inhaltlich setzt die Initiative den Angriffen auf den Sozialstaat eine positive, faktenbasierte Perspektive entgegen: Der Sozialstaat ist nicht nur finanzierbar, sondern essentiell für sozialen Frieden, wirtschaftliche Teilhabe und demokratische Stabilität.

Folgende Organisationen gehören dem Bündnis an: ·  Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland · Arbeiterwohlfahrt · Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland · Deutscher Caritasverband · Deutscher Gewerkschaftsbund · Deutscher Mieterbund · Der Paritätische Gesamtverband · Diakonie Deutschland · IG Metall · Sozialverband Deutschland SoVD · Sozialverband VdK Deutschland · Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) · Volkssolidarität · Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Das Bündnis benennt zusammengefasst folgende Ziele:

1. Wir wollen starke, verlässliche und solidarisch finanzierte soziale Sicherungssysteme und eine gerechte und auskömmliche Finanzierung des Gemeinwesens. Nicht nur die Sozialversicherungen, sondern das gesamte Gemeinwesen muss auskömmlich finanziert werden. Hierzu müssen sehr hohe Einkommen, Erbschaften und Vermögen stärker und gerechter besteuert werden.

2. Wir wollen einen handlungsfähigen und bürgernahen Sozialstaat in Bund, Land und Kommunen. Um dies wieder zu stärken, braucht es eine leistungsfähige und nachhaltig finanzierte soziale Infrastruktur und öffentliche Daseinsvorsorge: Die Spannbreite reicht von der Verkehrsinfrastruktur, über das Bildungs- und Gesundheitswesen, dem Klima- und Umweltschutz, der Energie- und Wasserversorgung, dem Katastrophenschutz, dem sozialen Wohnungsbau, sozialen Einrichtungen und Diensten, der Kultur bis hin zu Sporteinrichtungen. Kommunen und soziale Einrichtungen mit ihren Trägern spielen dabei eine herausragende Rolle. Der Wohnungsbau muss endlich sozialer ausgerichtet werden – Mieten und Wohnen muss wieder bezahlbar werden.

3. Wir wollen einen Sozialstaat, der Gute Arbeit sichert, Übergänge auf dem Arbeitsmarkt in Krisenzeiten ermöglicht und Arbeitslosigkeit vorbeugt. Es braucht es eine hohe Tarifbindung, gute Mindestlöhne, einen sicheren Kündigungsschutz und hohe Arbeitsschutzstandards anstatt Verschlechterungen bei bestehenden Arbeitszeitregelungen wie dem 8 Stundentag. Eine starke Arbeitslosenversicherung und eine solidarische Grundsicherung müssen sicherstellen, dass Menschen im Falle von Arbeitslosigkeit gut abgesichert werden.

4. Wir wollen einen Sozialstaat der Armut verhindert, soziale Ungleichheit verringert, Inklusion fördert und soziale und wirtschaftliche Teilhabe für alle ermöglicht.

5. Wir wollen einen Sozialstaat, der das Klima schützt und den ökologischen Umbau mit sozialer Sicherheit verbindet. Die öffentliche Hand muss u.a. in den Ausbau von ÖPNV, Bahn- und Stromnetzen, ökologischer Gebäudesanierung, eine flächendeckende Ladeinfrastruktur und neue Schlüsseltechnologien investieren. Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit müssen dabei unbedingt zusammengedacht werden. [jdm]

Fukushima mahnt – doch von der Leyen setzt wieder auf Atomkraft

Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat schon 2007 als niedersächsische Gesundheitsministerin das Landeskrankenhaus Osnabrück zu billig verkauft, hat als EU-Kommissionspräsidentin milliardenschwere Verträge über Impfstoffe maßgeblich über private SMS und Anrufe mit Pfizer-Chef Albert Bourla ausgehandelt und versucht, dies zu vertuschen, vergab als deutsche Verteidigungsministerin Aufträge an externe Berater (z. B. McKinsey) in Millionenhöhe unter Umgehung von Vergaberegeln und löschte Daten vom Diensthandy um Beweise zu vernichten und sie mischte sich in Wahlen in mehreren EU-Ländern ein und finanzierte Kampagnen von NGOs um missliebige Regierungen zu stürzen.

Diese Frau ist somit in keiner Weise vertrauenswürdig. Jetzt fordert sie ausgerechnet zum 15. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima eine Rückkehr zur Atomenergie. Es geht angeblich um eine klimafreundliche und kostengünstige Energie.

Dass Atomenergie nicht kostengünstig ist, wurde durch die Praxis bisher schon bewiesen. Derzeit wird auf Staatskosten eine Möglichkeit gesucht, den bisher schon produzierten Atommüll zu entsorgen. Die Idee von den SMR (small modular reactors) genannten Mini-Atomkraftwerken wird diese Problematik unendlich verlängern. Diese „kleinen“ Atomkraftwerke produzieren eher noch mehr Müll, als die großen. Die Vorstellung, dass kleine Kraftwerke von einem Fließband laufen, ist vollkommen absurd. Es handelt sich – wie bei den großen – um Milliardengräber, die wirtschaftlich nur zu betreiben wären, wenn der Staat alle Kosten rundum übernimmt. Die aktuellen Atomkraftprojekte in Großbritannien und Frankreich verschlingen schon Unsummen an öffentlichen Geldern.

Und auch die Klimafreundlichkeit funktioniert vor allem, wenn alle vor- und nachgelagerten Bereiche ausgeklammert werden. Was ganz sicher funktioniert ist, dass die Energiekonzerne weiterhin die Energieproduktion monopolisieren können und die Konsumenten nach Belieben ausquetschen können. Und das ist, was eine Frau von der Leyen allein interessiert (siehe ihre Sündenliste oben). [jdm]

Glasfaserausbau – Informationsveranstaltung für die ganze Samtgemeinde bei Steffens in Neulehe

Flyer Samtgemeinde Termin Glasfaserausbau

Alle Haushalte der Samtgemeinde Dörpen, die für einen Glasfaseranschluss in Frage kommen, sind herzlich zu einer Informationsveranstaltung am 12. März um 19 Uhr in der Gaststätte Steffens in Neulehe eingeladen. Hier das ausführliche Einladungsschreiben mit allen relevanten Informationen.

Darüber hinaus sind in dieser Liste alle Haushalte aufgeführt, die einen Glasfaseranschluss erhalten können. In Wippingen sind es 46 Haushalte in folgenden Straßen: Bei den Tannen, Elsebrook, Fleerstraße, Heyenhorst, Kiefernweg, Neudörpener Straße, Nordmannsweg, Püngel, Schützenstraße, Strootburg, Zum Höpen, Zum Schoolbrink.

Die Beantragung eines Anschlusses ist auch weiterhin online bei der Telekom möglich. [jdm]

Slowenische Papierfabrik ist insolvent

Die slowenische Papierfabrik Vipap Videm Krško hat am 25. Februar einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Von der Insolvenz sind 160 Mitarbeiter betroffen. Die Zukunft des Unternehmens war seit Mitte Dezember ungewiss, als die Geschäftsführung aufgrund finanzieller Schwierigkeiten die Produktion einstellte. Die Papierfabrik in Krško wurde 1939 gegründet. Sie erzielte in 2024 einen Umsatz von 53,3 Mio. Euro, was einem Rückgang von 10,5% gegenüber 2023 entspricht. Der Nettoverlust erhöhte sich in diesem Zeitraum von 1,7 Mio. Euro auf 6,6 Mio. Euro. (Quelle: Holz-Zentralblatt)

Laut Wikipedia war Vipap Videm Krško der größte Papierproduzent in Slowenien und auch einer der größten Lieferanten von Zeitungs- und Zeitschriftenpapier in Mittel- und Südosteuropa. Jährlich wurden mehr als 200.000 Tonnen Papier produziert. (Zum Vergleich: UPM Nordland Papier produziert über 800.000 Tonnen pro Jahr.) Neben Zeitungspapier, Zeitschriftenpapier und Papier für Prospekte lag der Schwerpunkt des Unternehmens auch auf der Produktion von Verpackungspapieren. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Mercosur-EU-Abkommen wird in Kraft gesetzt: Von der Leyen sch… auf das EU-Parlament

Die Europäische Union wird das Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten noch während einer laufenden juristischen Prüfung anwenden. Das kündigte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen an.

Damit zeigt sich die EU-Kommission als das, was sie ist: Ein autokratisches Regime, das auf Parlamentsbeschlüsse pfeift.

Das EU-Parlament hat dem Abkommen bisher nicht zugestimmt. Stattdessen stimmten die Abgeordneten im Januar 2026 dafür, das Abkommen zunächst vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) auf seine Vereinbarkeit mit EU-Recht prüfen zu lassen.

Von der Leyen sagte, der Europäische Rat habe die Kommission ermutigt, das Abkommen provisorisch in Kraft zu setzen. Soso! Nur ist der Europäische Rat mitnichten eine Volksvertretung. Er ist kein Parlament, sondern besteht aus den Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten, dem Kommissionspräsidenten und dem Ratspräsidenten. Es handelt sich also – wie die Kommission – um die Exekutive.

Das Mercosur-EU-Abkommen besteht aus zwei Teilen. Dem Interim-Handelsabkommen (iTA) müssen die nationalen Parlamente nicht zustimmen, da er ausschließlich Bereiche umfasst, für welche die EU die alleinige Zuständigkeit besitzt. Hier hat das EU-Parlament ja die Zustimmung verweigert. Der zweite Teil, das umfassende Partnerschaftsabkommen (EMPA) ist ein „gemischtes Abkommen“ und erfordert die Zustimmung aller nationalen Parlamente der EU-Mitgliedstaaten. Bisher haben keine nationalen Parlamente der EU-Mitgliedstaaten dem Abkommen zugestimmt.

Autokratie bedeutet „Selbstherrschaft“ (griech. autos = selbst, kratein = herrschen) und bezeichnet eine Regierungsform, in der Macht uneingeschränkt bei einer Person oder einer kleinen Gruppe liegt. Im Gegensatz zur Demokratie gibt es keine Gewaltenteilung.

Genau so wird die Europäische Union regiert. Die Kommission (also die Exekutive) setzt selbstherrlich gegen das Parlament Verträge in Kraft. Die Kommission setzt selbstherrlich Menschenrechte außer Kraft, indem sie Sanktionen gegen einzelne Bürger aus der EU oder anderen Staaten, deren Meinungsäußerungen der Kommission nicht gefallen, verhängt.

Das EU-Parlament ist nur ein Aushängeschild, das Demokratie simulieren soll. Das funktioniert meist gut, weil die Konservativen, die christlichen „Demokraten“ und die „Sozialdemokraten“ im EU-Parlament ausschließlich als Claqueure agieren, die jede Vorlage der Kommission absegnen. Stellt sich das Parlament einmal quer, wie bei der Mercosur-EU-Abstimmung, wird es einfach ignoriert. [jdm]

BA-Chefin Nahles: „Zum Ende der Winterpause kommt der Arbeitsmarkt nicht in Schwung“

Monatsbericht der Arbeitsagentur 2/2026

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte heute ihren Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Demnach ist die Arbeitslosigkeit ist im Februar 2026 um 15.000 auf 3.070.000 gesunken. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent. Verglichen mit dem Februar des letzten Jahres liegt die Arbeitslosenzahl um 81.000 höher. Die Arbeitslosenquote hat sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,1 Prozentpunkte erhöht. 3.724.000 Mensche galten als unterbeschäftigt, also waren in Maßnahmen oder in ungewünschter Teilzeit beschhäftigt Das waren 4.000 weniger als vor einem Jahr. Im Februar werden hochgerechnet etwa 35.000 Menschen Kurzarbeitergeld bekommen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Erwerbstätigen im Januar 2026 saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 13.000 gesunken. Mit 45,66 Millionen Personen ist sie im Vergleich zum Vorjahr um 94.000 geringer. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat sich von November auf Dezember 2025 nach Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) saisonbereinigt leicht erhöht (+5.000). Im Vergleich zum Vorjahr lag sie mit 34,98 Millionen Beschäftigten um 40.000 niedriger. 7,58 Millionen Personen hatten im Dezember 2025 eine geringfügig entlohnte Beschäftigung, 46.000 weniger als im Vorjahresmonat. Davon waren 4,07 Millionen ausschließlich und 3,51 Millionen im Nebenjob geringfügig entlohnt beschäftigt.

Im Februar waren 638.000 Arbeitsstellen bei der Arbeitsagentur gemeldet, 1.000 weniger als vor einem Jahr. Ein allgemeiner Anstieg der Kräftenachfrage ist nicht zu erkennen, vielmehr stabilisiert sich diese insgesamt auf einem niedrigen Niveau.

1.111.000 Personen erhielten nach Hochrechnung der BA im Februar 2026 Arbeitslosengeld, 76.000 mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Bürgergeldberechtigten belief sich hochgerechnet im Februar auf 3.822.000. Gegenüber Februar 2025 war dies ein Rückgang um 149.000 Personen. 7,0 Prozent der in Deutschland lebenden Personen im erwerbsfähigen Alter waren damit hilfebedürftig.

Seit Oktober 2025 haben sich bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 298.000 Bewerberinnen und Bewerber für eine Berufsausbildungsstelle gemeldet, 4.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen fällt mit 345.000 um 52.000 geringer aus als im Vorjahreszeitraum. Im Februar ist der Ausbildungsmarkt noch sehr stark in Bewegung. Deshalb erlauben die aktuellen Daten nach Einschätzung der BA nur eine sehr grobe und vorläufige Einschätzung der Entwicklung im Beratungsjahr 2025/26. [jdm]

Fastenmarsch am 8. März: Hier fängt Zukunft an

Am 08.03.2026 findet der Misereor-Fastenmarsch unter dem Motto „Hier fängt Zukunft an“ statt. Die Hefte können ab sofort für 0,50 € im Dorfladen erworben werden. Dort liegt auch wieder die Liste für Essenspenden aus, in die sich gerne eingetragen werden kann.

Die KLJB freut sich am 08.03.2026 viele motivierte Starter ab 9 Uhr in der Mehrzweckhalle zu empfangen. [Gretel Frericks]

Fakten zur Ungleichheit (3)

In den letzten 30 Jahren (seit 1991) konnten die oberen 10 Prozent ihr Einkommen um 40 Prozent steigern. Die Einkommen für die unteren 10 Prozent sanken leicht um 0,4 Prozent. Die Einkommen sind umso mehr gewachsen, je einkommensstärker die Haushalte sind. Das Einkommenswachstum der oberen 10 Prozent ist höher ausgefallen als das der darunterliegenden 10 Prozent usw. Das ging bis 2015 so. Nach 2015 stiegen alle Einkommensgruppen leicht. Nur das Einkommen der reichsten 10 Prozent stieg enorm.

Das (Jahres-)Durchschnittsgehalt betrug in Deutschland 2019 45.560 Euro, 2024 waren es 50.000 €. 2019 verdiente ein Vollzeitbeschäftigter mit einem Mindestlohn von 9,50 Euro im Jahr 19.968 Euro, 2024 waren es bei einem Mindestlohn von 12,41 Euro rund 26.600 Euro.

Im Jahr 2019 stand der Vorstandsvorsitzende von VW, Herbert Diess, mit 9,9 Millionen Euro an der Spitze der Top-Verdiener. Das war 20-mal so viel wie die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im Jahr 2019 auf 473.040 Euro kam. Der heutige VW-Chef Oliver Blume erhielt 10,3 Millionen Euro (in 2023).

Die Armutsquote von Erwerbstätigen liegt seit zehn Jahren zwischen 6,6 und 9,9 Prozent. Die meisten Erwerbsarmen arbeiten im Niedriglohnsektor bei einem Stundenlohn von weniger als 13,79 Euro. Dank der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns ist die Zahl zurückgegangen. Doch noch immer arbeiten hierzulande 16%, also etwa jede:r sechste Beschäftigte, im Niedriglohnsektor. In absoluten Zahlen ausgedrückt: 6,3 Millionen Menschen. In Deutschland wächst der Anteil der armen Bevölkerungsgruppe, auf der anderen Seite ist der Anteil der Besserverdienenden gewachsen. (Quelle Ungleichheit.de) [jdm]

Wie Merz und Reiche Betriebswirtschaft statt Volkswirtschaft betreiben

Neoliberale und konservative  Politiker verfügen deshalb über keine Wirtschaftskompetenz, weil sie nicht in der Lage sind, volkswirtschaftlich zu denken. Für sie ist die ganze Welt ein Betrieb. Sie können auch den Staat nur betriebswirtschaftlich begreifen.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, der Millionär Friedrich Merz, Maskenhändler Jens Spahn oder Carsten „Ich hab schon mal ein Jahr gearbeitet“ Linnemann kennen deshalb keine Mittel, wie man die Wirtschaft eines Landes voranbringen kann. Ihre einzigen immer wiederkehrenden Mittel sind 1. die Senkung der Lohnkosten durch Reallohnsenkung und Sozialabbau, 2. die Senkung der Betriebskosten durch staatliche Subventionen an die Konzerne und 3. die Senkung der Konzernsteuern. Damit ist ihre Phantasie erschöpft. Diese drei Dinge ergeben betriebswirtschaftlich auch Sinn.

Wer aber einen Blick über den Firmenzaun wirft, stellt fest, dass es da draußen noch eine andere Welt gibt. Da gibt es z. B. die potentiellen Kunden, die auch in der Lage sein müssen, die Produkte der Konzerne kaufen zu können. Da gibt es eine Infrastruktur, die die Firmen zur Produktion brauchen. Da gibt es ein Bildungssystem, auf das die Firmen angewiesen sind. Da gibt es ein Rechtssystem.

Die Wirtschaft eines Staates mit betriebswirtschaftlichen Augen und Begriffen erfassen zu wollen, ist etwas vollkommen Sinnloses. Neoliberale und Konservative reden zwar gern vom Markt, aber sind nicht in der Lage zu erkennen, dass Tauschverhältnisse sich für beide Geschäftspartner lohnen müssen, wenn sie auf Dauer praktiziert werden sollen. Merz und Co. wollen deshalb die Welt mit wirtschaftlicher und militärischer Brachialgewalt dominieren, statt in dauerhafte gegenseitig vorteilhafte Beziehungen zu investieren.

Merzens Weigerung eines höheren Spitzensteuersatzes und die Verweigerung von Vermögens- und Erbschaftssteuern verbunden mit Einkommenssenkungen für die Masse hilft, die deutsche Wirtschaft direkt in den Abgrund zu führen. Alleinige Nutznießer ihrer Politik sind die international ausgerichteten Konzerne. Deren Börsenwerte steigen, was Merz als Ergebnis  guter Politik betrachtet. Nur kann es den deutschen Bürgern vollkommen egal sein, wie deren Börsenwerte stehen. Das ist nur der Maßstab für das Vermögen der Oligarchen.

Das Masseneinkommen sinkt und damit die allgemeine Nachfrage. Die Folge ist der Abbau von Arbeitsplätzen. Das ist seit den Erkenntnissen von John Maynard Keynes eigentlich Allgemeinwissen, aber bei den Konservativen bis heute nicht angekommen. Reiche und Merz können die Welt nur mit den Augen des Konzernchefs betrachten, der jede Ausgabe, die nicht unmittelbar seinem Profit dient, ablehnt.

"Die Zitrone ist ziemlich ausgequetscht", sagte Merz im Politikpodcast "Machtwechsel". Mit Reichensteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag liege die Gesamtbelastung für hohe Einkommen bereits bei fast 50 Prozent. Trotzdem haben in Deutschland die Oligarchen ihr Vermögen 2025 um 30% erhöhen können. Das ist ziemlich viel für ausgequetschte Zitronen. Diese ausgequetschten Zitronen sitzen auf so viel Geld, dass sie nicht wissen, wohin damit. In Produktionsanlagen können sie nicht investieren, weil die Menschen immer weniger kaufen können. Sie benutzen das Geld also dazu, um Aktien zurückzukaufen. Wenn ein neuer Trend auftaucht, z. B. KI, investieren sie besinnungslos. Die Firma Tesla ist deshalb aktuell mehr wert als alle anderen Autokonzerne zusammen. Das ist vollkommen realitätsfern und reine Spekulation. Aber die ausgequetschten Zitronen kaufen Tesla-Aktien gerade weil sie so teuer sind und sie so ihr Geld los werden.

Der Kriegskurs der europäischen Staaten und allen voran Deutschlands kommt den ausgequetschten Zitronen auch sehr gelegen. Sie stellen ihr überschüssiges Geld dem Staat in Form von Staatsanleihen zur Verfügung. Der Kredithunger, der durch „Sondervermögen“ für Rüstung ausgelöst wird, gibt den Oligarchen wieder satte Gewinne, die sie wieder anlegen müssen. Aber von all dem hat ein Arbeiter oder Angestellter in Deutschland nichts. Im Gegenteil: das Bild der ausgequetschten Zitrone trifft auf abhängig Beschäftigte durchaus zu. Mieten, Energiekosten und Lebenshaltungskosten können oft nur noch mit Abstrichen finanziert werden.

Der Blogger Jörg Lipinski weist in einem Beitrag über die erste echte Krise der Weltwirtschaft von 1857 darauf hin, dass diese sozusagen aus Versehen durch keynsianische Politik überwunden wurde. In dieser Wirtschaftskrise kam es nicht zu einer Inflation, sondern zu einem Preisverfall, der wertmäßig die folgende Lohnsenkung erheblich übertroffen hat.

Der Historiker Hans Rosenberg beschrieb, dass trotz aller Versuche, die Löhne zu drücken und dem niedrigen Preisstande anzupassen, das Lohnniveau eine bemerkenswerte Stabilität behauptete und in den kapitalistischen Ländern die Nominallohnsenkung durchschnittlich kaum mehr als 10 % betragen habe. In nicht wenigen Branchenzweigen und Wirtschaftsbezirken sei es zudem überhaupt nicht zu einer Lohnsenkung, sondern lediglich zu einer Abschwächung der aufsteigenden Lohnbewegung gekommen.

Rosenbergs Fazit zu 1857: „Und da letzten Endes der „Konsum der Konsumenten“ den Produktionsumfang bestimmt, so haben schließlich nach dem Aufschwung der auf den wirtschaftlichen Gesamtorganismus zurückwirkenden Verbrauchsgüterindustrien auch die kapitalproduzierenden Industrien sich wieder zu erholen vermocht. Mit dem Steigen der Nachfrage nach erzeugten Fertiggütern und dem Wiederanziehen der Preise ist der Boden für die Wendung von der Schrumpfungs- und Stagnierungs- zur Anstiegstendenz bereitet worden.“ [jdm]

Wie findet mein Kind einen sinnstiftenden Beruf? Antworten bei den digitalen Elternabenden vom 02. bis 12. März 2026.

Screenshot Digitale Elternabende

Über 80 Großunternehmen und Branchenvertretungen informieren im Rahmen der digitalen Elternabende der BA vom 02. bis zum 15. März 2026 Jugendliche und ihre Eltern über Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten.

Auch in diesem Jahr haben Jugendliche und ihre Eltern die Chance, Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten bundesweiter Unternehmen im kompakten Online-Format kennenzulernen. Das virtuelle Angebot richtet sich an Jugendliche, die kurz vor dem Schulabschluss stehen und nach einem passenden Ausbildungsplatz suchen.

In den einstündigen Informationsveranstaltungen erhalten sie und ihre Eltern exklusive Einblicke in die Karrieremöglichkeiten der teilnehmenden Unternehmen, ihren Rahmenbedingungen, ihrer Unternehmenskultur sowie den Perspektiven für Nachwuchskräfte nach Ausbildungsabschluss. Zudem geben teilnehmende Branchenvertretungen einen Überblick über duale Ausbildungsmöglichkeiten und Chancen in der jeweiligen Branche.

Hier geht es zu den digitalen Elternabenden... [PM]

Holz- und Zellstoffkonzern Mercer in roten Zahlen

Der in Vancouver in Kanada ansässige Holz- und Zellstoffkonzern mit großen Betriebsstandorten in Deutschland verzeichnete für das Jahr 2025 einen Umsatzrückgang um knapp 9 % auf 1,9 Mrd. USD (1 USD = 0,885 Euro). Der operative Verlust (Ebitda) betrug 22 Mio. USD, im Jahr zuvor war noch ein operativer Gewinn in Höhe von 244 Mio. USD ausgewiesen worden. Nach Nettoverlusten von 242 Mio. USD (2023) und 85 Mio. USD (2024) folgte 2025 ein weiterer Verlust von 498 Mio. USD, berichtet das Holz-Zentralblatt.

Mercer ist ein weltweit agierender Hersteller des Hauptrohstoffes für die Tissue-Industrie, von nördlichem gebleichtem Langfaser- und Kurzfaser-Kraftzellstoff (NBSK = Northern Bleached Softwood Kraft; NBHK = Northern Bleached Hardwood Kraft). Das Unternehmen betreibt in Deutschland zwei Zellstoffwerke. Das erste deutsche Werk von Mercer befindet sich in Rosenthal am Rennsteig, rund 300 km südlich von Berlin. Neben Kraftzellstoff (NBSK) produziert das Unternehmen heute etwa 5.000 t Tallöl und mehr als 400.000 MWh Ökostrom pro Jahr. Im Sommer 2023 wurde Mercers Lignin Center am Standort Rosenthal in Betrieb genommen. Es ist die erste Anlage ihrer Art in Mitteleuropa, die es ermöglicht, täglich bis zu einer Tonne Lignin zu extrahieren.

Mercer Stendal befindet sich in der Nähe der Stadt Arneburg im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt. Die Gemeinde liegt rund 130 Kilometer westlich von Berlin am Westufer der Elbe, etwa 12 Kilometer nordöstlich von Stendal. Ursprünglich war die Anlage auf eine Produktion von 520.000 Tonnen NBSK-Zellstoff und etwa 100 MW Bioenergie ausgelegt. Nach mehreren umfassenden Erweiterungsprojekten, einschließlich des 2014 abgeschlossenen Blue Mill-Projekts, verfügt das Werk heute über eine Produktionskapazität von 740.000 Tonnen NBSK-Zellstoff, 148 MW Ökostrom sowie über eine moderne Extraktionsanlage für Terpentin und Tallöl. Wie alle Zellstoffwerke von Mercer produziert das Werk Stendal genügend grüne Energie, um den internen Bedarf zu decken und zugleich Energie in das öffentliche Stromnetz einzuspeisen. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Polizei und Zoll: Gemeinsame Gewerbekontrollen im Bereich Meppen

Polizei, Zoll, Ordnungsamt
Polizei, Zoll und Ordnungsamt

Am Freitag, 13.02.2026, führten Einsatzkräfte der Polizei, Mitarbeitende der Städte Meppen, Haren (Ems) und Haselünne, der Samtgemeinden Herzlake und Lathen sowie der Gemeinden Geeste und Twist, in Meppen sowie in umliegenden Kommunen umfangreiche Gewerbekontrollen durch. Darüber hinaus wirkten Bedienstete des Landkreises Emsland, des Hauptzollamtes Osnabrück sowie des Finanzamtes Lingen mit. Insgesamt waren mehr als 60 Einsatzkräfte im Einsatz. Die Maßnahmen begannen in den Nachmittagsstunden und dauerten bis in die späten Abendstunden an.

Ziel dieser Zusammenarbeit war die ganzheitliche Überprüfung ausgewählter, überwiegend bargeldintensiver Gewerbebetriebe hinsichtlich der Einhaltung verwaltungs-, steuer- und ordnungsrechtlicher Vorschriften.

Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Transparenz betrieblicher Abläufe sowie der ordnungsgemäßen Teilnahme am legalen Wirtschaftskreislauf, unter anderem im Hinblick auf sozialversicherungs- und finanzrechtlicher Vorgaben. Im Rahmen des Einsatzes wurden insgesamt 30 verschiedene Gewerbebetriebe kontrolliert, darunter unter anderem Restaurants, Imbissbetriebe, Friseur- und Barbershops sowie Shisha-Shops.

In rund der Hälfte der überprüften Betriebe wurden keine oder lediglich geringfügige Verstöße gegen gewerbe- und lebensmittelrechtliche Vorschriften festgestellt.

In den übrigen Betrieben stellten Einsatzkräfte des Finanzamtes Lingen (Ems) sowie des Hauptzollamtes Osnabrück mehrere Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung fest, die vorbehaltlich weiterer Ermittlungen nach der Abgabenordnung zu sanktionieren sind. Darüber hinaus wurden in mehreren Betrieben nicht ordnungsgemäß gemeldete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angetroffen.

Bei zwei kontrollierten Betrieben im Bereich Haren wurden Personen ohne gültige Aufenthaltserlaubnis festgestellt, die zudem nicht ordnungsgemäß als Beschäftigte gemeldet waren. Nach Durchführung der erforderlichen strafprozessualen und aufenthaltsrechtlichen Maßnahmen wurden diese entlassen.

Im Rahmen der Kontrolle eines Restaurants im Bereich Haselünne wurden erhebliche Verstöße gegen arbeits- und steuerrechtliche Vorschriften festgestellt. Aufgrund schwerwiegender Hygienemängel untersagte das zuständige Veterinäramt den Weiterbetrieb des Restaurants und ordnete die Schließung an.

Während der Kontrolle einer Gaststätte in Haren wurden im Bereich der Toilettenanlage Betäubungsmittel aufgefunden. Eine anschließende Durchsuchung des Objekts auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Osnabrück unter Einsatz eines Rauschgiftspürhundes führte nicht zum Auffinden weiterer Beweismittel. Gegen den Betreiber wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

Insgesamt stießen die Kontrollmaßnahmen überwiegend auf Akzeptanz. In einem Fall musste eine Person aufgrund störenden Verhaltens der Kontrollmaßnahme verwiesen werden. [PM Polizeiinspektion Emsland]

Fakten zur Ungleichheit (2)

45 Großerben erhielten 2024 zusammen Unternehmensvermögen von fast 12 Milliarden Euro. Darauf setzten die Finanzämter zunächst rund 3,5 Milliarden Euro Steuer fest – entsprechend einem regulären Steuersatz auf Großvermögen von etwa 30 Prozent. Anschließend erließen sie jedoch 95 Prozent der Steuerforderung. Der Staat verzichtete zu Gunsten dieser Großerben auf Einnahmen von 3,4 Milliarden Euro und letztlich lag ihr Steuersatz bei rund 1,5 Prozent. Damit werden milliardenschwere Unternehmensübertragungen weit geringer besteuert als deutlich kleinere Erbschaften, die oberhalb der persönlichen Freibeträge liegen.

Hauptursache ist die 2016 eingeführte “Verschonungsbedarfsprüfung”: Großerben können beantragen, dass ihnen die Steuer erlassen wird, wenn sie nachweisen, dass sie nicht über ausreichend Privatvermögen verfügen, um die Steuer zu bezahlen. Dabei wird allerdings nur die Hälfte des vorhandenen Privatvermögens zum Stichtag der Übertragung berücksichtigt. Zukünftige Gewinne oder Dividendenerträge aus dem geerbten Unternehmen bleiben außen vor – sie müssen also nicht zur Steuerzahlung eingesetzt werden. (Quelle: DGB) [jdm]

Vollsperrungen für Sanierungsmaßnahmen der Bahn belasten Güterbahnen

Am 16.09.2023 kritisierten wir: "Die Bahn und Verkehrsminister Wissing planen keine breiten Investionen in die Erneuerung der Bahnstrecken, sondern praktisch einen Neubau einzelner Strecken, wobei die in Frage kommenden Strecken vollständig aus dem Verkehr genommen werden. Das sorgt nicht nur für viel Verdruss der betroffenen Bahnnutzer, sondern auch dafür, dass sowohl die privaten Bahnkunden, als auch die Güterverkehrskunden dazu gezwungen werden, sich über einen langen Zeitraum eine Alternative zu suchen. Ob sie dann zu der Bahn zurückkehren, ist fraglich."

Aktuell ist die Bahnstrecke von Köln über Wuppertal nach Hagen über fünf Monate voll gesperrt. In dieser Zeit müssen der Personenfernverkehr und der Güterverkehr umgeleitet werden. Im Personennahverkehr kommt ein Schienenersatzverkehr zum Einsatz.

Insbesondere aus der Wirtschaft kommt jetzt vermehrt Kritik an diesem Konzept. Im Westfälischen Anzeiger wird Peter Westenberger, Geschäftsführer des Branchenverbands Güterbahnen, zitiert, der moniert, dass der Güterverkehr auf der Schiene zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit verliere. „Bei einer Strecke, für die ein Zug früher fünf Stunden gebraucht hat, braucht er heute oft acht Stunden.“ Dies führe zu erheblichen Mehrkosten und mache den Schienengüterverkehr, insbesondere bei kleineren Gütern oder kurzen Strecken, die auch per Lkw transportiert werden können, weniger attraktiv. Wenn Züge nicht mehr nach Fahrplan fahren könnten und der Transport durch Umleitungen zu teuer werde, wichen Kunden auf die Straße aus. Seit Jahren beobachte man einen deutlichen Rückgang des Gütertransports auf der Schiene.

Bisher ist es international üblich, Bahnstrecken bei laufendem Betrieb zu renovieren. Dafür gibt es eine lang geübte Praxis und es wird dabei vermieden, dass ganze Regionen vom Bahnverkehr abgeschnitten werden. Bahnexperten haben schon frühzeitig vor dieser Verfahrensweise in Deutschland gewarnt. Das Bündnis "Bahn für alle" kritisierte vor zwei Jahren, die vielmonatigen Komplettschließungen von Strecken zur Generalsanierung, zum Teil mit vorgeschalteten monatelangen turnusmäßigen Sanierungen wie im Falle der Strecke Hamburg—Berlin, seien für Pendler entlang der Strecke, die schnelle ICE- oder EC-Verbindungen nutzen müssten, unzumutbar. Auch für die Güterverkehrsunternehmen brächten die Schließungen massive Probleme mit sich. [jdm]

Neues VDI Research Paper analysiert Stromerzeugung in Deutschland

VDI Papier "Der Energiewende bei der Arbeit zuschauen"

Öffentliche Energiedaten machen die Entwicklung der Stromversorgung und der Emissionen in Deutschland so transparent wie nie. Das neue VDI Research Paper zeigt, wie Interessierte mit wenigen Klicks die Energiewende nachverfolgen können – unabhängig von politischen Debatten. Die Daten belegen: Die Versorgung durch erneuerbare Energien ist stabil.

Das VDI Research Paper „Der Energiewende bei der Arbeit zuschauen – Visualisierte Daten zur Stromerzeugung in Deutschland“ zeigt, wie Interessierte Daten zur Stromversorgung und zu klimarelevanten Emissionen faktenbasiert einordnen können. Öffentlich zugängliche Daten ermöglichen dabei rückblickende Analysen, eine nahezu Echtzeit-Beobachtung sowie Prognosen – jenseits politischer oder wirtschaftlicher Interessen.

„Die in den Medien immer wieder kursierende Sorge vor einem Blackout durch erneuerbare Energien ist unbegründet. Wer sich die öffentlich verfügbaren Daten anschaut, erkennt: Die Stromversorgung in Deutschland ist stabil. Und sie wird nicht nur durch Netzausbau und Speicher gesichert, sondern auch durch weitere ingenieurtechnische Maßnahmen“, sagt Mitautor Oliver Kaiser.

Kern des Papers ist die systematische Einordnung frei verfügbarer Dashboards, die zentrale Energie- und Marktdaten bündeln. Dazu zählen unter anderem die Energy Charts des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, das Agorameter von Agora Energiewende sowie Emissionsvisualisierungen von Electricity Maps. Diese Instrumente erlauben es, Entwicklungen im Stromsystem sachlich zu bewerten – vom wachsenden Anteil erneuerbarer Energien über Stromimporte und -exporte bis hin zu CO₂-Emissionen.

Die Daten zeigen, dass die Energiewende bereits messbare Wirkungen entfaltet: Sonne, Wasser und Wind decken heute über 55 Prozent des Strombedarfs in Deutschland. Der Strommix an der Steckdose verursacht rund 50 Prozent weniger Kohlendioxid als in den 1990er Jahren. Damit verdeutlicht das neue VDI Research Paper, dass die Energiewende funktioniert. Sie wird von bestehender und zukünftiger Technik vorangetrieben, die Kohlendioxidemissionen messbar senkt. Gleichzeitig sind technische Lösungen stets in einen gesellschaftlichen Rahmen eingebettet, in dem politische Entscheidungen weitere Aspekte wie Versorgungssicherheit, Unabhängigkeit von Brennstoffimporten, Resilienz durch eine dezentrale Energieproduktion sowie Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen beeinflussen.

Hier kann man die Publikation kostenfrei herunterladen: https://www.vditz.de/service/visualisierte-daten-zur-stromerzeugung-in-deutschland, (Quelle: https://idw-online.de/de/news865873) [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]