Jagd: Notzeit in Aurich – Gesellschaftsjagd in Neubörger
Angesichts der in weiten Teilen Niedersachsens vorherrschenden winterlichen Witterungsbedingungen, die in einigen Regionen auch zu extremem Verhältnissen führten, bat die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. um besondere Umsicht, Verantwortungsbewusstsein und konsequent situationsbezogene Entscheidungen bei der Jagdausübung vor Ort. Der Kreisjägermeister des Landkreises Aurich hatte am 08.01.2026 sogar die „Notzeit“ gemäß § 32 Absatz 1 des Niedersächsischen Jagdgesetzes ausgerufen.
Während der Notzeit ist die Ausübung der Jagd – insbesondere Gesellschaftsjagden – zu unterlassen. „Es ist eine sehr wichtige Auszeit. Die Tiere befinden sich jetzt im Standby-Modus“, hat die Nordwest-Zeitung (NWZ) vom Auricher Kreisjägermeister erfahren. Jede Flucht, jedes Aufscheuchen verbrauche Energie, die kaum wieder aufgefüllt werden könne.
Auch Zehntausende Wildgänse leben zurzeit in einem Energiesparmodus. Werden sie aufgescheucht, steigen sie auf und ziehen weiter. Ruhe für das Wild bedeute am Ende auch weniger Schäden für die Landwirtschaft, berichtet die NWZ weiter. Auch im Landkreis Leer werde wegen der Wetterlage kein Wild gejagt. Die Tiere dürften nicht aufgescheucht werden, weil sie sonst zu hohe Energieverluste erlitten, berichtet der NDR am 09.11.2026.
Das sieht man in Neubörger offenbar anders – hier wurde am Samstag, den 10.01.2025 tüchtig geschossen. Schließlich endet die Jagdzeit am 15. Januar, weshalb der letzte Samstag vor Ablauf der Frist offensichtlich genutzt werden musste. Dazu war die Jagdgesellschaft mit einem von einem Traktor gezogenen Jagdwagen in die Landschaft westlich des Ortes gefahren, wo zurzeit viele Gänse anzutreffen sind.
Nach dem ersten Schuss waren laute Angstschreie der Vögel zu hören. Es folgten fünf bis zehn weitere Schüsse. Das Ergebnis: Mehrere hundert, vielleicht sogar tausende Gänse flogen auf und flüchteten aus dem Schussfeld der Jäger.
Ob die Schützen erfolgreich waren, haben wir nicht erfahren. Die Gänse werden sich die „verbrauchte“ Energie auf dem nächsten Acker wieder anfressen.
Öffentliche Kritik werden die Hobbyjäger auch Neubörger wohl nicht von der Kreisjägerschaft Aschendorf-Hümmling erfahren. Dort hat man zurzeit andere Sorgen: „Veruntreuung? Polizei ermittelt bei der Jägerschaft Aschendorf-Hümmling“, titelte die NOZ am 09.01.2025. Der Jägerschaftsvorsitzende Bernd Sieve habe die Ermittlungen auf Anfrage bestätigt. Einen neuen Stand gibt es in dieser Sache noch nicht, haben wir heute von Polizeisprecher Christopher Degner erfahren. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de]


