Wie die Wippinger Kirchengemeinde selbständig wurde
Als noch im Mittelalter im 13./14 Jahrhundert die ersten Bauern in Wippingen siedelten, taten sie dies auf dem Grund der Markengemeinden Werpeloh und Steinbild. Ebenso wichtig war die Zugehörigkeit zu den Kirchspielen Sögel für die östlichen Teile von Wippingen (Sögeler Wippingen) und Steinbild für die westlichen Teile (Steinbilder Wippingen).
Wippinger gingen sonntags jeweils zu ihrer Kirche, also nach Sögel oder nach Steinbild. Auch die Taufen, die Hochzeiten und die Beerdigungen fanden dort statt. Wer also als Wippinger in Kirchenbüchern Ahnenforschung treiben will, muss sich die Kirchenbücher dieser Kirchspiele anschauen.
Das änderte sich auch nicht wesentlich, als den Wippingern 1843 der Bau einer Kapelle erlaubt wurde. Die Wippinger mussten zwar einen Priester finanzieren. Aber der erste Seelsorger in Wippingen war Hermann Grüter aus Kluse und wohnte nicht in Wippingen, sondern leitete die Gemeinde von Steinbild aus. Es fanden häufig Sonntagsmessen statt, aber vor allem an Feiertagen gab es nicht die gewünschte Anzahl von Messen, so dass immer wieder die Mutterkirchen in Sögel bzw. Steinbild besucht werden mussten. Die Erstkommunion fand erstmals 1905 in Wippingen statt. Und für die Toten gab es in Wippingen erst 1903 einen eigenen Begräbnisplatz.
Pastor Frieling leitete während seiner Amtszeit von 1906 – 1910 die Ablöseverhandlungen mit Steinbild und Sögel ein. Wer jetzt glaubt, dass es dabei darum ging, wie die Betreuung der Gläubigen am besten zu gestalten wären, ist leider auf dem Holzweg. Es ging wie im Fußball vor allem um die Höhe der Ablösesumme. Steinbild forderte eine Ablöse von 7000 Mark und die Wippinger sollten auf ihren Anteil am Kirchenvermögen verzichten. Erst 1911 während der zweiten Amtszeit von Pastor Bernardus Hake konnten die Verhandlungen zum Abschluss gebracht werden. Steinbild erhielt 4500 Mark Ablöse und Sögel 7400 Mark. Aus den Armenkassen der Sögeler und Steinbilder wurden im Gegenzug 2770,22 Mark an die Wippinger Gemeinde überwiesen. Und das bisherige Vermögen der Kapellengemeinde Wippingen wurde das Vermögen der Kuratiegemeinde Wippingen. Der Rang einer Kuratie entspricht nicht dem vollen Rang einer Pfarrei. Aber dabei handelt es sich eher um einen theoretischen Unterschied, weil eine eigene Verwaltung und ein eigener Priester vorhanden waren.
Vor genau 115 Jahren erhob Bischof Hubertus Voß in der Urkunde vom 23. Januar 1911 Wippingen in den Rang einer Kuratie mit Wirkung zum 1. April 1911. Damit war die Kirchengemeinde Wippingen endlich selbständig. [jdm]

