Hafen Dörpen: Historischer Schlepper „Alk“ am DUK-Kai hat eine abwechslungsreiche Geschichte
Seit über einer Woche liegt an der östlichen Kai des Dörpener Hafens ein Schlepper mit dem Namen „Alk“, der offensichtlich nicht gerade der jüngsten Generation dieses Schiffstyps zuzuordnen ist. Die Herkunft aus der Epoche der 1920er-Jahre sieht man am typischen Steilkiel, der dem Schiff ein markantes, historisches Aussehen verleiht – eine Kielform, die bei der Hyperion-Klasse der Aida-Kreuzfahrtschiffe eine Renaissance erlebt.
Eine Nachfrage bei der Dörpener Umschlaggesellschaft für den kombinierten Verkehr mbH (DUK), die die Hafenanlage betreibt, ergab, dass das Schiff nicht angemeldet wurde und somit auch nicht mit Zustimmung der DUK hier festgemacht hat. Unsere erste Überlegung, dass der Schlepper vielleicht als maritimes Schauobjekt für das Dörpener Hafenfest Ende August 2026 in den Hafen geholt wurde, erwies sich leider als falsch.
Nach Rücksprache mit der Wasserschutzpolizei konnte die Pressestelle der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim mitteilen, dass das Schiff bekannt sei und der Eigner eine Frist erhalten habe, um das Traditionsschiff zu reparieren, da es laut seinen Angaben wohl defekt wäre. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt verweist auf unsere Nachfrage an den Hafenbetreiber, also an die DUK, die für die Nutzung des Hafens zuständig sei.
Da der Schlepper unser Interesse geweckt hatte, haben wir weiter recherchiert. Am 13.06.2007 titelte die Nordwest-Zeitung aus Oldenburg „‘Alk‘ vor Schrottpresse retten“. Der Motorschlepper „Alk“ sei mit seinen (damals) 83 Jahren eine echte Rarität, denn auf der Unterweser (wo der Schlepper im Einsatz war) gebe wohl keinen vergleichbaren Schlepper mehr, der über eine Binnen- und Seezulassung verfüge und der dazu noch von einer direktgekuppelten Diesel-Hauptmaschine MWM RHS 348 SU mit 525 PS bei 375 U/min aus den 1960er-Jahren angetrieben werde. Deshalb wollten einige Mitglieder des Schiffervereins im Vegesacker Museumshaven den Schlepper retten und vor der Verschrottung bewahren.
Weiter berichtete die Zeitung, dass der Motorschlepper „Alk“ im Jahr 1924 auf der Meyer-Werft in Papenburg gebaut wurde, damals allerdings unter den Namen „Assistent 1“. Das ist allerdings nicht richtig, wie man einer Mitteilung der Meyer-Werft an uns entnehmen kann, denn Baunummer 357 wird in den Werftunterlagen als „Bali“ geführt, dies war der erste Name des Schleppers. Das Archiv der Werft enthüllt folgende Informationen:
Als ursprünglicher Schiffstyp wird „Hafenschlepper“ angegeben, der von einer Dampfmaschine angetrieben wurde. Die Probefahrt und die Überführung nach Emden erfolgten im März 1924. Bis 1939 war der Schlepper im Hamburger Hafen im Dienst, wurde dann aber nach Laboe „abkommandiert“. Nach Kriegsende erhielt der Eigner den Schlepper zurück.
Im Jahr 1950 wurde das Schiff nach einem Verkauf in „Assistent I“ umbenannt. 1951 erfolgte dann schon ein Weiterverkauf an einem Schleppbetrieb an der Weser. Auch hier wurde das Schiff wieder an einen anderen Betrieb verkauft.
Anfang der 1960er-Jahre sank der Schlepper nach einer Kollision mit einem Motorschiff auf der Hunte. Der Schlepper wurde gehoben und im Jahr 1965 wieder instandgesetzt. Dabei erfolgte ein Umbau zum Motorschlepper und die Umbenennung in „Alk“. Im Jahr 2004 erwarb dann die BBV (Bremen) den Schlepper. 2007 kaufte ein Privateigner aus Wien die „Alk“ aus der Insolvenzmasse der BBV, es folgte im Jahr 2008 noch ein kurzes Gastspiel mit einem Privateigner aus Berlin, im gleichen Jahr kaufte der Kapitän Jürgen Saathoff das Schiff -und überführte es nach Cuxhaven. In den Jahren 2008/2009 erfolgte eine Renovierung und Teilinstandsetzung der Hauptmaschine, begleitet mit der Umbenennung auf den Namen „Jupiter“.
Im Jahr 2012 kaufte Offenbacher Elektroingenieur und Buten-Bremer Michael Kreienberg das Schiff von der Verwertungsgesellschaft des Bundes Vebeg und benannte es wieder in „Alk“ um. Der frühere Eigner Kreienberg hat uns auf Nachfrage freundlicherweise mit Hintergrundinformationen versorgt.
„Ich kenne die ‚Alk‘ aus meiner Kindheit. Mein Ziel war, den Schlepper mit seiner einzigartigen Provenienz vor der Verschrottung zu bewahren und im Museumshaven Vegesack aufzulegen, Letzteres hat leider nicht geklappt“, so der gebürtige Bremer Kreienberg. Weiter führt er aus: „Das Augenmerk lag auf Erhalt der Historizität. Es sind in diesem Zuge bis zuletzt erhebliche Mittel in das Unterwasserschiff geflossen, schon allein, um die Schiffssicherheit zu gewährleisten. Die ‚Alk‘ dokumentiert nicht nur einen spannenden Zeitstrahl durch die Schiffbaugeschichte sowie Leistungsschau des deutschen Maschinenbaus, sondern fungierte auch als Ideengeber für ein vom DPMA erteiltes Verfahrenspatent zur Ertüchtigung vorhandener Schiffsbetriebstechnik in Form einer Kraft-Wärme-Kopplung, und so schließt sich der Kreis zwischen maritimer Geschichte und Innovation.“
Bevor der historische Schlepper nach Dörpen kam, lag er etwa drei Monate in Oldenburg. Weiter haben unsere Recherchen ergeben, dass das Schiff mit dem Schlepper Kap Horn über den Küstenkanal nach Dörpen verbracht (verholt) wurde.
Nach unseren Informationen soll das Schiff vom derzeitigen niederländischen Eigner umgebaut werden. Soweit es uns möglich ist, werden wir die weitere Entwicklung in dieser Sache mit Interesse weiter verfolgen. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]
