{"id":3288,"date":"2020-05-12T22:57:45","date_gmt":"2020-05-12T20:57:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hallo-wippingen.de\/wp\/?p=3288"},"modified":"2020-05-17T23:20:52","modified_gmt":"2020-05-17T21:20:52","slug":"jens-spahn-will-pharmakonzerne-zu-krisengewinnern-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hallo-wippingen.de\/wp\/2020\/05\/jens-spahn-will-pharmakonzerne-zu-krisengewinnern-machen\/","title":{"rendered":"Jens Spahn will Pharmakonzerne zu Krisengewinnern machen"},"content":{"rendered":"\n<p> &#8222;Und wir wollen finanzielle Anreize setzen, um die Produktion wichtiger Wirkstoffe wieder nach Europa zu verlagern,&#8220;  <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"sagte Gesundheitsminister Jens Spahn heute (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/eu-spahn-anreize-fuer-arzneimittelproduktion-in-europa-schaffen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200512-99-29282\" target=\"_blank\">sagte Gesundheitsminister Jens Spahn heute<\/a>. Dies solle ein Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspr\u00e4sidentschaft werden. Damit hat er seinen Plan ver\u00f6ffentlicht, die Coronakrise zum Vorwand zu nehmen, um auch die Pharmaindustrie, die die Krankenkassen und ihre Versicherten seit Jahrzehnten ausgepl\u00fcndert hat und auf gehortetem Geld sitzt, zu einem Krisengewinnler zu machen. <!--more--><\/p>\n\n\n\n<p>Deutschland galt Jahrzehnte lang als Hochpreisland f\u00fcr Medikamente. Sobald ein Medikament seinen Patentschutz verloren hatte, wurde das Medikament durch eine geringf\u00fcgige \u00c4nderung der Rezeptur, die keinerlei Verbesserung brachte, als neues Medikament zu einem hohen Preis auf den Markt gebracht und gegen die Vorg\u00e4ngerversion ausgetauscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz sollte dieser Praxis ein Ende bereiten. Zum Teil scheint dies gelungen zu sein, weil das Gesetz auch eine Pr\u00fcfung des Nutzens vorsieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt hat sich die Pharmaindustrie deshalb eine neue Geldmaschine zurecht gebastelt. <\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Drittel aller Arzneimittel, die derzeit entwickelt werden, zielen auf den Spezialmarkt f\u00fcr seltene Krankheiten oder Krebsmittel. Vor zehn Jahren waren die zehn gr\u00f6\u00dften Umsatzbringer noch Arzneien aus dem Niedrigkosten-Sektor f\u00fcr die Grundversorgung. Diese Premium-Arzneien, die 100 Euro oder mehr je Packung kosten, sind jetzt der Renner und unser Gesundheitssystem wird mit den erprobten Methoden der Pharmaindustrie dazu gebracht, diese Medikamente massenhaft zu verschreiben. Wir haben auf <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Hallo-Wippingen.de am 17.09.2019 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.hallo-wippingen.de\/wp\/2019\/09\/teure-medizinische-entwicklungen-verschaerfen-ungleichheit\/\" target=\"_blank\">Hallo-Wippingen.de am 17.09.2019<\/a> \u00fcber das Medikament \u201eZolgensma\u201c berichtet, das pro Dosis zwei Millionen Dollar kosten soll und dem Schweizer Konzern Novartis pro Jahr 2,8 Mrd. \u20ac Umsatz bringen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>An den Medikamenten, die wir brauchen, <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"wie z. B. Antibiotika, wird nicht mehr geforscht (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/105955\/Entwicklung-von-Antibiotika-fuer-Pharmaunternehmen-wenig-lukrativ\" target=\"_blank\">wie z. B. Antibiotika, wird nicht mehr geforscht<\/a>. So wurden nach dem Ende der letzten Corona-Sars-Epidemie alle Forschungen an einem Corona-Impfstoff und auch die staatlichen F\u00f6rderungen abrupt eingestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gelder der Krankenversicherungen gehen somit zu einem gro\u00dfen Teil direkt an die Konzerne, dienen aber nicht unbedingt den Erfordernissen unseres Gesundheitssystems bzw. der Kranken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Forschung an Medikamenten lassen sich die Unternehmen zum Gro\u00dfteil vom Staat bezahlen. Praktisch l\u00e4uft dies in Kooperationen mit Universit\u00e4ten durch die sogenannte Drittmittelforschung. Dabei m\u00fcssen sich die Unis f\u00fcr ihre Forschungsprojekte um Gelder vom Staat bzw. den Forschungsorganisationen, wie der Max-Planck-Gesellschaft, bewerben und dabei einen Kooperationspartner aus der Wirtschaft f\u00fcr einen Rest der Kosten nachweisen. Die Konzerne sch\u00f6pfen dann die Ergebnisse f\u00fcr ihre Produktion ab, w\u00e4hrend sich die Professoren wieder auf die Suche nach einem neuen Geldgeber machen m\u00fcssen, statt sich unbehindert der Forschung widmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der Gesundheitsminister jetzt davon redet, die europ\u00e4ischen Pharmakonzerne durch \u201efinanzielle Anreize\u201c dazu bringen zu wollen, wieder in Europa selbst zu produzieren, um die Arzneimittellieferungen sicher zu stellen, dann will er die mit Geld geradezu gem\u00e4steten Pharmakonzerne mit dem R\u00fcckenwind der Coronakrise zu Krisengewinnern machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn er Konzernen Geld gibt, damit sie hier produzieren, werden sie das Geld gerne mitnehmen. Aber alles, was nicht direkt bezuschusst wird und nicht kontrolliert wird, wird nat\u00fcrlich weiterhin dort produziert, wo es am billigsten f\u00fcr die Konzerne ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei g\u00e4be es nat\u00fcrlich auch einen anderen Weg, f\u00fcr Arzneimittelsicherheit zu sorgen, n\u00e4mlich einfach das Ordnungsrecht. Es k\u00f6nnte den Pharmaproduzenten einfach vorgeschrieben werden, dass sie in Europa produzieren sollen. Bei der R\u00fcstung zum Beispiel, bei der Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber Mordwerkzeuge, haben die Bundesregierung und Frankreichs Regierung keine Hemmungen gehabt, dies zu tun. <\/p>\n\n\n\n<p>Und in diesem neoliberalen Staat gibt es keine Hemmungen, z. B. kleinen Gewerkschaften ihre Tarifverhandlungsm\u00f6glichkeiten per Gesetz zu rauben, aber Unternehmen zu einem gesellschaftlich notwendigen vern\u00fcnftigen Verhalten zu zwingen, ist undenkbar. [<em>jdm<\/em>]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Und wir wollen finanzielle Anreize setzen, um die Produktion wichtiger Wirkstoffe wieder nach Europa zu verlagern,&#8220; sagte Gesundheitsminister Jens Spahn heute. Dies solle ein Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspr\u00e4sidentschaft werden. 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