Schlechtere Rahmenbedingungen für Dach-Solaranlagen gefährden Klimaschutzziele
In einem Statement zur geplanten Novelle für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) äußerten sich Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick und Dr. Sascha Samadi vom Wuppertal-Institut.
Die Novelle für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde in die Ressortabstimmung gegeben. Die Novelle sieht offenbar deutliche Verschlechterungen hinsichtlich der Rahmenbedingungen für den Zubau von Gebäude-Solaranlagen vor. Stattdessen möchte die Bundesregierung stärker auf Freiflächen-Solaranlagen setzen.
Aus Sicht der Autoren ist unklar, ob der anvisierte stark beschleunigte Zubau von Freiflächenanlagen in den nächsten Jahren tatsächlich umgesetzt werden kann. Freiflächenanlagen führen im Gegensatz zu Dachanlagen zu einem zusätzlichen Flächenverbrauch, was Widerstand von verschiedenen Seiten bedeute. Sollte sich herausstellen, dass Freiflächenanlagen nicht in ausreichender Menge errichtet werden können, könnte angesichts der geplanten Verschlechterung der Rahmenbedingungen für neue Dach-Solaranlagen mehr Stromerzeugung aus fossilen Kraftwerken notwendig werden.
Dach-Solaranlagen seien laut einer Umfrage im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien die mit Abstand beliebteste Form der erneuerbaren Energien. Sie ermöglichen eine breite gesellschaftliche Teilhabe an der Energiewende. Sollte die zukünftige Stromerzeugung zu einem geringeren Anteil über diese Anlagen erfolgen und stattdessen stärker auf weniger beliebte Formen der erneuerbaren Energien zurückgegriffen werden, könnte dies eine Belastung für die gesellschaftliche Akzeptanz darstellen.
Umfragen der letzten Jahre, etwa von Eon sowie im Auftrag der Initiative Klimaneutrales Deutschland und eine Studie der Universität St. Gallen, zeigten zudem, dass Haushalte, die über eine Solaranlage verfügen, deutlich häufiger Elektroautos oder Wärmepumpen besitzen bzw. deren Kauf in Erwägung ziehen. Dies ist nachvollziehbar, denn eine eigene Solaranlage erhöht aufgrund des günstig verfügbaren eigenen Solarstroms die Wirtschaftlichkeit eines Elektroautos sowie einer Wärmepumpe. Wird der Ausbau von Gebäude-Solaranlagen geschwächt, dürfte darunter auch die für erfolgreichen Klimaschutz zentrale aber in den letzten Jahren ohnehin schon zu langsame Elektrifizierung des Verkehrs und der Raumwärme leiden – und zu einem höheren Bedarf an fossilen Energieträgern in den Sektoren Verkehr und Gebäude führen.
Die vorgesehenen Änderungen in den Rahmenbedingungen für den weiteren Ausbau der Photovoltaik könnten tatsächlich zu moderaten Kosteneinsparungen führen. Allerdings sind sie auch aus Sicht des Wuppertal Instituts mit erheblichen Nachteilen und Risiken verbunden – insbesondere was die erfolgreiche Realisierung der gesetzlich verankerten Klimaziele betrifft. Eine Politik, die sich nur auf die finanziellen Einsparpotenziale fokussiere, greife nach Ansicht von Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick und Dr. Sascha Samadi zu kurz. [jdm]