Einfach weiter so: Sehr raffiniert! – Die neue alte Raffineriestrategie
Als Folge des Angriffskriegs der USA gegen den Iran ist es zur Sperrung der Straße von Hormuz gekommen. Dadurch wiederum steht etwa ein Fünftel der weltweiten Ölkapazität nicht mehr zur Verfügung mit den entsprechenden Folgen für den Ölpreis.
Was sich aber mittlerweile noch viel stärker auf diesen Preis auswirkt ist, dass es auch eine Verknappung der Ölprodukte gibt. In den letzten 20 Jahren haben die Golfstaaten stark in die Veredelung von Rohöl investiert, so dass sie etwa die Hälfte ihrer Produktion selbst in Raffinerien verarbeiten. Somit fehlen auf dem Weltmarkt etwa 15 % der Kapazitäten an Diesel, Kerosin und Benzin.
Die Industriestaaten den Nordens, also die Verbraucherländer, haben ihre Raffineriekapazitäten wegen der Konkurrenz in den Golfstaaten nicht mehr erneuert oder erweitert, so dass die fehlenden Kapazitäten nicht kurzfristig ersetzt werden können, selbst wenn das Rohöl wieder fließen würde.
Zwar beziehen wir in Deutschland nur wenig Öl und Ölfertigprodukte aus den Golfstaaten, aber die Preise werden auf dem Weltmarkt gebildet. Es gibt keine Vorzugspreise für Öl aus Norwegen.
Die Bundesregierung will im Frühjahr 2027 eine Raffineriestrategie vorlegen. Katharina Reiches Wirtschaftsministerium will die Bedingungen für Raffinerien erleichtern. Es heißt auch, dass der Umbau zur Produktion von klimafreundlicheren Energieträgern vorangetrieben werden solle.
Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion Michael Kellner, kritisierte dennoch die Strategie der Bundesregierung. Sie wirke wie „der Versuch, eine Laufzeitverlängerung für Öl hinzubekommen„, sagte er der „Rheinischen Post“.
Bisher hat sich Reiche dadurch ausgezeichnet, dass sie bei Energiefragen vor allem die Belange der privatwirtschaftlichen Mineralölwirtschaft berücksichtigt. Statt die Raffineriekapazitäten zu erhöhen, wäre ja auch eine Forcierung der Energiewende weg von fossilen Brennstoffen denkbar. Statt mehr Raffineriekapazitäten für Dieselkraftstoffe bräuchte es vielleicht eine Verlagerung von Transporten auf die Schiene.
Der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis dagegen bleibt eisern auf dem Kurs der Sozialpartnerschaft, die keine ernsthafte Kritik an den Arbeitgebern zulässt. Er sagte bei der Auftaktveranstaltung des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin „Deshalb geht es hier auch um die Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts als Ganzes und um die Resilienz Deutschlands in Europa.“
Der IGBCE-Vorsitzende hob die Bedeutung der Raffinerien für die industriellen Produktionsprozesse insgesamt hervor. Die 13 deutschen Standorte stünden vor allem in der chemischen Industrie am Anfang vieler Wertschöpfungsketten. Die Schließung einer Raffinerie würde nicht nur gut bezahlte Arbeitsplätze im Betrieb selbst treffen, sondern in der Folge jeweils eine fünfstellige Zahl bei den weiterverarbeitenden Branchen im direkten Umfeld gefährden.
Die IGBCE wolle gemeinsam mit den Unternehmen der Mineralölindustrie den Wandel der Branche organisieren, so Vassiliadis. „Im Gegenzug erwarten wir ein klares Bekenntnis zu Tarifbindung, Mitbestimmung und Investitionen in den Standort.“ Resilienz und Versorgungssicherheit in bewegten Zeiten – für die Industrie und ihre Beschäftigten, für die Verbraucher und die Gesellschaft.“
Die IGBCE hat zu diesem Thema allerdings keine neue Idee entwickelt. Wie schon zuvor zum Thema Sozialabbau bietet sich für die IGBCE wieder nur die Forderung nach Senkung der Abgaben für CO2-Emissionen über den CO2-Zertifikatehandel an, um den Konzernen ihre Profite zu sichern. Dabei wurde die Verknappung von CO2-Zertifikaten für 2026 von der EU schon abgesenkt, so dass die Forderung der IGBCE auf eine langsame aber sichere Beendigung der CO2-Bepreisung hinausläuft.
Ein krisenfestes Energiesystem ist sicher nicht in der Fortführung der fossilen Energiewirtschaft zu finden – im Gegenteil: Gerade dieses System befindet sich in der Krise. Der ungebremste Marsch in die Klimakatastrophe ist auch für Beschäftigte in der Energie – und Chemiebranche keine Option.
Die Erde steuert bis 2100 auf eine Erwärmung von 2,8 Grad gegenüber vorindustriellen Werten zu, wenn die Staaten ihre aktuelle Politik beibehalten. Das geht aus dem neuen Emissions Gap Report des UN-Umweltprogramms (UNEP) hervor, den die Organisation am 21. Oktober 2026 veröffentlichte. [jdm]