Nach Einweihung der Anlage: Verzögerung bei UPM in Leuna
Auch wenn Leuna weit von Dörpen entfernt ist – Erfolg oder Misserfolg im dortigen UPM-Werk können sich ebenso wie das Ergebnis von UPM Nordland Papier in Dörpen auf die Steuerzahlungen des Konzerns an die Gemeinde auswirken. Aus diesem Grund verfolgen wir die Entwicklung des neuen UPM-Werks in Sachsen-Anhalt mit großem Interesse.
In einer Pressemitteilung vom 15.10.2026 gab UPM bekannt, dass seine Bioraffinerie in Leuna eingeweiht und damit der Startschuss für eine neue industrielle Plattform für erneuerbare Chemikalien aus Holz gegeben sei. Überschwänglich wurde festgestellt, die Bioraffinerie von UPM in Leuna sei ein Meilenstein für die Bioökonomie in Europa. Damit hatte UPM die Schlagzeilen der deutschen Medien für sich erreicht. Sogar die ARD-Tagesschau berichtete unter dem Titel „Milliardenprojekt eröffnet: Neue Bio-Raffinerie in Leuna produziert Chemie aus Holz“.
Wir haben erst verspätet, nämlich am 19.10.2026, darüber berichtet und dabei auf die Verzögerungen und Kostensteigerungen im Projekt hingewiesen. Unsere damals geäußerte Skepsis scheint sich nun als richtig zu erweisen. In der Pressemitteilung zum Zwischenbericht Q3 2026 gibt UPM eine weitere Verzögerung bei der Produktion in Leuna bekannt: „Während der Inbetriebnahme des dritten und letzten Prozesses, bei dem Zucker in Glykole umgewandelt wird, haben wir festgestellt, dass bestimmte Anpassungen erforderlich sind. Wir gehen nun davon aus, die integrierte Produktion der Raffinerie im zweiten Quartal 2027 aufzunehmen – etwa sechs Monate später als ursprünglich erwartet. Die Nennkapazität soll Anfang 2028 erreicht werden.“
Auch wenn diese Information erst im unteren Teil der Pressemitteilung platziert wurde, blieb sie nicht unbeachtet, denn Journalisten von Fachmedien lesen Pressemitteilungen von Unternehmen ihrer Branche genau. Daher ist es nicht überraschend, dass die Verzögerungen bei UPM in Leuna in der Fachwelt bekannt wurden und diskutiert werden.
„Für Verpackungshersteller und Markenartikler, die mit den holzbasierten Chemikalien aus Leuna planen, verschiebt sich damit der Zeitpunkt, ab dem die Anlage in industriellem Maßstab liefern kann, um etwa ein halbes Jahr“, liest man beim packaging journal. Die Informationen zum Hintergrund der Verzögerung scheinen der Redaktion allerdings nicht auszureichen. Bei der Inbetriebnahme habe UPM spezifische Änderungen identifiziert, die erforderlich seien, wird aus dem UPM Zwischenbericht Q3 2026 zitiert. Welche das seien und was sie kosten könnten, lasse UPM aber offen.
Was noch fehle, sei der Prozessschritt mit der größten Bedeutung für die Verpackungsbranche. Aus den Zuckern solle Monoethylenglykol und Monopropylenglykol entstehen. Bei dem sogenannten Bio-MEG handelt es sich um ein Vorprodukt für PET, das für Flaschen und andere Verpackungen eingesetzt wird; die Hersteller müssen nun vorerst weiter ohne das UPM-Produkt auskommen. Kunden könnten aber mit Industriezucker, Spezialchemikalien auf Ligninbasis und Renewable Functional Fillers (RFF) beliefert werden, betont das Branchenportal EUWID Verpackung.
Während Leuna für UPM weiterhin mit Problemen belastet ist, plant der Konzern seine erste Fabrik für Etikettenmaterialien in Indien. Beide Projekte stehen für künftige operative Fortschritte, allerdings mit unterschiedlichem Status, erläutert boerse-global.de. In Indien sei die Eröffnung geplant, in Leuna habe sich der erwartete Produktionsbeginn verschoben. Für Anleger bleibe deshalb die Trennung zwischen Ausbauperspektive und bereits erzieltem Ergebnis entscheidend. Die regionale Wachstumsinitiative sei konkret; eine Entlastung des laufenden Geschäfts lasse sich daraus noch nicht ableiten.
Bei dieser Einschätzung mögen die Börsen-Experten auch den im UPM-Quartalsbericht gegebenen Ausblick bedacht haben. Hier ist zu lesen, dass der Umfang der Instandhaltungsaktivitäten im zweiten Halbjahr 2026 gegenüber dem ersten Halbjahr zunehmen dürften. Und: „Der Produktionshochlauf bei UPM Leuna dürfte die Kosten moderat erhöhen.“
Welches Ergebnis UPM also insgesamt in Deutschland im Jahr 2026 erwirtschaften wird, bleibt abzuwarten. Für Dörpen, wo sich der große UPM-Standort Nordland Papier befindet, ist das Ergebnis allerdings von großer Bedeutung, denn mögliche Steuerzahlungen an die Gemeinde hängen stark vom wirtschaftlichen Erfolg der deutschen UPM-Werke insgesamt ab. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]