Im Juli 2026 beschloss das Kabinett ein Bundeswehr-Infrastrukturbeschleunigungsgesetz. So wird es in den politischen Beratungen genannt, rechtlich heißt es „Gesetz für den Bau und Betrieb von Infrastruktur für Zwecke der Bundeswehr (Bundeswehrbaugesetz – BwBauG)“.
Durch dieses Gesetz werden nach Einschätzung der Informationsstelle Militarisierung e. V. viele der in den letzten Jahrzehnten erarbeiteten Gesetzesvorgaben bei Immissionen, Umweltverträglichkeit, Wasserhaushalt, Wald- und Naturschutz abgeschafft, wenn die Bundeswehr sie als hinderlich erachtet.
Genehmigungsverfahren sind damit nicht mehr nötig, wenn die Bundeswehr etwas will. Windräder können nicht mehr gebaut werden, wenn die Bundeswehr ein Gebiet zum „Schutzgebiet“ erklärt. Den Waldschutz müssen sogar zivile Rüstungsunternehmen nicht mehr ernst nehmen.
Enteignungen von Immobilienhaien, damit Mieter sich ihre Wohnungen noch leisten können, findet die Bundesregierung gar nicht gut. Aber für Bundeswehrzwecke werden Enteignungen vereinfacht.
Kommunen haben nichts mehr mitzureden, wenn es um Liegenschaften der Bundeswehr geht. Das Gesetz definiert die Bundeswehraufrüstung als ein überragendes Interesse des Staates, dem alles andere nachzuordnen ist. Die Aufrüstung und die Konversion von zivilen Einrichtungen und Industriebetrieben soll jetzt schnell durchgesetzt werden, bevor sich der Widerstand dagegen entwickeln kann – bevor den Menschen klar wird, dass ihnen die Bundeswehr gerade die Butter vom Brot und in vielen Fällen auch das Brot selbst gestohlen hat.
Den meisten Menschen ist bereits klar, dass die Milliardensummen für die Aufrüstung der eigentliche Grund für die Renten- und Sozialleistungskürzungen sind. Aber noch begehren sie nicht auf, weil die Folgen noch nicht so spürbar sind. Wenn es denn so weit ist und vielleicht auch schon hunderttausende Menschen dagegen auf die Straßen gehen, wie in Spanien oder Frankreich, soll dieses „Beschleunigungsgesetz“ schon so viele Fakten geschaffen haben, dass die Kriegsvorbereitung schon geschehen ist.
Bis 2030 soll die Bundeswehr mit etwa 700 Mrd. Euro aufgerüstet werden. Angeblich soll damit unsere Sicherheit steigen. Doch wie Julia Manek im neuen Medico-Rundschreiben 03/2026 im Zusammenhang mit der Ausrichtung des Gesundheitssystems auf den Kriegsfall schreibt: „Indem die Regierung soziale Infrastrukturen und Sicherungssysteme schleift, schürt sie das Gegenteil, von dem was Resilienz (=Widerstandsfähigkeit von Menschen bei Krisen) ausmacht: Verunsicherung, Abstiegsängste und damit das Gefühl von Verwundbarkeit.“ Und: „Der militärisch-industrielle Komplex produziert die Ängste, die er reduzieren soll, letztendlich selbst. Eine Gesellschaft rüstet dann auf, wenn sie glaubt, ihre Zukunft nicht mehr oder nicht anders gestalten zu können. Statt sich also auf den Krieg vorzubereiten, geht es darum, andere Formen der kollektiven Sicherheit zu entwickeln.“ [jdm]



































