{"id":13253,"date":"2023-07-20T21:58:37","date_gmt":"2023-07-20T19:58:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hallo-wippingen.de\/wp\/?p=13253"},"modified":"2023-07-20T22:16:15","modified_gmt":"2023-07-20T20:16:15","slug":"ukrainisches-getreide-auch-hier-gilt-eskalation-und-tod-oder-verhandlungen-und-ueberleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hallo-wippingen.de\/wp\/2023\/07\/ukrainisches-getreide-auch-hier-gilt-eskalation-und-tod-oder-verhandlungen-und-ueberleben\/","title":{"rendered":"Ukrainisches Getreide &#8211; Auch hier gilt: Eskalation und Tod oder Verhandlungen und \u00dcberleben"},"content":{"rendered":"\n<p>In der Berichterstattung \u00fcber das Getreideabkommen zwischen der Ukraine und Russland gibt es die eine (westliche) Position, dass das Verhindern der Ausfuhr von ukrainischem Getreide durch Russland die \u00e4rmsten L\u00e4nder der Erde in Hunger st\u00fcrzen werde und somit f\u00fcr den Hunger in der Welt verantwortlich sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Gegenposition ist, dass die Getreidelieferungen der Ukraine bei weitem nicht so gro\u00df seien, wie kolportiert werde. Nach den <a href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/black-sea-grain-initiative\/data\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Daten der UN<\/a> gingen nur drei Prozent der unter diesem Abkommen verschifften ukrainischen Getreidelieferungen in die Staaten, die von der Weltbank als arm eingestuft werden. 81 Prozent der Lieferungen gingen nach China und die reichen Staaten des Westens, wo das Getreide meist als Tierfutter genutzt wird. Laut <a href=\"https:\/\/www.worldwildlife.org\/press-releases\/as-much-as-2-6-billion-of-corn-and-soy-never-leaves-us-farms\">WWF<\/a> wurden im letzten Jahr ganze 14 Millionen Tonnen Mais in den USA bereits auf den Farmen vernichtet, weil sich die Ernte und der Export finanziell nicht lohnten. Somit k\u00f6nne man die USA genauso f\u00fcr den Hunger in der Welt verantwortlich machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was ist jetzt richtig? Vermutlich haben alle recht. Beim Export des ukrainischen Getreides kommt es letztlich nicht darauf an, wohin das Getreide exportiert wird. Vielmehr sinken die Weltmarktpreise, wenn ukrainisches Getreide auf den Markt kommt, so dass die armen L\u00e4nder wie bisher die Chance haben, etwas auf dem Weltmarkt zu kaufen. Einen gleichen Effekt kann man nat\u00fcrlich auch erzielen, wenn ein anderes Land Getreide verkauft, z. B. wenn die USA den Mais zu den (niedrigen) Preisen verkaufen, statt ihn zwecks Erh\u00f6hung der Marktpreise auf dem Acker zu vernichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die russischen D\u00fcngemittelexporte und Getreideexporte sind f\u00fcr bezahlbares Getreide auf dem Weltmarkt genauso wichtig, wie die aus der Ukraine. Die Sanktionen gegen Russland sind somit auch Ursache f\u00fcr die hohen Getreidepreise. Man kann Russland Skrupellosigkeit bei der Aussetzung des Getreidedeals vorwerfen; dieselbe Skrupellosigkeit herrscht allerdings auch bei denen, die die russischen Exporte durch Sanktionen behindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Getreide durch den Krieg oder aus Profitgr\u00fcnden vernichtet wird, erh\u00f6ht es jeweils die N\u00f6te der armen L\u00e4nder. Es ist also Heuchelei, wenn Russland f\u00fcr den Hunger allein verantwortlich gemacht wird und gleichzeitig Sanktionen gegen Russland und die kapitalistische Profitmacherei mit Lebensmitteln bei der Kritik au\u00dfen vor bleiben. Nur wenn man beides betrachtet, wird ein Schuh draus.<\/p>\n\n\n\n<p>Worum geht es Russland bei dem Getreideabkommen? Russland m\u00f6chte einerseits die Ukraine vom Geldzufluss durch den Getreideexport abschneiden. Denn die Einnahmen werden ziemlich sicher wieder in Waffenk\u00e4ufe umgesetzt, die sich gegen Russland richten. Au\u00dferdem m\u00f6chte Russland im Gegenzug f\u00fcr das Zulassen von ukrainischen Getreideexporten die Aufhebung der Sanktionen gegen die russische Landwirtschaft (Zulassung von D\u00fcngemittelexporten, Lockerung der Versicherungs- und Hafenzugangsbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr russische Schiffe und Fracht, Abrechnung von Getreideexporten \u00fcber das SWIFT-System).<\/p>\n\n\n\n<p>Was will die Ukraine? Die Ukraine hat derzeit nur noch Einnahmen aus den Agrarexporten. Vor dem Krieg machten sie schon rund 60 Prozent aller Exporte aus. Das Interesse an den Exporten ist somit \u00fcberlebenswichtig. Die USA sind ebenfalls an diesen Exporten interessiert, denn drei US-amerikanische Unternehmen allein besitzen in der Ukraine jetzt mehr Ackerland als das G7-Mitglied Italien; das sind 17 Millionen der rund 60 Millionen Hektar der Ukraine (Gesamtfl\u00e4che des Landes); 28 Prozent der Ukraine sind also US-amerikanisches Eigentum.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die USA springt \u00fcbrigens in jedem Fall ein Gewinn heraus: Wird ukrainisches Getreide exportiert, verdienen ihre Agrarkonzerne; wird Getreide nicht exportiert, k\u00f6nnen ihre Agrarkonzerne die bankrotten Restbest\u00e4nde in der Ukraine noch billiger aufkaufen. Selenskij hat mit seiner <a href=\"https:\/\/taz.de\/Kiew-beschliesst-Bodenreform\/!5676138\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bodenreform im Jahr 2020 gegen den Willen<\/a> der Bev\u00f6lkerung den Ausverkauf der Landwirtschaft an ausl\u00e4ndische Investoren m\u00f6glich gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die westlichen Nachbarl\u00e4nder der Ukraine, Bulgarien, Ungarn, Polen, Rum\u00e4nien und die Slowakei, sperren sich \u00fcbrigens gegen ukrainische Weizenimporte in ihr Land: Sie k\u00f6nnten die Preise verderben und ihre eigene Landwirtschaft sch\u00e4digen.<\/p>\n\n\n\n<p>Welche L\u00f6sungen gibt es?<\/p>\n\n\n\n<p>1. Die milit\u00e4rische L\u00f6sung; Russland droht damit, alle Schiffe, die Odessa anlaufen als potentielle Waffenlieferanten zu betrachten. Westliche Politiker diskutieren die M\u00f6glichkeit eines internationalen Schutzes ukrainischer Schiffe. Also beide Seiten bewegen sich auf eine weitere Eskalation hin, die aber an der so beklagten Hungersituation nichts ver\u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Die Verhandlungsl\u00f6sung: Aus Sicht der betroffenen Menschen in aller Welt kann es nur den Weg der Verhandlungen geben. Ein neues Getreideabkommen zwischen der Ukraine und Russland w\u00fcrde allen Seiten helfen: die Ukraine k\u00f6nnte exportieren und die Landwirtschaft des Landes k\u00f6nnte \u00fcberleben; Russland k\u00f6nnte sein Getreide exportieren und auf dem Weltmarkt erlaubten es die sinkenden Preise allen L\u00e4ndern im bisherigen Rahmen Getreide einzukaufen. [<em>jdm<\/em>]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Berichterstattung \u00fcber das Getreideabkommen zwischen der Ukraine und Russland gibt es die eine (westliche) Position, dass das Verhindern der Ausfuhr von ukrainischem Getreide durch Russland die \u00e4rmsten L\u00e4nder der Erde in Hunger st\u00fcrzen werde und somit f\u00fcr den Hunger in der Welt verantwortlich sei. 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