In Niedersachsen erkranken jedes Jahr etwa 50.000 Menschen neu an einem bösartigen Tumor und mehr als 23.000 Menschen versterben an einer Krebserkrankung. Wo in Niedersachsen welcher Krebsart wie häufig auftritt, kann man dem niedersächsischen Krebsatlas entnehmen.
Datengrundlage der kleinräumigen Darstellungen sind die im Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen erfassten Krebsneuerkrankungen. Die Zahlen werden für den 10-Jahres-Zeitraum 2013 – 2022 sowie die 5-Jahres-Zeiträume 2013-2017 und 2018-2022 für Männer, Frauen und beide Geschlechter zusammengefasst dargestellt, erfährt man in der Einführung zum Krebsatlas.
Dieser wurde von der OFFIS CARE GmbH aus Oldenburg erstellt. Die Nordwest-Zeitung hat sich den Krebsatlas genauer erklären lassen; den entsprechenden Bericht findet man auf der NWZ-Homepage. Auffällig ist danach insbesondere das räumliche Vorkommen der Krebserkrankung Mesotheliom – im Volksmund als Asbestkrebs bekannt. Dabei handelt es sich um eine bösartige Tumorerkrankung des Mesothelgewebes, die häufig mit einer langjährigen Asbestexposition in Verbindung steht. Das Mesothel ist eine zweischichtige Membran, die die inneren Organe umgibt.
Weitere Details hierzu findet man auf der Internetseite des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen. Wenn man hier die Niedersachsenkarte anklickt und vergrößert, erscheint eine kleinräumige Aufteilung des Bundeslandes, allerdings nicht immer nach Gemeinden, Samtgemeinden oder Landkreisen, sondern nach den vom System vorgegebenen Gebieten. So ist die Samtgemeinde Dörpen mit Rhede in einem Betrachtungsgebiet zusammengefasst.
Auf der rechten Darstellungsseite kann man die Krebsart auswählen. Der Aufruf für „Mesotheliom (C45)“ zeigt eine Karte mit rötlichen Gebieten im Westen Niedersachsens nördlich von Dörpen. Ruft man hier über die Mausfunktion die Daten für Papenburg auf, erhält man auf der linken Bildschirmseite die Häufung der Krebsarten im Vergleich zum Landesdurchschnitt angezeigt. Für Mesotheliom in Papenburg wird angegeben: „98 % über dem Landesdurchschnitt – Abweichung wahrscheinlich nicht zufällig“. Deutliche höher liegt der Vergleichswert für Emden: 153 % über dem Landesdurchschnitt. Und für Hinte (nördlich von Emden) sogar die Angabe „196 % über dem Landesdurchschnitt“.
Die Anmerkung „Abweichung wahrscheinlich nicht zufällig“ bedeutet, dass eine Ursache für die Abweichung vom Landesdurchschnitt erkannt wurde. Im Fall von Mesotheliom handelt es sich um den Schiffbau, erfährt man im NWZ-Bericht. Ähnlich erhöhte Werte werden ebenso für die Regionen entlang der Weser und der Elbe angezeigt, allerdings ohne Angaben für die Bundesländer Bremen und Hamburg, da es sich um eine rein niedersächsische Auswertung handelt.
Neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht. Schon im IG Metall-Schwarzbuch Berufskrankheiten aus dem Jahr 2013 wird die Erkrankungsursache beschrieben. Danach ist das Mesotheliom seit 1975 in der Liste der Berufskrankheiten aufgeführt. Dennoch gab es erst seit dem Jahre 1995 ein weitgehendes Asbestverbot in Deutschland. Weiter führt der Bericht aus: „Die Frage nach dem Grund für diese Sorglosigkeit drängt sich förmlich auf. Es waren schlicht wirtschaftliche Interessen, die eine starke Asbestlobby gegen alle Zweifler lange durchsetzte.“ [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]











