Streikende in Hövelhof (Foto: Ver.di)

Der britische Verpackungshersteller DS Smith will bis Ende 2026 fünf Werke schließen. Betroffen sollen rund 500 Arbeitsplätze sein.

Die fünf Produktionsstandorte Mannheim (konventionelles Verpackungswerk), Endingen, Donauwörth, Paderborn (Spezialitäten- und Verarbeitungswerke), Hövelhof (Display-, Retail- und Offset-Werk) sollen bis Ende 2026 Jahres geschlossen werden. In Glinde bei Hamburg ist eine Teilschließung geplant.

Die DS Smith-Beschäftigten der Standorte Hövelhof und Paderborn trafen sich am 21. Mai vor Schichtbeginn an den Werkstoren zum Streik, um ihren Forderungen nach einem ordentlichen Sozialplan Nachdruck zu verleihen, wie Ver.di in einer PM mitteilt..

Im November wurden die Belegschaften in sechs Werken des zum US-Konzern International Paper (IP) gehörenden Verpackungsherstellers DS Smith über eine anstehende betriebsändernde Maßnahme informiert.

In der Folge wurden die gesetzlich vorgeschriebenen Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat (GBR) zu Interessenausgleich und Sozialplan aufgenommen. Im Zuge dieser Verhandlungen legte die GBR-Seite eine wirtschaftlich geprüfte Alternativplanung auf den Tisch, die eine Vielzahl an Arbeitsplätzen erhalten hätte. Das Management lehnte ab. Darüber hinaus gibt es auch keine Einigkeit bei angemessenen Ausgleichsmaßnahmen für die von Kündigung bedrohten Arbeitenden, die Verhandlungen ziehen sich hin.

Inzwischen hat auch die Gewerkschaft ver.di einen Sozialtarifvertrag (Tarifsozialplan) gefordert. „Ziel der Tarifforderung sind Regelungen, die neben der reinen Milderung wirtschaftlicher Nachteile der Betroffenen auch ein Mindestmaß an Wertschätzung ausdrücken.“, sagt Daniel Hirschi, ver.di-Konzernbetreuer von DS Smith.

Doch dafür scheint es zunächst kein Budget zu geben, was zu dem Streik der Belegschaften an allen fünf Standorten am 21. Mai führte. „Jahrzehnte geschuftet – heute nix mehr wert?“ oder „Ihr saniert euch auf unsere Kosten!“ war auf Schildern der Streikenden zu lesen. In Endingen äußerten die Streikenden laut Badischer Zeitung: „Sie behandeln uns seit Jahren schlecht“.

Der US-Konzern International Paper (IP) hatte am 31. Januar 2025 den britischen Konzern DS Smith übernommen. Beide Unternehmen zählen zu den größten Herstellern von faserbasierten Verpackungen, Kartonagen und Zellstoffprodukten. Es wurde angekündigt, bestehende Ressourcen zu überprüfen. Das Ergebnis sind jetzt die Schließungen in Deutschland.

Im Managersprech hört sich die Begründung für die Schließungen laut Neue-Verpackung.de so an: „Die von uns unterbreiteten Vorschläge zielen darauf ab, auf die schwierigen Marktbedingungen zu reagieren und profitables Wachstum zu beschleunigen, indem wir dort einen Fokus legen, wo unsere Kunden es am dringendsten benötigen. Wir transformieren unser Unternehmen in einen noch stärkeren und nachhaltigeren Anbieter von Verpackungslösungen, der in der Lage ist, den sich wandelnden Anforderungen einiger der weltweit größten Marken gerecht zu werden und mit ihnen weiter zu wachsen.“

Im ostwestfälischen Hövelhof kam die Schließungsankündigung im vergangenen Herbst völlig unerwartet, da das Werk schwarze Zahlen schreibt, wie der Betriebsratsvorsitzende Martin Zoidl sagte.

Die Junge Welt berichtete, dass zeitgleich in der vergangenen Woche bekannt, wurde dass DS Smith mehr als 14 Millionen Euro in die rumänischen Verpackungswerke in Timișoara und Ghimbav investieren will, um Produktionsabläufe zu modernisieren, Kapazitäten zu erweitern und Entwicklungen neuer Verpackungslösungen voranzutreiben, wie das Packaging Journal online am 22. Mai berichtet habe.

Investitionen wären aus Sicht von ­Verdi, Betriebsräten und Belegschaften auch an den von Schließung betroffenen deutschen Standorten sinnvoll und machbar gewesen. Doch der global agierende IP-Konzern mit seiner Tochter DS Smith kalkuliere anders: Angesichts von mehr als 430 Papierfabriken und Verpackungswerken mit circa 65.000 Beschäftigten in über 30 Ländern werden fünf Standorte in Deutschland zur reinen Dispositionsmasse. [jdm]