Nordsee: Umweltverbände kritisieren CO2-Deponiepläne
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace und zwei weitere Verbände kritisieren das Vorhaben zur CO2-Deponierung in der Nordsee. Sie lehnen den Antrag des US-amerikanischen Mineralölkonzerns ExxonMobil für Voruntersuchungen in einer gemeinsamen Stellungnahme ab. Dies berichtet der NDR.
Details zur Kritik der Umweltverbände findet man in einer Pressemitteilung, die auf der BUND-Homepage zu findet ist.
Die Verbände lehnen den Antrag aufgrund von erheblichen gesetzlichen, fachlichen und umweltrechtlichen Mängeln ab. Wesentliche Informationen, insbesondere geologische Daten, Risikobewertungen, Nachweise zur Standortintegrität, und aktuelle ökologische Bestandsdaten bleiben unvollständig oder werden unzulässig in spätere Verfahrensschritte verschoben.
Konkret plant der US-Konzern Untersuchungsbohrungen und drei Monate andauernde seismische Tests mit Schallkanonen in der zentralen Nordsee hinter Helgoland. Aus Sicht der Umweltverbände fehlen nicht nur rechtliche Grundlagen für eine Genehmigung; das Vorhaben ist zudem unvereinbar mit dem Meeresschutz, insbesondere mit dem Schutz der Schweinswale und der Klimaschutzfunktion der Meere.
Schallkanonen, sogenannte „Airguns“, erzeugen die mitunter lautesten menschengemachten Geräusche im Meer, erläutern die Umweltverbände. Ihr Schall könne Schweinswale noch kilometerweit entfernt erreichen und Verhaltensreaktionen auslösen. Studien zeigten, dass Schweinswale seismischen Lärm noch in zehn bis zwölf Kilometern Entfernung meiden. Flucht oder verminderte Nahrungsaufnahme, könnten zu populationsrelevanten Auswirkungen führen. Der im Antrag vorgesehene Abstand zu den Schutzgebieten Sylter Außenriff und Borkum Riffgrund betrage nur rund 8,8 Kilometer – und sei damit zu gering, um eine Beeinträchtigung der Tiere, die in den Gebieten ihre Kälber aufziehen, ausschließen zu können.
Die Kritik der Verbände lautet wörtlich: „Während Öl- und Gas-Konzerne auf Kosten der Natur an einer Stelle Kohlenwasserstoffe aus der Nordsee fördern, wollen sie Kohlendioxid an anderer Stelle mit ebenso zerstörerischen Mitteln wieder in den Meeresuntergrund pressen. Der Schutz der größten Kohlenstoffsenke des Planeten und die Reduktion von Emissionen müssen absoluten Vorrang haben, anstelle von riskanten Scheinlösungen. Statt die ohnehin schon durch Fischerei, Seefahrt und Industrie unter Druck stehende Nordsee weiter zu belasten, brauchen wir endlich eine Klima- und Energiepolitik, die ihrem Namen gerecht wird und das fossile Zeitalter beendet.“
Nachfolgende Informationen bieten die Verbände zum Hintergrund an:
Bei der CCS-Technik (Carbon Capture and Storage) soll Kohlendioxid (CO2) aus Industrieabgasen mit hohem Energieaufwand in einem chemischen Verfahren ausgewaschen (Carbon Capture), durch Pipelines oder per Schiff transportiert und mit hohem Druck unter den Boden im Meer oder an Land gepumpt werden. So sollen klimaschädliche Gase in CO2-Endlagern vermeintlich auf Jahrtausende von der Atmosphäre isoliert bleiben (Storage). Diese Technik ist bereits in der Nordsee vor Norwegen und Großbritannien im Einsatz, allerdings mit erheblichen technischen Schwierigkeiten.
Der Großteil der wenigen realisierten CCS-Projekte weltweit ist bisher gescheitert. Dennoch hat der Bundestag mit der Novellierung des Kohlendioxidspeichergesetz (KSpG) im Januar 2026 den Weg für den Export und die Speicherung von CO2 in der deutschen Nordsee geebnet. Umweltschutz- und Wasserverbände kritisieren die hohen Risiken für Land- und Meeresökosysteme, sowie die fragwürdige Klimawirkung von CCS. Der geplante Ausbau von CCS-Infrastruktur würde enorme staatliche und private Mittel fehllenken, die dann für echte Klimaschutzlösungen fehlen würden.Zudem lähmt das Versprechen auf subventioniertes CCS den Ausbau der Erneuerbaren Energien und Effizienzmaßnahmen. Anstatt klimaschädliche Abgase zu reduzieren, dürften Kraftwerke, chemische Industrie und Müllverbrenner diese bis unter die Nordsee leiten und dort im Meeresboden deponieren. Gaskraftwerke könnten zudem durch das Gesetz mit dem Etikett „CCS ready“ gebaut werden und Subventionen erhalten. Einmal gebaute Gaskraftwerke werden über Jahrzehnte betrieben, um Investitionskosten zu amortisieren. Das zementiert die Abhängigkeit von Gas im Stromsektor und bremst die Einspeisung von Erneuerbaren. [HM/erstveröffentlich auf gruenealternative.de/forum-d]