Nabu-Angebot im April: Unterwassererkundung und Wiesenvögel

Jahresprogramm Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzgruppen im nördlichen Emsland

Im April bietet die Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzgruppen im nördlichen Emsland zwei Veranstaltungen an.

Am Samstag, 25.04.2026, von 10.00 – 13.00 Uhr trifft man sich am Seitenkanal Gleesen, Bokeler Straße, Aschendorf, zur „Unterwassererkundung mit der Tauchdrohne“. Gemeinsam erforschen die Teilnehmer mit zwei Tauchdrohnen das Gewässer am Seitenkanal Gleesen an der Bokeler Straße und bekommen spannende Einblicke in die Welt unter Wasser
Ansprechpartner: Thomas Großmann 0151/16943092

Ebenfalls am Samstag, 25.04.2026, von 09.00 – 12.00 Uhr findet das Treffen am Klärwerk in den Leher Wiesen statt. Thema sind die „Wiesenvögel in den Leher Wiesen“. Hier handelt es sich um eine gemeinsame Veranstaltung der AG Naturschutz mit den Leher/Dörpener Bauern und dem Hof Lampen in den Emsauen (Solawi).
Ansprechpartner: Kalle Augustin 04961/71852 [jdm]

Zukünftig ein Altkleidercontainer pro 1.000 Einwohner?

Im vergangenen Jahr wurden die Altkleidercontainer auch in der Samtgemeinde Dörpen nicht regelmäßig entleert. Über Wochen wurden neben den bis an den Rand gefüllten Containern weitere Säcke mit Altkleidern abgelegt. Die Branche hatte offenbar Absatzprobleme und wohl auch Personalmangel. Ein weiterer Grund ist aber auch der überbordende Anfall an Altkleidern, denn der Trend zu „Fast Fashion“ und „Ultra-Fast-Fashion“, also zur schnellen Mode, bringt eine kaum überschaubare Menge an nur wenige Male getragene Kleider mit sich.

Dieser verantwortungslose Trend zur Billigmode ist keineswegs nur bei Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten zu verorten. Beispielsweise beschafften sich die wohl eher der gesellschaftlichen Mittelschicht zuzuordnenden Mitglieder des Rates der Gemeinde Dörpen für die Teilnahme an einer Jubiläumsveranstaltung zu „50 Jahre Samtgemeinde Dörpen“ im September 2023 ein Poloshirt mit dem Aufdruck „Gemeinderat Dörpen“ – man darf wohl davon ausgehen, dass das Kleidungsstück nach einer einmaligen Nutzung entsorgt wurde.

Die minderwertige Kleidung sei einfach nur noch eine Kostenbelastung, hört man aus der Entsorgungsbranche. Denn die aufwendige Sortierung per Hand ergibt offenbar nur wenig verwertbare Kleidung, und den Rest müssen die Firmen kostenpflichtig entsorgen. Bundesumweltminister Schneider will mit einem neuen Gesetz gegen das Problem der massenhaften Wegwerf-Klamotten vorgehen und den Handel an der Entsorgung beteiligen. Unter die neuen Regelungen sollen Bekleidung, Bekleidungszubehör, Heimtextilien und Schuhe fallen.

Wer Kleidung auf den EU-Markt bringe, solle auch für flächendeckende Sammlung und Verwertung bezahlen, gibt Schneider vor. Je mehr Textilien die Hersteller auf den Markt bringen und je minderwertiger die Ware ist, desto mehr müssen sie beitragen, so der Plan. Das solle auch für Billigimporte aus China gelten, die vornehmlich der „Ultra-Fast-Fashion“ zugerechnet werden.
Damit will der Umweltminister die Sammlung und Entsorgung von Altkleidern auch finanziell wieder für die Entsorgungsbranche auskömmlich gestalten.

Geplant ist, dass in Zukunft ein Kleidercontainer pro 1.000 Einwohner verfügbar ist, hat die ARD-Tagesschau noch in Erfahrung gebracht. Gemeinnützige Sammler sind privilegiert, und Second-Hand-Läden oder Kleiderkammern sollen von den Neuerungen zunächst nicht betroffen sein.

Die Eckpunkte für die Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung bei Textilien hat das Umweltministerium in einer Pressemitteilung vom 27.03.2026 beschrieben. Das Gesetz muss bis zum 17. Juni 2027 in Kraft treten, da dann eine EU-rechtlich vorgegebene Umsetzungsfrist abläuft. Bis zum 24. April 2026 nimmt das Ministerium noch Stellungnahmen zum Eckpunktepapier entgegen.

Und die werden wohl kommen. Der Gesamtverband der Textil- und Modeindustrie bezeichnet die Pläne bereits in einer Pressemitteilung – ebenfalls vom 27.03.2026 – als Ablasshandel und „geschäftsschädigend in einer Wirtschaftskrise“. Und natürlich darf dabei auch der Kampfbegriff „Bürokratie“ nicht fehlen. Der würden neue Schleusen geöffnet, ohne die Kreislaufwirtschaft voranzubringen – alles also nur ein großer Bluff. Damit dürfte dann auch die politische Lobbyarbeit anlaufen. Und ob der Schneider, bzw. das tapfere Schneiderlein von der SPD mit seinem Vorhaben eine Trendumkehr zur dauerhaft tragbaren Qualitätskleidung einleiten kann, bleibt abzuwarten.

Greenpeace informiert übrigens im Internetbeitrag Fast Fashion versus grüne Mode: Fragen und Antworten über Zusammenhänge und Hintergründe der Altkleiderproblematik. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Tag des Unkrauts am 28.März: „Mehr Wildnis wagen!“

Brennnessel, Löwenzahn und Vogelmiere: Mehr als 1.000 Wildkräuter wachsen in Deutschland, viele davon werden vorschnell als Unkraut abgestempelt. Dabei sind sie unverzichtbar für Insekten, Vögel und gesunde Böden. Viele von ihnen sind auch kulinarisch eine Entdeckung.

Zum „Tag des Unkrauts“ am 28. März werden auf der Internetpräsenz des Umwelt-Instituts München die Kräuter- und Pilzexpert:innen Vanessa und Norman Glatzer von „Buschfunkistan“ in einem Interview befragt, warum der Begriff Unkraut in die Irre führt, was vermeintliche Störenfriede für die Artenvielfalt leisten und wie sich Giersch, Gundelrebe und Co. ganz praktisch nutzen lassen. [jdm]

IPPNW kritisiert Angriffe auf Atomanlagen und warnt vor Ökozid – Eskalation im Irankrieg

Irankrieg - Keine Angrtiffe auf Atomanlagen

Die deutsche Sektion von International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW) kritisiert in aller Schärfe Militärangriffe auf atomare Anlagen, Gesundheitseinrichtungen und zivile Energieinfrastruktur wie Ölraffinerien und Gasfelder und Drohungen mit solchen Angriffen. Die Organisation warnt vor einem Ökozid. Gestern ist nach iranischen Angaben bei US-Angriffen erneut das Gelände des Atomkraftwerks Buschehr getroffen worden. Vergangene Woche war das einzige Atomkraftwerk des Iran schon einmal von einem Geschoss getroffen worden.

„Wir begrüßen die klare Verurteilung des Irankrieges als völkerrechtswidrig durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die IPPNW appelliert an die Bundesregierung, nun dem Beispiel Spaniens zu folgen und gegenüber den USA und Israel eine direkte und indirekte Unterstützung des Krieges zu verweigern“, erklärt die IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Claußen.

Zudem haben die USA und Israel die Urananreicherungsanlage in Natans angegriffen. Am 21. März schlugen mehrere iranische Langstreckenraketen in Dimona und Arad in Israel ein. Hier wohnen Mitarbeiter*innen des Kernforschungszentrum Negev, wo die israelischen Atomwaffen vermutet werden. Die iranische Regierung drohte zudem mit einem Angriff auf das Atomkraftwerk Baraka in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Ein direkter Treffer auf eine Atomanlage würde keine Explosion wie bei einer Atomwaffe auslösen. Das Risiko besteht in der Freisetzung radioaktiver Stoffe, die in die Umwelt gelangen und möglicherweise eine langfristige Kontamination verursachen. Die Folgen eines solchen Beschusses hängen davon ab, welcher Teil einer Anlage getroffen wird und welche radioaktiven Stoffe dort vorhanden sind. 

IAEA-Chef Rafael Grossi forderte bereits mehrfach militärische Zurückhaltung von den Kriegsparteien. Es gelte, jedes Risiko eines Atomunfalls zu vermeiden. Das Internationale Rote Kreuz hat darauf hingewiesen, dass atomare Anlagen nach dem humanitären Völkerrecht einen besonderen Schutz genießen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO verurteilte zudem bereits am 11. März 2026 18 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen im Iran seit Beginn des Krieges.

Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran ist schon jetzt eine Katastrophe nicht nur für die Menschen, sondern auch für das Klima. Wissenschaftler*innen gehen in einer Analyse davon aus, dass der Krieg bereits in den den ersten 14 Tagen zu 5 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen geführt hat. Er zehre das globale Kohlenstoffbudget schneller auf als die 84 Länder mit den geringsten CO²-Emissionen zusammen genommen.

Nach Angriffen auf iranische Öllager hatte die iranische Umweltbehörde den Menschen geraten, in den Häusern zu bleiben. Der Iranische Rote Halbmond warnte vor möglichem sauren Regen, ausgelöst durch giftige Chemikalien. Es gibt im Iran kaum Masken und Inhalationsgeräte, die die Menschen schützen. Brennende Energieinfrastruktur in den Golfstaaten und Angriffe auf Öltanker in der Straße von Hormus und auf Gaslager führen zu giftigen Emissionen, die die Biosphäre belasten. 

Eine Analyse zum Thema von Fred Otu-Larbi, Patrick Bigger, und Benjamin Neimark finden Sie unter https://climatecommunityinstitute.substack.com/p/iran-war-pollution [PM IPPNW]

Landestierschutzverband reicht Klage gegen den Einsatz der CO₂-Betäubung von Schweinen ein

Der Landestierschutzverband Niedersachsen reicht Verbandsklage gegen das Veterinäramt Vechta ein. Ziel ist ein europaweites Verbot der umstrittenen Betäubung von Schweinen mit CO2, bevor sie geschlachtet werden. Dies berichtet der NDR. Im April 2024 waren Aktivisten der Tierrechtsorganisation „Animal Rights Watch“ in einen Schweine-Schlachthof in Lohne eingestiegen und hatten Kameras installiert, die verstörende Aufnahmen machten.

Die CO₂-Betäubung von Schweinen steht seit vielen Jahren in der Kritik, weil sie bei den Tieren Panik, Atemnot und starke Stressreaktionen auslösen kann. Wenn solche Praktiken dokumentiert werden, wie im betroffenen Schlachthof erfolgt, müssen Behörden prüfen, ob ein Einschreiten erforderlich ist, schreibt der Landestierschutzverband Niedersachsen e. V. auf seiner Homepage.

Veterinärämter spielen dabei eine zentrale Rolle, erläutert der Verband weiter. Auf Grundlage der Vorschriften des Tierschutzgesetzes seien diese Behörden dafür verantwortlich, tierhaltende Betriebe, aber auch die Schlachthöfe zu kontrollieren, damit die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Der Landestierschutzverband hat sich nun zu einer Klage entschieden, weil aus Sicht des Verbandes eine grundsätzliche Entscheidung zur Art und Weise einer Betäubung erforderlich erscheint und der Landkreis auf Aufforderung eine Anordnung im Rahmen § 16a zum Unterbinden der CO₂-Betäubung zu erlassen nicht reagiert hat.

Der Verband ist der Auffassung, dass diese Praxis gegen das Tierschutzgesetz sowie gegen europäische Vorgaben zum Schutz von Tieren bei der Tötung verstößt. Man wirft dem zuständigen Veterinäramt vor, trotz der bekannten Probleme und einer fachlichen Aufforderung nicht eingegriffen zu haben. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Etwa 120 Verfahren zu Stallneubauten oder Erweiterungen beim Landkreis anhängig

Auf der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Natur des Landkreises Emsland am 9. März wurde von einem Ausschussmitglied nach dem Stand bei den beantragten Hühnerställen gefragt. Die Antwort von Kreisbaurat Dr. Michael Kiehl war im hinteren Bereich des Sitzungsraumes nur teilweise zu verstehen, weswegen wir den Landkreis hierzu noch einmal um genauere Auskunft und um Erläuterung des in den Antwort erwähnten Begriffs „Satellitenstall“ gebeten haben.

Folgende Information haben wir erhalten:
Der Begriff „Satellitenstall“ ist nicht definiert. Umgangssprachlich wird der Begriff häufig verwendet, wenn von einer vorhandenen Hofstelle abgesetzte Stallgebäude im Außenbereich geplant werden. Diese werden in der Regel knapp unterhalb der Schwellenwerte des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) beantragt, weshalb die Prüfung entfällt. Allerdings ist für „Satellitenställe“ eine Baugenehmigung erforderlich – genehmigungsfrei können sie also nicht errichtet werden.

Eine Privilegierung als landwirtschaftliches Vorhaben nach dem Baugesetzbuch (BauGB – § 35 Abs. 1 Nr. 1) scheidet für diese Anlagen häufig aus, da dem Betrieb die gemäß § 201 BauGB erforderliche Futtergrundlage fehlt. Um dennoch als sog. gewerbliche Anlage nach dem Baugesetzbuch zulässig sein zu können, werden die Stallgebäude meist in einer solchen Entfernung zu bereits vorhandenen Tierhaltungsanlagen des Betriebes geplant, dass es zu keiner Überschneidung der Einwirkungsbereiche der Anlagen und damit zu keiner Kumulation der Anlagen im Sinne des Gesetztes über die Umweltverträglichkeitsprüfung kommt.

Derzeit gibt es beim Landkreis Emsland insgesamt 60 offene Verfahren zum Neubau abgesetzter Geflügelställe im Außenbereich. Hierbei handelt es sich überwiegend um Masthähnchenställe sowie um Legehennenställe.

Im Einzelnen liegen folgende Anträge vor:
15 offene Verfahren Neubau Legehennenstall < 15.000 Plätze
43 offene Verfahren Neubau Masthähnchenstall < 30.000 Plätze
1 offenes Verfahren Neubau Junghennenaufzuchtstall < 30.000 Plätze
1 offenes Verfahren Neubau Putenmaststall < 15.000 Plätze

Neben diesen Verfahren laufen derzeit beim Landkreis Emsland 60 weitere Verfahren, welche mit einer Erhöhung von Tierplätzen verbunden sind. Hiervon sind 11 Verfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) zu beurteilen, die übrigen Verfahren werden nach Baurecht beurteilt. Hierbei handelt es sich teilweise auch um Änderungen an bestehenden Tierhaltungsanlagen.

Wildwuchs bei Tierställen?“ titelte die Emszeitung in ihrer Printausgabe vom 7. März 2026 (NOZ vom 05.03.2026). In Meppen sollten plötzlich immer mehr neue Tierställe gebaut werden. Die Stadt wolle mit einem Bebauungsplan gegensteuern. Das Emsland sei weiterhin eine Schwerpunktregion für die Tierhaltung, wurde festgestellt. Nach Zahlen des Landkreises Emsland aus dem Sommer 2025 waren etwa 37,61 Millionen Geflügelplätze, rund 1,76 Millionen Schweineplätze und circa 250.000 Rinderplätze genehmigt. Mit den aktuellen Planungen der Tierhalter dürften sich die Geflügelplätze noch um einige Millionen erhöhen. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Nistkästen sollen Bruttätigkeit von Meisen unterstützen – Natürlicher Feind des Eichenprozessionsspinners

 An den Eichen entlang der Versener Straße wurden einige der insgesamt 335 Nistkästen angebracht. Im Hintergrund ist ein bereits installierter Nistkasten zu sehen. (Fotos: Landkreis Emsland)
An den Eichen entlang der Versener Straße wurden einige der insgesamt 335 Nistkästen angebracht. (Foto Landkreis Emsland)

Die Kreisstraßenmeisterei will in diesem Jahr 335 Nistkästen entlang von Kreisstraßen und dortigen Fuß- und Radwegen aufhängen, um gegen den Eichenprozessionsspinner (EPS) vorzugehen. Meisen sind wichtige natürliche Fressfeinde des EPS und sollen bei dessen Bekämpfung mit eigens angefertigten Brutkästen unterstützt werden. "Die Brutästen sollen dafür sorgen, dass sich Meisen zahlreich ansiedeln, um den Baumschädling biologisch zu bekämpfen. Das ist umweltgerecht und nachhaltig", wird Landrat Marc-André Burgdorf in einer Pressemitteilung des Landkreises zitiert. Hergestellt werden die Kästen in Kooperation mit der St. Lukas Qualifizierung und der Arbeit Caritas GmbH.

Eichenprozessionsspinner am Eichenstamm
Eichenprozessionsspinner am Eichenstamm

Der EPS gehört zur Leibspeise unterschiedlicher Vogelarten, allen voran Meisen, die insbesondere die Raupen im frühen Larvenstadium an ihre Jungtiere verfüttern. Bereits seit 2020 installiert der Landkreis Emsland daher an seinen Kreisstraßen Nistkästen für Meisen. Von der Kreisstraßenmeisterei Bawinkel, die für das südliche und mittlere Emsland zuständig ist, waren bislang 235 Nistkästen angebracht worden, von der Kreisstraßenmeisterei Dörpen mit Wirkungsbereich im nördlichen Emsland weitere 100 Kästen.

Das Vorkommen der Raupe ist durch das Fortschreiten der Klimaerwärmung mittlerweile gleichmäßig auf das gesamte Kreisgebiet verteilt. Kontakte mit den Brennhaaren der Raupe können zu Hautrötungen verbunden mit starkem Juckreiz führen. Darüber hinaus kann es zu Reizungen der Atemwege und der Augen kommen.

Spezialfirma bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners an der Neudörpener Straße am 19.06.2020
Spezialfirma bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners an der Neudörpener Straße am 19.06.2020

Zusätzlich zu den Meisen-Nistkästen werden zur Bekämpfung des EPS weiterhin die Raupennester bei starkem Befall durch Fachfirmen abgesaugt. Biozideinsätze, heißt es in der Pressemitteilung, wie sie im geringen Umfang ausschließlich in den Jahren 2020 und 2021 im südlichen Emsland erfolgt waren, würden hingegen nicht mehr durchgeführt. Das ist wohl nicht ganz richtig, denn in der Samtgemeinde Dörpen wurden 2021 auch Biozide eingesetzt. 2021 hängte die Kreisstraßenmeisterei allerdings auch in Wippingen Nistkästen auf. [jdm]

Ewigkeitschemikalie PFAS: Über hundert Verdachtsflächen im Emsland

In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Natur beim Landkreis Emsland am 9. März war ein Tagesordnungspunkt mit „Vorstellung des PFAS-Katasters (PFAS= Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen)“ beschrieben. Die öffentlich einsehbare Sitzungsvorlage erläutert die Ausgangssituation im Landkreis:
In den letzten Jahren ist die von organischen Fluorverbindungen (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – PFAS) ausgehende Gefährdung zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Diese organischen Fluorverbindungen, die aufgrund ihrer Langlebigkeit (Persistenz) auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden, kamen seit 1960/1970 in den verschiedensten Bereichen zur Anwendung. Dabei ist insbesondere die Nutzung als Schaumlöschmittel bei den Feuerwehren, aber auch die Verwendung in der Produktion von Verpackungen, Antihaftbeschichtungen oder Kosmetika zu nennen.

Der Landkreis Emsland wurde durch das Umweltministerium des Landes Niedersachsen dazu aufgefordert, solche Flächen im Kreisgebiet zu erfassen, für die ein Verdacht für eine Verunreinigung des Untergrundes durch PFAS-haltige Substanzen besteht. Mit der Aufgabe wurde das Sachverständigenbüro Dr. Mark, Dr. Schewe & Partner GmbH (MSP) aus Bochum beauftragt. Während der Ausschusssitzung referierten Dr. Mark über die Ergebnisse seiner Recherchen.

Der Fokus der Untersuchung lag auf Flächen, auf denen eine Brandbekämpfung stattgefunden hat, aber auch auf ehemaligen sowie aktuellen Standorten der Feuerwehren im Emsland. Um den Umfang der PFAS-Belastung quantitativ und qualitativ beziffern zu können, wurden durch den Sachverständigen im Rahmen der Ersteinschätzung die Wahrscheinlichkeit eines Einsatzes PFAS-haltiger Schaumlöschmittel untersucht.

Insgesamt konnten im Emsland über hundert Flächen mit einer potentiellen PFAS-Belastung identifiziert werden, die in die Kategorien geringe, mittlere und hohe Altlastenrelevanz eingeteilt wurden. Der MSP-Untersuchung zufolge wurden bei vornehmlich in Lokalzeitungen durchgeführten Recherchen 106 Brände erfasst, beispielsweise der Großbrand bei der Firma Jansen-Tore im Jahr 1997. (Durch den Brand wurden ca. 10.000 m2 Produktionsfläche sowie 200 m2 Bürofläche vernichtet, ist auf der Firmenhomepage zur Historie des Unternehmens zu lesen.) Die Fälle wurde daraufhin betrachtet, ob bei den Löscharbeiten der Einsatz von PFAS-Löschschäumen in Frage kam. Von den erfassten Ereignissen wurden 44 Fälle als irrelevant oder nicht lokalisierbar eingestuft. In 62 Fällen gab es Anhaltspunkte für die Verwendung von PFAS-Schäumen, 22 davon stufe man als relevante Verdachtsfälle ein, sagte Dr. Mark. In weiteren Untersuchungen soll nun geklärt werden, ob, und ggf. wo Sanierungsbedarf besteht.

Buchcover Die Vergiftung der Welt

Die US-amerikanische Investigativ-Journalistin Mariah Blake beschreibt in ihrem gerade auf Deutsch erschienenen Buch „Die Vergiftung der Welt“ den globalen PFAS-Skandal und zeigt detailliert auf, wie Industrievertreter und Behörden versucht haben, ihn zu vertuschen. Das Buch ist zwar wie eine Kriminalgeschichte mit einigen persönlichen Schicksalen aufgebaut, liefert aber auch viele Fakten zum Einsatz von PFAS-Verbindungen und zum Verständnis des PFAS-Skandals.

In einem Vorwort zum Buch schreibt der deutsche Journalist Daniel Drepper, dass allein in Deutschland mehrere tausend Orte mit PFAS belastet sind. Derzeit werde in der EU erstmals eine weitreichende Beschränkung von PFAS verhandelt, doch Industrievertreter versuchten die zuständigen Politiker seit Jahren mit fragwürdigen Argumenten zu beeinflussen, um die Beschränkungen zu verhindern oder zu verwässern.

In den 1960er Jahren wurden hocheffektive Löschschäume entwickelt, die PFOA (Perfluoroctansäure) und PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) enthielten. Dieser Schaum wurde weltweit zur Brandbekämpfung eingesetzt. Und diese Stoffe sind es, die jetzt den Landkreis Emsland beschäftigen. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Atommüll: Einladung zur öffentlichen Sitzung des Planungsteam Forum Endlagersuche

Am 18. März 2026 findet in der Zeit von 18:30 Uhr bis 21:00 Uhr die nächste digitale öffentliche Sitzung des Planungsteam Forum Endlagersuche (PFE) statt. Schwerpunktthema der Sitzung ist: "Auf dem Weg zum Endlagerstandort mit der bestmöglichen Sicherheit ­– Erkundungsmethoden im Fokus."

Im ersten Teil der Sitzung wird Lukas Pollok von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) nach einer Einführung durch Dr. Elisa Akansu (PFE) verschiedene Erkundungsmethoden sowie deren Stärken und Grenzen vorstellen.

Im zweiten Teil wird anknüpfend an die Diskussion auf dem 4. Forum Endlagersuche im November 2025 und der öffentlichen Sitzung des PFE vom 25.02.2026 noch einmal die Frage der Notwendigkeit von Erkundungsbergwerken im Standortauswahlverfahren diskutiert. Dazu werden, nach einem Input von Andreas Fox (PFE), verschiedene Perspektiven auf das Thema u.a. durch Wolfgang Ehmke (Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e. V.) betrachtet.

Eine Anmeldung zur Veranstaltung ist nicht nötig. Sie finden die Einwahldaten sowie die Agenda zum Termin ab Mittwoch, den 18.03.2026 hier. Der digitale Sitzungsraum wird bereits um 18:20 Uhr geöffnet. Bis 18:30 Uhr besteht die Möglichkeit, an einer kurzen Einführung in das Standortauswahlverfahren und die Arbeit des Planungsteam Forum Endlagersuche teilzunehmen. Um 18:30 Uhr beginnt die reguläre Sitzung. [PM Base]

Kraniche legen Zwischenstopp im Emsland ein

Kraniche auf einem abgeernteten Maisfeld in Neudörpen

Schon seit Anfang Februar sind Kraniche auf dem Weg in ihre Brutgebiete. Die meisten der rund 400.000 Kraniche, die von Südwesten kommen, ziehen über Deutschland hinweg in ihre Sommerquartiere nach Skandinavien und ins Baltikum, erfährt man auf der Nachrichtenseite des WDR.

Zurzeit machen einige Kranichfamilien offenbar einen Zwischenstopp im nördlichen Emsland.

Kraniche bei Neudörpen
Kraniche beim Start

So konnte man gestern drei Kleingruppen der Tiere auf den Äckern in der Nähe der Wippinger Dever südlich von Neudörpen sehen, bzw. zunächst ihre lauten Trompetengeräusche hören. Allerdings sind die durchziehenden Kraniche relativ scheu und starten bei Annäherung von Menschen. In der Nacht lagen die Temperaturen laut DWD-Wetterstation Dörpen wieder bei minus 1,5 °C. Kälte sei für Kraniche aber kein größeres Problem, erfährt man im WDR-Bericht weiter. Anders als eine geschlossene Schneedecke, weil sich die Vögel im Winter unter anderem von Mais- und Getreideresten ernähren, die dann schwerer zu finden seien. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Suche nach Atommüll-Endlager: Kein zeitliches Ziel mehr?

Das Bundesumweltministerium hat einen Referentenentwurf für eine Novelle des Standortauswahlgesetzes erstellt. In dem Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums steht kein Zieldatum mehr bis zu dem ein Standort für ein Endlager für Atommüll gefunden sein soll. Das berichtete heute der NDR. Der Referentenentwurf liege dem ARD-Hauptstadtstudio vor. [jdm]

Keine EU-Subventionen für Atomkraft!

Europa hat die Chance und die Pflicht, seine Energieversorgung vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Doch im mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der Europäischen Union wird nun die Tür für die Subventionierung von Atomkraft weit geöffnet:

Milliarden an EU-Geldern könnten in neue Atomprojekte – auch für so genannte Klein- und Mini-AKW (SMR) – fließen. Unter der CDU-Kanzlerin Merkel wurde der Atomausstieg beschlossen, und in den letzten Jahren hat die Ampelregierung die Energiewende erfolgreich vorangetrieben. Mit dem MFR droht nun jedoch, dass deutsches Steuergeld indirekt wieder in Atomprojektefließt.

Der mehrjährige Finanzrahmen (MFR) ist ein langfristiger Haushaltsplan, der die finanziellen Obergrenzen der Europäischen Union für einen Zeitraum von in der Regel sieben Jahren festlegt. Er bildet die Grundlage für die jährlichen Budgets der Europäischen Union. Der nächste MFR mit der Laufzeit 2028–2034 wird derzeit verhandelt.

In den vergangenen Jahren ist es der Atomlobby, die u. a. in der Europäischen Nuklearallianz eng vernetzt ist, mit Druck der europäischen Atomstaaten – allen voran Frankreich – gelungen, Atomkraft wieder salonfähig zu machen.

Und so soll im kommenden MFR erstmals wieder Atomkraft direkt gefördert werden. Vor allem die viel beachteten Small-Modular-Reaktoren (SMR). Dass diese bisher nur auf dem Papier existieren, interessiert dabei erst einmal nicht. Trotz jahrzehntelanger Forschung scheitern SMR immer wieder an technischen und sicherheitstechnischen Hürden. Dennoch sollen sie jetzt als „Innovation“ gefördert werden.

Auch Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) macht sich stark für fossile und nukleare Energien. Ihr Einsatz für die Nutzung von Gaskraftwerken ist schon bekannt. Auf der Münchener Sicherheitskonferenz trat sie gemeinsam mit dem Cheflobbyisten der internationalen Atomenergie-Agentur (IAEO), Rafael Grossi, auf. Kernenergie bedeute auch Energiesicherheit, „technologische Diversifizierung ist der Schlüssel“, sagte die CDU-Politikerin beim „Energy Security Hub“ der BMW-Stiftung im Rahmen der Münchener Sicherheitskonferenz. Ins Spiel gebracht wurde von Reiche der Bau von kleinen Kraftwerken (SMR). Gleichzeitig plant sie, die feste EEG-Einspeisevergütung für kleine Photovoltaik-Anlagen bis 30 kW abzuschaffen.

Die Antiatomorganisation ausgestrahlt ist der Auffassung, dass jeder Euro, der in Atomprojekte fließt, für den dringend benötigten Ausbau erneuerbarer Energien fehlt. Atomillusionen lenkten von echten Lösungen ab.

In einer Petition wird die Regierung unter Bundeskanzler Merz aufgefordert, die Förderung von SMR und anderen Atomprojekten zu verhindern. Es dürfe keine Gleichsetzung von Atomkraft und Erneuerbaren geben. Die Bundesregierung müsse klare Kante zeigen: Keine EU-Subventionen für Atomkraft! [jdm/ausgestrahlt]

Klage gegen niedersächsisches Verbot neuer Torfabbaugenehmigungen unzulässig

Das Bundesverfassungsgericht hat die Verfassungsbeschwerde eines Torfabbauunternehmens gegen das Torfabbauverbot in Niedersachsen nach dem Niedersächsischen Klimagesetz für unzulässig erklärt (1 BvR 2681/24).

Das Bundesverfassungsgericht verweist in seiner Begründung ausdrücklich darauf, dass der Landtag mit Verweis auf die vielen noch laufenden Bestandsgenehmigungen das sanfte Auslaufen für verhältnismäßig gehalten hat, hebt Niedersachsens Umwelt- und Klimaschutzminister in einer Pressemitteilung des Umweltministeriums hervor. Auch hat das betroffene Unternehmen noch eine Reihe von Torfabbaugenehmigungen, die unangetastet bleiben. Ferner bestätigt das Bundesverfassungsgericht in seiner Begründung, dass der Klimaschutz als Verfassungsrang einen Eingriff in die Berufsfreiheit durchaus rechtfertigen kann, wird weiter erläutert.

Das Urteil mit Begründung findet man hier: https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2025/12/rk20251216_1bvr268124.html?nn=68080. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Nutrias auch über Tag auf Futtersuche

Von Nutrias aufgewühlte Erde

Die anhaltenden winterlichen Bedingungen erschweren offenbar zunehmend die Futtersuche der Nutrias. Während man die Tiere sonst in der Regel tagsüber nur im Wasser schwimmen sieht, kann man sie nun auch gelegentlich am helllichten Tag in der Nähe von Gewässern laufen sehen. Zurzeit scheinen sich die Tiere vornehmlich mit Eicheln zu versorgen. Diese liegen in der Regel relativ leicht auffindbar unmittelbar unter dem Laub der Bäume. So kann man unter Eichenbäumen vereinzelt umgewühlte Laubflächen von mehreren Quadratmetern vorfinden, beispielsweise am Seitenkanal nördlich der Neudörpener Straße in Dörpen. (Hier suchen allerdings auch Biber nach Futter, weswegen die aufgewühlten Flächen nicht nur den Nutrias zuzuordnen sind.)

Überfahrener Nutria

Ebenso findet man durchwühlte Flächen unter den Eichen an der Straße entlang der Bäke (Wippinger Dever) südlich von Neudörpen. Auf dem Weg zu den Bäumen müssen die an dem Gewässer lebenden Tiere allerdings die Straße überqueren. Das ist offenbar einer großen Nutria zum Verhängnis geworden, denn das Tier lag gestern tot auf der Straße. Da aus dem Kopf Blut ausgetreten war, darf man davon ausgehen, dass es überfahren wurde. Mit einer Körperlänge von ca. 55 cm war die Nutria ein relativ großes Exemplar, denn die Maximalkörperlänge beträgt in der Regel 60 cm bis 65 cm.

Nutrias unterliegen in Niedersachsen übrigens dem Jagdrecht und zählen somit zu den jagdbaren Tieren. Auch im Straßenverkehr verendete Tiere (Fallwild) gehören rein formal dem Jagdpächter. Und der sollte die auf Straßen verendeten Nutrias auch bei der Meldung seiner Jagdstrecke angeben. Laut dem Landesjagdbericht Niedersachsen 2024/2025 betrug der Anteil des Fallwildes bei Nutrias lediglich 428 von insgesamt 53.320 gemeldeten Tieren, was weniger als ein Prozent entspricht. Dies lässt Zweifel daran aufkommen, ob die Mehrzahl der im Straßenverkehr umgekommenen Tiere tatsächlich von der Statistik erfasst wird. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Am Dörpener Spieksee entsteht eine Flachwasserzone

Am südöstlichen Ende des Spieksees östlich des Wehrarms des Dortmund-Ems-Kanals (nicht verwechseln mit dem See in Rhede) wird zurzeit eine Flachwasserzone angelegt. Den Antrag auf Erteilung einer Plangenehmigung nach dem Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) zur Neuanlage eines Kleingewässers hat der Angelsportverein Dörpen e.V. gestellt. Antragsverfasser ist der Angelfischerverband im Landesfischereiverband Weser-Ems e.V.

Auf dessen Homepage findet man weitere Erläuterungen zur Baumaßnahme:
In dem Bodenabbaugewässer fallen die Ufer größtenteils sehr steil ab und es fehlen wichtige Flachwasserbereiche, in denen sich Makrophyten ansiedeln können und für Laich- und Aufwuchsgebiete für Fische und Amphibien sorgen können. Durch diese Funktionen sind Flachwasserbereiche so wichtig für die aquatische Artenvielfalt.

Am Spieksee mit wenig Flachwasserbereichen bietet sich die Möglichkeit zur Herstellung einer ausgedehnten Flachwasserzone am südöstlich gelegenen Ufer zur Förderung von Flora und Fauna. Im Fokus stehen dabei vor allem Aspekte des Fischarten- sowie Amphibienschutzes. Aufgrund der geringen Trübung des Gewässers wird die Förderung von Wasserpflanzen angestrebt. Durch die geringe Tiefe erwärmt sich die Flachwasserzone bereits im Frühjahr deutlich schneller als tiefere Bereiche des Sees und bietet wertvolle Laich- und Aufwuchshabitate mit gutem Nahrungsangebot für verschiedene Fischarten. Dem vor Ort ausgehängten Plan ist zu entnehmen, dass die Flachwasserzone maximal etwa 50 m lang und 30 m breit sein wird.

Weitere Informationen zum Kleingewässerprojekt des Angelfischerverbands und seiner Mitgliedsvereine findet man auf der Homepage des Verbandes. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Schlachthof Elsfleth: Staatsanwaltschaft stellt Verfahren wegen übler Nachrede gegen Tierschützer ein

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat ein Verfahren gegen die Tierschutzorganisation Aninova wegen übler Nachrede eingestellt. Mitglieder der Organisation hatten im Herbst 2024 Verstöße im Schlachthof Elsfleth mit versteckten Kameras dokumentiert und veröffentlicht. Bei der Veröffentlichung hatten die Tierschützer auch scharfe Kritik an der Arbeit eines amtlichen Tierarztes geübt. Dies und mehr berichtete die Nordwest-Zeitung.

Die Tierschutzorganisation Aninova hat eine Pressemitteilung veröffentlicht, nach der der Schlachthof Elsfleth (Landkreis Wesermarsch) „offenbar dauerhaft geschlossen“ bleibt. Eine Wiedereröffnung werde es nach aktuellem Stand nicht geben. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg (AZ 1106 Js 74112/24) ermittele weiterhin wegen Tierquälerei auf Grundlage der von Aninova veröffentlichten Videoaufnahmen aus dem Betrieb, berichtet Aninova.

Ausgangspunkt der Ermittlungen war laut Aninova eine Strafanzeige des Zweckverbands Veterinäramt JadeWeser. Dieser hatte Anzeige erstattet, nachdem Aninova in einer Pressemitteilung erklärt hatte, dass das Bildmaterial aus dem Schlachthof Elsfleth belege, dass ein amtlicher Tierarzt bei massiven Tierschutzverstößen nicht eingeschritten sei. Mehr liest man hierzu in der Aninova-Pressemitteilung. [HM/gruenealternative.de/forum-d]

Saatgans vom Seitenkanal nicht an Vogelgrippe erkrankt

Die am südlichen Ende des Seitenkanalabschnitts südlich der Neudörpener Straße im Gebiet der Gemeinde Dörpen vorgefundene Gans war nicht an der Vogelgrippe erkrankt. Das hat die vom Landkreis Emsland veranlasste Untersuchung ergeben. Weitere Untersuchungen wurden an dem Tier nicht vorgenommen, so dass keine Ursache für die Schwäche und den Tod angegeben werden kann.

In unserem Beitrag vom 19. Januar 2026 haben wir schon auf mögliche Verwechslungen zwischen Waldsaatgänsen und Tundrasaatgänsen hingewiesen. Bis vor einigen Jahren wurden diese Gänse zusammen als Saatgänse geführt. Nach den uns vorliegenden Bestimmungsregeln und nach Rücksprache mit einemExperten haben wir die Gans den Waldsaatgänsen zugeordnet.

Die Tundrasaatgans (Anser serrirostris) ist im Vergleich zur Waldsaatgans (Anser fabalis) kleiner und gedrungener. Der Hals ist kurz und hellbraun, bei der Waldsaatgans ist er dagegen etwas länger und schlanker. Auch diese Merkmale sprachen vor Ort für eine Waldsaatgans.

Der Fundort im nördlichen Emsland würde zwar für eine Tundrasaatgans sprechen, da Waldsaatgänse in Niedersachsen recht selten sind. Tundrasaatgänse sind dagegen in den Landkreisen Cloppenburg und Emsland weit verbreitete Wintergäste, die tagsüber auf Stoppeläckern nach Nahrung suchen und sich nachts zumeist in den wiedervernässten Mooren der Region aufhalten. Hierauf weist der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hin.

Dies schließt aber die Anwesenheit von Waldsaatgänsen im Emsland nicht aus, wie die Veröffentlichung „Seltene Vogelarten in Niedersachsen und Bremen 2018–2022 – 6. Bericht der Avifaunistischen Kommission Niedersachsen und Bremen (AKNB)“ zeigt. Hier wird eine ganze Reihe von Waldgansnachweisen für Niedersachsen aufgelistet, z. B. auch in Rhauderfehn. Der NABU bietet „Steckbriefe“ für beide Saatgansarten an: Waldsaatgans und Tundrasaatgans. [HM/gruenealternative.de/forum-d]

Waldsaatgans verendet am Seitenkanal

Am südlichen Ende des Seitenkanalabschnitts südlich der Neudörpener Straße im Gebiet der Gemeinde Dörpen haben wir am Freitag eine Waldsaatgans vorgefunden, die kaum noch Lebenszeichen von sich gab. Das stark geschwächte Tier veränderte nur noch die Position seines Kopfes und zeigte ansonsten, auch bei Annäherung, keine Reaktionen; am nächsten Tag war es verendet.

Offensichtlich wurde der Kadaver erst in der Nacht von Sonntag auf Montag von Aasfressern entdeckt, denn heute waren Federn aus dem Körper der Gans gerupft und ein Auge ausgehöhlt worden. Man darf wohl annehmen, dass Krähen dafür verantwortlich waren.

Eine Anfrage beim Landkreis Emsland ergab, dass wegen der vorherrschenden Vogelgrippe eine Untersuchung der Gans vorgenommen werden sollte. Dazu kam ein Mitarbeiter des Veterinäramtes am Vormittag zum Fundort und entnahm eine Probe aus dem Rachen der Gans. Der Kadaver wurde in einen Plastiksack verstaut und zur Entsorgung mitgenommen. Über das Ergebnis der Untersuchung werden wir berichten.

Im Emsland ist die Waldsaatgans relativ selten anzutreffen. Dem Bericht „Gänsemonitoring und Gänsemanagement in Niedersachsen“ des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) aus dem Jahr 2023 kann man entnehmen, dass Waldsaatgänse in Deutschland regelmäßig in den nordöstlichen Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg überwintern. Westlich der Elbe tritt die Art nur vereinzelt auf. Bei der Interpretation der Daten sei aber auch zu berücksichtigen, dass die Art bestimmungskritisch sei und teilweise nur die Art(-engruppe) „Saatgänse spec.“ gemeldet wurden.

Hiermit dürfte gemeint sein, dass die Waldsaatgans und die Tundrasaatgans verwechselt werden könnten. Bei genauer Betrachtung unterscheiden sich die beiden Gänsearten aber im Erscheinungsbild. Die Tundrasaatgans ist kleiner mit einem gedrungeneren Körperbau und sie hat nur eine schmale orange Zeichnung am Schnabel. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Konzernatlas 2026: Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie

In der Landwirtschaft nennt es sich "Strukturwandel", wenn große Höfe immer größer werden, während kleine Höfe zunehmend verschwinden. Auch im Lebensmittelhandwerk werden traditionelle Handwerksbäckereien zunehmend von industriellen Strukturen verdrängt. Seit 1998 hat sich die Zahl der Bäckereibetriebe mehr als halbiert. Landwirtschaftliche Betriebe und das Handwerk sind nicht frei in ihren Entscheidungen. Große Konzerne prägen die Art, wie produziert wird und welche Auswirkungen die Produktion auf das Klima und die Artenvielfalt hat bis hin zu den weltweiten Arbeitsbedingungen in der Lebensmittelindustrie.

Mit dem Konzernatlas 2026 öffnet sich ein Blick hinter die Fassaden unseres modernen Ernährungssystems – dort, wo wenige große Agrar- und Lebensmittelindustrie-Konzerne entscheiden, wie, wo und mit welchen Folgen Nahrung für uns alle produziert wird. Diese Publikation lädt dazu ein, die uns oft verborgenen Verflechtungen zwischen Marktmacht, Preisbildung, Umweltbelastungen, Gesundheit und Klimawandel zu erkunden und neu zu denken. 

Der Konzernatlas macht erfahrbar, wie wenige Global Player entlang der Wertschöpfungskette von Saatgut über Futtermittel bis zum Supermarktregal den Takt vorgeben – und welche Folgen das für ökologische Vielfalt, Böden, Wasser und soziale Gerechtigkeit hat. Diese Dynamik wird nicht nur mit Zahlen untermauert, sondern in lebendigen Texten und Grafiken greifbar.

Möchten Sie verstehen, wie unser Essen politisch und ökologisch verhandelt wird und warum der Weg zu einem resilienten, gerechten Ernährungssystem so dringend ist? Dann lohnt sich ein Blick in diesen Atlas.

Der Konzernatlas 2026 ist ein Kooperationsprojekt des BUND mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre. [PM/jdm]

Torfabbau in Esterweger Dose: Land verklagt Unternehmen

Das Land Niedersachsen hat gegen das Unternehmen Klasmann-Deilmann aus Geeste wegen möglicherweise unrechtmäßig abgebauter Torfmengen in der Esterweger Dose eine Schadensersatzklage eingereicht. Das berichtete die Ems-Vechte-Welle mit Bezug auf die Neue Osnabrücker Zeitung.

2020 habe der Landkreis Emsland festgestellt, dass Torf fehle und daraufhin den Abbau im betroffenen Gebiet gestoppt. 19.800 Kubikmeter Torf könnten demnach fehlen. Der NDR erklärt die Hintergründe in Norddeutschland kompakt. Danach hat das Unternehmen bis Anfang Februar Zeit für eine Stellungnahme. Das Land fordert lt. NDR Schadenersatz in Höhe von 4,5 Millionen Euro.

Beim Landkreis Emsland als Genehmigungsbehörde läuft „ein sogenanntes hoheitliches straf- und ordnungsrechtliches Verfahren gegen das Unternehmen Klasmann-Deilmann wegen eines möglichen Umwelt-Verstoßes gegen die Genehmigung und das Naturschutzgesetz“, hat die Nordwest-Zeitung aus Oldenburg vom Umweltministerium in Hannover erfahren. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Nutrias haben Kälte offenbar überstanden

Nutria auf Eis, Seitenkanal Dörpen, 11.Januar 2026
Nutria auf Eis, Seitenkanal Dörpen, 11.Januar 2026

Nutrias lebten ursprünglich in den gemäßigten Klimazonen Südamerikas. Kalte Winter und ein geringes Nahrungsangebot führen immer wieder zum Rückgang von Populationen. Wie sich ein kalter Winter auf den Zustand der Nutriapopulation auswirkt, kann man mit einem Abgleich von Jagdstrecke und Temperaturen nachvollziehen. Allerdings muss dabei bedacht werden, dass das Jagdjahr den Zeitraum vom 1. April bis zum 31. März des Folgejahres umfasst.

So wurde im Landesjagdbericht 2023/2024 für den festgestellte Rückgang der Jagdstrecke die starke Frostperiode im Februar/März 2021als Ursache diskutiert. Im März 2021 wurde an der Wetterstation Dörpen aber „nur“ minus 6,1 °C am Boden gemessen. Im Januar 2021 waren es am Boden minus 8,3 °C (-6,2 °C in Höhe 8 Meter). Im Januar 2024 lagen die Temperatur am Boden an mehreren Tagen bei minus 10 °C, am 18. Januar bei minus 12,3 °C. Der Landesjagdbericht 2023/2024 verzeichnet für das Emsland aber eine hohe Nutriastrecke von 6919, und im Bericht 2024-2025 waren es 7.835 Tiere.

Nutrias an der Wippinger Dever

Ob sich die vergangenen Frosttage negativ auf die Nutriapopulation auswirkt, bleibt also abzuwarten. Interessant erscheint uns dabei, wie sich die Unterschiede zwischen der Temperatur in 8 Meter Höhe und der Temperatur am Boden entwickelten. An den ersten Januartagen lag die Tagestiefsttemperatur am Boden unter der Temperatur in 8 Meter Höhe. Vom 9. bis zum 12. Januar war es in 8 Meter Höhe allerdings kälter als am Boden. Extrem war der Unterschied am 11. Januar, denn hier betrug die Niedrigsttemperatur in der Höhe 8 Meter minus 12,6 °C, am Boden aber „nur“ minus 5,7 °C. Hinzu kommt noch die isolierende Wirkung einer Schneedecke, wie sie am Ufer der Wippinger Dever vorhanden war. Damit dürfte die Temperatur in den Nutriahöhlen trotz Lufttemperaturen unter minus 10 °C kaum unter 0 °C gefallen sein.

Allerdings finden Nutrias im gefrorenen Boden nur erschwert Nahrung. Neben der Kälte kann sich also auch der Futtermangel auf die Population auswirken. Und bei der Futtersuche sind die Tiere den niedrigen Temperaturen mit kalten Winden direkt ausgesetzt. Zudem sind Wurzeln im Boden gefroren und von den Tieren kaum auszugraben, also brauchen sie mehr Zeit zur Futtersuche. Dabei schützt das Fell den größten Teil des Körper gut gegen die Kälte, aber die empfindlichen Schwimmhäute zwischen den Zehen, der ungeschützte, nackte Schwanz und die Ohren können gefrieren und damit dauerhafte Schäden zur Folge haben.

Es bleibt also abzuwarten, wie die Nutrias die vergangenen Wintertage überstanden haben. Allerdings haben wir auch nach den Frosttagen Tiere auf der Wippinger Dever schwimmen sehen, wohl aber weniger, als in den Monaten zuvor. Sie sind also noch da – in welcher Anzahl, bleibt abzuwarten. Rückschlüsse kann man evtl. aus den Streckenzahlen des nächsten Landesjagdberichtes ziehen. [HM/gruenealternative.de/forum-d]

Jagd: Notzeit in Aurich – Gesellschaftsjagd in Neubörger

Gänse bei Neubörger

Angesichts der in weiten Teilen Niedersachsens vorherrschenden winterlichen Witterungsbedingungen, die in einigen Regionen auch zu extremem Verhältnissen führten, bat die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. um besondere Umsicht, Verantwortungsbewusstsein und konsequent situationsbezogene Entscheidungen bei der Jagdausübung vor Ort. Der Kreisjägermeister des Landkreises Aurich hatte am 08.01.2026 sogar die „Notzeit“ gemäß § 32 Absatz 1 des Niedersächsischen Jagdgesetzes ausgerufen.

Während der Notzeit ist die Ausübung der Jagd – insbesondere Gesellschaftsjagden – zu unterlassen. „Es ist eine sehr wichtige Auszeit. Die Tiere befinden sich jetzt im Standby-Modus“, hat die Nordwest-Zeitung (NWZ) vom Auricher Kreisjägermeister erfahren. Jede Flucht, jedes Aufscheuchen verbrauche Energie, die kaum wieder aufgefüllt werden könne.

Gänse bei Neubörger

Auch Zehntausende Wildgänse leben zurzeit in einem Energiesparmodus. Werden sie aufgescheucht, steigen sie auf und ziehen weiter. Ruhe für das Wild bedeute am Ende auch weniger Schäden für die Landwirtschaft, berichtet die NWZ weiter. Auch im Landkreis Leer werde wegen der Wetterlage kein Wild gejagt. Die Tiere dürften nicht aufgescheucht werden, weil sie sonst zu hohe Energieverluste erlitten, berichtet der NDR am 09.11.2026.

Das sieht man in Neubörger offenbar anders – hier wurde am Samstag, den 10.01.2025 tüchtig geschossen. Schließlich endet die Jagdzeit am 15. Januar, weshalb der letzte Samstag vor Ablauf der Frist offensichtlich genutzt werden musste. Dazu war die Jagdgesellschaft mit einem von einem Traktor gezogenen Jagdwagen in die Landschaft westlich des Ortes gefahren, wo zurzeit viele Gänse anzutreffen sind.

Gänse bei Neubörger

Nach dem ersten Schuss waren laute Angstschreie der Vögel zu hören. Es folgten fünf bis zehn weitere Schüsse. Das Ergebnis: Mehrere hundert, vielleicht sogar tausende Gänse flogen auf und flüchteten aus dem Schussfeld der Jäger.
Ob die Schützen erfolgreich waren, haben wir nicht erfahren. Die Gänse werden sich die „verbrauchte“ Energie auf dem nächsten Acker wieder anfressen.

Öffentliche Kritik werden die Hobbyjäger auch Neubörger wohl nicht von der Kreisjägerschaft Aschendorf-Hümmling erfahren. Dort hat man zurzeit andere Sorgen: „Veruntreuung? Polizei ermittelt bei der Jägerschaft Aschendorf-Hümmling“, titelte die NOZ am 09.01.2025. Der Jägerschaftsvorsitzende Bernd Sieve habe die Ermittlungen auf Anfrage bestätigt. Einen neuen Stand gibt es in dieser Sache noch nicht, haben wir heute von Polizeisprecher Christopher Degner erfahren. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de]

Erinnerung an Zoo in Logabirum – Tiere hinter Gittern

Ansichtskarte des Zoos Logabirum

Wenn Volksschüler aus Wippingen in den 1960er Jahren mit der Schule einen Ausflug zu einem Zoo machten, war das Ziel in der Regel der Zoo in Logabirum. Logabirum ist ein altes 1973 nach Leer eingemeindetes Dorf. Dort gab es von 1906 bis Ende der 1970er-Jahre einen Zoo, der als „Onkel Heini“ bekannt war. Neben den Tieren des Zoos war der Spielplatz Teil der Attraktion.

Hier gab es exotische Tiere zu sehen – unter den Bedingungen, wie sie früher für Zoos unwidersprochen normal waren. Eine Ansichtskarte des Zoos in Logabirum macht die dortigen Verhältnisse deutlich. Hier gab es den traurigen, in einem engen Käfig gehaltenen Elefanten, der den ganzen Tag den Kopf mit Rüssel hin- und herschlug. In einem wohnzimmergroßen Käfig gingen Löwen und Tiger an den Gitterstäben neurotisch hin- und her. Die Robben hatten die Wahl zwischen einem kleinen Wasserbecken und dem durch einen Zaun begrenzten Betonboden.

In der Erinnerung fällt einem dazu meist die erste Strophe des Gedichtes „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke ein:

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Zoos – auch zoologische Gärten genannt – entstanden meist Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie dienten der Ausstellung von „exotischen“ Tieren und waren eine Zurschaustellung der eroberten Gebiete in den Kolonien der europäischen Staaten. Die ausgestellten Tiere wurden in den Kolonien in freier Wildbahn gefangen und in die Zoos transportiert. Kommerzielle Aussteller, wie Hagenbeck in Hamburg, entwickelten das Konzept des gitterlosen Zoos, in dem die Tiere in einer Umgebung, die an ihre Lebensräume erinnerte, gezeigt wurden.

1909. Kaiser Wilhelm II. im Gespräch mit den Aethiopiern bei Carl Hagenbeck in Hamburg.
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Kaiser Wilhelm II. im Gespräch mit den Aethiopiern bei Carl Hagenbeck in Hamburg.

Die Europäer glaubten sich zu Herrschern der Welt ausersehen und die Zoos wollten die eroberten Länder den Einheimischen als Sensation präsentieren. So verwundert es nicht, dass im Rahmen sogenannter Völkerschauen als „exotisch“ empfundene Menschen zur Schau gestellt wurden. Wikipedia schreibt von 300 verschiedenen nichteuropäischen Menschengruppen, die in „anthropologisch-zoologischen Ausstellungen“ unter starker, Unterhaltungszwecken geschuldeter Verfremdung ihrer Gebräuche im Sinne von Klischeevorstellungen und völkischem Chauvinismus ausgestellt wurden.

Heutige Zoos sehen ihre Hauptaufgaben nicht mehr unter dem Sensationsaspekt, sondern in der Bildung. Zoos sollen nicht mehr der Unterhaltung dienen, aber durchaus noch der Erholung der Besucher. Die Tierhaltung soll der Forschung dienen und dem Natur- und Artenschutz. Es werden keine Tiere mehr der freien Wildbahn entnommen, sondern im Gegenteil sollen Zuchtprogramme zum Erhalt der Arten dienen. Durch Auswilderungen soll der Wildbestand gesichert werden. Dennoch geraten Zoos auch heute in Rechtfertigungsdruck – wie auch die Tierhaltung im Zirkus. Zuletzt geriet der Zoo Nürnberg in Kritik, weil Paviane an die Raubtiere verfüttert wurden. [jdm/Foto (1) Bundesarchiv, Bild 183-R52035 / CC-BY-SA 3.0]

Wasserabfluss im Seitenkanal zurzeit gesichert – Situation an der Wippinger Dever muss genau beobachtet werden

Inseln im Seitenkanal nördlich der Zuleitung der Wippinger Dever
Inseln im Seitenkanal nördlich der Zuleitung der Wippinger Dever

Über die im Seitenkanal Gleesen-Papenburg am Zufluss der Wippinger Dever entstandenen Inseln haben wir wiederholt berichtet. Dabei stand für uns die Frage im Mittelpunkt, ob der Kanalabschnitt zwischen der Neudörpener Straße und dem Mittelweg das aus Entwässerungsgräben in den Kanal eingeleitete Wasser auch zukünftig noch sicher ableiten kann. Dabei wären nach unserer Einschätzung nicht nur übliche Niederschlagsmengen in Betracht zu ziehen, sondern auch die Folgen möglicher Starkregenereignisse zu berücksichtigen.

Auf dieses Thema wird in den Medien und auch in Veröffentlichungen der Landesregierung hingewiesen. So greift das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz die Gefahren durch Starkregen in der neuen Studie „Klimarisikoanalyse für Niedersachsen 2025“ auf. Im Abschnitt 4.3.2 wird erläutert, dass Starkregen überall in Niedersachsen auftreten kann. Dabei können kleinere Fließgewässer schnell anschwellen, sich in reißende Ströme verwandeln und großräumig über die Ufer treten. Durch geringe Fließgeschwindigkeiten und/oder fehlender Entwässerungs- oder Abflussmöglichkeit im Flachland kann das Wasser z. B. auf landwirtschaftlichen Flächen lange stehen und durch Staunässe Schäden an den Pflanzen verursachen. Darüber hinaus können Starkregenereignisse indirekt auch zu erhöhten Stoffeinträgen ins Grundwasser führen. Bedingt durch den Klimawandel wird davon ausgegangen, dass zukünftig mit einer Zunahme von Wetterextremen zu rechnen ist.

Hochwasser an der Wippinger Dever im Jahr 1998
Hochwasser an der Wippinger Dever im Jahr 1998

Diese Erkenntnisse waren für uns vor einigen Wochen Anlass, beim Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände um eine Bewertung der aktuellen Situation im Seitenkanal am Zufluss der Wippinger Dever nachzufragen, da hier der Wasserabfluss offensichtlich durch die entstandene Insellandschaft eingeschränkt ist.
Der Kreisverband hat uns nun mitgeteilt, dass man „im Moment keine Gefährdung für den Wasserabfluss“ sehe, und auch die letzte Gewässerschau habe nichts anderes ergeben. Dennoch sei es richtig, dass die Wippinger Dever in diesem Bereich weiter genau beobachtet werden müsse.
Auf unsere konkrete Frage, ob der Wasserabfluss der Wippinger Dever über den Seitenkanal auch bei einem Starkregenereignis gesichert sei, geht der Kreisverband in seinem Antwortschreiben allerdings nicht ein.

Zur Erinnerung: In einer Vereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Gemeinde Dörpen aus dem Jahr 1967 ist festgelegt, dass die Gemeinde Dörpen für die Folgen der Einleitung der Wippinger Dever in den Seitenkanal verantwortlich ist. Und es wird wohl kaum zu bestreiten sein, dass die Inselbildung im Kanal eine Folge der Einleitung des Entwässerungsgrabens ist, denn dieser führt reichlich Sediment und Treibgut mit sich, das sich dann im Seitenkanal ablagert. Als Beispiele seien hier Ausspülungen von Bisam- und Nutriahöhlen oder ins Wasser geratenes Mähgut von den Grabenseitenflächen genannt.

Treibgut verfängt sich an Ästen, die von den Inseln ins Wasser ragen.
Treibgut verfängt sich an Ästen, die von den Inseln ins Wasser ragen.

Die Folgen dieser Fracht aus der Wippinger Dever ist eine bereits jetzt ca. 150 Meter lange Insellandschaft und eine über zwei Meter hohe Schlammschicht im weiteren Verlauf des Kanals bis zum Mittelweg. Inseln und Schlamm müssten zumindest teilweise entfernt werden, wenn kein ausreichender Wasserabfluss in Fließrichtung des Seitenkanals mehr möglich ist. Doch aufgrund eines vor Jahrzehnten festgestellten Munitionsverdachtes für den Kanalabschnitt dürften Baggerarbeiten wohl kaum ohne eine vorherige Klärung der Ablagerung von Munition im Gewässer vorgenommen werden. Schon diese Munitionssondierung und eine evtl. erforderliche Bergung dürften Kosten verursachen, die die stark verschuldete Gemeinde kaum tragen könnte.

Es ist also an der Zeit, das Problem der Inselbildung im Seitenkanal verbunden mit der Klärung der Gefahren durch Weltkriegsmunition im Seitenkanal anzugehen und Lösungen für die Wasserableitung der Wippinger Dever zu suchen. Ansonsten könnten ein Starkregenereignis oder ein nächstes Hochwasser die Gemeinde unvorbereitet treffen und zumindest für das Umfeld des Seitenkanals östlich von Dörpen schlimmere Folgen nach sich ziehen als das Winterhochwasser 2023/2024. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Krickente ohne typisches Fluchtverhalten auf einem Graben nördlich von Neudörpen

Krickente
Ungewöhnlich: Krickente ohne Scheu auf einem Graben nördlich von Neudörpen

Krickenten sind in den Wintermonaten auf unseren Gewässern keine Seltenheit. In der Regel kann man diese Enten in größeren Gruppen auf breiteren Gewässern, wie dem Seitenkanal Gleesen-Papenburg, beobachten. Allerdings sind die Tiere in der Regel scheu und flüchten oft schon bei einer Annäherung von etwa 50 Metern.

Das Verhalten einer einzelnen weiblichen Ente auf einem schmalen Graben nördlich von Neudörpen gibt jedoch Rätsel auf. Die kleine Ente zeigte kaum Fluchtverhalten. Erst als wir uns ihr auf etwa zehn Meter genähert hatten, schwamm sie etwas beunruhigt auf dem Wasser, entfernte sich aber nicht von der Stelle. 
Stunden später war das Tier an derselben Stelle anzutreffen. Es ruhte mit eingezogenem Kopf am Ufer des Grabens. Wie zuvor schwamm die Ente bei Annäherung ein wenig auf der Stelle, ohne ein typisches Fluchtverhalten zu zeigen. [HM/erstveröffentlicht gruenealternatve.de/forum-d|

Wolfssichtung südlich von Neudörpen

Trittsiegel

Heute Morgen gegen acht Uhr zogen zwei Wölfe entlang der Wippinger Dever südlich von Neudörpen in Richtung Wippingen. Die Tiere überquerten von Westen kommend in einem Abstand von ca. einhundert Meter die K157, liefen dann noch ca. 200 Meter parallel zur Wippinger Dever und hielten sich danach weiter südlich, wie der Fährtenverlauf im weichen Ackerboden zeigte. Man darf also wohl davon ausgehen, dass die Tiere sich nach ihrem nächtlichen Streifzug auf den Rückweg ins Schießgebiet südlich von Wippingen befanden.

Der Routenverlauf entlang der Wippinger Dever könnte ein Anzeichen dafür sein, dass die Wölfe es auch auf Nutrias abgesehen hatten. Die am Wasser lebenden Tiere entfernen sich bei ihrer Nahrungssuche durchaus fünfzig Meter und mehr vom Ufer. Parallel zum Gewässer laufende Wölfe könnten den Nutrias also den Rückweg zum Wasser abschneiden und sie so erbeuten. Dass Nutrias zum Beutespektrum der Wölfe gehört, wurde vielfach nachgewiesen und veröffentlicht, so z. B. vom Thünen-Institut für Forstgenetik im Dezember 2024.

Interessant erscheint uns in diesem Zusammenhang auch der Artikel „Woran Wölfe sterben“ auf der Homepage der Leibniz-Gemeinschaft. Seit 2006 werden nahezu alle in Deutschland tot aufgefundenen Wölfe im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) untersucht, um den Gesundheitszustand und die Todesursachen der Tiere zu analysieren. Der tausendste sezierte Wolf hatte eine Nutria verspeist und starb im Verkehr. [HM/gruenealternative.de/forum-d]

Schaumstoff aus Jagdkanzel: Nabu widerspricht Landkreis Emsland

Nicht abgedeckte Kante einer Sandwichplatte an einer Jagdkanzel in den Leher Wiesen
Nicht abgedeckte Kante einer Sandwichplatte an einer Jagdkanzel in den Leher Wiesen

Am 13.11.2025 hat das Forum-D über die Einschätzung des Landkreises Emsland zu Schaumstoffen in der Umwelt berichtet. Anlass der Anfrage bei der Behörde war, dass offenbar Tiere eine größere Menge Schaustoffpartikel aus nicht abgedeckten Sandwichplatten an zwei Jagdkanzeln in den Leher Wiesen gekratzt oder gepickt hatten. Am Boden unterhalb der Kanzeln waren Schaumstoffstücke mit einer Länge, bzw. einem Durchmesser von bis zu zwei Zentimetern zu sehen; kleinere Partikel dürfte der Wind in die Landschaft getragen haben.

Nach Ansicht der Experten des Landkreises Emsland stellen diese Partikel kein Problem dar. Aus abfall- und bodenschutzrechtlicher Sicht gebe es keine Umstände, die zu einer Beeinträchtigung von Wirkungspfaden führen würden, hatte uns der Landkreis auf unsere Anfrage mitgeteilt.

Der Naturschutzbund NABU kommt allerdings zu einer anderen Einschätzung. Man verweist darauf, dass Schaumstoff in der Regel aus verschiedenen Kunststoffen bestehen, die in der Natur nicht biologisch abbaubar sind. Gelangen diese Schaumstoffe in die Umwelt und zersetzen sich dann in kleinere Bestandteile, so können sie sich beispielsweise als Mikroplastik negativ auf die Natur auswirken.

Aber auch größere Stücke von Schaumstoffen können in der Natur zu einem Problem werden, stellt der NABU weiter fest. Wenn Vögel etwa mit Schaumstoffstücken ihre Nester in größerer Menge auspolstern, könnte das den Feuchtigkeitsaustausch behindern und möglicherweise zu Schimmelbildung führen. Dies würde sich insbesondere auf die Küken auswirken. Grundsätzlich sollte deshalb der Zugang zu Schaumstoffen für Tiere möglichst verhindert werden.
Grundlegende Informationen zu Mikroplastik findet man auf der NABU-Webseite. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Jagdunfall in Großefehn: Spaziergänger bei Treibjagd von Schrotkugeln getroffen

Bei einer Treibjagd im ostfriesischen Großefehn wurden am 22.11.2025 zwei Spaziergänger durch Schrotmunition leicht verletzt. Gegen 11:45 Uhr, spazierten eine 42-jährige Frau sowie ein 45-jähriger Mann mit ihrem Hund im Bereich Verlorenenweg in Großefehn, als sie nach einem Schuss Schmerzen bemerkten. Vor Ort stellte die Polizei fest, dass eine Treibjagd stattfand. Eine beteiligte Jägerin räumte ein, den Schuss abgegeben zu haben. Ihre waffenrechtlichen Unterlagen sowie das Schrotgewehr wurden kontrolliert. Gegen die 40-Jährige wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung ermittelt. (Quelle Polizeiinspektion Aurich/Wittmund)

Die Ermittlungen der Behörden können sich bei Jagdunfällen in die Länge ziehen, wie zwei weitere Fälle zeigen. Zu einem ähnlichen Jagdunfall kam es am 07.12.2024 bei Barßel/Harkebrügge im Landkreis Cloppenburg. Bei einer Treibjagd war eine Frau auf dem Grundstück vor ihrem Haus mit Schrot beschossen worden; sie musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Anfang Januar 2025 wurde ein Jäger bei Ruchow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) bei einer Ansitzjagd auf einem Hochsitz erschossen. Der Schuss wurde von einem befreundeten Jäger aus etwa 200 Metern Entfernung von einem anderen Hochsitz abgegeben und traf den Jagdkollegen in den Hals. Die Jäger waren gemeinsam aus dem Landkreis Cloppenburg zur Jagd nach Mecklenburg-Vorpommern angereist.
Auch in diesem Fall dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Schwerin noch an. Der NDR hat wiederholt hierüber berichtet, z. B. hier. [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]

Meeresspiegelanstieg bedroht Nordseeküste stärker als erwartet

Das Wattenmeer der Nordsee besteht aus flachen Küstenbuchten, sogenannten Tidebecken. Diese Becken haben eine wichtige Funktion: Sie schützen die Küsten vor Überschwemmungen, zum Beispiel durch Sturmfluten und den steigenden Meeresspiegel. Eine neue Studie des Helmholtz-Zentrums Hereon zeigt, dass die meisten Tidebecken in der Deutschen Bucht nicht mehr über ausreichend Sedimente verfügen, um den Anstieg des Meeresspiegels auszugleichen.

„Die Sedimentation in den deutschen Tidebecken ist nicht mehr ausreichend, um den steigenden Wasserständen entgegenzuwirken”, sagt der Geophysiker und Co-Autor Dr. Wenyan Zhang. Nur 9 der 24 vorhandenen Becken in der Deutschen Bucht zeigten über den Untersuchungszeitraum von 1998 bis 2022 eine Höhenzunahme, die den relativen Meeresspiegelanstieg übertraf. (Quelle und mehr: Helmholtz-Zentrum Hereon über Informationsdienst Wissenschaft e. V.) [HM/erstveröffentlicht auf gruenealternative.de/forum-d]