Die Bildzeitung lügt weiter wie gewohnt und gedruckt
Wie die Bildzeitung wieder einmal lügt, indem sie einfach nicht alles sagt: „Diese Zahlen haben Sprengkraft: Deutschlands Sozialausgaben sind auf ein Rekordniveau von 1431 Milliarden Euro gestiegen. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums ging 2025 jeder dritte Euro der Wirtschaftsleistung für Renten, Gesundheit, Pflege, Arbeitslosenversicherung und weitere Sozialleistungen drauf. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf den aktuellen Bericht zum Sozialbudget 2025.“
In seinem Blog „Aktuelle Sozialpolitik“ stellt der Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften am RheinAhrCampus Remagen der Hochschule Koblenz, Dr. Stefan Sell, dar, warum es sich trotz der Verwendung offizieller Zahlen aus dem „Sozialbudget 2025“ des Bundesarbeitsministeriums um eine durch nichts gerechtfertigte Propagandameldung handelt. Denn es handelt sich bei den genannten Zahlen um rein nominale Zahlen. Genauso gut könnte man berichten, dass der Brotpreis 2002 noch 2,30 € betrug und sich bis 2020 auf 4,65 € mehr als verdoppelte und daraus einen Skandal schustern.
Die Bildzeitung setzt die Sozialausgaben nicht in ein Verhältnis zur Entwicklung der Preise. Und sie setzt die Sozialausgaben nicht in ein Verhältnis zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes, also der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung. Wenn das geschieht, stellt sich heraus, dass die Sozialleistungsquote sich mit 32 % des BIP im üblichen Rahmen befindet. Die leichte Steigerung des Prozentanteils wurde nicht durch eine Erhöhung der Sozialleistungen verursacht, sondern durch die schlechte Konjunktur, die eine Senkung des BIP zur Folge hatte. Angesichts der demografischen Entwicklung mit den über dem Durchschnitt liegenden Eintritt von Menschen ins Rentenalter, müsste eigentlich die Sozialleistungsquote stärker ansteigen.
Sell zitiert die Wissenschaftler Sebastian Dullien und Katja Rietzler aus einem Kommentar aus 2025: »Die inflationsbereinigten Sozialausgaben in Deutschland wuchsen von 2009 bis 2019 ziemlich genau mit dem Trend des Bruttoinlandsprodukts. 2020 führte die Covid-Pandemie zu einem Anstieg der Sozialausgaben über den Trend, was sich aber schnell korrigierte. Seit 2022 liegen die Sozialausgaben sogar unter dem ursprünglichen BIP-Trend. Allerdings ist das Bruttoinlandsprodukt selbst noch weiter hinter dem Trend zurückgeblieben, sodass sich die Sozialleistungsquote erhöht hat.«
Die Bildzeitung hat also wieder einmal billige Sozialstaatshetze betrieben, der sich viele bürgerliche Zeitungen (FAZ, SZ) anschlossen. [jdm]