Kohlenstoffinventur in niedersächsischen Wäldern gestartet

In den niedersächsischen Wäldern laufen derzeit umfangreiche Messungen für die Kohlenstoffinventur 2027 (CI27). In den kommenden eineinhalb Jahren werden verschiedene Messtrupps an rund 4.000 Stichprobenpunkten unterschiedliche Merkmale an Bäumen, Verjüngung und Totholz aufnehmen. Die Inventur wird anonymisiert und besitzartenübergreifend durchgeführt und umfasst damit auch Privatwald.
Die Inventur erfolgt nicht frei nach Zufall, sondern auf Basis eines festen, bundesweiten Stichprobennetzes. Grundlage ist das Stichprobennetz der Bundeswaldinventur. Bei dem Inventurverfahren handelt es sich um eine permanente Klumpenstichprobe mit Trakten und Traktecken, die nach einem festen Aufnahmeraster aufgenommen werden. Die Stichproben der Kohlenstoffinventur liegen dabei an den Schnittpunkten eines bundesweiten Gitternetzes im 4 km x 4 km Quadratverband, welches am Gauß-Krüger-Koordinatensystem orientiert ist. Um den Stichprobenumfang zu vergrößern und hierdurch die Belastbarkeit der Ergebnisse zu verbessern wird im waldärmeren Westen von Niedersachsen ein zusätzlicher Trakt in die Mitte des Grundnetzes gelegt, sodass sich ein 2,83 km x 2,83 km Quadratverband ergibt.
Neben der Baumart interessieren die Experten vor allem die Baumanzahl sowie deren Durchmesser und Höhe. Aber Informationen zu Baumpilzen und -höhlen werden ebenso stichprobenartig erfasst, Wildschäden dagegen allerdings nicht. Auch Kalamitätsflächen und Blößen werden als Waldflächen einbezogen. Solche Flächen sind für die Inventur relevant, weil Extremwetter, Dürre, Schädlinge und Folgeschäden die Kohlenstoffvorräte im Wald verändert haben. Zudem hat sich auf vielen Kalamitätsflächen bereits über Naturverjüngung neuer Wald entwickelt, wodurch eine Aufforstung nicht zwingend sein muss.
Die Ergebnisse werden standardmäßig für Niedersachsen sowie für größere Auswerteregionen ausgewertet und dargestellt: Westniedersächsisches Tiefland, Ostniedersächsisches Tiefland und Niedersächsisches Bergland. Sonderauswertungen für Teilregionen sind grundsätzlich möglich, wenn dort ausreichend viele Stichprobenpunkte vorhanden sind. Mit kleiner werdenden Regionen nimmt jedoch die Zahl der Stichproben ab. Dadurch werden die Ergebnisse statistisch weniger belastbar und anfälliger für Fehlinterpretationen. Kleinräumige Auswertungen, etwa auf Landkreisebene, sind daher nicht zielführend.
Ziel der Inventur ist es insbesondere, den im Wald gebundenen Kohlenstoff sowie dessen Veränderung in der lebenden Biomasse und im Totholz als Grundlage für das Treibhausgas-Monitoring im Rahmen des Kyoto-Protokolls zu erfassen. Darüber hinaus sollen die Daten als Grundlage zur Berichterstattung nach der EU-Wiederherstellungsverordnung herangezogen werden. Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2029 veröffentlicht.
Das Landwirtschaftsministerium hat erstmals die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) und das dort neu angesiedelte Kompetenzzentrum für Waldinventur mit dieser Aufgabe betraut. Weitere Informationen bietet die Homepage zur Bundeswaldinventur. Bezogen auf Niedersachsen findet man weitere Angaben beim Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]