Vollsperrungen für Sanierungsmaßnahmen der Bahn belasten Güterbahnen
Am 16.09.2023 kritisierten wir: „Die Bahn und Verkehrsminister Wissing planen keine breiten Investionen in die Erneuerung der Bahnstrecken, sondern praktisch einen Neubau einzelner Strecken, wobei die in Frage kommenden Strecken vollständig aus dem Verkehr genommen werden. Das sorgt nicht nur für viel Verdruss der betroffenen Bahnnutzer, sondern auch dafür, dass sowohl die privaten Bahnkunden, als auch die Güterverkehrskunden dazu gezwungen werden, sich über einen langen Zeitraum eine Alternative zu suchen. Ob sie dann zu der Bahn zurückkehren, ist fraglich.“
Aktuell ist die Bahnstrecke von Köln über Wuppertal nach Hagen über fünf Monate voll gesperrt. In dieser Zeit müssen der Personenfernverkehr und der Güterverkehr umgeleitet werden. Im Personennahverkehr kommt ein Schienenersatzverkehr zum Einsatz.
Insbesondere aus der Wirtschaft kommt jetzt vermehrt Kritik an diesem Konzept. Im Westfälischen Anzeiger wird Peter Westenberger, Geschäftsführer des Branchenverbands Güterbahnen, zitiert, der moniert, dass der Güterverkehr auf der Schiene zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit verliere. „Bei einer Strecke, für die ein Zug früher fünf Stunden gebraucht hat, braucht er heute oft acht Stunden.“ Dies führe zu erheblichen Mehrkosten und mache den Schienengüterverkehr, insbesondere bei kleineren Gütern oder kurzen Strecken, die auch per Lkw transportiert werden können, weniger attraktiv. Wenn Züge nicht mehr nach Fahrplan fahren könnten und der Transport durch Umleitungen zu teuer werde, wichen Kunden auf die Straße aus. Seit Jahren beobachte man einen deutlichen Rückgang des Gütertransports auf der Schiene.
Bisher ist es international üblich, Bahnstrecken bei laufendem Betrieb zu renovieren. Dafür gibt es eine lang geübte Praxis und es wird dabei vermieden, dass ganze Regionen vom Bahnverkehr abgeschnitten werden. Bahnexperten haben schon frühzeitig vor dieser Verfahrensweise in Deutschland gewarnt. Das Bündnis „Bahn für alle“ kritisierte vor zwei Jahren, die vielmonatigen Komplettschließungen von Strecken zur Generalsanierung, zum Teil mit vorgeschalteten monatelangen turnusmäßigen Sanierungen wie im Falle der Strecke Hamburg—Berlin, seien für Pendler entlang der Strecke, die schnelle ICE- oder EC-Verbindungen nutzen müssten, unzumutbar. Auch für die Güterverkehrsunternehmen brächten die Schließungen massive Probleme mit sich. [jdm]