Die IGBCE fordert für die rund 46.000 Beschäftigten der Papierindustrie eine spürbare Stärkung der Kaufkraft ab dem 1. Januar und einen konkreten Vorteil für Gewerkschaftsmitglieder. Das hat die Bundestarifkommission einstimmig beschlossen.

Die 23-köpfige Bundestarifkommission der IGBCE hat in Hannover die Forderungen für die anstehende Tarifrunde der bundesweiten Papierindustrie beschlossen. Im Mittelpunkt des Beschlusses steht ein Mitgliederbonus für Gewerkschaftsmitglieder. Darüber hinaus soll es eine spürbare Erhöhung der Entgelte geben, die angesichts der zuletzt deutlich gestiegenen Inflation bereits zum 1. Januar wirksam werden soll.

Verhandlungsführer Frieder Weißenborn unterstrich die klare Prioritätensetzung für die anstehenden Verhandlungen: „Ohne Mitgliederbonus wird diese Tarifrunde nicht zu Ende gehen. Das hat mit gezielter Wertschätzung zu tun und ist etwas, was sich die Mitglieder schlicht verdient haben.“

Die IGBCE hat bereits einen konkreten Ansatz für einen Mitgliederbonus auf dem Tisch gelegt: Das HealthCare-Modell ist als modulare betriebliche Krankenversicherung angelegt. Im Mittelpunkt steht ein jährliches Gesundheitsbudget, das für vielfältige Gesundheits- und Vorsorgeleistungen eingesetzt werden kann. Der entscheidende Punkt: IGBCE-Mitglieder sollen von der tariflichen Vereinbarung einen zusätzlichen, konkret erlebbaren Vorteil haben. Weißenborn: „Gewerkschaftsmitglieder tragen mit ihren Beiträgen und ihrem Engagement entscheidend dazu bei, dass das Fundament der Sozialpartnerschaft trägt. “ Gebe es keinen Mitgliedervorteil, sei die Sozialpartnerschaft am Ende angelangt.

Zweiter Kern der Tarifforderung ist eine spürbare Erhöhung der Entgelte. Einen konkreten Prozentsatz hat die Bundestarifkommission nicht beschlossen.

Die wirtschaftliche Lage der Papierindustrie sei bei weitem nicht so düster, wie die Arbeitgeber die Situation beinahe schon traditionell beschrieben. Der aktuelle Blick in die Branchen offenbare vielmehr ein differenziertes Bild: Einige Bereiche stünden tatsächlich weiterhin unter Druck, etwa die grafischen Papiere. In anderen Bereichen laufen die Geschäfte dagegen deutlich besser. Zuletzt habe sich die Stimmung in der Branche laut ifo-Index deutlich aufgehellt.

Ömer Kirli, Industriegruppensekretär der IGBCE: „Viele Unternehmen klagen zwar lautstark über die wirtschaftliche Lage, fahren aber weiterhin Gewinne ein. Die müssen jetzt auch fair verteilt werden.“ Der Spielraum für eine faire Verteilung werde auch beim Blick auf den Lohn- und Gehaltsanteil deutlich. Er liege in der Papierindustrie 2025 bei lediglich rund 12 Prozent des Umsatzes und damit deutlich unter dem Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes.

Die IGBCE setze sich intensiv für bessere politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Papierindustrie in Deutschland ein. Verhandlungsführer Frieder Weißenborn: „Wir haben für die Papierindustrie unter anderem den Industriestrompreis erstritten, die Strompreiskompensation und die Verknüpfung beider Elemente. Auch beim Thema CO2-Preise und ETS setzen wir uns gemeinsam für Reformen im Sinne der Papierindustrie ein. Sozialpartnerschaft ist keine Einbahnstraße. Jetzt ist es Zeit, dass auch die Arbeitgeber ihrer Verantwortung gerecht werden.“

Der bisherige Tarifvertrag endet am 31. Dezember 2026. Die neue Laufzeit wird sich am neuen Gesamtpaket ausrichten. Die erste Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern startet am 11. November in Wiesbaden. [jdm]