Claudia Kemfert (links) referierte auf der Extremwetterkonferenz in Hamburg
Claudia Kemfert (links) referierte auf der Extremwetterkonferenz in Hamburg (Foto: HM)

Vom 23.09. bis 25.09.2026 fand in der HafenCity Universität Hamburg der 15. Extremwetterkongress statt. Neben den bekannten Meteorologen von ARD und ZDF nahmen auch Wissenschaftler aus Forschungsinstituten und auf dem Sektor tätige Dienstleister an dem Kongress teil oder traten als Förderer in Erscheinung.

Auf der diesjährigen Veranstaltung wirkte auch Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) mit. Sie wies auf die volkswirtschaftlichen Schäden hin, die durch das Zögern beim Klimaschutz entstehen: „Allein der Extremsommer 2026 hat in Deutschland nach einer aktuellen Studie volkswirtschaftliche Schäden von rund 36 bis 42 Milliarden Euro verursacht. Das entspricht etwa 0,8 bis 0,9 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Besonders ins Gewicht fallen Produktivitäts- und Produktionsausfälle, Gesundheitsfolgen sowie Schäden durch Dürre und Niedrigwasser. Die tatsächlichen Kosten dürften noch höher liegen, weil zahlreiche ökologische und indirekte Folgeschäden bislang nicht vollständig beziffert werden können.“

Diese aktuellen Zahlen bestätigen, was die Klimakostenforschung am DIW Berlin seit Jahren zeigt: Zwischen 2000 und 2021 sind in Deutschland bereits mindestens 145 Milliarden Euro Klimaschäden entstanden, davon rund 80 Milliarden Euro allein seit 2018.

Kemfert: „Deutschland kostet das Zögern beim Klimaschutz somit jedes Jahr rund 11 Milliarden Euro.“ Für den Zeitraum bis 2050 liegen die aktuellen Schätzungen des DIW Berlin je nach Klimaszenario bei kumulierten Schäden von rund 280 bis 900 Milliarden Euro für Deutschland. Kemfert: „Das bedeutet, dass die volkswirtschaftlichen Schäden auf bis zu 36 Milliarden Euro pro Jahr steigen, wenn Klimaschutzmaßnahmen nicht ausreichend umgesetzt werden. Gleichzeitig zeigen unsere Analysen ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von Klimaschutzmaßnahmen zwischen 1,8 und 4,8. Ökonomisch ist die Botschaft deshalb eindeutig: Nicht Klimaschutz ist teuer – teuer ist das Nichthandeln.“ Kemfert fordert von der Bundesregierung ein entschlosseneres Handeln vor allem im Bereich der Energiewende: „Die Blockade der Wirtschaftsministerin beim Umbau hin zu günstiger Energie aus erneuerbaren Quellen für die Industrie treibt Deutschland nicht nur zurück in die energiepolitische Abhängigkeit, es gefährdet auch den Wirtschaftsstandort durch zu hohe Energiekosten. Neue Gaskraftwerke schaffen fossile Lock-ins, ein energiepolitischer Kurzschluss, der Batterien, Speicher und smarte Netze ausbremst.“ (Quelle: Pressemitteilung)

Doch es gibt auch Profiteure des Zögern. Hierüber berichtet der investigative MDR-Podcast „REICH – Das Geschäft mit dem Zweifel“, der auf dem Kongress empfohlen wurde – wir schließen uns der Empfehlung an. [HM/erstveröffentlicht auf gruene-alternative.de/forum-de]