Außenminister Johann Wadephul ist bisher nicht durch irgendeine Leistung aufgefallen. Damit unterscheidet er sich von seinen VorgängerInnen, die wenigstens negativ aufgefallen sind. Baerbock hat ja sogar mal aus Versehen Russland den Krieg erklärt.

Jetzt wollte Wadephul sich in New York auch mal aufs große Parkett begeben und bat um ein Treffen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Vielleicht stimmt Wadephuls Begründung für das Treffen auch, dass er von Kollegen gebeten worden sei. Das würde ja bedeuten, dass andere Außenminister die Bundesrepublik zu Verhandlungen gedrängt hätten.

Wadephul hatte im Gespräch nichts anderes anzubieten, als deutsche Standpunkte stumpf zu wiederholen und Russland wegen der Drohne mit der abgefallenen Konservendose in Leipzig eines Anschlags zu beschuldigen. Bis heute ist die Bundesregierung jeden Beweis für Russlands Verstrickung schuldig geblieben.

Sogar ein Autoverkäufer versucht seinem Kunden nicht sofort ein Auto aufzuschwatzen, sondern fragt zunächst nach den Interessen des Kunden. Deutsche Außenpolitiker können das nicht. Verhandlungen und Sondierungen stellen sie sich ausschließlich als Befehlsausgabe durch „die Deutschen“ vor.

Entsprechend sinnlos war Wadephuls Treffen und Russlands Außenminister konnte sich anschließend öffentlich über das Treffen lustig machen. „Sie hätten mich einfach anrufen und mir sagen können: ‚Lesen Sie meine Erklärung'“. sagte Lawrow auf einer Pressekonferenz.

Umgekehrt verwies Lawrow in der Pressekonferenz auf seine Rede auf der Sitzung des UN-Sicherheitsrats zur Ukraine am 23. September 2026. Hier skizzierte er noch einmal die Entwicklung der Beziehungen der Nato zu Russland und der Entwicklung in der Ukraine seit 2004. Darin wird auch deutlich, warum Russland die mantraartig vorgetragene Forderung der Nato-Staaten nach einem Waffenstillstand niemals akzeptieren wird. Russland sieht in den Brüchen der Minsker Abkommen (Ex-Bundeskanzlerin Merkel hat öffentlich bestätigt, dass diese der Ukraine nur Zeit zur Aufrüstung geben sollten) die Blaupause für die Waffenstillstandsforderung. Vielleicht wäre es zum Verständnis der russischen Position auch hilfreich, sich noch einmal die Rede Putins von dem Deutschen Bundestag am 25.09.2001 durchzulesen. Dort bot er eine gemeinsames Sicherheitssystem an, was von der Nato, die gerade Jugoslawien zerschlagen hatte und sich durch die Aufnahme von Polen, Tschechien und Ungarn nach Osten ausgebreitet hatte, aber stets abgelehnt wurde.

Wenn Wadephul tatsächlich die Absicht gehabt hätte, durch das Treffen einem Frieden näher zu kommen, hätte er irgendein Angebot im Gepäck haben müssen – und sei es nur einen Fahrplan zum gegenseitigen Zuhören. Er ist jedoch vollkommen blank in das Gespräch gegangen. Das zeigt, es ging ihm nur um PR, um die vielfach geforderte Diplomatie (wie zuletzt wieder vom Papst) zu simulieren und gleichzeitig weiter den deutschen Sozialstaat auszuplündern, um die Aufrüstung und den Krieg in der Ukraine zu eskalieren. [jdm]