Bei seiner Frankreichreise ging Papst LEO XIV. in seiner Ansprache vor dem Diplomatischen Korps auf zwei Schwerpunkte der letzten Enzyklika Magnifica Humanitas ein (siehe auch https://www.hallo-wippingen.de/wp/2026/06/enzyklika-als-gegenentwurf-zur-deutschen-politik/).

Ausgehend von einem Lob der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die schon Papst Johannes Paul II. als »wahren Meilenstein auf dem Weg des moralischen Fortschritts der Menschheit« bezeichnet habe, warnte er vor den Gefahren der KI. Um unser Menschsein inmitten des „Maschinenparadieses“, das unseren Alltag zunehmend bestimme und beeinflusse, nicht zu verlieren, sei es dringend erforderlich, den Geist zu einer ethischen Urteilsfähigkeit zu erziehen, die in der Lage sei, das moralisch Gute zu erkennen. Eine wirklich freie Gesellschaft lege keine Einheitlichkeit auf, sondern schütze die Vielfalt der Gewissen, beuge autoritären Auswüchsen vor und fördere einen ethischen Dialog, der das soziale Gefüge bereichere. Dieser Dialog sei im heutigen Frankreich umso dringlicher, als Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft gefordert seien, zusammenzuleben und ihren jeweiligen Beitrag zum Aufbau der Gesellschaft zu leisten.

Heute bestehe die Versuchung, sich von der Wissenschaft eine Lösung und einen Trost für all unser Leid zu erwarten. Dabei bestehe oft die Gefahr, dass man einer Illusion erliegt. Wenn Wissenschaft und Technik nicht vom Gewissen geleitet würden, könnten sie unmittelbare Lösungen anbieten, die den Wünschen und Leiden der Menschen scheinbar gerecht würden, die sie jedoch in Wirklichkeit ernsthaft von dem Guten abbringen könnten, nach dem sie sich tief im Innersten sehnen. Mit Besorgnis stelle er fest, wie Gesellschaften derzeit in die falsche Richtung abdrifteten und Gefahr liefen, Wissenschaft und Technik in gewinnorientierte Unternehmungen zu verwandeln, die genetische Manipulationen, Leihmutterschaft, den Handel mit Organen oder das Angebot eines geplanten Todes förderten.

Gerechtigkeit, gesunde Vernunft und Rücksicht auf die Menschenwürde erforderten dringend, dass der allgemeine Rüstungswettlauf aufhöre; dass ferner die in verschiedenen Staaten bereits zur Verfügung stehenden Waffen auf beiden Seiten und gleichzeitig vermindert werden; dass Atomwaffen verboten werden; und dass endlich alle auf Grund von Vereinbarungen zu einer entsprechenden Abrüstung mit wirksamer gegenseitiger Kontrolle gelangen. Es verbreite sich zunehmend die irrige Überzeugung, der Besitz von Atomwaffen sei ein Garant für Sicherheit, was zu einem neuen, kaum kontrollierbaren Wettrüsten führe (vgl. Enzyklika Magnifica humanitas, 194). Friede sei jedoch kein Kräftegleichgewicht, sondern werde jeden Tag durch Dialog und Gerechtigkeit geschaffen.

Er ermutige, sich niemals mit der Option des Krieges abzufinden und diese für „unvermeidlich“ zu halten, sondern unermüdlich den Dialog und die Diplomatie zu pflegen, um friedliche Gesellschaften zu bewahren, in denen die Würde und die Rechte des Einzelnen und der Völker geachtet werden. [jdm]