Das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager in Papenburg entwickelt ein neues hybrides Vermittlungsangebot, das Orte nationalsozialistischer Verbrechen und Verfolgung im Alltag sichtbar macht. Eine interaktive, mehrsprachige Lern-App verbindet dabei historische Schauplätze mit multimedialen Inhalten.

In den kommenden Monaten werden fünf Standorte in Papenburg erschlossen: Die ehemalige Synagoge, die Antoniuskirche, der Bahnhof, das Firmengelände ehem. Höveler und Dieckhaus sowie die ehemalige Kommandantur, in der sich heute die Polizei befindet. Sie stehen exemplarisch für unterschiedliche Aspekte nationalsozialistischer Verfolgung. Stelen im öffentlichen Raum werden diese historischen Schauplätze markieren und einen direkten Zugang zur Thematik ermöglichen. Die Entwicklung der Lern-App beginnt parallel dazu; ein erster Prototyp soll im Laufe des Jahres mit Schulklassen und jungen Erwachsenen erprobt werden. Perspektivisch ist eine Erweiterung um weitere Orte geplant.

Über die digitale Anwendung können Nutzer*innen die Orte eigenständig erkunden und ihr Wissen durch Archivmaterialien, Karten, digitale Rekonstruktionen und Schüler*innenprojekte vertiefen. So entsteht eine Verbindung zwischen physischem Raum und digitaler Information, die historische Ereignisse nachvollziehbar und erfahrbar macht.

Das Vorhaben wurde Mitte April vom Kulturausschuss der Stadt einstimmig befürwortet. Diese breite Unterstützung unterstreicht die lokale Bedeutung des Vorhabens und stärkt seine langfristige Verankerung im Stadtraum.

Viele dieser Orte liegen heute unscheinbar im Alltag – und doch sind sie Schauplätze von Verfolgung und Gewalt gewesen. Dass wir sie nun sichtbar machen können und dabei auch die Unterstützung der Stadt erfahren, ist für uns ein wichtiges Signal. Es zeigt, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte auch heute als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe verstanden wird“, sagt Tessa Hesener, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager.

Das Projekt verbindet digitale Bildung mit historischer Verantwortung. Es greift die zunehmende Bedeutung digitaler Lernformate auf und eröffnet neue Zugänge zur Auseinandersetzung mit der NS-Zeit – insbesondere für jüngere Generationen. Indem historische Orte im Alltag sichtbar werden, leistet das Vorhaben einen Beitrag dazu, Erinnerungskultur zeitgemäß weiterzuentwickeln und dauerhaft im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

Das Projekt wird im Rahmen des Programms „SWITCH – Digitale Museumsangebote“ der Stiftung Niedersachsen mit 60.000 € gefördert. Ziel des Programms ist es, innovative digitale Vermittlungsformate in Museen und Gedenkstätten zu stärken.“ [PM]