Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat ihren Jahresbericht 2026 herausgegeben. Die BIZ ist die Zentralbank der Zentralbanken. Ihr gehören 63 Zentralbanken an und sie hat eine wichtige Funktion bei deren Kooperation miteinander und mit anderen Institutionen aus dem Finanzbereich.

In der Presseerklärung zum Jahresbericht stellt die Bank fest, dass die Nachhaltigkeit des KI-Booms, finanzielle Schwachstellen und angespannte öffentliche Finanzen neben dem Wiederanstieg der Inflation zu den Druckpunkten gehören, denen die Weltwirtschaft ausgesetzt ist.

Der Bericht analysiert vier Problembereiche, die dringende Aufmerksamkeit erfordern:

Die Inflation ist gestiegen. In einer Welt, in der negative Angebotsschocks immer häufiger auftreten, besteht ein wesentliches Risiko darin, dass sich eine höhere Inflation verfestigen könnte, sollten sich die Inflationserwartungen abkoppeln. Dies könnte den Inflationsdruck auch dann aufrechterhalten, wenn sich die Energieflüsse und Ölpreise nach der Öffnung der Straße von Hormus wieder normalisieren.

Der Optimismus rund um die KI dürfte trotz der Aussicht auf künftige Produktivitätssteigerungen möglicherweise nicht von Dauer sein. Der derzeitige Anstieg der Investitionsausgaben könnte sich als nicht nachhaltig erweisen, sollten Lieferengpässe die Produktion einschränken. Und der intensive Wettbewerb um die Marktführerschaft könnte zu Überinvestitionen führen, wie bereits bei früheren Innovationswellen zu beobachten war. Der Wirtschaftshistoriker und Professor an der Columbia Universität in New York, Adam Tooze kommentierte dies im Podcast „Menschen, Märkte, Emissionen“ so: In die Chip-Produktion werden derzeit unvorstellbar große Summen investiert. Gleichzeitig veraltet diese Technik extrem schnell. Er spricht davon, dass die Chipproduktion einem klassischen Schweinezyklus unterliegt. Es kann also leicht passieren, dass sich diese riesigen Investitionen nicht mehr rechnen und die Firmen pleite gehen und dadurch eine Finanzkrise auslösen.

Finanzielle Anfälligkeiten geben weiterhin Anlass zur Sorge. Die Liquidität an den Kernanleihemärkten könnte aufgrund überzogener Vermögensbewertungen und der Selbstzufriedenheit der Anleger anfälliger sein. Die Finanzierung der KI erfolgt zunehmend fremdfinanziert und ist durch komplexe Wechselwirkungen innerhalb der KI-Lieferkette gekennzeichnet.

Laut Tooze gibt neben dem Szenarium einer Weltwirtschaftskrise durch den Zusammenbruch der Finanzierungsblase, ein weitere alternative Möglichkeit, die auch nicht angenehm ist. Wenn sich die Erwartungen in die KI realisieren, könnte es zu einer nicht gekannten Produktivitätssteigerung kommen, die menschliche Arbeit zunehmend entwertet. Der Anteil menschlicher Arbeit am Bruttoinlandsprodukt beträgt derzeit 60%. Die BIZ erwartet hier ein Sinken auf 20%. Das würde nicht unbedingt zu einer Massenverarmung führen, aber zu einer gigantischen Steigerung der Ungleichheit in der Gesellschaft, da die Zuwächse durch die Produktivität allein bei den Oligarchen landen werde.

Diese Produktivitätssteigerung werde allein in der Verantwortung privater Investoren belassen. Wie das KI-Werkzeug „Mythos“ von Anthropic zeige, könnten private Firmen praktisch sämtliche IT übernehmen und auch die Versuche, atomare Waffenarsenale zu hacken, würden real werden. Die Staaten schauten dem bisher einfach nur zu oder könnten erst im Nachhinein reagieren, wie es das US-Pentagon im Fall von Mythos getan hat.

Eine fast rekordhohe Staatsverschuldung und höhere Zinsen belasten nach Ansicht der BIZ die Haushaltslage in vielen Volkswirtschaften und lassen den Regierungen weniger Spielraum, um auf künftige Rezessionen oder Krisen zu reagieren.

Die riesigen KI-Investitionen in den USA sind auch getrieben von einem Konkurrenzkampf mit der KI-Entwicklung in China. Statt der beiden Horror-Visionen, wie sie Tooze und die BIZ erwarten, wäre ja auch eine an den Bedürfnissen der Menschen orientierte KI-Entwicklung denkbar.

Newsletter der chinesischen Botschaft

Unter dem Motto „Intelligente Partner gestalten gemeinsam die Zukunft“ fand vom 17. bis 20. Juli 2026 in Shanghai die Weltkonferenz für Künstliche Intelligenz (WAIC) 2026 sowie das Hochrangige Treffen zur globalen KI-Governance statt. Auf dieser Konferenz waren die Länder des politischen Westens eher nicht vertreten. Staatspräsident Xi Jinping nahm an der Eröffnungszeremonie teil und hielt eine Grundsatzrede. Mit Blick auf zentrale Herausforderungen wie das Zusammenleben von Mensch und Maschine, die Sicherheit von Algorithmen, KI-Ethik und den gleichberechtigten Zugang zu intelligenten Technologien formulierte er vier Leitprinzipien: Offenheit und Win-win-Kooperation, Sicherheit und Risikobewusstsein, gegenseitiges Lernen zwischen den Kulturen sowie eine stärkere internationale Zusammenarbeit bei der globalen KI-Governance. Damit gab Xi der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz eine klare Richtung – menschenzentriert und zum Wohle aller.

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Konferenz zählt die Gründung der Weltorganisation für Zusammenarbeit bei Künstlicher Intelligenz (WAICO) mit Sitz in Shanghai. Insgesamt 29 Staaten traten der Organisation als Gründungsmitglieder bei. Ziel ist es, die internationale Zusammenarbeit beim Thema KI zu vertiefen, die Vorteile der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und eine verantwortungsvolle Entwicklung zu fördern. 

Während der WAIC präsentierten mehr als 1.100 Unternehmen ihre Innovationen. Über 300 Produkte feierten Weltpremiere, und es wurden Verträge mit einem erwarteten Volumen von rund drei Milliarden US­Dollar geschlossen. Neue chinesische OpenSource-Modelle wie Kimi K3 sorgten international für Aufmerksamkeit. Kimi K3 kostet rund 60 Prozent dessen, was vergleichbar starke westliche Modelle aufrufen. Im Unterschied zu Claude oder ChatGPT hat die Entwicklerfirma Moonshot die Modellgewichte Ende Juli öffentlich zum Download gestellt. Damit lässt sich Kimi K3 auf europäischer Infrastruktur betreiben, ohne dass ein einziger Prompt nach China geht. Firmen, die dieses Produkt nutzen, müssen ihre Daten also nicht in China oder den USA auslagern und dort verarbeiten lassen, sondern können alles auf eigenen Servern betreiben.

Auf der Schanghaier Konferenz wurden mehrere Dokumente zur globalen KI-Zusammenarbeit und KI-Ethik veröffentlicht. Darüber hinaus kündigte China 5.000 internationale Fortbildungsplätze im Bereich Künstliche Intelligenz sowie den Aufbau von sechs regionalen Zentren für internationale KI-Zusammenarbeit an. Damit unterstrich China seinen Anspruch, Offenheit, Inklusivität und den gemeinsamen Nutzen der Künstlichen Intelligenz weltweit zu fördern. Mehr zur Weltkonferenz im Newsletter der chinesischen Botschaft. [jdm]