Im August erreichte mich eine E-Mail von Campact. „Noch nie haben so viele Menschen Campact e.V. unterstützt. Mehr als 145.000 Menschen förderten unsere Arbeit regelmäßig, über 300.000 beteiligten sich finanziell mit einer Spende. Du gehörst zu den Menschen, die unsere Arbeit mit einer Spende möglich gemacht haben. Dafür sagen wir von Herzen danke! Hunderttausende Menschen geben uns Kraft und Unabhängigkeit, um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen.“

Dabei habe ich meine Unterstützung für Campact per Dauerauftrag bereits 2019 eingestellt. Wieso bedanken sie sich immer noch bei mir? Wird damit, dass ich bis vor 7 Jahren die Organisation unterstützt habe, heute noch Werbung gemacht? Ist hier eine Organisation, die sich aufplustert, um mehr Bedeutung zu erhaschen, als ihr eigentlich zukommt?

Wöchentlich wird man von Campact aufgefordert, per Unterschrift oder durch Geldspenden zu einem bestimmten Problem Stellung zu nehmen. Aktuell werden 17 Kampagnen auf deren Homepage beworben. Dabei lassen sich zwei Konstanten festmachen: Campact geriert sich als Empörungsmaschine, die wegen irgendwelcher Politikeraussagen oder irgendwelchen Einzelentscheidungen Kampagnen startet. Und es handelt sich um eine Geldsammelstelle.

Bei den Kampagnen geht es zumeist um Ablenkungsmanöver aus dem Fundus der Grünen Partei. Was sicher keine Rolle spielt bei Campact ist der Kampf für Frieden oder der Kampf gegen den Sozialabbau durch die Rentenreform, die so genannte Krankenkassenreform oder die Sozialabbaupläne der Bundesregierung. Eine Kampagne gegen die Wehrpflicht findet man hier auch vergeblich.

Was Campact aber gut beherrscht, ist die Denunziation. Aktuell „kämpft“ sie gegen Hetzportale. Damit meint sie viele der rechtsradikalen Portale aus dem Umfeld der AFD und der Bildzeitung; allesamt unappetitliche Seiten. Aber mittels Kontaktschuld reiht Campact darin auch die „Nachdenkseiten“ ein, ein eher sozialdemokratisch-linkes Portal. Und warum? Weil es Campact nicht gefällt, dass sich die Nachdenkseiten gegen die Grundrechtseinschränkungen im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Corona ausgesprochen haben. Und es gefällt Campact nicht, dass die Nachdenkseiten sich gegen die Aufrüstung und für Verhandlungen mit Russland aussprechen.

Und bei diesem Verdikt gegen die Nachdenkseiten geht Campact genauso vor, wie sie es anderen Medien vorwirft. Die Position zum Ukrainekrieg wird einfach als prorussisch denunziert, die Informationen werden pauschal als irreführende Nachrichten bezeichnet. Dann heißt es: Wer kommt zu Wort? Oskar Lafontaine, Daniele Ganser, Lisa Fitz, Autoren und Politiker aus dem Umfeld des Bündnis Sahra Wagenknecht. Das heißt also, dass Campact gar nicht damit klar kommt, das oppositionelle Stimmen zu Wort kommen.

Bei der Bundestagswahl 2021 warnte Campact davor, Zweitstimmen für Kleinparteien wie Volt oder die Tierschutzpartei abzugeben, weil diese Stimmen wegen der 5-Prozenthürde verpuffen würden und man damit die CDU, die SPD oder die AfD begünstigen würde. Zwar unterstützte Campact gleichzeitig Erststimmenkampagnen für einzelne linke Politiker, in deren Wahlkreis ein AFD-Kandidat gewinnen könnte. Aber gleichzeitig verstanden viele die Kampagne auch als gegen die Linke gerichtet, weil ihr Einzug damals gefährdet schien. Letztlich war es ein Aufruf, die Grünen zu wählen.

Das wiederholt sich jetzt wieder bei den Landtagswahlen. Campact wirbt für die strategische Wahl von SPD oder Grünen bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September. Für ein angeblich basisdemokratisches Projekt ist es schon ein Unding, die undemokratische 5-Prozent-Hürde argumentativ zu benutzen, um den Grünen die Konkurrenz vom Hals zu halten.

Bei dem Kampf gegen das Kohlekraftwerk in Dörpen bis 2009 war Campact damals für die BI eine große Unterstützung. Es ging um Klimaschutz und Campact unterstützte damals die Bemühungen zur Aufklärung über das Kohlekraftwerk. In der Zwischenzeit hat sich Campact aber zu einer Spendensammelmaschine und einer reinen Unterstützertruppe für grüne Ablenkungs- und Kulturpolitik gewandelt. [jdm]