Erinnerung an Zoo in Logabirum – Tiere hinter Gittern
Wenn Volksschüler aus Wippingen in den 1960er Jahren mit der Schule einen Ausflug zu einem Zoo machten, war das Ziel in der Regel der Zoo in Logabirum. Logabirum ist ein altes 1973 nach Leer eingemeindetes Dorf. Dort gab es von 1906 bis Ende der 1970er-Jahre einen Zoo, der als „Onkel Heini“ bekannt war. Neben den Tieren des Zoos war der Spielplatz Teil der Attraktion.
Hier gab es exotische Tiere zu sehen – unter den Bedingungen, wie sie früher für Zoos unwidersprochen normal waren. Eine Ansichtskarte des Zoos in Logabirum macht die dortigen Verhältnisse deutlich. Hier gab es den traurigen, in einem engen Käfig gehaltenen Elefanten, der den ganzen Tag den Kopf mit Rüssel hin- und herschlug. In einem wohnzimmergroßen Käfig gingen Löwen und Tiger an den Gitterstäben neurotisch hin- und her. Die Robben hatten die Wahl zwischen einem kleinen Wasserbecken und dem durch einen Zaun begrenzten Betonboden.
In der Erinnerung fällt einem dazu meist die erste Strophe des Gedichtes „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke ein:
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Zoos – auch zoologische Gärten genannt – entstanden meist Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie dienten der Ausstellung von „exotischen“ Tieren und waren eine Zurschaustellung der eroberten Gebiete in den Kolonien der europäischen Staaten. Die ausgestellten Tiere wurden in den Kolonien in freier Wildbahn gefangen und in die Zoos transportiert. Kommerzielle Aussteller, wie Hagenbeck in Hamburg, entwickelten das Konzept des gitterlosen Zoos, in dem die Tiere in einer Umgebung, die an ihre Lebensräume erinnerte, gezeigt wurden.
Die Europäer glaubten sich zu Herrschern der Welt ausersehen und die Zoos wollten die eroberten Länder den Einheimischen als Sensation präsentieren. So verwundert es nicht, dass im Rahmen sogenannter Völkerschauen als „exotisch“ empfundene Menschen zur Schau gestellt wurden. Wikipedia schreibt von 300 verschiedenen nichteuropäischen Menschengruppen, die in „anthropologisch-zoologischen Ausstellungen“ unter starker, Unterhaltungszwecken geschuldeter Verfremdung ihrer Gebräuche im Sinne von Klischeevorstellungen und völkischem Chauvinismus ausgestellt wurden.
Heutige Zoos sehen ihre Hauptaufgaben nicht mehr unter dem Sensationsaspekt, sondern in der Bildung. Zoos sollen nicht mehr der Unterhaltung dienen, aber durchaus noch der Erholung der Besucher. Die Tierhaltung soll der Forschung dienen und dem Natur- und Artenschutz. Es werden keine Tiere mehr der freien Wildbahn entnommen, sondern im Gegenteil sollen Zuchtprogramme zum Erhalt der Arten dienen. Durch Auswilderungen soll der Wildbestand gesichert werden. Dennoch geraten Zoos auch heute in Rechtfertigungsdruck – wie auch die Tierhaltung im Zirkus. Zuletzt geriet der Zoo Nürnberg in Kritik, weil Paviane an die Raubtiere verfüttert wurden. [jdm/Foto (1) Bundesarchiv, Bild 183-R52035 / CC-BY-SA 3.0]

