{"id":10924,"date":"2022-12-02T22:42:35","date_gmt":"2022-12-02T21:42:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hallo-wippingen.de\/wp\/?p=10924"},"modified":"2022-12-02T23:00:03","modified_gmt":"2022-12-02T22:00:03","slug":"geschichtsklitterung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hallo-wippingen.de\/wp\/2022\/12\/geschichtsklitterung\/","title":{"rendered":"Geschichtsklitterung"},"content":{"rendered":"\n<p>1932\/1933 gab es in der Sowjetunion eine Hungersnot, der etwa 7 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind, davon ca. 3,5 Millionen Menschen in der Ukraine, 1,5 Millionen in Kasachstan und zwei Millionen in anderen Teilen der damaligen Sowjetunion.<\/p>\n\n\n\n<p>Hungersn\u00f6te hatte es im Zarenreich und der jungen Sowjetunion mehrfach gegeben, so <a href=\"https:\/\/de.wikibrief.org\/wiki\/Russian_famine_of_1891%25E2%2580%259392\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">1891\/92<\/a>, dann extrem schwere w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs 1918 bis 1920, und weitere in den Jahren 1924\/25, 1927 und 1928\/29. Die landwirtschaftliche Produktivit\u00e4t war so niedrig, dass jede St\u00f6rung der normalen Ernteabl\u00e4ufe ausreichte, um eine Hungersnot auszul\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ziel der jungen Sowjetunion war deshalb die Modernisierung der Landwirtschaft, um das Hungerproblem zu l\u00f6sen. Mit den sehr kleinen Einheiten in der Landwirtschaft war eine Modernisierung nicht machbar. Vorbild der Modernisierung war die gro\u00dffl\u00e4chige sehr produktive Landwirtschaft in den USA, wo gr\u00f6\u00dfere Betriebe den Einsatz von Traktoren und anderen Maschinen erlaubten und eine drastisch erh\u00f6hte Produktivit\u00e4t erlaubten. In der Sowjetunion sollten diese gr\u00f6\u00dferen Einheiten durch den Zusammenschluss der Bauern in Genossenschaften erreicht werden. Gleichzeitig wurden Gro\u00dfbauern zugunsten dieser Genossenschaften und auch zu Gunsten von Staatsfarmen (Sowchosen) enteignet.<\/p>\n\n\n\n<p>In Westeuropa wurden diese gr\u00f6\u00dferen Einheiten \u00fcbrigens in den 1960\/1970er Jahren durch den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mansholt-Plan\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mansholtplan<\/a> der damaligen EWG erzeugt, in dem Kleinbauern durch Lenkung von Subventionen zu gr\u00f6\u00dferen Betrieben und durch flankierende Sozialma\u00dfnahmen zur Aufgabe des Hofes gebracht wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sowjetische Regierung investierte 1928\/29 8,1 Prozent des Nationaleinkommens in die Landwirtschaft, 1930 sogar 12,2 Prozent. Mitten in diesem Prozess wurden 1931\/32 gro\u00dfe Teile der Sowjetunion von einer schweren D\u00fcrre heimgesucht, gleichzeitig kam es in einigen Regionen zu schweren Regenf\u00e4llen und \u00dcberflutungen, die gro\u00dfe Teile der Ernte vernichteten. Beg\u00fcnstigt durch die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Feuchtigkeit, brachen schwere Pflanzenkrankheiten aus, vor allem Rostpilz in mehreren Varianten, Getreidebrand und Mutterkorn. Zus\u00e4tzlich vermehrten sich Sch\u00e4dlinge und alle Arten von Unkraut in Massen. Nach einer sowjetischen Sch\u00e4tzung wurden etwa neun Millionen Tonnen Getreide oder 13\u201320 Prozent der Gesamternte allein durch Getreidebrand und Rostpilz vernichtet. (<a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/312978.der-erfundene-v%25C3%25B6lkermord.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Quelle<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Die sowjetische Regierung erkannte die dadurch drohende Hungersnot nicht sofort. Mitte 1931 bis Mitte 1932 wurden noch 4,7 Millionen Tonnen exportiert, im Folgejahr nur noch 1,6 Millionen, davon nur 220.000 Tonnen im ersten Halbjahr 1933. Die staatlichen Getreidereserven wurden weitgehend f\u00fcr die Ern\u00e4hrung der Bev\u00f6lkerung aufgebraucht, einschlie\u00dflich der Getreidelager der Roten Armee. Insgesamt wurden 5,76 Millionen Tonnen an Nahrung und Saatgut in die Hungergebiete geliefert, die gr\u00f6\u00dfte Hungerhilfe der sowjetischen und russischen Geschichte. \u00dcber die Auswirkungen der Kollektivierung in der Landwirtschaft auf die Hungersnot gibt es unterschiedliche Einsch\u00e4tzungen. In einer Resolution sprach die UNESCO von 2007 von einer &#8222;nationalen Trag\u00f6die des ukrainischen Volkes&#8220;, die aus Stalins Politik der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft resultierte, erw\u00e4hnte aber auch die zahlreichen Opfer in nichtukrainischen Gebieten wie der Wolgaregion, dem Nordkaukasus und Kasachstan, wo vor allem ethnische Russen verhungerten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher ist aber, dass die Kollektivierung danach letztlich zu einer Modernisierung der Landwirtschaft f\u00fchrte und die Ern\u00e4hrungslage in der Sowjetunion stabilisierte und die Zeit der Hungersn\u00f6te damit zu Ende ging.<\/p>\n\n\n\n<p>1935 ver\u00f6ffentlichten die US-Zeitungen im Besitz von <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/geschichte\/2013-04\/verleger-william-randolph-hearst\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">William Randolph Hearst<\/a>, einem der reichsten M\u00e4nner der Welt und Anh\u00e4nger von Hitler und Mussolini, eine Serie \u00fcber die \u00bbukrainische Hungersnot\u00ab. Alle Behauptungen in dieser Serie und auch die verwendeten Fotos waren F\u00e4lschungen und stammten aus anderen Zusammenh\u00e4ngen. Der <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/kapitel\/weimarer-republik\/innenpolitik\/voelkischer-beobachter.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">V\u00f6lkische Beobachter <\/a>der deutschen Nazis \u00fcbernahm diese Schauerm\u00e4rchen, um gegen den \u00bbj\u00fcdischen Bolschewismus\u00ab zu agitieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem 2. Weltkrieg flohen die Nazi-Kollaborateure der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) unter ihrem F\u00fchrer <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/forscher-zu-stepan-bandera-fehlende-reflektion-laesst-sich-instrumentalisieren-li.242303\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stepan Bandera <\/a>nach Westeuropa und in die USA. Die UPA war beteiligt an Kriegsverbrechen und arbeitete mit der SS und der deutschen Wehrmacht bei der Ermordung von Juden zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bandera und die UPA-Aktivisten erneuerten die Geschichten aus den Hearst-Zeitungen und der Nazi-Presse und konstruierten aus der Hungersnot in der Sowjetunion einen gezielt gegen die Ukraine eingesetzten V\u00f6lkermord (Genozid) durch Verhungernlassen. Sie erfanden sp\u00e4ter den Begriff &#8222;Holodomor&#8220;, der sich aus den ukrainischen W\u00f6rtern &#8222;Holod&#8220; (&#8222;Hunger&#8220;) und &#8222;Mor&#8220; (&#8222;Tod&#8220;) zusammensetzt. Nach dieser Geschichtsf\u00e4lschung starben in der Ukraine mindestens 7 Millionen Ukrainer. Es ist wohl nicht zuf\u00e4llig, dass die Opferzahl etwas gr\u00f6\u00dfer ist, als die Zahl der von Nazi-Deutschland ermordeten Juden, und ebenso wenig d\u00fcrfte es ein Zufall sein, dass der erfundene Begriff \u00c4hnlichkeit mit dem Begriff Holocaust aufweist. Den ukrainischen Nationalisten ging es darum, einen nationalen Opfermythos zu kreieren, den man im Kampf gegen die damalige Sowjetunion und jetzt gegen Russland in Stellung bringen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil alles, was russisch ist, derzeit als Teufelswerk betrachtet wird, hat sich auch der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2022-11\/bundestag-holodomor-hungersnot-ukraine-voelkermord-anerkennung\" target=\"_blank\">deutsche Bundestag zum Oberhistoriker aufgeschwungen <\/a>und diese Trag\u00f6die einer Hungersnot mit dem <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/20\/046\/2004681.pdf\" target=\"_blank\">Beschluss \u00fcber die Anerkennung <\/a>des \u201eHolodomor\u201c als Genozid eine Geschichtsl\u00fcge der Nazis und ihrer Kollaborateure zu einer offiziellen Geschichtsauffassung umgelogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erwiesene <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/V%25C3%25B6lkermord_an_den_Herero_und_Nama#Dialog_um_Verhandlungen_zu_Vorbereitungen_der_Aufarbeitung_und_Vers%C3%B6hnung\" target=\"_blank\">Genozid der Deutschen an den Herero und Nama <\/a>w\u00e4hrend und nach der Niederschlagung von Aufst\u00e4nden der Herero und Nama gegen die deutsche Kolonialmacht in der Kolonie Deutsch-S\u00fcdwestafrika w\u00e4hrend der Jahre 1904 bis 1908, wo die Menschen vom deutschen Milit\u00e4r zum Verhungern in die W\u00fcste getrieben wurden, wird von Deutschland bis heute nicht als Genozid anerkennt, sondern Deutschland hat Namibia aufgefordert, den Genozid als \u201eGr\u00e4ueltaten\u201c zu bezeichnen. Und zahlen will Deutschland auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hungersnot_in_Bengalen_1943\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hungersnot von Bengalen 1943<\/a>, als die britischen Kolonialherren den Tod von gesch\u00e4tzten 1,5 bis vier Millionen Menschen hinnahmen, ohne als verantwortlicher Staat einzugreifen, kann durchaus als Genozid betrachtet werden, weil der Vorsatz des Verhungernlassens vorhanden war. Bei der Hungersnot von 1932\/33 in der Sowjetunion war kein Vorsatz gegeben, so wie bei den Hungersn\u00f6ten in der afrikanischen Sahelzone kein Vorsatz, sondern nackte Not gegeben ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der russische Botschafter in der Bundesrepublik, Sergej J. Netschajew, hat den Vorwurf des Holodomors in einem <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/439522.kampf-um-die-geschichte-absurde-faktenverdrehung.html\" target=\"_blank\">Gastbeitrag in der Jungen Welt vom 26.11.2022<\/a> als eine absurde Faktenverdrehung bezeichnet. [<em>jdm<\/em>]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1932\/1933 gab es in der Sowjetunion eine Hungersnot, der etwa 7 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind, davon ca. 3,5 Millionen Menschen in der Ukraine, 1,5 Millionen in Kasachstan und zwei Millionen in anderen Teilen der damaligen Sowjetunion. 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