Was würde ein Alkoholverbot für Jugendliche bringen?
Über das Aus für das so genannte begleitete Trinken muss nach einem Vorschlag der Familienministerin Karin Prien von der CDU demnächst der Bundestag beschließen. Die Ministerin, die, wenn es Geld kostet, wie beim Elterngeld, nichts gebacken kriegt (ab November 2027 soll das Elterngeld von 14 auf 12 Monate gekürzt werden), braucht einen symbolischen Erfolg. Was ist da besser als ein staatliches Verbot? Eine Kampagne gegen Alkohol passt auch gut zum Plan, die Alkohol- und Tabaksteuern noch weiter zu erhöhen.
Scheinbar wird Priens Vorschlag auch von der Wissenschaft unterstützt. Anders als früher, wo ein täglicher Konsum von durchschnittlich 300 Milliliter Bier (mit 5 Prozent Alk.) am Tag für Frauen als „risikoarm“ galt und für Männer die doppelte Menge, spricht die Weltgesundheitsorganisation jetzt davon, dass es beim Alkoholkonsum keine gesundheitlich unbedenkliche Menge gebe.
Der Philosoph und promovierte Kognitionswissenschaftler Stephan Schleim, der seit 2009 an der Universität Groningen in den Niederlanden als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie tätig ist, widerspricht in seinem Blog vehement. Dass größerer Alkoholkonsum auf Dauer schädlich ist, sei unbestritten. Hier geht es jedoch um den geringen Konsum. Er zitiert Studien, mit denen die neue Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation begründet wird, die selbst Zahlen nennen, aus den genau das nicht hervor geht. Schleim hält den Alkoholkonsum für ein Verhalten, dass die Menschheit schon seit ihrer frühesten Entwicklung begleitet. Alkoholkonsum hat auch eine gesellschaftliche und traditionelle Bedeutung. Der Mensch könne nicht einfach als ein Zellhaufen betrachtet werden, dem bestimmte Stoffe schaden.
In den Niederlanden gibt es bereits ein Verbot, Alkohol an Mitglieder einer Gruppe zu verkaufen, wenn das jüngste Mitglied nicht volljährig ist. Theoretisch verbietet das Gesetz, dass Eltern sich eine Flasche Wein fürs Abendessen kaufen, wenn sie beim Einkauf ihr Kind dabei haben.
Für die Jugendlichen bringt das Verbot nach Ansicht Schleims nichts, weil in Deutschland derzeit ein Trend zu beobachten ist, dass Jugendliche immer weniger trinken. In den Niederlanden trinken die Jugendflichen trotz Verbot nicht weniger als die deutschen Jugendlichen. Das Gesetz bringt aber jede Menge Probleme für Organisationen und Gruppen, aber auch für den Staat, der vor Durchsetzungsproblemen steht.
Lesen Sie mehr dazu in den beiden Blogbeiträgen „Teil 1: Der Kampf dem Alkohol geht in die nächste Runde“ und „Teil 2: Was würde ein Alkoholverbot für Jugendliche bringen?„. [jdm]