Der weltweite Wasserkreislauf gerät immer weiter aus dem Gleichgewicht. Extreme Trockenheit und Überflutungen sind die Folgen. Das zeigt der diesjährige Bericht der World Meteorological Organization (WMO) zum Stand der globalen Wasserressourcen. „Die Gesamtmasse an Wasser, das auf den Kontinenten gespeichert ist, nimmt kontinuierlich ab“, sagt Prof. Dr. Robert Reinecke vom Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), der von Beginn an maßgeblich an der Erstellung des seit 2022 jährlich erscheinenden Berichts beteiligt ist. Das zeige sich zum Beispiel an den Flüssen: „Seit 2021 ist die Gesamtwassermenge der Flüsse weltweit konsistent kleiner als im Vergleichszeitraum 1991 bis 2020. Das vergangene Jahr gehört mit zu den trockensten der letzten 35 Jahre.(…).“

Die Abnahme des auf den Kontinenten verfügbaren Wassers zeige sich auch an den Grundwasserständen: Diese seien im Jahr 2025 in Bezug auf den Vergleichszeitraum an 65 Prozent aller für den Bericht berücksichtigten Messstationen niedriger gewesen.

Die Gründe für diese Entwicklungen sieht Reinecke im Klimawandel und im Grundwasserverbrauch durch den Menschen: „Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasser aufnehmen, Gletscher schmelzen ab und gleichzeitig nimmt die Verdunstung zu. Und wir Menschen transportieren Unmengen an Grundwasser in die Meere und in die Atmosphäre, indem wir es zum Beispiel zur Bewässerung nutzen.“ Die Kombination von Klimawandel und Grundwasserverbrauch trockne die Kontinente aus. Das Wasser gehe zwar nicht verloren, befinde sich aber verstärkt an Orten im Wasserkreislauf wo es der Menschheit und vielen Ökosystemen weniger von Nutzen sei.

Der aktuelle WMO-Bericht zu den Weltwasserressourcen umfasst laut Reinecke so viele Daten wie keiner der vorherigen Berichte. Beispielsweise seien erstmalig auch Daten zur Wassertemperatur ausgewertet worden. Demnach sei 2025 auch durch deutlich erhöhte Wassertemperaturen charakterisiert, was sowohl für Ökosysteme als auch für die Wasserqualität problematisch sei. (Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.)

Wir erinnern in diesem Zusammenhang an unseren Bericht über die Grundwassermessstelle Neubörger vom 4. Sept. 2026. An dem Tag betrug der Grundwasserstand 2,57 m unter Geländeoberkante (GOK). Obwohl seit Mitte August laut DWD-Wetterstation Dörpen in unserer Region ca. 90 Liter/m² Niederschlag gefallen sind, ist der Grundwasserstand in der Zwischenzeit um 3 cm auf 2,60 m unter GOK gesunken. Dies zeigt, dass Niederschläge keine kurzfristige Erhöhung des Grundwasserspiegels nach sich ziehen.

Grundwasserstand September 2025 bis September 2026 (Quelle: NLWKN)
Grundwasserstand September 2025 bis September 2026 (Quelle: NLWKN)

Unsere Grafik (Quelle: Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz – NLWKN) zeigt zudem, dass der Grundwasserstand vor einem Jahr ca. 15 cm höher lag als heute. Zudem sieht man an der Monatsmittelwertlinie, wie weit der aktuelle Grundwasserstand an der Messstelle Neubörger unter dem langjährigen Mittelwert für die Monate August und September liegt. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]